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© Pearl Agency

Kleiner Bolide

Android-Netbook Pearl Meteorit NB-10.HD

19.01.2012
Mit dem Meteorit NB-10.HD offeriert der Versandanbieter Pearl ein 10-Zoll-Android-Netbook für günstige 170 Euro. Taugt der Zwerg nur als Spielzeug, oder eignet er sich auch für den Alltag?

Als Quelle günstiger Android-Hardware hat sich der Versandanbieter Pearl Agency schon des öfteren profiliert, unter anderem mit dem Netbook Meteorit NB-7 zum Kampfpreis von knapp 100 Euro [1]. Für rund 70 Euro mehr gibt es jetzt auch eine Version mit 10,1-Zoll-Display, das Pearl Meteorit NB-10.HD [2]. Weitere Details zum Gerät finden Sie in der Tabelle "Technische Daten". Der wie beim kleinen Bruder sehr günstige Kostenpunkt lässt schon auf einen gewissen Minimalismus schließen, und tatsächlich fehlen dem Gerät über das Grundpensum hinaus erweiterten Funktionen wie GPS, Bluetooth oder Mobilfunk. Anders als das NB-7 bringt der NB-10.HD jedoch eine Webcam mit und verfügt sogar über einen Mini-HDMI-Ausgang, mit dem es sich an Bildschirme und TV-Sets anschließen lässt. Der 10-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 1024x600 Pixeln beeindruckt durch eine kristallklare, krispe Darstellung und lässt sich auch aus größeren Blickwinkeln gut ablesen. Wie beim Vorgänger können Sie den Display-Inhalt über eine Sondertaste in 90-Grad-Schritten rotieren. Beim NB-7 mit seinem auf volle 180 Grad aufklappbaren Bildschirm war das recht praktisch zum Lesen von E-Books. Da dass NB-10-Display aber nur einen Öffnungswinkel von rund 135 Grad aufweist, ist die Funktion hier relativ sinnlos.

Auf der trotz der geringen Gerätegröße recht großzügig ausgelegten Tastatur des NB-10.HD lässt sich auch mit nicht ganz so grazilen Fingern gut tippen. Die Tasten bieten zudem einen zwar weichen, aber deutlichen Anschlag. Den Platz der F-Tasten nehmen Tasten mit einer Sonderbelegung ein. Über diese lassen sich gezielt wichtige Apps aufrufen, wie Netzwerkeinstellungen, Dateimanager, Webbrowser, Mailclient, Mediaplayer oder Market. Bei letzterem handelt es sich um eine Pearl-Version des AndroidPit, die jedoch bei der Suche nach dort nicht vorgehaltenen Apps auf den Android-Market durchlinkt. Letzteren können Sie bei Bedarf auch direkt aufrufen.

Seinen Betriebszustand signalisiert der NB-10.HD über sechs LEDs an der rechten vorderen Gehäusekante: Die drei oberen dienen als Statusanzeige für Scrolllock, Capslock und Numlock, die drei darunter symbolisieren Einschaltzustand, Stromversorgung und WLAN-Betrieb.

Technische Daten

Modell Meteorit NB-10.HD
Betriebssystem Android 2.2 "Froyo" (Kernel 2.6.32.9)
CPU/Chipsatz ARM11 iMAPx210, 1 GHz (gedrosselt auf 800 MHz)
Speicher 512 MByte RAM(1), 4 GByte Flash
Display 10,1 Zoll, 1024x600 Pixel
Bedienung QWERTZ-Tastatur mit Umlauten, 14 Funktionstasten, Touchpad mit 2 Maustasten
Schnittstellen SD/MMC/SDHC (bis 32 MByte), 3 x USB 2.0 (2 x Typ A, 1 x Typ Mini-B für Uplink ), Mini-HDMI
Webcam 1,3 Megapixel
Audio integrierter Stereo-Lautsprecher, integriertes Mikro, 1 x 3,5 mm Klinke (Kopfhörer/Mikro)
Netzwerk 100-Mbit/s-Ethernet, WLAN 802.11b/g/n
Akku LiIon 7,4V 3500 mAh (Standzeit 7h(2))
Maße / Gewicht 280 x 195 x 24 mm / 950 g
Video-Formate AVI, MOV, MP4, MPG, WMV
Audio-Formate AAC/AAC+, MP3, WAV, WMA
Bild-Formate BMP, GIF, ICO, JPG, PNG
Lieferumfang<+>(2)<+> 230V-Netzteil, USB-Kabel, deutsches Handbuch(3)
Preis 169,90 Euro
Bezugsquelle Pearl Agency, 79426 Buggingen (Best.-Nr.: PX-8750-912)
Webseite http://www.pearl.de/a-PX8750-1517.shtml
(1) nicht erweiterbar (2) Herstellerangabe (3) fehlte beim Testgerät

