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© Linda Bucklin, 123rf.com

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Android-Geräte via Browser fernwarten

19.01.2012
Airdroid bringt Ihr Smartphone übers Netz direkt in den Browser. So schreiben Sie SMS auf der Tastatur, schauen Bilder am großen Bildschirm an oder kopieren Musik aufs Handy.

Moderne Smartphones bieten viele Funktionen, die sich zwar auch auf dem Handy gut laufen, sich aber bequemer auf dem PC nutzen lassen. Große Bildschirme und Tastaturen sind nur schwer in ein kompaktes Smartphone zu integrieren. Da stellt sich die Frage, ob man manche Funktionen des Smartphones nicht besser am PC nutzt – etwa das Verfassen von SMS oder das Betrachten gespeicherter Bilder. Dia kostenfreie App Airdroid [1] bietet eine extrem funktionsreiche Oberfläche, die genau das und noch viel mehr ermöglicht. Eine unter der GPL lizenzierte Alternative beschreibt der Kasten "Alternative Webkey".

Alleskönner

Airdroid ist eine mit viel Aufwand und moderner HTML5-Technik gestaltete App, die das Zusammenspiel zwischen Android-Gerät und Desktop-Computer vereinfacht. Gerade wenn Sie nur schnell ein paar neue Lieder auf das Telefon kopieren oder komfortabel am PC eine SMS verfassen möchten, erweist sich Airdroid als praktische Stütze.

Anders als viele andere Fernwartungsprogramme für Android-Geräte erfordert Airdroid keinerlei Systemeingriffe oder Root-Rechte. Die App funktioniert mit jedem Android-Smartphone oder Tablet, auf dem mindestens Android 2.1 läuft – das dürfte inzwischen für so gut wie alle Geräte gelten. Die neue Android-Version 4.0 "Ice Cream Sandwich" unterstützt Airdroid bislang allerdings noch nicht voll. Da aber noch einige Monate ins Land gehen, bis dieses Release für eine relevante Anzahl von Smartphones bereit steht, gibt es bis dahin sehr wahrscheinlich auch eine vollständig kompatible Airdroid-Version.

Airdroid erlaubt unter anderem das Versenden Sie SMS, das Ändern, Speichern und Verwalten der Kontakte sowie das Verwalten der Dateien auf dem Smartphone, ohne dass Sie zum Handy greifen oder mit einem Kabel hantieren müssen. Die aus dem Android-Market installierbare App [2] richtet dazu auf dem Handy einen kleinen Webserver ein, den Sie bei Bedarf starten und über das eigene WLAN aufrufen. Der Zugriff erfolgt dabei ausschließlich aus dem eigenen WLAN heraus, über die mobile Breitbandverbindung lässt sich Airdroid bislang noch nicht nutzen.

Auf dem Handy

Beim Start blendet Airdroid die IP-Adresse Ihres Smartphones ein, über die Sie es im WLAN erreichen, sowie ein zufällig generiertes Passwort (Abbildung 1). Benutzen Sie Airdroid regelmäßig, wird es schnell lästig, immer wieder ein neues Passwort abzutippen. Einfacher geht es mit einem, das Sie selbst fest vergeben. Tippen Sie dazu ins Feld Password und aktivieren Sie den Schalter Predefined Password. Danach erscheint eine Eingabemaske, in der Sie das gewünschtes Passwort angeben. Unter Miscellaneous finden Sie den Schalter Start service on open. Aktivieren Sie ihn, so startet der Dienst automatisch beim Öffnen der App.

Abbildung 1: Airdroid zeigt Ihnen nach dem Start die eigene IP-Adresse sowie ein zufällig generiertes Passwort an.

Über die Schaltleiste am unteren Rand der App erreichen Sie diverse Tools zum Verwalten des Telefons. So lassen sich in der Rubrik Apps installierte Tools im Batchmodus deinstallieren, unter Tasks Dienste beenden oder via Device generelle Informationen zum System aufrufen. Allerdings bietet Airdroid hier keine Funktionen, die nicht auch über die Android-eigenen Konfigurationsmenüs zur Verfügung stünden. Airdroid bereitet sie nur optisch besser auf und führt sie an einer Stelle zentral zusammen.

