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© Thoursie, sxc.hu

Dock-Arbeiter

Gnome und KDE mit AWN und Cairo Dock ausbauen

18.01.2012 Dank OpenGL-Effekten und Transparenz verleihen der Avant Window Manager und GLX-Dock dem Desktop eine brillante Note.

Das Dock von Mac OS X 10.5 "Leopard" präsentiert sich mit seinen optischen Effekten, wie dem spiegelnden 3D-Look und der Eigenschaft, dass sich Icons beim Darüberfahren mit der Maus automatisch vergrößern, als echter Hingucker. Darüber hinaus bietet es schnellen Zugriff auf Programme und Ordner.

Alle wichtigen Linux-Desktops bringen ein ähnliches Element mit – im Fall von KDE die Kontrollleiste sowie Kickoff, bei Gnome das Panel und das Dashboard. Allerdings verfolgen beide Desktops etwas andere Bedienkonzepte. Ein weiteres Dock wäre hier zudem nicht zwingend erforderlich. Der Reiz besteht vielmehr in der Alternative und – wie schon im Fall von Apple – dem optischen Eindruck.

Gerade der Einsatz von OpenGL-Effekten setzt ordentlich Rechenkraft bei der Hardware voraus. Bringt Ihr PC diese mit, steht einem Wechsel nichts entgegen. In diesem Fall bieten sich beispielsweise der Avant Window Navigator [1] und GLX-Dock (ehemals Cairo-Dock) [2] an. Beide orientieren sich funktional und optisch am Apple-Vorbild und haben bei der als Testplattform genutzten Version 11.10 von Ubuntu den Sprung in die Standard-Repositories geschafft.

Im Test kamen beide Docks auch unter KDE zum Einsatz. Das in sich geschlossene Konzept von KDE SC 4 macht eigentlich ein weiteres Dock überflüssig; es ging bei diesem Ausflug daher mehr um die Frage, ob es geht. Man sieht beiden Docks aber auf der ersten Blick aber an, dass sie primär zum Einsatz unter Gnome entwickelt wurden, denn beide sind per Default mit Anwendungen aus diesem Umfeld bestückt.

Avant Window Navigator

Das noch relativ junge Projekt Avant Window Navigator (AWN) präsentiert sich als Kombination aus Programmstart- und Fensterleiste. In Sachen Effekte bietet AWN unter anderem Animationen, setzt dafür aber einen Composite-Manager voraus.

Abbildung 1

Abbildung 1: AWN funktioniert sogar unter KDE und harmoniert hier aufgrund der Transparenzeffekte optisch gut mit Plasma.

AWN lässt sich inzwischen über das Paketmanagement installieren, wozu Sie das Paket avant-window-navigator anwählen. Unter Ubuntu 11.10 gelingt das Installieren der Version 0.4.1 aus den Repositories problemlos, das Dock fügt sich problemlos sogar neben dem Dash von Unity ein. Insofern können Sie im Netz kursierende Tipps, die auf die jeweils neuste (Entwickler)-Version aus dem Launchpad [3] verweisen, bei Ubuntu 11.10 getrost vergessen.

Zum Starten genügt das Ausführen von Avant Window Navigator, wahlweise via Unity-Dash-Suchfeld oder unter Zubehör | Avant Window Navigator. Soll Awn automatisch starten, aktivieren Sie den gleichnamigen Punkt im AWN Manager, den Sie wahlweise im Kontextmenü des gestarteten Docks mit Hilfe des Eintrages Dock-Einstellungen oder über das Unity-Menü Einstellungen aufrufen (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Über die entsprechende Option in der Konfiguration von AWN sorgen Sie für einen automatischen Start der Software.

Bei Bedarf wählen Sie unter Themen noch einen anderen Look aus. Hier finden Sie auch Optionen für Symbolgröße, Ausrichtung, Position, Stil und Verhalten. Das Panel vermag sich auf die komplette Breite oder Höhe des Bildschirms (abhängig von der gewählten Position) auszudehnen; alternativ beansprucht es nur den Platz, den die Icons benötigen.

Die im Dock zu platzierenden Anwendungen und Verknüpfungen verwalten Sie über das Untermenü Anwendungsverwalter, während Erweitert zusätzliche Optionen zum Erscheinungsbild bietet. Diese stellen Sie hier numerisch ein und haben damit die Möglichkeit, das Aussehen präzise an die eignen Vorstellungen anzupassen. Im Bereich Effekte regeln Sie die Transparenz und den Grad der Spiegelung der Symbole.

Eine Besonderheit an AWN stellt die Erweiterbarkeit durch Plugins und Applets dar. Bei einer Standard-Installation unter Ubuntu landen schon viele davon mit auf der Festplatte (Abbildung 3), weitere finden Sie online [4].

Abbildung 3

Abbildung 3: Bei Bedarf erweitern Sie AWN durch Applets.

