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© Amri Wolfgang, 123rf.com

Professionell serviert

Lenovo Thinkpad Tablet im Test

19.01.2012 Das Thinkpad-Tablet von Lenovo richtet sich in erster Linie an professionelle Anwender. Mit seinen teils ungewöhnlichen Lösungen weiß das Android-Gerät aber auch den Privatier zu begeistern.

Tablets sind der letzte Schrei. Kaum ein Hersteller versäumt, mindestens eines der handlichen, tastaturlosen Geräte im Sortiment zu haben. Erst spät raffte sich auch der chinesische Hersteller Lenovo dazu auf, mehrere Android-Tablets auf den Markt zu bringen, davon zwei auch im deutschsprachigen Raum. Das je nach Ausstattung zwischen 470 und 750 Euro teure Thinkpad-Tablet soll dabei als Premiumgerät für Business-Kunden in der Oberklasse neue Maßstäbe setzen [1].

Zum Test erhielten wir von der Firma IP-Web GmbH aus Schwandorf [2] ein nagelneues Thinkpad-Tablet im eleganten schwarzen Gehäuse. Aus dem Karton purzelte neben dem Rechner in einer edel aussehenden, hochwertigen Lederhülle auch ein Mini-Netzteil mit Ladefunktion sowie ein passendes Sleeve im Lenovo-typischen rot-schwarzen Farbmix. Auch die optional erhältliche USB-Tastatur (79 Euro) fand sich im Paket.

Technische Daten

Typ Lenovo Thinkpad Tablet
Modell 18382DG / NZ72DGE
CPU Nvidia Tegra 2, Dual-Core-ARM, 1 GHz
RAM 1 GByte
Festplatte 64 GByte Flash
Display 10,1 Zoll Multitouch-TFT, 1280 x 800 Pixel
Software Android 3.1 "Honeycomb"
Kommunikation WLAN 802.11a/b/g/n, Bluetooth 2.0, UMTS/HSDPA
Schnittstellen Mini-HDMI, USB 2.0, Micro-USB, Mikro/Kopfhörer, Docking
Sensoren Beschleunigungssensor, Gyroskop, Assisted GPS, Umgebungslichtsensor
Kartenleser 3-in-1 (SD, SDHC, MMC)
Kameras Vorderseite 2 MPixel, Rückseite 5 MPixel
Akku LiPo, 2 Zellen, 24,1 W, 3250 mAh
Größe 260 x 182 x 14 mm
Gewicht 731 Gramm
Garantie 1 Jahr Courier Collect/Depot
Preis 695 Euro
Zubehör (Auswahl) Keyboard Folio Case 79 Euro, Thinkpad Tablet Pen 39 Euro
Bezugsquelle IP-Web GmbH, http://www.thinkstore.de

Gediegen

Schon beim ersten näheren Kontakt fallen am Thinkpad-Tablet einige Besonderheiten auf: So weist das Gerät ein 10,1 Zoll großes, berührungssensitives IPS-Display mit einer Auflösung von 1280 x 800 Punkten auf, das von einer gehärteten Oberfläche aus sogenanntem Gorilla-Glas der Firma Corning geschützt wird. Dieser Glastyp besteht aus Alkali-Aluminosilikat und trotzt nicht nur mechanische Beschädigungen erheblich besser als herkömmliche Display-Beschichtungen, sondern profiliert sich obendrein auch durch seine Resistenz gegen viele Chemikalien. Daher lässt sich die Oberfläche des Tablets auch ohne Bedenken mit Haushaltsreinigern säubern. Als Nachteil des Gorilla-Glases sticht das starke Spiegeln ins Auge, das jedoch bei normalem Tageslicht durch die überdurchschnittliche Helligkeit des Displays weitgehend kompensiert wird. Den Multitouch-Bildschirm des Thinkpad-Tablets können Sie sowohl mit dem Finger als auch mit einem Digitalisierstift bedienen. Letzterer zählt allerdings nicht zum Standard-Lieferumfang, sondern zu den kostenpflichtigen Extras (39 Euro). Bei Nichtbenutzung verschwindet der Stift in einem Schacht im Tablet, wo er fest einrastet, sodass er beim Drehen und Wenden des Gerätes nicht versehentlich herausfallen kann. Als weitere Besonderheit fallen vier unten am Gerät angeordnete Drucktasten auf, die der Navigation im Betrieb dienen. Das Tablet besitzt zudem zwei eingebaute Kameras an Front und Rückseite mit einer Auflösung von 2 Megapixeln vorn und 5 Megapixeln hinten.

