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© Jean-Pierre Chretien, 123rf.com

Rettungsanker

Partitionen sichern und wieder herstellen

19.01.2012
Dank Qt4-Fsarchiver verlieren zerschossene Partitionen und überbügelte MBRs jetzt ihren Schrecken. Das clevere Werkzeug lässt sich kinderleicht bedienen und kommt auch mit schwierigsten Aufgaben zurecht.

Die Grenzen konventioneller Datensicherungsmethoden zeigen sich spätestens dann, wenn ein Upgrade Amok läuft oder man wieder einmal eine Umdrehung zu weit an der Systemeinstellungsschraube gedreht hat: Der Rechner streikt und verweigert strikt die Arbeit. Jetzt ist eine Rescue-CD gefragt und viel Geduld, um den Zustand vor dem GAU wieder herstellen zu können – oder, wesentlich komfortabler: Ein Tool, mit dem sich eine zuvor erstellte Sicherung der Systempartition und des MBR in Minutenschnelle wieder einspielen lässt.

Hier kommt Qt4-Fsarchiver [1] ins Spiel, das aktuell in der Version 0.6.12-10 vorliegt. Bei der Anwendung handelt es sich um eine grafische Oberfläche für das Kommandozeilenprogramm Fsarchiver, dessen kompletten Code es enthält.

Fsarchiver versteht sich selbst als sicheres und flexibles System für Backup und Wiederherstellung kompletter Dateisysteme. Dazu sichert es den Inhalt von Verzeichnissen oder auch ganzen Partitionen in ein komprimiertes Archiv. Solche Backups lassen sich später problemlos auch auf mit einem anderen Dateisystem formatierte Partitionen wiederherstellen, die zudem eine andere Größe als die Ursprungspartition aufweisen dürfen. Daneben kann Fsarchiver auch den MBR sichern und wiederherstellen. Das Programm kommt nicht nur mit allen gängigen Linux-Dateisystemen inklusive Ext4 und Btrfs zurecht, sondern auch mit dem Windows-Filesystem NTFS (FAT unterstützt es allerdings nicht).

TIPP

Der Programmierer von Fsarchiver, François Dupoux, warnt hinsichtlich NTFS-Partitionen, deren Unterstützung in Fsarchiver könne noch nicht als stabil gelten und sei mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Der Autor dieses Artikels hat allerdings schon oft ohne Probleme mit NTFS-Partitionen gearbeitet und bislang auch keine negativen Rückmeldungen erhalten.

Damit bietet Fsarchiver Fähigkeiten, die ähnliche Lösungen wie Partimage schmerzlich vermissen lassen. Allerdings erfordert das vielseitige Werkzeug ähnlich wie das bekannte Clonezilla aufgrund seiner vielen Fähigkeiten einige Einarbeitung. Hier senkt Qt4-Fsarchiver als grafische Oberfläche die Einstiegshürde deutlich.

Installation

Für Ubuntu und dessen Derivate ab "Lucid Lynx" (10.04) sowie für Linux Mint 11 "Katya" stehen DEB-Pakete für 32- und 64-Bit-Systeme [2] zur Verfügung. Damit gelingt die Installation per Doppelklick auf die Paketdatei, über das Ubuntu-Software-Center oder mit dem Paket-Installationsprogramm im Handumdrehen. Möchten Sie Qt4-Fsarchiver unter einer anderen Distribution einsetzen, gilt es zum Quellcode zu greifen (siehe Kasten "Übersetzen aus den Quellen").

Eine Alternative bietet die Qt4-Fsarchiver-Live-CD. Sie gibt es in zwei Varianten, die auf den 32-Bit-Versionen von Ubuntu 10.10 "Maverick" und 11.10 "Oneiric" basieren [3]. Die Beschäftigung mit der Live-CD zahlt sich schon deswegen aus, weil für eine Wiederherstellung die zu restaurierende Partition nicht eingehängt sein darf: Somit lassen sich Root- und Home-Partitionen ohnehin nur via Live-CD wiederherstellen.

Übersetzen aus den Quellen

Stehen für die von Ihnen verwendete Distribution keine Qt4-Fsarchiver-Pakete zur Verfügung, installieren Sie das Programm mithilfe des Quellcodes [4]. Dazu legen Sie zunächst den Ordner ~/src an und entpacken den Tarball dorthin, wobei dort das Unterverzeichnis qt4-fsarchiver entsteht.

