AA_123rf-10496975_Xalanx.jpg

© Xalanx, 123rf.com

Pfennigfuchser

Drei Android-Tablets unter 250 Euro im Vergleich

19.01.2012 Tablet-PCs in Preisregionen unter 300 Euro stehen im Ruf, nicht viel zu taugen. Drei Vertreter aus diesen Gefilden treten an, das Gegenteil zu beweisen.

Apple hat mit seinem iPad einen Boom losgetreten, der in der Geschichte der IT seinesgleichen sucht: Das Tablet als der kleine Computer für unterwegs, der im Grunde das gleiche kann, wie der zuhause.

Apples Erfolg weckte natürlich Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz, die entsprechend ihre eigenen Tablets auf dem Markt platzierte. Die Mehrheit davon verwendet Android als Betriebssystem und bewegt sich in einem Preisrahmen zwischen 400 und 700 Euro – ein erkleckliches Sümmchen, das vielen Anwendern für so ein Gerät zu hoch erscheint. Abseits der hochpreisigen Markenartikel hat sich aber auch ein Markt etabliert, der Tablets für wesentlich weniger Geld offeriert – natürlich mit entsprechenden Abstrichen bei Ausstattung und Verarbeitung. Drei dieser Geräte (Abbildung 1) in der Preisspanne zwischen 170 und 250 Euro lassen wir gegeneinander antreten. Die wichtigsten technischen Daten der Testkandidaten finden Sie in der Tabelle "Android-Tablets: Spezifikationen".

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Pearl X7G (links) besitzt mit 7 Zoll nicht nur die kleinste Bildschirmdiagonale, sondern bringt mit 390*Gramm auch das niedrigste Gewicht auf die Waage. Deutlich robuster präsentiert sich da das Kyros Coby MID 8027 (Mitte), als wahres Performance-Wunder entpuppt sich das Archos 90 G9 (rechts).

Android-Tablets: Spezifikationen

Bezeichnung Touchlet X7G Coby Kyros MID 8027 Archos 80 G9
Vertrieb Pearl Coby Archos
URL http://www.Pearl.de http://www.cobyusa.com http://www.archos.com
Straßenpreis (ca.) 170 Euro 180 Euro 250 Euro
Abmessungen
Gewicht 390 Gramm 560 Gramm 525 Gramm
Länge/Breite/Tiefe 202/126/10 mm 207/157/14 mm 226/155/12 mm
Display
Diagonale 7 Zoll 8 Zoll 8 Zoll
Auflösung 800x480 800x600 1024x768
Seitenverhältnis 16:10 4:3 4:3
Interna
CPU 1,2 GHz, Single Core Cortex A8, 1 GHz, Single Core Cortex A9, 1 GHz, Dual Core
Hauptspeicher 512 MByte 512 MByte 512 MByte
Flash-ROM 4 GByte 4 GByte 8 GByte (optional 16)
MicroSD bis 32 GByte bis 32 GByte bis 32 GByte
USB-Host ja ja ja
Akku 2000 mAh/7,4 V 4000 mAh/3,7 V k. A.
GPS ja nein ja
Bluetooth ja nein ja
Lagesensor ja ja ja
WLAN 802.11b/g 802.11b/g 802.11b/g/n
3G nein nein ja, optional gegen Aufpreis
HDMI-Ausgang ja ja ja
Kamera Front, 640x480 Front, 1600x1200 Front, 1280×960
Software
Android-Version 2.3 2.3 3.2
Google-Tools ja nein ja
Benchmark (Punkte)
Antutu 2135 3000 4800
Vellamo 465 512 1000

Die Kandidaten

Den teuersten Kandidaten schickt Archos ins Rennen: Das 80 G9 [1] kostet stolze 250 Euro, bietet aber auch einiges mehr als die Konkurrenz. So verfügt es als einziges Gerät über einen Dual-Core-Prozessor mit 1 GHz Taktrate und das Tablet-Betriebssystem Android 3.2. Die beiden Konkurrenten kommen dagegen mit Android 2.3 daher, das sich von seiner Auslegung her eher für Smartphones eignet. Daneben kann das Archos als einziges Gerät im Test optional auf das G3-Mobilfunknetz zugreifen. Das dazu notwendige Zusatzmodul in Form eines USB-Sticks schlägt mit etwa 50 Euro zu Buche. Für einen Aufpreis von etwa 30 Euro bietet Archos das Tablet auch mit 16 statt nur 8 GByte internem Speicher an.