Anschlussvielfalt

Tablets weisen in der Regel konstruktionsbedingt nicht die gleichen Anschlussmöglichkeiten auf wie Notebooks oder ausgewachsene Desktop-Computer. Das Thinkpad-Tablet glänzt hier mit einem USB-2.0-Anschluss, einer Mini-HDMI-Schnittstelle sowie einer Buchse für ein Headset mit 3,5mm-Klinkenstecker. Hinter einer bündig mit dem Gehäuse abschließenden Klappe an der Unterseite des Gerätes finden sich zudem bei einigen Modellen des Thinkpad-Tablets ein SIM-Karten-Einschub für den WWAN-Zugang sowie ein Slot für eine SD(HC)-Karte. Auch der USB-Anschluss wird bei Nichtbenutzung durch eine Klappe verdeckt, die man seitlich durch einen Schiebemechanismus öffnet. Ein weiterer Micro-USB-Anschluss, der dem Laden des Akkus dient, sowie eine proprietäre Schnittstelle für die optional erhältliche Docking-Station runden das Interface-Angebot ab.

Regulatorisches

Der Lautstärkeregler (in Gestalt einer Wippe) sowie der Ein/Ausschalter befinden sich ergonomisch günstig an der Oberseite sowie rechts oben am Gerät, so dass sie sich auch betätigen lassen, wenn sich das Gerät in der Ledermappe befindet. An der Front des Tablets befinden sich unten zudem vier Tasten zur Schnellnavigation. Diese sind vorbelegt und ermöglichen den sofortigen Start des Webbrowsers, das Drehen des Bildschirminhalts sowie den Sprung einen Bildschirm zurück sowie zur letzten genutzten Applikation. Diese Funktionen blendet Android jedoch auch in der Panelleiste unten links permanent ein, sodass man sie recht einfach per Stift oder Fingertipp erreicht. Zudem liegt der Druckpunkt der Tasten nach innen zum Display hin, was eher gewöhnungsbedürftig erscheint.

Innere Werte

Das Thinkpad-Tablet wartet mit Hard- und Software nach aktuellen Standards auf. So werkelt unter der Haube als CPU ein Dual-Core-ARM-Prozessor des Typs Tegra 2 von Nvidia mit einer Taktfrequenz von 1 GHz. Dazu gibt es 1 GByte Arbeitsspeicher, als Massenspeicher verbaut Lenovo SSDs mit 16, 32 oder 64 GByte Speicherplatz. Für die drahtlose Kommunikation mit anderen Komponenten stehen neben der bereits erwähnten WWAN-Option auch noch ein WLAN- und ein Bluetooth-Interface bereit. Dank des integrierten LiPo-Akkus mit 3250 mAh Kapazität geht dem Thinkpad-Tablet laut Herstellerangaben erst nach etwa sieben bis acht Stunden Dauerbetrieb die Puste aus.

Eine weitere Besonderheit des Thinkpad-Tablets ist der eingebauten GPS-Empfänger. Damit eignet sich der Lenovo-Flachmann auch als Navigationsgerät. Dazu gilt es lediglich noch die optional im Appstore erhältliche Sprachsoftware zu installieren, die sich auch für andere sprachgesteuerte Programme einsetzen lässt.

Als Betriebssystem liefert Lenovo Android 3.1 "Honeycomb" mit Kernel 2.6.36.3 in deutscher Version. Zudem installiert der Hersteller bereits eine stattliche Anzahl von Applikationen vor, sodass Sie gleich mit dem Gerät loslegen können, ohne sich erst mühsam die grundlegenden Apps zusammensuchen zu müssen (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Lenovo hat auf dem Tablet bereits eine Reihe praktischer Apps vorinstalliert.

