Layouts erstellen

Fotobuch-Anbieter gibt es inzwischen wie Sand am Meer, aber kaum einer unterstützt Linux mit einem nativen Gestaltungsprogramm. Die ein odfer andere Software läuft immerhin unter Wine, manchmal gibt es auch ein webbasiertes Interface. Das fällt aber oft wenig komfortabel aus, von der Qualität der Gestaltungsmöglichkeiten ganz zu schweigen. Zum Glück nehmen inzwischen eine Reihe von Anbietern (siehe Tabelle "Fotodienstleister") komplette PDFs beziehungsweise die einzelnen Seiten als JPGs entgegen.

Fotodienstleister

Anbieter Format Bemerkung
Blurb [4] PDF/X-3 Details nur nach Registierung.
Cewe [5] PDF/X-3 Keine Verlinkung von der Consumer-Fotobuch-Website. Bietet Linux-Software an [6].
Pixopolis [7] JPG Profiservice, erlaubt das Hochladen von JPGs. Explizit für Linux empfohlen.
Pixelspeed [8] PDF 1.3/1.4 Sehr gute Dokumentation.
Viaprinto [9] PDF/X-3 Gehört zu Cewe. Empfiehlt PDF/X-3, schreibt es aber nicht vor.

Das eröffnet die Möglichkeit, das Fotobuch zum Beispiel in Open- oder LibreOffice zu gestalten. Wer allerdings auf ein exaktes Layout über alle Seiten hinweg Wert legt, Bilder während des Erstellens eventuell austauschen möchte und ein reproduzierbares Ergebnis braucht, greift zu einem Skript. ImageMagick bietet hier alles, um die einzelnen Seiten zu gestalten.

Im Beispiel sollen alle Bilder zentriert auf einem neutralen grauen Hintergrund platziert sein. Ein zurückhaltender Rahmen setzt dabei Akzente, Beschreibung, Ort und Datum ergänzen das Bild (Abbildung 5). Listing 3 zeigt das entsprechende Programm. Die Größenangabe in Zeile 10 hängt dabei vom Fotobuch-Hersteller ab. Zudem geht das Skript davon aus, dass die einzelnen Bilder für die Seiten schon in Druckgröße (also kleiner als die Seite) vorliegen.

Abbildung 5: Ein komplettes Layout, realisiert mit einem Shell-Skript und ImageMagick.

Listing 3

#!/bin/bash
inFile="$1"             # Eingabebild
pageNr="$2"             # Seitennummer
title="$3"              # Titel
info="$4"               # Zusatz-Info (Ort, Datum)
outFile="seite-`seq -f %02g $pageNr $pageNr`.tif"
SIZE=4200x2800
BACKGROUND="gray75"
convert \( -size "$SIZE" xc:$BACKGROUND \) \
 \( "$inFile" -frame 7x7+0+3 -frame 3x3+0+3 \
 -gravity south -background "$BACKGROUND" -splice 0x80 \
 -font Arial-Standard -pointsize 64 \
 -gravity southwest -annotate +0+2 "Bild $pageNr: $title" \
 -gravity southeast -annotate +0+2 "$info" \
 \) \
 -gravity center -compose over -composite \
 "$outFile"

Zeile 14 erzeugt den grauen Hintergrund in der gewünschten Größe. Hinter xc: verbirgt sich dabei ein in ImageMagick eingebautes Format, das eine einfarbige Leinwand (engl.: "canvas") erstellt. Die Zeilen 15 bis 20 laden und verzieren das Bild, Zeile 21 setzt diese beiden Elemente übereinander.

Das Verzieren erfolgt in vier Schritten: Zuerst erhält das Bild einen Doppelrahmen (Zeile 15). Syntax und Beispiele zur Funktion -frame finden Sie ausführlich in der Dokumentation. Die Zeile 16 nutzt die Funktion -splice, um etwas Platz unter dem Bild (-gravity south) anzufügen. In diesen Freiraum schreiben die nächsten beiden Zeilen 18 und 19 den Titel und die Zusatzinformation (links unten: southwest, rechts unten: southeast).

Ein anderes Skript liest für alle Bilder den Dateinamen, Titel, Ort und Datum aus einer Datei und ruft für jedes Bild das Skript in Listing 3 auf. Anschließend erzeugt ImageMagick das fertige PDF:

$ convert seite-* fotobuch.pdf

Dabei ruft Convert intern den PDF-Spezialisten Ghostscript auf, der üblicherweise auf allen Linux-Systemen installiert ist. Falls es Probleme gibt, war die Arbeit aber nicht umsonst: Sie haben immer noch die Möglichkeit, die fertig gerenderten Seiten seitenfüllend über die Weblösungen der Anbieter in ein Buch einzubinden.

Fazit

Auf den ersten Blick sieht ein Programm wie in Listing 3 recht kompliziert aus. ImageMagick kommt aber durch das lineare Abarbeiten der Befehle eigentlich der menschlichen Denkweise sehr entgegen. In Prosa übersetzt lautet das Listing nämlich: "Erzeuge einen Hintergrund, lade das Bild, füge etwas Platz unten an, beschrifte das Bild unten links und unten rechts und lege dann das Bild auf den Hintergrund".

Ganz einfach? Im Prinzip, ja. Aber wie bei jeder anderen Sprache gilt es, die Vokabeln zu lernen und die Grammatik zu üben, um deutsche Prosa nach ImageMagick zu übersetzen. Die ausführliche Anleitung hilft mit Unmengen von Beispielen hilft dabei, und im ImageMagick-Forum [3] beantworten die Mitglieder Anfragen sachkundig. 

Glossar

CLUT

CLUT steht für Color Lookup Table. Dahinter verbirgt sich eigentlich ein Teil der Grafik-Hardware, der die Farbwerte eines indizierten Grafikformates mittels Tabelle in die entsprechenden Farben umsetzt.

Infos

[1] ImageMagick: http://www.imagemagick.org

[2] Anwendungsbeispiele und Erläuterungen zu Optionen und Operatoren: http://www.imagemagick.org/Usage/

[3] ImageMagic-Forum: http://www.imagemagick.org/discourse-server/

[4] Blurb: http://de.blurb.com/make/pdf_to_book

[5] Cewe: http://www.cewe.de/business-shop/pdf-druckservice/

[6] Cewe Fotobuch-Designer: Thomas Leichtenstern, "Eingebunden", LU 02/2011, S. 70, http://www.linux-community.de/22210

[7] Pixopolis: http://www.pixopolis.de/profi-service/fotobuch/

[8] Pixelspeed: http://www.pixelspeed.com/software/pdf-druckservice.html

[9] Viaprinto: https://www.viaprinto.de

Der Autor

Bernhard Bablok betreut bei der Allianz-Tochter AMOS SE ein Datawarehouse mit Performance-Messdaten von Mainframes bis zu Servern. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux und Objektorientierung. Sie erreichen ihn unter mailto:mail@bablokb.de.

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