Apps und mehr

Drei Home-Bildschirme lassen sich mit verschiedenen mehr oder weniger sinnigen Widgets belegen, wie Uhr, Kalender, Google-Suche, Newsreader- und Facebook-Ticker oder Wettervorhersage (Abbildung 1). Am oberen Bildschirmrand residiert ein System-Tray, am unteren eine Starterleiste für sechs frei belegbare Apps. Über das mittlere Symbol schaltet man zwischen Home- und Apps-Bildschirmen um. Auf letzteren lassen sich die eingerichteten Apps nach Belieben verteilen.

Abbildung 1: Der Nutzen der Widgets auf den Homescreens des NB-10.HD hält sich in engen Grenzen. So handelt es sich bei Kalender lediglich um ein Anzeigeblatt.

Zum sinnvollen Gebrauch des NB-10.HD empfiehlt es sich, aus dem Market gleich einige Apps herunterzuladen (Abbildung 2). Das betrifft zum einen einen etwas komfortableren Webbrowser als den standardmäßig angebotenen. Hier macht beispielsweise Opera Mini eine gute Figur. Zum anderen fehlt ein Texteditor, der auch mit Linux-typischen Kodierungen zurecht kommt. Hier hilft freie Software weiter, in Form des komfortablen und vielseitigen Jota-Texteditors.

Abbildung 2: Auf den Appscreens des NB-10.HD sammelt sich im täglichen Gebrauch schnell eine ganze Menge an.

Auch ein Terminal erweist sich als praktisch, um mal kurz eben den Status der Netzwerkschnittstellen zu prüfen oder einen Rechner anzupingen. Als komfortable App zum Datentausch bewährte sich im Test FtpCafe, und Social-Network-Enthusiasten werden sicherlich nicht ohne die Apps für Facebook und Google+ leben wollen.

Unartigkeiten

Als recht unkomfortabel erweist sich der Wechsel zwischen laufenden Tasks, der entweder eine wahre Tastatur- und Maus-Orgie mit Umweg über den Homescreen erfordert oder alternativ den Einsatz beider Hände und ein Herumhämmern auf den Pfeiltasten (Abbildung 3). Das Einschalten des NB-10.HD gerät zum Geduldsspiel – der Kaltstart dauert erstaunlicherweise gut 45 Sekunden, bei eingelegter SD-Card sogar bis zu einer Minute.

Abbildung 3: Ein Taskwechsel erfordert den Einsatz beider Hände: Mit links gilt es die Home-Taste gedrückt zu halten, mit rechts über die Pfeiltasten im Taskswitcher das Gewünschte auszuwählen.

Das Ausschalten andererseits ähnelt einem Geschicklichkeitsspiel: Ein entsprechender Menüpunkt fehlt, sodass es die Power-Taste unterhalb des Bildschirms rund drei Sekunden lang zu drücken gilt. Mit etwas Glück erscheint dann ein Dialog zum Shutdown. Hat man Pech und drückt zu lange, schaltet sich der NB-10.HD ohne Nachfrage aus und verliert dabei alle Einstellungen aus der laufenden Sitzung. Drückt man zu kurz, schaltet sich lediglich der Bildschirm aus – die einzige Stromsparstufe, die das NB-10.HD beherrscht. Über die Display-Einstellungen des Geräts lässt sich auch eine automatische Bildschirmabschaltung nach 1, 10 oder 30 Minuten einstellen. Einen richtigen Sleep-Modus kennt das NB-10.HD ebenso wenig wie sein Vorgänger.

Das Touchpad des NB-10.HD glänzt nicht eben durch Komfort: Der Mausersatz reagiert nur sehr zögerlich auf Fingertipper und erfordert sehr lange Wege mit dem Finger, um den Mauszeiger über den Bildschirm zu bewegen. Daran kann der Anwender auch nichts ändern: In den Einstellungen fehlt ein Punkt, um die Sensitivität de Touchpad beeinflussen zu können.

Die Bedienung des NB-10.HD erfordert aufgrund des Betriebssystems reichlich Umgewöhnung – eigentlich handelt es sich eher um ein zu groß geratenes Smartphone ohne Telefoniefunktion als um ein Netbook. An vielen Stellen nervt die Auslegung von Android als Handy-Betriebssystem: So muss man etwa zwischen Eingabefeldern mit der Maus, [Eingabe] oder den Pfeiltasten wechseln, [Tab] funktioniert nicht – der Touchscreen lässt grüßen.

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