Sensorisches

Lenovo stattet sein Premium-Tablet mit insgesamt sieben Sensoren aus, die unter anderem in Verbindung mit der eingebauten Kamera für eine automatische Helligkeitsanpassung des Displays bei veränderten Umgebungsbedingungen sorgen oder auch für die korrekte Ausrichtung des Bildschirminhalts. Insbesondere die automatische Helligkeitsanpassung des Displays kann dabei zum Energiesparen beitragen, denn das IPS-Display zeichnet für rund 80 Prozent des Energiebedarfs des Tablets verantwortlich. Mithilfe der Bewegungssensoren und des Sensors zur Ermittlung des Magnetfeldes passt das Tablet die Bildschirmausrichtung an. Besondere bei der Lektüre von E-Books macht sich der schnelle automatischer Wechsel zwischen Hoch- und Querformat positiv bemerkbar.

Zubehör

Für sein Business-Tablet hat Lenovo ein ungewöhnlich vielfältiges Zubehör angekündigt. So gibt es neben mehreren Sleeves und Ladegeräten als wohl wichtigste Komponenten für den ernsthaften Tablet-Nutzer eine Docking-Station und – einmalig im Tablet-Markt – eine vollwertige, auf das Gerät abgestimmte Tastatur. Diese erweist sich dabei als besonders pfiffige Lösung: Es handelt sich um ein Keyboard von der Größe etwa einer Tastatur für Subnotebooks. Die Tasten haben nahezu alle die übliche Standardgröße, sodass auch Vielschreiber ohne große Eingewöhnung sicher damit arbeiten. Zudem integriert Lenovo den von IBM entwickelten und seit Jahren in den Business-Notebooks eingebauten Trackpoint als Mausersatz in die Tablet-Tastatur. Der Trackpoint weist jedoch im Gegensatz zu jenem der Thinkpad-Notebooks eine glatte, wenig griffige Oberfläche auf und wird von zwei Maustasten ergänzt, die sich mittig unterhalb der Tastatur befinden. Die Tasten des Keyboards weisen einen deutlichen Druckpunkt auf, jedoch bei weitem nicht den Hub, wie er bei den ausgezeichneten Thinkpad-Tastaturen über Jahre üblich war. Dadurch wirkt das Schreibgefühl etwas schwammig. Zusätzlich hat Lenovo das Tastatur-Layout an Android angepasst – es fehlen also die Funktionstasten. Die Cursortasten geraten zudem sehr klein, so dass deren Nutzung gewöhnungsbedürftig ausfällt (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Fast wie bei einem Subnotebook: die optionale Tablet-Tastatur.

Lenovo liefert die Tastatur fest integriert in einer eleganten Ledermappe in Buchform, die in geschlossenem Zustand ein Magnetverschluss sichert. Nach dem Öffnen der Mappe befindet sich rechts die Tastatur, links ist ein fester Rahmen aus Kunststoff für das Tablet eingebaut. Nach Einschieben des Geräts nimmt dieses über den USB-Anschluss mit der Tastatur Verbindung auf. Da der Rahmen im unteren Bereich nicht fest an der Ledermappe angebracht ist und diese mittig einen Faltknick aufweist, lässt sich das Tablet mithilfe zweier Magneten zur festen Justierung und drei oberhalb der Tastatur angeordneten Rastschienen in variablem Winkel aufgestellen. Damit ähnelt das Gerät von Gestalt und Größe dann einem herkömmlichen Subnotebook und erlaubt einen ergonomischen stationären Betrieb (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Tastatur und Tablet bilden eine gut aufeinander abgestimmte Einheit.

Praxiseinsatz

Im praktischen Einsatz kann das Thinkpad-Tablet nicht uneingeschränkt überzeugen. So fällt es durch eine gewisse Lethargie im Betrieb auf: Beim Hochfahren braucht der Tegra-2-Prozessor gut eine Minute, um "Honeycomb" startklar zu machen – das schafft auch ein acht Jahre alter Pentium-III-Prozessor mit einem Mainstream-Linux-System. Die Stiftbedienung funktionierte tadellos, während das System auf Eingaben per Fingerdruck teilweise nicht oder nur nach mehrfachem Antippen reagierte. Im Einsatz mit der Tastatur zeigte sich, dass der neu konstruierte Trackpoint im Vergleich zu den Trackpoints der Notebooks von Lenovo sehr gewöhnungsbedürftig ist. Während die herkömmlichen Trackpoints drucksensitiv arbeiten, muss man beim Thinkpad-Tablet der Finger ohne jeden Druck führen, was gelegentlich in einer ungenauen und ruckartigen Steuerung des Mauszeigers resultiert. Wer häufig zwischen einem herkömmlichen Thinkpad-Notebook und dem Tablet wechselt, sollte eine Gewöhnungsphase mit einplanen. Beim Testgerät stach zudem die Leistung des WLAN-Moduls negativ ins Auge: Dieses zeigte nicht nur eine relativ schwache Sende- und Empfangsleistung, sondern wollte auch beim Streamen von hochauflösenden Videos partout nicht mehr als 54 Mbit/s an Daten übertragen.