Im Browser

Auf dem Airdroid-Desktop (Abbildung 2) im Webbrowser finden Sie Icons für den Zugriff auf die im Handy gespeicherten Daten wie Musik, Fotos oder Nachrichten. Über das Frontend verschicken Sie beispielsweise SMS-Nachrichten, betrachten die mit dem Smartphone aufgenommenen Bildern am Rechner oder importieren gar neue Klingeltöne.

Abbildung 2: Der Airdroid-Desktop im Browser bietet vielfältige Zugriffsmöglichkeiten aufs Smartphone.

Zu den praktischsten Funktionen der App zählt das Übertragen von Daten von oder auf das Gerät. Über WLAN transferieren Sie so neue Musik auf Ihr Handy oder laden die mit dem Smartphone geschossenen Bilder herunter. Alternativ enthält das Browser-Frontend aber auch einen Bildbetrachter, sodass Sie die Bilder erst gar nicht herunterladen müssen, um sie anzusehen. Eine ähnliche Funktion für Videos soll in späteren Versionen von Airdroid noch folgen.

Die Datenübertragung, selbst von ganzen Musikalben, geht flott vonstatten und muss sich bei einer entsprechend guten WLAN-Verbindung nicht gegenüber dem Datentransfer via USB verstecken. Bislang beherrscht Airdroid jedoch das rekursive Übertragen ganzer Orderstrukturen noch nicht, sondern transferiert lediglich die enthaltenen Dateien. Das schränkt die Eignung der App zum Kopieren der kompletten Musiksammlung deutlich ein.

Airdroid besitzt neben einem Bildbetrachter auch einen integrierten Musikplayer, mit dem Sie die auf Ihrem Smartphone gespeicherten Audiodateien am PC anhören. Ideal also, wenn Sie am Computer gute Boxen angeschlossen haben und die auf dem Handy gespeicherten Musikstücke mal etwas lauter genießen möchten.

Einschränkungen

Airdroid eignet sich in erster Linie zum Verwalten der Dateien auf Android-Geräten und lässt sich nur in begrenztem Umfang auch zum Managen von persönliche Daten nutzen. So erlaubt es die Weboberfläche beispielsweise, SMS-Nachrichten zu löschen, nicht jedoch, solche zu exportieren. Ähnlich verhält es sich mit den Kontakten: Hier stellt Airdroid zwar Funktionen bereit, um diese zu löschen oder zu bearbeiten. Eine Exportfunktion, um die Daten unabhängig von der Google-Cloud zu sichern, bietet die App jedoch nicht.

Alternative Webkey

Nicht ganz so hübsch verpackt wie Airdroid, aber mit wenigstens ebenso nützlichen Funktionen präsentiert sich die quelloffene, unter der GPL lizenzierte App Webkey [3]. Sie lässt sich aus dem Market installieren [4], braucht aber für den Betrieb zwingend Root-Rechte.

Ähnlich wie mit Airdroid verwalten Sie auch mit Webkey die Daten auf dem Telefon über den Browser des PCs (Abbildung 3). Darüber hinaus lässt sich das Smartphone sogar direkt über die Weboberfläche bedienen: Jeden Mausklick auf die Abbildung der Handyoberfläche im Browser übersetzt die App in reale Klicks auf das Handy-Display.

Als äußerst praktisch erweist sich der Export der Adressen oder Ruflisten des Telefons im CSV-Format. Auf diesem Weg importieren Sie Ihre Kontakte in die üblichen PIM-Anwendungen wie Thunderbird, Evolution oder Kontact, ohne dazu auf die Google-Cloud zurückgreifen zu müssen.

Abbildung 3: Webkey ist nicht ganz so schick wie Airdroid, dafür bietet es mehr Funktionen. Allerdings benötigt die App zwingend Root-Rechte auf dem Smartphone.

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