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© Kovik, sxc.hu

Geteilte Ansicht

Dateiverwaltung der anderen Art mit dem Gnome Commander

22.02.2012
Mit zwei parallelen Ansichten verschafft Ihnen der Gnome Commander einen guten Überblick bei allen Aktionen im Dateisystem.

Seit den frühesten Unix-Tagen gilt das Paradigma: Alles ist eine Datei. Nicht nur Dokumente und Ordner, sondern auch die Grafikkarte, der entfernte Server, das optische Laufwerk melden sich gegenüber dem System in vielen Fällen als Datei mit den passenden Methoden zum Öffnen, Lesen, Schreiben und Löschen. Die entsprechenden Treiber setzen diese einfachen Systemaufrufe dann in die richtigen Aktionen um.

Das Verwalten von Dateien steht daher immer noch im Mittelpunkt der Arbeit am Rechner, und aus diesem Grund gehört ein Dateimanager zu den zentralen Werkzeugen jeder Arbeitsumgebung. Integrierte Desktops wie Gnome, XFCE oder KDE bringen eigene Programme mit, die in Aufbau und Bedienung recht ähnlich funktionieren.

In der Grundeinstellung zeigen sie häufig die Dateien eines Ordners als Symbole und eine Seitenleiste, die wahlweise das Dateisystem in einer Baumansicht, eine Reihe von Lesezeichen oder zuweilen die zuletzt geöffneten Dateien enthält. Im Wesentlichen entspricht dieses Verhalten dem der bekannten Pendants weit verbreiteter proprietärer Betriebssysteme.

Doch das gilt nicht in jedem Fall. Einige Dateimanager folgen einem anderen Konzept: Sie zeigen die Objekte in zwei Fenstern an. Diese ständig geöffneten Ansichten erleichtern Aktionen wie das Verschieben oder Kopieren. Symbolansichten gibt es hierbei in aller Regel nicht, sondern die Objekte sind in Listen angeordnet, die Sie nach verschiedenen Kriterien sortieren dürfen. Das bekannteste Programm dieses Zuschnitts war der terminalbasierte Norton Commander, dessen freier Klon namens Midnight Commander [1] noch heute strikt diesem Schema folgt. Doch auch grafische Tools gibt es zur Genüge.

Nicht nur für Gnome

Obwohl der Name es eigentlich suggeriert – der Gnome Commander [2] fühlt sich auch in anderen Welten zu Hause und steht zudem fast überall bereit (siehe Kasten "Verfügbarkeit"). Basierend auf GTK2, fügt er sich sowohl optisch wie von der Handhabung her in verschiedene Umgebungen ein. Schon nach dem ersten Start offenbart das Hauptfenster (Abbildung 1), dass es sich bei dem Programm um mehr als nur ein einfaches Werkzeug handelt.

Abbildung 1: Zwei parallele Fenster erleichtern den Überblick beim Kopieren und Verschieben.

Verfügbarkeit

Gnome Commander steht in den meisten Distributionen über die Paketverwaltung bereit. Die derzeit als stabil gekennzeichnete Version 1.2.8 wird sehr gut gepflegt und erfuhr am 6. Dezember 2011 bereits das fünfzehnte Bugfix-Release, dessen Quellcode Sie auf der Heft-DVD finden. Die aktuellen Ausgaben von Ubuntu, OpenSuse und Fedora liefern diese Version bereits mit.

Finden Sie über den Paketmanager nichts Passendes, erfreut die Installation aus den Quellen mit Genügsamkeit bei den Abhängigkeiten. Brandaktuelle Bibliotheken braucht es kaum, lediglich GTK+ 2 sowie einige ältere Bestandteile des Gnome2-Unterbaus.

Optional, aber empfehlenswert ist das Einbinden der Bibliotheken Exiv2, Taglib, Libgsf und Poppler, da diese für den korrekten Umgang mit Dateiformaten aus dem Multimedia- und Office-Bereich sorgen. Nähere Auskünfte dazu erteilt die Datei README im Quellpaket [4].

