Tee oder Zimt?
Gnome 2 reloaded: Maté und Cinnamon
Cinnamon
Bis zur Version 11 bestand Linux Mint aus einem Ubuntu-System mit Gnome-2-Desktop, den die Entwickler mit einigen eigenen Applets erweitert hatten. Während der Arbeit an Linux Mint 12 stellte Canonical jedoch Ubuntu endgültig auf die im eigenen Haus entwickelte Benutzeroberfläche Unity um, fast zeitgleich ersetzte Gnome 3 das alte Gnome 2. Das brachte das Linux Mint-Team in eine Zwickmühle: Unity nutzt ein neues, stark kritisiertes Bedienkonzept, Gnome 2 war veraltet und Gnome 3 noch unbenutzbar.
Die Mint-Entwickler entschieden sich schließlich für einen Kompromiss: Linux Mint 12 bringt sowohl Maté als auch Gnome 3 mit. Letzterem spendierte das Mint-Team ein paar selbst entwickelte Erweiterungen. Diese Linux Mint Gnome Shell Extensions (kurz MGSE) reanimieren das altbekannte Panel mit der Fensterliste sowie das aus den Vorversionen bekannte Startmenü.
Diese Lösung stellte die Mint-Entwickler jedoch nicht recht zufrieden: Die Möglichkeiten der Gnome-3-Erweiterungen fallen recht begrenzt aus, Maté basiert auf altem Programmcode, die Wartung zweier Desktops verursacht einen hohen Aufwand. Projektleiter Clement Lefebvre brachte im Linux-Mint-Forum die Situation auf den Punkt: "[Die] Gnome-Shell entwickelt sich in eine Richtung, die uns nicht passt, und wir wollen Sie weder so auszuliefern, wie sie ist, noch mit zahlreichen Hacks und Erweiterungen weitermachen." [10].
Embrace and extend
Clement Lefebvre entschied sich deshalb zu einem radikalen Schritt: Er baute den Gnome-3-Desktop nach seinen eigenen Vorstellungen um. Glücklicherweise klappt das einfacher, als es zunächst klingt: Gnome 3 besteht aus mehreren Komponenten, wobei die sogenannte Gnome-Shell die eigentliche Benutzeroberfläche stellt. Clement Lefebvre musste folglich "nur" die Gnome-Shell ändern – der Rest blieb, wie er war. Das Ergebnis heißt Cinnamon und ist somit eigentlich keine komplett neue Desktopumgebung, sondern nur eine neue Bedienoberfläche für Gnome 3 [11]. Lefebvre möchte dabei nicht einfach Gnome 2 kopieren, sondern etwas Neues erschaffen, das sich vor allem an den aus Linux Mint bekannten Bedienkonzepten orientiert [12]. Das Ergebnis trägt den Schönen Namen Cinnamon ("Zimt").
Nach den Vorstellungen des Mint-Teams soll Cinnamon zukünftig der neue Standarddesktop in Linux Mint werden. Den aktuellen Entwicklungsstand können Sie derzeit unter Linux Mint 12 ausprobieren, indem sie über die Softwareverwaltung das Paket cinnamon-session einspielen. Installationsanleitungen für Ubuntu 11.10, Fedora 16, OpenSuse 12.1, Arch Linux und Gentoo warten im Download-Bereich der Projekt-Homepage [13]. Der Kasten "Zimtstreuer" verrät die für Ubuntu und OpenSuse notwendigen Schritte.
Sobald Cinnamon auf der Festplatte weilt, wechseln Sie einfach im Anmeldebildschirm auf Cinnamon – bei Linux Mint und Ubuntu beispielsweise über das Zahnradsymbol.
Zimtstreuer
Wie man Cinnamon installiert, hängt von der Distribution ab. Unter Ubuntu gilt es zunächst ein PPA einzubinden und dann die beiden Pakete cinnamon-session und cinnamon einzuspielen:
$ sudo add-apt-repository "deb http://ppa.launchpad.net/merlwiz79/cinnamon-ppa/ubuntu oneiric main" $ sudo apt-key adv --keyserver keyserver.ubuntu.com --recv-keys 0AAFAD78 $ sudo apt-get update $ sudo apt-get install cinnamon-session cinnamon
Unter OpenSuse 12.1 genügt ein Klick auf den Link CLICK TO INSTALL auf der Cinnamon-Seite [14].



