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© Sergey Jarochkin, 123rf.com

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Musik, Videos, Bilder im LAN streamen

18.01.2012 UPnP und DLNA versprechen das unkomplizierte Streaming multimedialer Inhalte im heimischen Netz. Das hört sich gut an, weist in der Praxis aber etliche Tücken auf.

Universal Plug-and-Play oder kurz UPnP ist eigentlich eine feine Sache. Möchten Sie beispielsweise einen Film auf dem Fernseher anschauen, der noch nicht auf dem am TV-Gerät angeschlossenen Wohnzimmer-Media-PC liegt, sondern auf dem Rechner im Arbeitszimmer, erspart Ihnen die Technik das langwierige Umkopieren via Netz oder gar USB-Stick. Stattdessen starten Sie auf dem Rechner mit dem Film einfach einen UPnP-Server und geben den Film zum Streamen frei. Der Client im Wohnzimmer entdeckt die Freigabe und spielt das Gewünschte über einen UPnP-fähigen Player ab. So funktioniert das zumindest in der Theorie.

UPnP und DLNA

Im UPnP-Forum, einer 1999 gegründeten Industrie-Initiative, haben sich rund tausend Anbieter aus dem IT- und Hardware-Bereich zusammengeschlossen, um einen technischen Standard aufzusetzen, der Multimediadaten der passenden Abspielsoftware bekannt macht. Dabei dürfen die abzuspielenden Medien auf einem anderen Rechner liegen als das Abspielgerät. Egal ob Multimediaplayer, Flatscreen-TV oder Smartphone – sie alle suchen mittlerweile dank UPnP im lokalen Netzwerk nach abspielbaren Inhalten. Der Standard soll nun die Medien und die zugehörige Abspielsoftware im LAN automatisch miteinander verbinden – im Idealfall muss der Anwender dazu nicht in den Prozess eingreifen.

Dazu basiert UPnP auf einem lokalen Peer-to-Peer-Netzwerk, das aus Clients, Kontrollpunkten und Servern besteht, die sich über ein gemeinsames Protokoll unterhalten. Letzteres beruht auf offenen Internetstandards wie XML, SSDP oder HTTPU und macht die UPnP-fähigen Geräte im Netzwerk miteinander bekannt. Diese holen sich zunächst selbstständig eine IP-Adresse und kündigen dann ihre Existenz im (W)LAN an. Während die Server ("UPnP AV MediaServer") Inhalte anbieten, spielen die Clients ("UPnP MediaRenderer") diese ab. Sie prüfen dazu, welche Funktionen der Server anbietet, und bieten eine Oberfläche an, um ihn zu steuern. Sogenannte Kontrollpunkte ("UPnP AV MediaServer ControlPoints") verbinden Clients und Server: Sie sind in der Lage, die Freigaben auf den Servern zu entdecken und zu lesen.

TIPP

Läuft auf dem Rechner mit dem Server eine Firewall, kann es sein, dass die Server-Freigaben nicht sichtbar werden. In diesem Fall geben Sie die beiden von UPnP genutzten Ports 1900/udp und 2869/tcp frei.

Im Zusammenhang mit UPnP taucht häufig auch der Begriff DLNA auf. Das Kürzel bezeichnet die Digital Living Network Alliance [1], ein 2003 von Sony und Intel gegründetes Industriegremium. Die Organisation vergibt in Form eines Logos eine Art Gütesiegel für Multimedia-Hardware, die bestimmte Richtlinien erfüllt, die "Home Networked Device Interoperability Guidelines". Diese liegen seit 2006 in Version 1.5 vor und lassen sich nur von Mitgliedern der DLNA oder zahlenden Interessenten einsehen. Anhand der Richtlinien können DLNA-Mitglieder bei Prüfstellen verschiedene Tests mit Geräten vornehmen lassen, die dann im Erfolgsfall das DLNA-Siegel erhalten [2]. Das besagt bei genauerem Hinsehen allerdings lediglich, dass die entsprechend zertifizierten Geräte reibungslos miteinander kommunizieren können. Da DLNA-Endgeräte jedoch nur ein Minimum an Multimedia-Formaten unterstützen müssen (JPEG, LPCM, MPEG-2), gibt es keine Garantie, dass sich das Gewünschte zuhause dann auch wirklich streamen lässt [3]. Hier gilt es die ins Auge gefassten Geräte vor der Anschaffung genau auf ihre tatsächliche Formatunterstützung hin abzuklopfen.