Mit aktuell 180 Euro bei Notebooksbilliger.de bewegt sich das Coby Kyros MID 8027 [2] preislich nur knapp über dem Pearl-Tablet. Es beeindruckt in erster Linie durch eine grundsolide und robuste Verarbeitung, versprüht allerdings auch ein wenig den Charme eines Küchenbretts. Darüber hinaus fehlen ihm als einzigen Kandidaten die Google-Tools. Der Grund dafür liegt vermutlich darin, dass dem Kyros auch als einzigem ein GPS-Empfänger fehlt, den Google zur Vorgabe für den Einsatz der Applikationen macht. Ebenso verzichtet das Tablet auf die inzwischen zum Standard gehörende Bluetooth-Schnittstelle, womit ihm lediglich WLAN zum Kontakt mit der Außenwelt bleibt.

Der dritte und letzte Kandidat, das Touchlet X7G [3], kommt vom Technik-Discounter Pearl und ist mit 169 Euro der günstigste unter den drei Prüflingen. Während die Konkurrenz hier mit 8-Zoll-Displays aufwartet, begnügt sich die Pearl-Flunder mit 7 Zoll – was aber kein Nachteil sein muss, wirkt es doch deutlich handlicher. Optional bietet Pearl das Tablet mit vorinstallierter Navigationssoftware, je nach Kartenmaterial, für 219 oder 229 Euro an.

Lieferumfang

Im Lieferumfang findet sich bei Archos und Pearl neben dem Tablet selbst ein Ladegerät und ein USB-Kabel. Daneben legt Pearl noch einen USB-Host-Adapter bei. Kyros liefert zusätzlich ein Aufbewahrungstasche, ein Reinigungstuch fürs Display und einen Kopfhörer mit.

Ginge es nach dem berühmten ersten Eindruck, stünde nach dem Auspacken das Pearl-Tablet schon als Sieger fest: Es fühlt sich genauso toll an, wie es aussieht. Die Chrom-Borte um das Display verleiht ihm ein edles Äußeres, der teils aus Alu gefertigte hintere Gehäusedeckel macht das Gerät zu einem echten Handschmeichler. Den wertigen Eindruck unterstreicht auch das Echtglas-Display, das bündig mit dem Gehäuse abschließt. Auch die seitlichen Bedienknöpfe hinterlassen einen guten Eindruck. Mit einer Dicke von etwa 10 Millimetern ist das Tablet das flachste im Testfeld und erweist sich mit nur 390 Gramm Gewicht auch als das Leichtgewicht des Trios. Freilich liegt das nicht zuletzt auch am kleineren Display.

Ebenfalls mit einem Echtglas-Display wartet das Kyros-Tablet auf, dessen Gehäuse mit 15 Millimetern Dicke bulliger und robuster wirkt. Wenn es auch nicht unbedingt einen Schönheitspreis gewinnt, erweckt das Kyros doch den solidesten Eindruck der Troika. Anders als das Pearls X7G verzichtet das Kyros auf mechanische Tasten im Display, was sicherlich der Haltbarkeit zugute kommt. Da die Knöpfe allerdings nur bei Berührung kurz leuchten, sind sie schon in dämmeriger Umgebung kaum mehr zu erkennen. Mit einem Gewicht von 570 Gramm bewegt sich das Coby-Tablet gefühlt an der Grenze des Akzeptablen.

Das Archos enttäuscht beim ersten Kontakt auf ganzer Linie: Das Gehäuse wirkt ebenso instabil und wackelig wie die mechanischen Tasten am Rand. Bereits ein leichter Druck auf den Rand oder Boden des Gehäuses genügt, um unschöne wellenförmige Verfärbungen aufs Display zu bringen. Der ausklappbare Ständer (Abbildung 2) wirkt ebenfalls wenig solide und instabil, wenngleich die Idee an sich durchaus sinnvoll ist. Immerhin punktet auch das Archos mit einem relativ robusten Echtglas-Display, das deutlich kratzerresistenter ausfällt als eines aus Kunststoff.

Abbildung 2

Abbildung 2: Durchaus praktisch – aber windig verarbeitet: Der Ausklappständer im Archos-Tablet.

Allerdings schließt die Glasplatte nicht bündig mit dem Gehäuse ab, sondern ist um etwa einen halben Millimeter nach innen versetzt. Das stört zum einen beim Überfahren mit dem Finger, zum anderen sammelt sich in der Fuge ziemlich schnell Schmutz, den man nur schwer wieder herausbekommt.