Eine besondere Erwähnung verdient im Zusammenhang mit AWN das Plugin DockbarX [5]. Dabei handelt es sich eigentlich um ein in Python geschriebenes Gnome-Applet, das ähnlich wie etwa die Task-Leiste offene Anwendungen zeigt beziehungsweise ähnliche Programme gruppiert. Daher eignet es sich gut für den Einsatz mit AWN.

Die Software befindet sich nicht in den Standard-Paketquellen von Ubuntu. Um sie zu installieren, fügen Sie zunächst das PPA-Repository ppa:dockbar-main/ppa den Paketquellen hinzu. Anschließend stehen die Pakete dockbarx sowie dockbarx-themes-extra mit zusätzlichen Themen bereit. Installieren Sie das in den Ubuntu-Repositories enthaltene Plugin awn-applet-dockbarx steht dem Einsatz der Task-Leiste unter AWN nichts mehr entgegen.

GLX-Dock

GLX-Dock ist der neue Name von Cairo Dock, einem gegenüber AWN schon länger etablierten, grafischen ebenfalls sehr gefälligen Dock. Es orientiert sich wie AWN am Look von Mac OS X orientiert (Abbildung 4) und dient ebenfalls nicht nur als Programmstarter, sondern zeigt zusätzlich laufende Anwendungen an. Genau wie AWN bietet auch GLX-Dock die Möglichkeit der Erweiterung über Mini-Programme (Applets).

Abbildung 4

Abbildung 4: Das GLX-Dock beschert einem Gnome- oder KDE-Desktop einen Mac-typischen Launcher.

Eine Besonderheit von GLX-Dock liegt in der Tatsache, dass sich Launcher und Mini-Programme vom Dock abzulösen und – ähnlich den Plasmoiden von KDE SC – als Widgets auf dem Desktop platzieren lassen. Bei Platznot dürfen Sie außerdem mehrere Programmstarter zu Gruppen, den sogenannten Subdocks, zusammenfassen.

Zwar glänzt Cairo optisch im Zusammenspiel mit einem Composite-Manager ganz besonders, läuft aber ab der Version 2.0 im Gegensatz zum AWN zur Not auch ohne OpenGL-Effekte. Für das Dock steht ein umfangreiches Angebot verschiedenster Designs und Effekte bereit.

Die aktuelle Version 2.4.0 von GLX-Docks findet sich auch in den Paketquellen von Ubuntu 11.10 und ist identisch mit der PPA-Version. Damit erübrigt sich auch in diesem Fall ein Rückgriff auf externe Quellen. Zum Installieren genügt das Auswählen des Paketes cairo-dock im Paketmanager.

Zum Starten steht ein Icon unter Anwendungen | Systemwerkzeuge | Cairo-Dock oder Anwendungen | Zubehör | Cairo-Dock bereit. Möchten Sie das Programm automatisch starten, legen Sie es in den Autostart. Zur Konfiguration rufen Sie im Kontextmenü des Dock den Menüpunkt Einstellungen auf.

Cairo-Dock bietet im Vergleich mit AWN mehr Möglichkeiten, um in die Konfiguration einzugreifen. Öffnen Sie die Dock-Einstellungen über das Kontextmenü, finden Sie dort einen mit den vier Reitern Verhalten, Erscheinungsbild, Erweiterungen und Themen gut gefüllten Dialog, den Sie mit einem Klick auf Erweiterter Modus links unten zu einem ausgewachsenen Kontrollfeld aufblasen (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: GLX-Dock bietet an stattliches Sortiment an Optionen zum Konfigurieren der Software.

Unter KDE empfiehlt es sich, den per Default installierten Umschalter für virtuelle Arbeitsflächen zu entfernen. Die gesuchte Einstellung findet sich in den erweiterten Optionen in der Kategorie Desktop und heißt Wechsler. Damit sich zudem Kontrollleiste und Dock nicht ins Gehege kommen, verfrachten Sie wahlweise die eine oder das andere an den oberen Bildschirmrand.

Die zahlreichen Möglichkeiten erlauben es, GLX-Dock in zahllosen Belangen an die persönlichen Vorstellungen anzupassen. Steht genügen Grafik- und CPU-Leistung bereit, spricht nichts dagegen, in Sachen Optik aus dem Vollen zu schöpfen. Am schnellsten funktioniert eine grobe Vorauswahl über die Themenverwaltung, erreichbar im Einstellungsdialog im Reiter Themen. Hier finden Sie reichlich Themen mit und ohne OpenGL-Effekte. Selbst eine an Unity angepasste Variante ist darunter.

Ein aufwändiges Bewertungssystem mit bis zu fünf Sternen in den Kategorien Bewertung und Ernsthaftigkeit hilft beim Orientieren. Wer einen Look nahe an Apples Betriebssystem wünscht, wählt das Thema MacOSX (Abbildung 6), wobei beispielsweise der Dateimanager Nautilus das Finder-Icon bekommt. Andere Applikationen erhalten ebenfalls neue Symbole, wie das Time-Machine-Icon für die Konsole, das Mac-Mail-Icon für Thunderbird oder das Safari-Icon für Firefox. Insbesondere Letzteres ist aber eher verwirrend als witzig, und wer ohnehin abwechselnd mit Mac- und Linux-Rechnern arbeitet, sollte entweder ein anderes Icon-Set nutzen oder einzelnen Symbole gezielt austauschen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Bei Bedarf passen Sie GLX-Dock bis ins Detail an die Mac-Optik an.