Softwareseitig hat Lenovo bereits eine große Anzahl an nützlichen Apps vorinstalliert, so unter anderem Firefox, Amazon Kindle, AccuWeather, ArcSync, Benutzerhandbücher in englischer und deutscher Sprache, Docs To Go, Notes Mobile, PrinterShare, den Adobe Flash Player sowie diverse Messaging- und Mail-Applikationen, sodass Sie mit dem Gerät sofort arbeiten können. Der Lenovo App-Shop ebenso wie der Android-Market bieten zudem ein großes Angebot weiterer Programme.

Insbesondere empfehlen sich hier die Sprachausgabe Text2Speech und MyScript Stylus Mobile zur Handschriftenerkennung. Außerdem sollten Sie die Computrace-Funktion aktivieren, die in Kombination mit der Geräte-Firmware im Fall eines Diebstahls den Zugriff auf das Gerät aus der Ferne gewährleistet. Sie schalten diese Sicherheitsfunktion im Menü Einstellungen | Standort & Sicherheit | Absolute Software Persistenz | Status setzen ein. Ärgerlich ist die teilweise unvollständige deutsche Lokalisierung des Betriebssystems: Insbesondere in verschiedenen Einstellungsmenüs tauchen immer wieder Optionen in französischer Sprache auf. Hier hätte eine sorgfältigere Anpassung dem Anspruch, ein Tablet für Business-Kunden zu liefern, besser Genüge geleistet. Trotzdem lässt sich das System auch aufgrund der einfachen und übersichtlichen Einstellungsmenüs leicht konfigurieren (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Die Einstellungsmenüs fallen beim Lenovo-Tablet sehr übersichtlich aus.

Bei der Akku-Laufzeit gibt es keinen Grund zur Klage: Obwohl es sich um einen relativ kleinen Zweizeller handelt, arbeitete das Thinkpad-Tablet im Test mit einer Akkuladung tatsächlich acht Stunden im Dauerbetrieb. Diese lange Laufzeit dürfte wesentlich der CPU zu verdanken sein, die variabel bis auf etwa 250 MHz heruntertaktet.

Beim Surfen im Internet ebenso wie beim Ansehen von Videos gibt sich das Lenovo Tablet keine Blöße. Filme zeigt es ruckelfrei an, und auch das Scrollen auf umfangreichen Webseiten geschieht ohne Hänger. Im Test gelegentlich auftretende Verbindungsschwächen beim Internet-Zugang über UMTS waren Netzproblemen geschuldet und können somit je nach Standort variieren.

Fazit

Das Lenovo Thinkpad-Tablet macht insgesamt einen ausgewogenen und zielgruppenorientierten Eindruck. Die Hardware des Gerätes entspricht dem aktuellen Standard und lässt sich aufgrund der vielen Anschlussmöglichkeiten im Vergleich zu den meisten Mitbewerbern flexibler einsetzen. Ein besonderes Highlight stellt das große und leuchtstarke IPS-Display dar, das sich auch unter ungünstigen Lichtbedingungen noch nutzen lässt. Verarbeitung und Haptik des Gerätes geben keinerlei Anlass zur Kritik, und auch die interessanten Optionen machen das Tablet fast schon zu einem vollwertigen Subnotebook. Weniger erfreulich sind die unvollständige deutsche Lokalisierung des Betriebssystems sowie dessen ungenügende Abstimmung auf die Hardware, was zu teilweise deutlich spürbaren Hängern beim Arbeiten mit dem Gerät führt. Für Anwender, die ein überdurchschnittliches Tablet suchen und sich gleichzeitig Aufrüstoptionen offenhalten wollen, stellt das Lenovo Thinkpad-Tablet auch dank des attraktiven Preises die erste Wahl dar. 

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