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© Fernando Barozza, 123rf.com

Neues Triebwerk

Linux auf Intel-Macs einrichten

18.01.2012
Das Installieren einer modernen Distribution auf einem Intel-Mac funktioniert völlig problemlos: Nach einer halben Stunde besitzen Sie einen wunderschönen, flüsterleisen und Strom sparenden Linux-PC.

Wahre Mac-Fans empfinden es als Vergewaltigung, das Betriebssystem Ihres Lieblingsspielzeugs durch Linux zu ersetzen oder einen Parallelbetrieb von Linux und Mac OS X zuzulassen – Pragmatiker sehen es anders: Immerhin baut Apple faszinierende Hardware. Seit diese auf Intel-CPUs basiert und bezahlbare Preisregionen erreicht hat, greifen zunehmend auch Fans des freien Betriebssystem zu den schicken Apfel-Rechnern. Wir haben die Probe auf Exempel gemacht und Kubuntu 11.04, Mac OS X 10.5 "Leopard" und Windows 7 parallel auf einem Mac Mini installiert.

Unter Laien kursiert bezüglich Apple-Computern bisweilen noch das Gerücht, andere Betriebssysteme ließen sich mit Apple-Hardware nur mit viel Aufwand nutzen. Doch seit Apple auf Intel-Hardware läuft, gilt das nur noch bedingt: Im Sinn der friedlichen Koexistenz mit Microsoft stellt Apple mit Boot Camp [1] seit 2006 sogar eine proprietäre Software zur Verfügung, die das Installieren von Windows auf dem Mac dank Assistenten auch für Laien relativ einfach macht. Eine entsprechende Berücksichtigung von Linux sucht man jedoch bislang vergebens. Doch wo soll eigentlich das Problem im Installieren von Linux auf dem Mac liegen?

Boot Camp

Laut vorherrschender Stammtisch-Meinung erschweren vor allem die im Mac verbauten Hardware-Komponenten sowie das BIOS-Pendant EFI [2] den Einsatz von Linux auf dem Mac. Tatsächlich beweist Apple jedoch beim Abschneiden alter Zöpfe mehr Mut als andere Hersteller. Das zeigt sich insbesondere an zwei Meilensteinen in Sachen strategischer Technologiewechsel: Der 2001 erfolgten Einführung von Mac OS X sowie dem Umstieg auf Intel-Prozessoren im Jahr 2006. Mit der gleichzeitigen Vorstellung von Boot Camp war es damit erstmals in der Mac-Geschichte möglich, auf einem Apple-Rechner ein Betriebssystem für x86-Prozessoren zu starten und so Windows parallel einzurichten. Anfangs bildete Boot Camp allerdings noch keinen integralen Bestandteil von Mac OS X und musste relativ mühsam nachgerüstet werden.

Boot Camp kümmerte (und kümmert sich noch) um das Verkleinern der HFS+-Partition von Mac OS X, wozu es ein grafisches Interface für das Mac-Partitionswerkzeug Diskutil bereitstellt. Zum anderen rüstete Boot Camp anfangs Unterstützung für hybride GPT/MBR-Partitionen in Diskutil nach, was das Auswählen der Windows-Partition als Boot-Volumen mit Hilfe der Tools Startup Disk und Bless ermöglichte. Bless diente dabei zum Verstecken der rund 200 MByte großen EFI-Partition unter Mac OS X. Intel-Macs aus den Jahren 2006 und 2007 benötigten für den Einsatz von Boot Camp nämlich ein Firmware-Update, das in erster Linie das EFI-Boot-ROM BIOS-kompatibel machte.

Boot Camp verkleinert nicht nur die HFS+-Partition und legt eine NTFS-Partition an, sondern enthält auch eine Reihe von Windows-Treibern für die in den Intel-Macs verbauten Hardware-Komponenten. Anfangs galt es diese Boot-Camp-Treiber noch mühsam über einen externen Datenträger in den Installationsprozess einzubinden, doch seit Mac OS X 10.5 "Leopard" (Oktober 2007) enthält die Mac-OS-X-DVD bereits die Boot-Camp-Treiber für Windows sowie die Boot-Camp-Software selbst. Auch die Mac-OS-X-Partitionierungswerkzeug kommen seit "Leopard" von Haus aus mit Hybrid-Partitionstabellen zurecht. Daneben bringt der Mac seit 2007 ein erweitertes EFI mit BIOS-Support mit.

TIPP

Auf der Mac-OS-X-DVD finden sich im Verzeichnis /media/WindowsSupport/Boot Camp/drivers/ ausschließlich Windows-Treiber, darunter solche für Apples iSight-Webcams, Atheros- und Broadcom-Netzwerkcontroller sowie Grafikchips und Chipsets von Intel, ATI und Nvidia. Als Linux-Anwender benötigen Sie diese nicht, da aktuelle Linux-Versionen praktisch alle benötigten Treiber mitbringen.

(U)EFI & Co.

Mit der Einführung der Intel-Macs ging auch der Wechsel auf den BIOS-Nachfolger EFI (Extensible Firmware Interface) einher, wenngleich Apple im Gegensatz zu vielen Mainboard-Herstellen in der PC-Welt auch vorher schon nicht mehr auf das betagte, nicht 64-Bit-taugliche BIOS aus dem Jahr 1981 setzte.

Zwar haben insbesondere Mainboard-Hersteller seither eine Reihe von Tricks ersonnen, um moderne 64-Bit-Betriebsystem auch auf BIOS-basierter Hardware einzusetzen, einigen Hardware-Herstellern (vorrangig Intel oder AMD) erschien der betriebene Aufwand aber nicht nicht mehr tragbar, was zur Entwicklung von EFI führte. Dieses, respektive dessen aktuelle Version Unified EFI (UEFI), dient als zentrale Schnittstelle zwischen der Firmware, den einzelnen Komponenten eines Rechners und dem verwendeten Betriebssystem.

Bisher bietet neben Apple vor allem Linux (seit der Kernel-Version 2.6.25) Unterstützung für EFI und UEFI. So kombiniert etwa das Projekt Grub2EFI [3] einen EFI-Bootloader mit Grub2, sodass sich damit faktisch alle Distributionen auf EFI-Hardware starten lassen, die einen Kernel ab Version 2.6.25 benutzen. Microsoft dagegen unterstützt UEFI bislang nur bei den 64-Bit-Versionen von Windows Vista SP1, Windows Server 2008 SP1, Windows Server 2008 R2 und Windows 7.

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