Rygel: Clients

Zwar behaupten einige Anwendung unter Linux, dass sie UPnP unterstützen, im Praxistest entpuppt sich das aber mitunter als Übertreibung. Dass es zumindest grundsätzlich funktioniert, zeigt eine Android-Anwendung namens UPnPlay, die Rygels Freigaben (und auch die der anderen Server) ohne große Mucken in der jeweils dafür vorgesehenen Anwendung abspielt: Bilder im Bildbetrachter, Musik im Audioplayer und Videos im Videoabspieler. Weniger souverän agierten die getesteten Desktop-Lösungen.

Der Multimediaplayer Totem beispielsweise lässt sich über ein Framework namens Coherence mit UPnP-Fähigkeiten ausstatten, wozu Sie die Pakete python-coherence und totem-plugins-extra installieren. Dann rufen Sie in Totem den Menüpunkt Bearbeiten | Plugins auf, setzen dort ein Häkchen bei Coherence DLNA/UPnP-Client (Abbildung 4) und starten den Player neu. Wählen Sie nun in Totem aus dem Aufklappmenü ganz rechts den Eintrag Coherence DLNA/UPnP-Client, sollten die UPnP-Freigaben im rechten Bereich erscheinen.

Während Totem im Test Audio- und Video-Dateien abspielte, weigerte es sich, Bilder anzuzeigen. Unter Ubuntu 11.10 funktionierte die Zusammenarbeit mit Coherence nicht, unter Ubuntu 11.04 hingegen schon. Hier spielte Totem im Test die Audio-Dateien von Rygel nach dem Aufrufen zwar recht zügig ab, beim Öffnen einer großen Liste gab der Player jedoch seinen Geist auf. Zudem hängte sich die Software auch gelegentlich beim Abspielen von Musikstücken auf und zeigt Bilder nicht an.

Abbildung 4: Das Coherence-Plug-in verwandelt Totem in einen UPnP-Player – zumindest unter Ubuntu 11.04. Unter 11.10 fand der Player die Erweiterung zum Testzeitpunkt nicht.

Auch das Mediacenter XBMC zeigte Bilder nicht an – und das gilt für beide von uns getesteten Versionen unter Ubuntu 11.04 und 11.10, die wir aus einem PPA installierten. Das Abspielen von Musik klappte mit XBMC nur eingeschränkt. Unter Ubuntu 11.04 brauchte das Mediacenter rund eine Minute, bevor sie das nächste Musikstück abspielte, während der Wartezeit fror XBMC komplett ein. Auch unter Ubuntu 11.10 pausierte die Software beim Abspielen von Musikstücken deutlich zu lange (Abbildung 5).

Abbildung 5: XBMC aus dem PPA legte beim Abspielen von Musikstücken über UPnP jeweils eine sehr lange Kaffeepause ein.

Zudem spielte XBMC unter Ubuntu 11.04 zwar MPEG4-Formate brav ab, jedoch keine Filme mit der Endung .mov. Das liegt wohl daran, dass Rygel als Ausgabeformate zurzeit nur MP3, MPEG TS und PCM unterstützt. Die XBMC-Version von Ubuntu 11.10 stürzte beim Versuch, Videos abzuspielen, komplett ab. Grund war hier aber vermutlich der fehlende 3D-Treiber für die verbaute ATI-Karte. Sowohl im Fall von Totem als auch von XBMC besteht also Verbesserungspotenzial, obwohl die letztgenannte Software sicher besser mit Rygel kooperiert.

Auch VLC kann offiziell UPnP-Streams abspielen. Mit Rygel als Server funktionierte die in Ubuntu 11.10 integrierte Version aber eher schlecht als recht und zeigte die UPnP-Ressourcen nicht an.

Ein auf Java basierender UPnP-Player namens Eezupnp machte hingegen eine gute Figur, spielte jedoch nur Musik ab. Sie entpacken das Softwarearchiv von der Webseite [7], wechseln in den neuen Unterordner und rufen dann die Anwendung im Terminal mittels des Kommandos ./CP auf. Der Player zeigt links die erkannten Ressourcen an, die Sie markieren und rechts in eine Wiedergabeliste schieben (Abbildung 6). Ungewöhnlich erscheint die Fähigkeit von Eezupnp, die Titel auf Wunsch auch lokal zu speichern: Das konterkariert den Sinn von UPnP, kann aber interessant werden, wenn es sich um Freigaben auf fremden Rechnern handelt.

Abbildung 6: Eezupnp funktionierte im Zusammenspiel mit allen Servern sehr gut, spielt allerdings nur Musik ab.

Ushare: Server

Ushare [8] richtet sich über das Verzeichnis /etc/init.d/ als eigener Dienst ein, den Sie mit administrativen Rechten starten müssen (Listing 1, Zeile 1). Geben Sie dabei allerdings keine Verzeichnisse zum Teilen an, erscheint nach dem Start nur die lapidare Meldung No shares available.... In diesem Fall stoppen Sie den Dienst wieder (Listing 1, Zeile 2) und rekonfigurieren ihn über ein Textinterface (Listing 1, Zeile 2).

Listing 1

$ sudo service ushare start
$ sudo service ushare stop
$ sudo dpkg-reconfigure ushare

Dabei geben Sie zunächst den Namen für die Freigabe ein (Abbildung 7). Im der nächsten Maske wählen Sie eine Netzwerkkarte aus, über die der Dienst läuft. Abschließend geben Sie – getrennt durch Kommata – noch die Verzeichnisse an, die Ushare verteilen soll.

Abbildung 7: Ushare lässt sich über eine textbasierte Benutzerschnittstelle einrichten. Neben der Netzwerkkarte, welche die Daten verteilt, geben Sie auch die freizugebenden Verzeichnisse an.

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