Das Acht-Zoll-Tablet von Archos bewegt sich mit einer Dicke von ungefähr 12 Millimetern im Mittelfeld, wirkt jedoch aufgrund seiner Größe sogar etwas schlanker als das Pearl-Tablet. Mit einem im Test ermittelten Gewicht von 525 Gramm liegt das Tablet deutlich über den 465 Gramm, die der Hersteller in seiner Produktbeschreibung angibt.

Performance

Wichtige Kriterien bei der Entscheidung für ein Tablets sind die Performance und der Speicherplatz für Apps. Was die Billigheimer in Sachen Geschwindigkeit bieten, müssen Sie in den Benchmarks Antutu und Vellamo unter Beweis stellen. Während Antutu vorwiegend die CPU/GPU-Performance unter die Lupe nimmt, konzentriert sich Vellamo auf das Rendern von Webseiten in den unterschiedlichsten Facetten.

Als einziger Prüfling besitzt das Archos-Tablet eine Dual-Core-CPU OMAP4 ARM Cortex A9 mit einer Taktung von 1 GHz. Entsprechend hoch waren unsere Erwartungen an die Performance, die das Archos 80 G9 aber sogar noch übertraf: Mit 4800 Punkten im Antutu-Benchmark schließt es zu den hochpreisigen Konkurrenten wie dem Motorola Xoom auf. Im Vellamo-Benchmark hängt es mit 1000 Punkten (Abbildung 3) sogar Überflieger wie das Samsung Galaxy Tab ab, das in dieser Disziplin auf etwa 950 Punkte kommt.

Abbildung 3

Abbildung 3: Im Benchmark überrascht Archos mit ausgesprochen guten Werten, die selbst den Vergleich mit der hochpreisigen Konkurrenz wie dem Motorola Xoom Tablet nicht scheuen brauchen.

Die gemessene Performance bestätigte das Archos im Praxistest. Auch zum Laden großer und skriptlastiger Seiten, etwa Spiegel Online, Amazon.de, Fokus.de oder eBay.de benötigte es nie länger als 15 Sekunden. Auch die Wiedergabe von Videos in Full-HD-Auflösung (im Test Big Buck Bunny 1080P, [4]) bewerkstelligte es ohne Ruckler oder Aussetzer. Ebenso verhielt es sich mit grafisch aufwändigeren Spielen wie etwa AirAttack HD [5], die das Tablet flüssig und ohne Aussetzer wiedergab.

Nicht ganz so rasant ließ es das Kyros angehen, was aber angesichts der Single-Core-CPU Samsung Cortex A8 mit 1 GHz Taktfrequenz nicht weiter verwundert. Das Coby-Tablet erreichte im Antutu-Benchmark aber immerhin akzeptable 3000 Punkte, im Vellamo-Test kam es noch auf 512 Punkte. Trotz der deutlich geringeren Benchmark-Werte öffnete die Flunder alle Testseiten in ähnlicher Geschwindigkeit wie das Archos. Auch den HD-Referenzfilm gab es ohne Aussetzer oder Verzögerung wieder. Das Spielen von AirAttack HD bereitete ebenfalls keinerlei Probleme.

Obwohl das Pearl-Tablet eine mit 1,2 GHz getaktete CPU mitbringt, konnte es im Benchmark nicht überzeugen und lag deutlich hinter der Konkurrenz. So attestierte ihm Antutu 2165 Punkte, Vellamo 465 Zähler. Die synthetischen Werte bestätigten sich auch in den praktischen Tests. So dauerte es oft mehr als doppelt so lange wie bei den beiden Konkurrenten, bis das Pearl X7G die Referenzseiten vollständig lud. Dennoch reichte die Performance aus, um HD-Videos ohne Verzögerung wiederzugeben. Anders sah es beim Testspiel AirAttack HD aus, bei dem das Pearl-Tablet spürbar an seine Leistungsgrenzen kam, sobald das Geschehen auf dem Bildschirm etwas unruhiger wurde.

Display

Während die Tablets von Archos und Coby mit einem 8-Zoll-Display und einem Seitenverhältnis von 4:3 aufwarten, begnügt sich der Pearl-Konkurrent mit 7 Zoll im 16:10-Format und einer Auflösung von 800x480 Bildpunkten. Das stellt hinter dem Archos mit 1024x768 Pixeln den zweitbesten Testwert dar. Zwar kommt das Kyros auf 800x600 Bildpunkte, allerdings bei einem entsprechend größeren Display.