Nun müssen Sie die für Fsarchiver notwendigen Abhängigkeiten und einen Teil der Qt-Entwicklungsumgebung einrichten. Listing 1 zeigt die dazu notwendigen Befehl für Debian-basierte Distributionen sowie für OpenSuse. Weitere Informationen zu den Abhängigkeiten finden Sie bei Bedarf in der Datei Liesmich im entpackten Archiv.

Nach dem Einrichten der Abhängigkeiten installieren Sie Qt4-Fsarchiver mit den Befehlen

$ cd  ~/src/qt4-fsarchiver
$ qmake && make && sudo make install

Bei den meisten Distributionen richtet der Installer unter Anwendungen | Zubehör oder unter "Menü | Anwendungen | Zubehör einen Starter für Qt4-Fsarchiver ein. Alternativ starten Sie das Programm auf der Kommandozeile mit dem Aufruf sudo qt4-fsarchiver.

Falls nötig, passen Sie unter Gnome oder Unity anschließend das Erscheinungsbild von Qt4-Fsarchiver an. Dazu müssen Sie unter Umständen vorab das Paket qt4-qconfig einrichten. Dann starten Sie mit sudo qtconfig die Qt-Konfiguration (Abbildung 1) und wählen dort unter Appearance | GUI**Style den Eintrag GTK+ aus. Speichern Sie die Änderung mit [Strg]+[S] und schließen Sie das Konfigurationsprogramm. Anschließend wiederholen Sie den Vorgang mit dem Befehl gksudo qtconfig.

Damit ist die Installation erledigt. Die Handhabung von Qt4-Fsarchiver fällt nun dank der grafischen Oberfläche sehr leicht.

Abbildung 1: Für GTK+-basierte Desktops passen Sie das Aussehen von Qt4-Fsarchiver über die Qt-Konfiguration an.

Listing 1

Abhängigkeiten für Debian-basierte Distributionen einrichten:

$ sudo apt-get install libzip-dev libbz2-dev liblzma-dev liblzo2-2 liblzo2-dev libgcrypt11-dev e2fslibs-dev libblkid-dev libattr1-dev build-essential libqt4-core libqt4-dev btrfs-tools

Abhängigkeiten für OpenSuse einrichten:

# zypper in libqt4-devel make libzip-devel libbz2-devel xz-devel lzo-devel libgcrypt-devel e2fsprogs-devel libblkid-devel libattr-devel btrfsprogs

Konfiguration

Qt4-Fsarchiver benötigt für seine Arbeit Root-Rechte. Rufen Sie das Programm über den bei der Installation im Menü des Desktops angelegten Programmstarter auf, fragt es deswegen das entsprechende Passwort ab. Beim Start über die Kommandozeile mit qt4-fsarchiver müssen Sie ihm die entsprechende Berechtigung vorab manuell erteilen.

Die grundlegenden Einstellungen von Qt4-Fsarchiver erreichen Sie über dessen Menü unter Einstellungen | Basiseinstellungen (Abbildung 2). Hier wählen Sie beispielsweise für Rechner mit mehreren CPUs beziehungsweise Cores aus, wie viele davon das Programm für seine Arbeit einsetzen soll. Je mehr Rechenkraft Sie Qt4-Fsarchiver zur Verfügung stellen, desto schneller kann es werken.

Abbildung 2: Die Grundeinstellungen von Qt4-Fsarchiver fallen weitgehend selbsterklärend aus.

Bei aktiviertem Auswahlfeld Hinweise zur Sicherung standardmäßig aktivieren – dies ist die Vorgabe – legt das Programm zusätzlich zur eigentlichen Sicherungsdatei eine Textdatei an, in die es Hinweise zum Betriebssystem, dem Kernel, der Partitionsart und weitere Angaben hinsichtlich der zu sichernden Partition speichert. Diesen Punkt sollten Sie aktiviert lassen. Auch das Sichern des PBR wählen Sie an dieser Stelle aus. Die weiteren möglichen Einstellungen fallen selbsterklärend aus.

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