Zwischen den zwei Spalten schalten Sie mit der Maus oder der Tabulator-Taste um und können dann nach Herzenslust kopieren, verschieben oder umbenennen. Alle Aktionen erreichen Sie wahlweise über Tastenkürzel oder über das Menü. Als Ziel der Kopier- oder Verschiebevorgänge fungiert dabei das jeweils andere Teilfenster. In der Werkzeugleiste finden Sie außerdem noch einige spezielle Aktionen, wie das Öffnen einer Datei im vorher festgelegten Texteditor, das Öffnen eines Ordners im Terminal, das Versenden von Dateien über verschiedene Wege wie E-Mail oder Bluetooth sowie den Zugriff auf entfernte Server oder Freigaben im lokalen Netzwerk.

Die beiden Ordnerfenster zeigen standardmäßig Verzeichnisse vor Dateien an, beides alphabetisch geordnet. Andere Sortierkriterien stellen Sie per Klick auf die entsprechende Kopfzeile ein – nichts wirklich Spektakuläres, das tun andere Dateimanager auch. Aber Gnome Commander vermag zusätzlich die Dateien nach Endung zu ordnen, wodurch Sie falsche Sortierungen nach nicht korrekt erkannten MIME-Typen elegant umschiffen. Vorbei die Tage, in denen Textdokumente mit selbstgewählten Endungen als Einfaches Textdokument erschienen und extra Arbeit beim Sortieren verursachten.

Unterhalb der beiden Fenster bleibt ständig eine Befehlszeile geöffnet. Darin eingegebene Befehle setzt die Software stets im Ordner der aktiven Ansicht ab. Allerdings verschwinden eventuelle Rückmeldungen des Terminals im Nirwana. Falls nötig, finden Sie im Kontextmenü eines entsprechenden Fensters eine Option, über die Sie ein zuvor festgelegtes Terminalprogramm öffnen.

Zu guter Letzt beherbergt das Hauptfenster Schaltflächen zum Auslösen der wichtigsten Aktionen, die sich vorbildlicherweise mit den entsprechenden Tastenkürzeln schmücken. Erwarten Sie allerdings nicht zu viel vom äußerst linken Knopf mit der Aufschrift Ansicht: Er öffnet lediglich einen einfachen Textbetrachter beziehungsweise bei Bilddateien einen Bildbetrachter. Falls Sie damit eine andere Datei einsehen möchten, wie ein PDF-Dokument oder einen Musiktitel, erhalten Sie nur unbrauchbaren Buchstabensalat.

In einem Rutsch

Zu den bemerkenswerten Details des Gnome Commander gehört ein universelles Werkzeug zum Umbenennen von mehreren Dateien in einem Rutsch nach einem vorgegebenen Muster (Abbildung 2). Sie erreichen den entsprechenden Dialog über Bearbeiten | Werkzeug zum Umbenennen. Zuvor müssen Sie die gewünschten Dateien markieren. Es öffnet sich ein neues Fenster, das alle Möglichkeiten offenbart: Fortlaufende Nummerierungen, kontinuierliches Ersetzen von Namensbestandteilen und einiges mehr stehen hier bereit.

Abbildung 2: Die eierlegende Wollmilchsau zur erweiterten Dateiumbenennung in Aktion.

Die Routine zum Suchen und Ersetzen hilft, indem sie unerwünschte oder bedeutungslose Zeichen aus den Namen ausblendet und diese durch aussagekräftige Teile ersetzt. Um die Sache abzurunden, bietet das Programm die Möglichkeit zum ausgiebigen Gebrauch von regulären Ausdrücken, in die selbst die Inhalte der Metadaten zu Bild- und Audiodateien und weiterer Typen einfließen dürfen. Auf diese Weise verewigen Sie beispielsweise den Namen des Künstlers, das Genre und die Spielzeit einer MP3-Datei im Dateinamen:

$n - $T(Audio.AlbumArtist) - ($T(Audio.Genre), $T(Audio.Duration.MMSS)).$e

Sie müssen nicht unbedingt ein Guru für reguläre Ausdrücke sein, um obige Zeile zusammenzustellen. Unterhalb des Eingabefeldes finden Sie einige ausklappbare Menüs, über die Sie komfortabel die benötigte Sequenz zusammenstellen. Das Bedienen dieser vielfältigen Funktionen erschließt sich nicht sofort, aber hier hilft das sehr ausführliche und ständig aktualisierte Handbuch (Abbildung 3) weiter, das nahezu vollständig ins Deutsche übersetzt ist.

Abbildung 3: Wer sich über die vielfältigen Funktionen von Gnome Commander ausführlich informieren möchte, der greift zum Handbuch.

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