Gewagter Sprung
Design-Ziele und Probleme in Gnome 3.0
Applets und Icons
Wie bereits erwähnt kennt Gnome 3 keine Applets mehr. Außerdem gibt es wie bei KDE SC 4 keinen Desktop im eigentlichen Sinn mehr, auf dem Sie Verknüpfungen ablegen dürften. Das inzwischen weit verbreitete Tweak-Tool [3] macht es möglich, die Kontrolle des Desktops wieder an den Dateimanager abzugeben und dann Objekte auf dem Desktop anzulegen (Abbildung 3).
Binden Sie einen Wechseldatenträger ein, startet eine aufpolierte Version des Dateimanagers Nautilus. Im Rahmen des Abbaus von Systemeinstellungen haben Sie aber keine Möglichkeit mehr, die Größe und Position der Elemente zu verändern. Auch das Aussehen der Oberfläche lässt sich nicht mehr über Themes anpassen, und die Schrift-Größe können Sie nur in groben Schritten vorgeben. Zudem hat sich die entsprechende Option bei den Einstellungen zur Barrierefreiheit versteckt.
Gnome 3.2
Seit Ende September 2011 ist das erste Gnome 3-Update mit der Nummer 3.2 verfügbar. Die Entwickler hatten Gelegenheit, auf zahlreiche Kritikpunkte aus der Community zu reagieren. So erlaubt es diese Version etwa, die Größe von Fenstern einfacher ändern, und in den Systemeinstellungen gibt es Verknüpfungen mit jeweils ähnlichen Einstellungen an anderen Orten.
So enthält etwa der Abschnitt Tastatur einen Verweis auf die Tastenbelegung. Im Gegensatz zu Gnome 3.0 beanspruchen Überschriften, Knöpfe und andere Steuerelemente nicht mehr viel vertikalen Bildschirmplatz, was vor allem der Bedienung auf kleinen Bildschirmen zugute kommt. Weiter enthalten Benachrichtigungen in der rechten unteren Ecke jetzt einen Zähler, damit Sie beispielsweise schneller erkennen, wie viele ungelesene Mails es gibt, ohne dazu erst das Mail-Programm zu öffnen.
Im Übrigen lassen sich Benachrichtigungen im Benutzermenü unabhängig vom Status einstellen. Außerdem haben die Entwickler die Hervorhebung bereits laufenden Anwendung deutlicher gestaltet. Weiter bleibt der Arbeitsflächenumschalter in der Übersicht mit voller Breite ausgefahren, sobald der Nutzer mehr als eine Arbeitsfläche verwendet.
Gnome 3.2 zeigt außerdem den Batterieladezustand mit einem Balken an. Die Desktop-Umgebung ist nun in der Lage, Online-Konten von Google & Co. als Speicherorte zentral zu verwalten, sodass sie automatisch in Anwendungen wie Dokumente, Kontakte, Empathy, Evolution und dem Kalender-Applet bereit stehen.
Sie haben richtig gelesen: In Gnome 3.2 sind Dokumente und Kontakte zwei neue Anwendungen. Die Anwendung Kontakte konzentriert sich gänzlich auf Personen mit dem Ziel, dem Nutzer stets eine Übersicht sämtlicher Personen bereitzustellen – unabhängig davon, aus welcher Datenquelle diese stammen. Das Programm Dokumente hingegen soll eine einfache und effektive Möglichkeit zum Suchen und Organisieren von Dokumenten bieten.
Darüber hinaus haben die Entwickler das Öffnen und Speichern von Dateien stark vereinfacht. So zeigt Gnome 3.2 beim Öffnen einer Datei in einem Programm stets eine Liste der zuletzt verwendeten Dateien. In ähnlicher Weise gibt es beim Speichern eine Liste zuletzt verwendeter Ordner.
Gespannt sein darf der Gnome-Fan auf die eine der am meisten diskutierten Neuerungen, dem Zeitgeist-Framework samt der auf diesem basierenden Journal-Ansicht. Es erschließt in Zukunft einen völlig neuartigen Zugang zu allen Daten, denn es identifiziert Daten und Dokumente nicht mehr mit Hilfe von Speicherorten, Pfaden, Ordnern oder Dateinamen, sondern ausschließlich mit Hilfe von Tags, wie etwa dem Datum der letzten Bearbeitung oder den Kontext, in dem Sie ein Dokument zuletzt bearbeitet haben.



