Sonderweg

Die Entwickler von Linux Mint haben Maté nach ihren eigenen Vorstellungen konfiguriert. Wie aus früheren Linux Mint-Versionen gewohnt, gibt es hier nur ein Panel am unteren Bildschirmrand. Dessen größter Teil dient als Fensterliste, der Knopf zur Linken führt zu einem Menü mit allen Anwendungen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bei dem aufgebohrten Menü von Linux Mint 12 handelt es sich um das distributionseigene Gnome-2-Applet mintMenu.

Sämtliche Applets finden Sie im Panel ganz rechts. Mint 12 bedienen Sie daher genau so wie seinen Vorgänger Mint 11. Im Gegensatz zu Ubuntu enthält Linux Mint alle wichtigen Maté-Komponenten, darunter auch das schon erwähnte Screenshot-Programm. Das verwundert nicht: Schließlich gehört Mint-Projektleiter Clement Lefebvre zum Kernteam des Maté-Projekts.

Unter allen Distributionen findet man nach der Installation von Maté etliche Anwendungen doppelt vor (Abbildung 4), darunter das Terminal sowie das Screenshot-Programm. Eine Variante stammt dabei jeweils aus Gnome 3, die andere aus Maté. Meist muss man raten, hinter welchem Eintrag sich welche Spielart versteckt.

Abbildung 4: In Mint 12 tauchen Nach der Installation von Maté einige Anwendungen doppelt auf: Eine stammt von Gnome 3, eine von Maté.

Beim Screenshot-Programm erkennt man die Maté-Version immerhin am breiten Fenster, bei vielen anderen Anwendungen hilft nur der Aufruf des entsprechenden Info-Fensters aus dem Hilfe-Menü (Abbildung 5). Ubuntu mischt zudem die Standardprogramme wild: So öffnet ein Klick auf Orte | Persönlicher Ordner Nautilus aus Gnome 3 und nicht wie erwartet Caja aus Maté.

Abbildung 5: Welcher Archivmanager aus welchem Desktop stammt, das verrät erst ein Blick ins jeweilige Info-Fenster.

Tee-Ablage

Seit Version 1.1 speichert Maté seine Konfigurationsdateien im Unterverzeichnis ~/.config/mate. Die fertig geschnürten Fassungen in den Repositories nutzten trotzdem noch den alten Ablageort ~./mate2. Eigene Nautilus-Skripte funktionieren weiterhin, Sie müssen Sie lediglich aus dem Verzeichnis ~/.gnome2/nautilus-scripts nach ./config/caja/scripts kopieren. Bei Linux Mint 12 heißt das Zielverzeichnis ~/.mate2/caja-scripts.

Augenweide

Extensions aus Gnome 2 funktionieren unter Maté erst nach einer mehr oder weniger umfangreichen Anpassung. Einige Nautilus-Erweiterungen portieren die Maté-Entwickler selbst, Aus den Tridex-Repositories lassen sich bereits entsprechende Pakete nachinstallieren. Damit starten Sie aus Caja etwa Dateien mit Administratorrechten (caja-gksu), konvertieren Bilder (caja-image-converter), öffnen ein Terminal im aktuellen Verzeichnis (caja-terminal) oder binden Evolution und Pidgin ein (caja-sendto). Im Linux-Mint-Repository fehlten diese Erweiterungen bis zum Redaktionsschluss noch.

Auch Gnome-2-Themes erfordern leichte Anpassungen. Meist genügt es schon, in den zugehörigen gtkrc-Dateien jedes Gnome durch Mate zu ersetzen. Apropos Themes: Eine kleine Auswahl mit Standard-Themes finden Sie in den Paketen mate-themes und mate-themes-gnome. Letzteres müssen Sie unter Ubuntu und Debian per Hand einspielen. Unter Linux Mint klappt das nicht, da dort beide Pakete in den Repositories fehlen.

Und auch unter Ubuntu ließen sich in unseren Tests nicht alle Themes aktivieren. Das galt insbesondere für das im Maté-Wiki ausdrücklich empfohlene "Aldabra" aus dem Paket mate-themes, das Gtk-2/3-Anwendungen ein identisches Aussehen spendieren soll. Liegt ein Theme nicht für beide Gtk-Versionen vor, erscheinen Gnome-3-Anwendungen unter Maté in irgendeinem anderen zuvor eingestellten Theme – im Zweifelsfall nutzen sie ein hässliches Standard-Grau (Abbildung 6).

Abbildung 6: Ist ein Theme nur für Gtk 2 gedacht, sehen Gtk-3-Anwendungen wie das Nautilus-Fenster im Hintergrund recht karg aus.

Unter Linux Mint beschwerten sich schließlich noch die Erscheinungsbild-Einstellungen über die nicht installierte GTK-Themen-Engine "Murrine", obwohl das entsprechende Pakete eingerichtet war (Abbildung 7).

Abbildung 7: Die Themes sind unter Maté offenbar noch eine Baustelle. Hier unter Linux Mint beschweren sich beispielsweise die Erscheinungsbild-Einstellungen über eine fehlende GTK-Themen-Engine, in Ubuntu funktionieren viele Themes nur halb.

Die Dokumentation von Maté besteht derzeit nur aus dem offiziellen Wiki [6]. Es weist allerdings noch zahlreiche Lücken auf, ist teilweise schon wieder veraltet und spricht vereinzelt sogar nur Spanisch. Haben Sie Fragen zu Maté, stellen Sie diese wahlweise auf der Mailingliste [7] oder im offiziellen Forum [8]. Beide Anlaufstellen waren allerdings zu Redaktionsschluss noch nicht sehr hoch frequentiert. Die meisten Diskussionen fanden weiterhin in den Foren der unterstützten Distributionen statt – vor allem im entsprechenden Thread des Arch-Linux-Forums [9].

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 8 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Projekt des Linux-Mint-Gründers

    Meldungen zufolge arbeitet Clement Lefebvre, Hauptentwickler von Linux Mint an einem Fork von Gnome 3 namens Cinnamon, der einen Gnome-2-Look mitbringt.
  • Mint-Gründer legt seine Pläne dar
    Der Umstieg der Distribution Linux Mint auf eine selbstentwickelte Desktopumgebung hat für Diskussionen gesorgt. Hauptentwickler Clement Lefebvre erläutert nun die Planung zu Cinnamon.
  • Linux Mint 13
    Rund einen Monat nach Ubuntu 12.04 ist Linux Mint 13 erschienen, das auf der aktuellen Ubuntu-Version basiert. Es verspricht einen Gnome-Desktop nach alter Bauart und hinterlässt einen guten Eindruck.
  • Linux Mint 15 ist fertig

    Die auf Ubuntu aufbauende Distribution Linux Mint ist in Version 15 mit vielen Neuerungen verfügbar.
  • 201204RC ohne Gnome

    Die Macher von Linux Mint haben vor einigen Tagen die Debian Edition der Linux-Distribution (kurz LMDE) veröffentlicht.
Kommentare
Absturz wo...???
Fritz A. (unangemeldet), Sonntag, 17. November 2013 07:18:43
Ein/Ausklappen

Ich benutze Linux Mint Debian Edition, 32-bit mit MATE.
Guter Bericht, aber auf der letzten Seite konnte ich nicht nachvollziehen, was mit "gelegentliche Abstürze zu rechnen haben" gemeint ist.
Noch nie ist mir irgend was mit LMDE abgestürzt.


Bewertung: 246 Punkte bei 39 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...