In der Helligkeitsmessung lagen die Kandidaten vergleichsweise nah zusammen. Reinweiß angezeigt kommt das Archos auf 141 Lux, das Pearl auf 139 Lux und das Kyros auf 125 Lux.

Alle drei Prüflinge verbindet das spiegelnde Display. Allerdings stehen sie damit nicht alleine da: Es gibt bislang noch kein Tablet mit mattem Display. Ein wichtiges Qualitätskriterium eines Bildschirms stellt die Blickwinkelabhängigkeit dar. Während bei allen Kandidaten beim Kippen über die Längsachse der Bildschirm bis zu einem Winkel von annähernd 30 Grad ausreichend gut lesbar erscheint, ändert sich das beim Kippen über die Querachse. Hier genügen bereits wenige Grad, um das Bild deutlich abzudunkeln – dabei gab es zwischen den Prüflingen so gut wie keine Unterschiede. In diesem Punkt treten die Qualitätsunterschiede zwischen hochpreisigen Tablets, die eine wesentlich bessere Blickwinkelstabilität bieten, und der günstigen Konkurrenz am stärksten zutage.

Wie mittlerweile üblich besitzen alle drei Geräte ein kapazitives Multitouch-Display, das auch bei allen Geräten zufriedenstellend funktioniert. Lediglich das Pearl-Tablet weigerte sich im Test, Webseiten im Browser über das Auseinanderziehen zweier Finger zu vergrößern. In Google Maps funktionierte das hingegen problemlos.

Auf ein haptisches Feedback in Form von leichten Vibrationen beim Bedienen von Elementen verzichten alle drei Kandidaten. Angesichts der oftmals minderwertigen Implementierung dieser Funktion in Tablets aus dem günstigeren Preissegment erscheint das als richtige Entscheidung.

Energieverbrauch

Mit das leidigste Thema bei allen Mobilgeräten stellt die Akkulaufzeit dar. Anders als bei den kompakten Smartphones verbauen die Hersteller in den Tablets vergleichsweise leistungsstarke Akkus.

Allerdings schweigt sich Archos über die Kapazität des verbauten Energiespeichers vornehm aus. Pearl attestiert seinem Tablet in der Produktbeschreibung einen Dual-Core-Akku mit 7,4 Volt Spannung und 2000 mAh Kapazität, was eine 4000-mAh-Akku entsprechen soll. Coby gibt die Kapazität des Akkus ebenfalls mit 4000 mAh an. Die Energiespeicher sind in allen Geräten fest verbaut und lassen sich nicht austauschen, was die Haltbarkeit der Tablets bei häufiger Nutzung auf zwei bis maximal drei Jahre reduziert, da danach die Kapazität der Akkus heutiger Bauart rapide nachlässt.

Sowohl das Kyros- als auch das Pearl-Tablet verwirren bei den Tests mit nicht nachvollziehbaren Werten für den Energieverbrauch, weswegen wir diese Disziplin nicht bewerteten. Beispielsweise signalisierte die Ladestandsanzeige des Kyros im Leistungstest einen Energiezuwachs im Akku und sackte nach dem Ende des Tests abrupt beinahe auf Null ab. Zudem registriert das Coby-Tablet zuweilen weder, dass man es ans Ladegerät ansteckt, noch, dass man es wieder davon trennt. Erst ein Reboot behob im Test jeweils das Problem.

Ein ähnliches Spiel zeigte sich beim Pearl-Tablet, dessen angezeigter Ladestand nach dem Anstecken ans Ladegerät unvermittelt von fast leer auf 80 Prozent wechselte, nach dem Abstecken aber wieder auf fast Null zurückfiel. Darüber hinaus war es beim X7G nicht möglich, die Leistungsaufnahme im Leerlauf akkurat zu messen, da es nach etwa 30 Minuten im Standby abstürzt. Damit geht einher, dass sich häufig Datum- und Systemzeit verstellen. Zum Leben erwecken lässt sich das Gerät nach einem Crash ausschließlich über den versenkten Reset-Knopf links neben dem Ein/Aus-Schalter – die umgebogene Büroklammer wird entsprechend zum ständigen Begleiter.