Gerade für Linux stehen überraschend viele UPnP-AV-Server als Software zur Verfügung – einige quelloffen, andere kosten Geld. Welche Features die Server mitbringen und wie sie sich im Vergleich zu kommerziellen Konkurrenten und Servern für andere Betriebssystemen einordnen, das zeigt eine große Übersichtstabelle bei Wikipedia [4]. Wir konzentrierten uns beim Test auf die GPL-lizenzierten Kandidaten Rygel, Mediatomb und Ushare. Als Plattform diente uns serverseitig Ubuntu 11.10, wo sich alle drei einfach über das Software-Center installieren lassen. Auf der Client-Seite kam ebenfalls Ubuntu mit verschiedenen UPnP-Clients zum Einsatz, daneben testeten wir eine freie Android-App namens UPnPlay [5].

UPnP als Mehrwert

Zwar konzentriert sich dieser Artikel auf die Fähigkeit von UPnP, Multimedia-Dateien anzubieten, aber UPnP steuert mittlerweile auch Router und setzt das Internet Gateway Device Protocol (IGD) um. Dieses automatisiert Portfreigaben, wenn bestimmte Anwendungen sie verlangen. Das ist nicht ganz risikolos: Meist trifft man auf die Empfehlung, die UPnP-Steuerung für Freigaben im Router besser zu deaktivieren. Das Firefox-Add-on Foxbox [10] verwendet das UPnP-Protokoll zum Beispiel, um die öffentliche IP-Adresse von Fritzbox-Routern auszulesen und zu erneuern. Seit neuestem verknüpft UPnP auch Drucker in Netzwerken miteinander.

Rygel: Server

Rygel [6] befindet sich bereits seit Längerem in der Entwicklung. Sie starten den Server über die Eingabe rygel auf der Kommandozeile. Mangels einer benutzerspezifischen Konfiguration verwendet Rygel zunächst die systemweite Datei /etc/rygel.conf.

Gemäß der dort getroffenen Angaben sucht der Server in Ubuntus Standardverzeichnissen nach Bildern (~/Bilder), Musik (~/Musik) und Videos (~/Videos). Wollen Sie die Voreinstellungen ergänzen, kopieren Sie die Konfigurationsdatei in Ihr Home-Verzeichnis und passen die Kopie mithilfe eines beliebigen Texteditors den eigenen Vorstellungen an.

Dazu ergänzen Sie im Bereich [MediaExport] die mit uris= beginnende Zeile (Abbildung 1) um die Namen der gewünschten Medien-Ordner. Soll Rygel beispielsweise auch das Verzeichnis ~/Downloads einbinden, muss die Zeile folgendermaßen lauten:

uris=@MUSIC@;@VIDEOS@;@PICTURES@;$HOME/Downloads;
Abbildung 1

Abbildung 1: Rygel richten Sie über eine Konfigurationsdatei ein. Dort ergänzen Sie unter anderem zusätzliche Verzeichnisse, die Sie im Netzwerk teilen wollen.

Im Anschluss an die Änderungen starten Sie den Server neu. Rygel prüft nun, welche Dateien sich in den Verzeichnissen befinden, und gibt eine Meldung aus, sobald er alle erfasst hat (Abbildung 2). Dabei lauert allerdings eine kleine Falle: Kopieren Sie bei laufendem Server neue Dateien in einen der Medien-Ordner, erfasst Rygel das zwar, doch ein UPnP-Client am anderen Ende der Versorgungskette bekommt davon erst einmal nichts mit. Sie müssen Rygel erst neu starten, damit auch die Clients die Änderung bemerken.

Abbildung 2

Abbildung 2: Nach dem Start durchsucht Rygel die vorgegebenen Verzeichnisse nach Medien.

Haben Sie keine Lust, die Konfigurationsdateien manuell zu bearbeiten, installieren Sie einfach ein grafisches Frontend, das beim Einrichten hilft. Dazu spielen Sie das Paket rygel-preferences ein und rufen dann das gleichnamige Programm auf. In einem weitgehend selbsterklärenden Fenster verwalten Sie nun die Rygel-Freigaben (Abbildung 3). Damit Änderungen auch greifen, müssen Sie Rygel jedoch auch in diesem Fall nach Abschluss der Konfiguration manuell neu starten.

Abbildung 3

Abbildung 3: Alternativ konfigurieren Sie den UPnP-Server auch mit Hilfe einer grafischen Oberfläche.

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LinuxUser 05/2014

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