Tropisch bunt
Desktopumgebung XFCE und Dreamlinux aus Brasilien
Lange Zeit galt XFCE [1] als Exote unter den Desktopumgebungen für Linux. Stets im Windschatten der beiden Platzhirsche Gnome und KDE segelnd, betrachteten viele Anwender es als zwar schlanke, aber umständlich zu bedienende Oberfläche mit technologischem Rückstand. Doch in den letzten Jahren hat der XFCE-Desktop mächtig aufgeholt, sodass er inzwischen funktionell Gnome 2.x kaum noch nachsteht. Neue Bedienkonzepte wie die von Gnome 3.x, KDE 4.x oder dem Ubuntu-Desktop Unity konnten die Verbreitung von XFCE keineswegs schmälern – im Gegenteil: Linux-Guru Linus Torvalds wandte sich im Jahr 2011 von Gnome 3 ab und XFCE zu [2], inzwischen setzt auch eine zunehmende Zahl von größeren Distributionen auf XFCE als Standard-Desktop.
Desktop plus
Ursprünglich als Panel entwickelt, wurde XFCE bereits in den 90er Jahren um einen Fenstermanager erweitert und erhielt schließlich auch eine Entwicklungsumgebung für eigene Applikationen. Da XFCE auf dem GTK+-Toolkit basiert und zusätzlich die Standards von Freedesktop.org integriert, bietet es ein hohes Maß an Kompatibilität zu anderen Oberflächen. So können Sie problemlos unter XFCE auch Gnome- oder KDE-Anwendungen ausführen. Die Existenz eines Frameworks für die Entwicklung hat zudem dafür gesorgt, dass es mittlerweile eine stattliche Anzahl von kleinen XFCE-eigenen Applikationen gibt. Zu den Anwendungen aus dem XFCE-Fundus, die man inzwischen auch in anderen Welten kennt, zählen beispielsweise der Webbrowser Midori, der Dateimanager Thunar und der Kalender Orage.
Das primäre Entwicklungsparadigma, einen möglichst ressourcenschonenden und zugleich auch schnellen Desktop anzubieten, haben die Entwickler weder bei der Arbeitsoberfläche noch bei den Zusatzprogrammen aus den Augen verloren. Daher benötigt XFCE auch in der neuesten, seit Januar 2011 freigegebenen Version 4.8 deutlich weniger Hardware-Ressourcen als die beiden größeren Geschwister Gnome und KDE. Selbst auf betagten Rechner wirkt das System agil.
Die Distribution
Neben BRLix ist Dreamlinux [3] wohl die bekannteste Linux-Spielart aus Brasilien. Der Schwerpunkt der Distribution, welche die Maintainer bereits seit mehreren Jahren kontinuierlich entwickeln und pflegen, liegt im Multimedia-Einsatz auf leistungsschwächeren Rechnern. Als Desktopumgebung kommt jeweils XFCE in der neuesten Variante zum Einsatz, wobei die Entwickler großen Wert auf ein ästhetisch ansprechendes Erscheinungsbild legen. Als Basis für das System dient Debian, das der Distributor jeweils um zusätzliche Module ergänzt, sodass Dreamlinux auch auf neuerer Hardware keine nennenswerten Treiberprobleme aufweist.
Dreamlinux sticht durch die in vielen Bereichen unorthodoxe Software-Auswahl ins Auge, die in der Standardinstallation eine ganze Reihe nahezu unbekannter Programme präsentiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie auf Ihre Lieblingsanwendungen verzichten müssen: Dank der Basis Debian stehen unter Dreamlinux in der neuen Version 5 knapp 35 000 Programme in den Repositories zur Installation bereit. Der XFCE-Desktop trägt den hohen Ansprüchen an ein ästhetisches Erscheinungsbild Rechnung, indem er von Haus aus bereits auf optische Effekte wie Schatten und Transparenz setzt. Die Dockingbar am unteren Bildschirmrand haben die Entwickler dem Apple-Design angepasst und mit entsprechenden Animationen aufgepeppt (Abbildung 1).