Einzig das Archos-Tablet liefert verlässliche und nachvollziehbare Werte über seinen Energiebedarf. So verbraucht es beispielsweise bei den Spielen Jewels Deluxe [6] und AirAttack HD etwa 20 Prozent der Akkuleistung pro Stunde. Beinahe die gleiche Energie benötigt die Video-Wiedergabe mit 22 Prozent pro Stunde. Mit voller Ladung spielt der Flachmann entsprechend auch Filme in epische Länge problemlos bis zum Ende ab, wie etwa "Ben Hur" oder "Herr der Ringe".

Im Standby verbraucht das Archos in 24 Stunden etwa 15 Prozent der Akkukapazität. Allerdings bietet es in den Einstellungen unter Über das Tablet | Energieverwaltung den Schalter Tiefschlaf an. Aktiviert man diesen, sinkt der Energiebedarf im Standby auf etwa 2 bis 4 Prozent je 24 Stunden. Allerdings lässt sich das Gerät in diesem Zustand ausschließlich vom Nutzer wieder aktivieren, nicht jedoch von Apps wie etwa einem Wecker.

Bei allen Geräten dauert das Wiederaufladen eines komplett geleerten Akkus am mitgelieferten Ladegerät rund zwei Stunden. Anders als die Konkurrenz lädt das Archos-Tablet allerdings über die Micro-USB-Schnittstelle und ist damit zum einen mit allen handelsüblichen Smartphone-Ladegeräten kompatibel. Zum anderen klappt auch das Laden via PC, das jedoch ungefähr drei Mal so lange dauert.

Software

Wie erwähnt setzen die Tablets von Pearl und Coby auf Android 2.3 als Betriebssystem, lediglich Archos spendiert seinem Gerät Android 3.2. Was sich eher nebensächlich anhört, entpuppt sich im täglichen Leben als elementar: Im Gegensatz zum 2er-Entwicklungsstrang wurde Android 3.x speziell für den Einsatz auf Tablets optimiert. Pearl verspricht zwar in seiner Produktbeschreibung "Optimiert für Android 3.0" – nur ob, und wenn ja, wann eine Aktualisierung auf das neue System tatsächlich stattfindet, bleibt offen.

Dafür bietet der Discounter aber Updates in Form von Fehlerbereinigungen zum Download [7] an, deren Installation jedoch alles andere als trivial ausfällt. Welche Schritte es dabei zu beachten gilt, erklärt das im Download-Archiv enthaltene PDF-Dokument. Den wichtigsten Fehler, nämlich die regelmäßigen Systemabstürze im Standby-Mode, behob jedoch auch das aktuelle Update nicht.

Wie es richtig geht, zeigt Archos: Das 80 G9 prüft bei bestehender Internet-Verbindung regelmäßig, ob auf den Servern Aktualisierungen bereitstehen, und zeigt diese im System-Tray an. Hier genügt es, auf das entsprechende Icon zu klicken, um den Download und die anschließende Installation zu starten. Ein Neustart komplettiert die Aktualisierung.

Mau sieht es in dieser Hinsicht bei Coby aus: Der Anbieter stellt für sein Tablet keinerlei Updates in Aussicht. Auch bringt das Kyros als einziges Gerät im Testfeld die Google-Tools nicht mit. Entsprechend fehlen unter anderem Google Mail, Google Maps, Kalender, Kontakte, die Picasa-Integration in der Galerie und der Market – letztendlich vieles von dem, was Android so attraktiv macht. Den Market erstetzt der Hersteller durch die AppsLib (Abbildung 4), die zwar einige, jedoch bei weitem nicht alle Apps aus dem Android-Market bereitstellt.

Abbildung 4

Abbildung 4: Da dem Coby-Tablet die Google-Tools fehlen, besitzt es auch keinen Market. Das soll die AppsLib kompensieren, die jedoch bei weitem nicht so viel Software bietet wie das Google-Original.

Mager sieht es auch mit vorinstallierten Apps aus. Außer dem E-Book-Reader/Shop Aldiko hat das Tablet nicht viel zu bieten. Ähnlich puristisch zeigt sich das Pearl-Tablet, das abgesehen vom ES Datei Explorer ausschließlich die Standard-Apps von Android bietet – allerdings auch die von Google.