Zum gezielten Austauschen eines Symbols aktivieren Sie das Kontextmenü des jeweiligen Starters und wählen darin den Eintrag Diesen Starter modifizieren, und geben Sie im Feld Name oder Pfad des Bildes den Pfad zu einer alternativen SVG-Datei ein. Dazu navigieren Sie ausgehend vom Default-Pfad für Symbole ~/.config/cairo-dock/ current_theme/icons zur gewünschten Datei. Einfacher ist indes ein Austauschen des kompletten Icon-Set, wozu im Reiter Erscheinungsbild in den Einstellungen im Bereich Symbole die Option Wähle ein Icon-Thema bereit steht. Für KDE-Nutzer böte es sich hier etwa an, das Icon-Set Oxygen aus KDE 4 SC zu verwenden.

Brauchen Sie die Task-Leiste (Abbildung 7) nicht, schalten Sie sie am besten ganz ab, um Platz auf dem Dock zu schaffen. Andersherum ist es angesichts der von Cairo gebotenen Möglichkeiten selbstverständlich unter KDE ebenfalls möglich, die KDE-Kontrollleiste abzuschalten.

Abbildung 7

Abbildung 7: Die per Default rechts angedockte Task-Leiste passen Sie bei Bedarf im Verhalten an Windows 7 oder Mac OS X an oder entfernen sie.

Genügend Leistungsreserven vorausgesetzt, schalten Blink- und Hüpf-Enthusiasten außerdem im Bereich Animationen und Effekte für Symbole eine Reihe von Effekten ein, die wahlweise beim Klicken oder beim Überfahren der Symbole mit der Maus agieren. Die zahlreichen Applets (Abbildung 8) verwalten Sie im Reiter Erweiterungen, wo Sie diese bei Bedarf auch konfigurieren. Wem das vorhandene Angebot nicht ausreicht, der holt sich mit Hilfe des Kontextmenüs Mehr Applets holen weitere Erweiterungen von der Projektseite herunter laden.

Abbildung 8

Abbildung 8: GLX-Dock bietet ein reichhaltiges Repertoire an Erweiterungen (Applets).

Je nach Spaß am Experimentieren dürfen Sie sich hier nach Herzenslust austoben. Eine kleine Auswahl findet sich in der Tabelle "Erweiterungen". Im Übrigen ist es möglich, Applets mit individuellen Symbolen zu versehen.

Erweiterungen

Clock Analoge Uhr
Weather Wetteranzeige
Dustbin Papierkorb
Tomboy Tomboy-Notizen
ShowDesktop Desktop anzeigen
Logout Rechner ausschalten, beziehungsweise neustarten
QuickBrowser Persönlichen Ordner als Menü anzeigen
Switcher Zwischen Desktops hin- und herschalten

Neben den beschriebenen Funktionen gehört es jedoch zu dem wichtigsten Funktionen eines Launchers, neue Starter aufzunehmen. Bei GLX-Dock gelingt das recht einfach via Drag & Drop aus dem Gnome-Menü. Mit Kickoff funktioniert das allerdings nicht, weil sich das Dock explizit als Gnome-Addon versteht. Selbstverständlich klappt das Hinzufügen von Launchern aber über das Kontextmenü immer.

Eine weitere angenehme Eigenschaft von GLX-Dock besteht darin, dass Sie favorisierte Starter in Unterdocks organisieren können, die sich mit einem anderen Effekt entfalten, als das Hauptdock. Das Hinzufügen eines solchen Subdocks erledigen Sie über das Kontextmenü des Hauptdocks mit Hinzufügen | Untergeordnetes-Dock.

Fazit

Mit GLX-Dock oder AWN dem Desktop mehr Pepp zu verleihen scheitert in manchen Fällen an den Anforderungen an die Hardware. Zwar läuft zumindest GLX-Dock bei Bedarf ohne OpenGL-Effekte, erfüllt aber gerade dann eben nicht den Eyecandy-Effekt. Genügsamere Alternativen gibt es zwar, wie etwa Sim Dock [6], Docky [7], Wbar [8] oder Gnome Do [9]. Sie bieten aber nicht viel mehr, als Linux ohnehin von Haus aus kann.

Letztendlich bleibt ein Dock unter Linux immer nur ein Aufsatz, und ob es in dieser Eigenschaft Umsteigern wirklich beim Orientieren hilft, darf man getrost anzweifeln. Unity-Verweigerern allerdings bietet GLX-Dock, OpenGL-Unterstützung vorausgesetzt, durchaus einen Anreiz zum Wechsel. 

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