Auch das Archos-Tablet bringt nur wenige Zusatz-Apps mit. Eines davon ist Archos Remote, das es gestattet, das Tablet über eine Fernbedienungs-App auf einem anderen Android-Gerät fernzusteuern. Allerdings hat der Französische Hersteller seine Multimediaplayer gehörig aufgebohrt. Sowohl der Audio- als auch der Video-Player (Abbildung 5) geben auch Netzwerkstreams via SMB und DLNA wieder – eine Fähigkeit, die den Konkurrenten fehlt. Darüber hinaus stellt das Archos-Tablet eine App namens Media Server bereit, die es erlaubt, auf dem Gerät gespeicherte Musik, Filme und Bilder via DLNA im Netz freizugeben. Zum Nachbearbeiten vom Filmen steht daneben die App Video Studio zum Einsatz bereit.

Abbildung 5

Abbildung 5: Der Videoplayer im Archos-Tablet gibt nicht nur lokal gespeicherte Filme wieder, sondern auch über DLNA oder SMB freigegebene.

Speicher

Sowohl das Pearl X7G als auch das Coby Kyros bieten 512 MByte Arbeitsspeicher sowie 4 GByte NAND-Flash an. Ein Steckplatz erlaubt das Erweitern um bis zu 32 GByte mittels einer MicroSD-Karte. Diese Werte gelten auch für das Archos 80 G9, das jedoch von Haus aus bereits mit 8 GByte Flash-Speicher aufwartet.

Alle drei Tablets erlauben den Betrieb im USB-Host-Modus, der es ermöglicht, externe Massenspeicher wie USB-Sticks oder SD-Karten mit dem entsprechenden Adapter an das Tablet anzuschließen und als Speicher einzubinden. Pearl und Coby liefern auch das dafür notwendige USB-Kabel mit. Es gelang uns im Test aber nicht, einen Massenspeicher in das Coby-Tablet einzuhängen, was sowohl beim Archos 80 G9 als auch beim Pearl X7G anstandslos funktionierte.

Linux-Anwender haben dafür mit dem Archos-Tablet ein anderes Ungemach: Ab Version 3 unterstützt Android beim Anschluss des Tablets an den PC nicht mehr PTP zum Datentransfer, sondern stattdessen das Media Transfer Protocol MTP. Das hat zur Folge, dass Linux das Tablet erst einmal nicht erkennt. Wie Sie Linux dennoch überreden, das Tablet einzubinden, erklärt Christoph Langner in seinem Blog "Linux und ich" [8].

Fazit

Auf den zweiten Blick betrachtet, zeigt sich das Testfeld ausgewogener als zunächst erwartet. Wer auf einen GPS-Empfänger, Bluetooth-Unterstützung und die Google-Tools verzichten kann, dem bietet das grundsolide verarbeitete und recht schnelle Coby Kyros MID 8027 für 180 Euro sicherlich das beste Preis/Leistungs-Verhältnis.

Wäre da nicht die Geschichte mit den Systemabstürzen im Standby-Modus, könnte durchaus auch das Pearl Touchlet X7G eine Kaufempfehlung bekommen. Es reicht zwar in Sachen Leistung nicht an die zwei Kontrahenten heran, dafür bietet es ein schickes Äußeres und ist ein echter Handschmeichler.

Wirklich beeindrucken kann allerdings allein das Archos 80 G9: Es wirkt von allen Geräten am ausgereiftesten und bringt als einziges des getesteten Tablets ein Android-System der 3er-Serie mit. Archos verspricht zudem noch fürs erste Quartal 2012 ein Update auf Android 4.0. Daneben entpuppt sich das 80 G9 als kleines Leistungswunder: Es ließ in dieser Kategorie nicht nur das Testfeld mühelos hinter sich, sondern hängte selbst wesentlich teurere Konkurrenten in manchen Disziplinen ab. Warum Archos aber ausrechnet die paar Cent am Gehäuse spart und dem ansonsten tadellosen Tablet damit das Look & Feel eines Billigheimers verpasst, bleibt offen. 

Archos bringt 7-Zöller

Wie Archos kurz Weihnachten noch bekannt gab, bringt die Firma Anfang 2012 ein 7-Zoll-Tablet mit 8 GByte Flash-Speicher zum Preis von 199 Euro auf den Markt. Der Archos 70b soll vor allem durch sein geringes Gewicht und schlankes Design punkten. Als Betriebssystem dient Android 3.2, die Display-Auflösung beträgt 1024x600 Bildpunkte. Eine 1,2-GHz-CPU (ob Single- oder Dual-Core war bei Redaktionsschluss noch unklar) sorgt für die Rechenpower. Der Archos 70b verfügt über WLAN, einen HDMI-Ausgang sowie einen MicroSD-Slot.

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare