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© Phaser4, sxc.hu

Genau vermessen

OpenStreetmap-Karten erzeugen und verändern am heimischen PC

21.12.2011
Das OpenStreetmap-Projekt lebt vom Mitmachen. Der Editor Merkaartor senkt durch viele Komfortfunktionen die Hürde für eigene Beiträge.

OpenStreetmap ist ein echtes Mitmach-Projekt: Jeder, der über einen Account [1] verfügt, darf bestehende Karten ergänzen, korrigieren oder verändern. In ganz einfachen Fällen reicht dazu der Flash-basierte Editor Potlach [2], der auf den OSM-Servern läuft.

Bei komplexen und umfangreichen Arbeiten greifen erfahrene Anwender gern auf JOSM [3] zurück. Dieser Editor ist aufgrund seiner Komplexität für Einsteiger jedoch eindeutig überdimensioniert. Merkaartor [4] schließt als Mittelklasse-Werkzeug elegant die Lücke zwischen den beiden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die gelbe Linie gibt einen geladenen Track wieder, eine Karte ist noch nicht geladen.

Die Merkaartor-Oberfläche bietet auf der linken Seite eine Kombination aus Werkzeugkasten und Dock, auf der rechten Seite ein weiteres Dock. Das Hauptfenster dient zum Editieren: Dort stehen die meisten Funktionen über verschachtelte Menüs und in Form von Tastenkürzeln bereit (siehe Tabelle "Tastenkürzel"). Am oberen Rand findet sich eine Symbolleiste, die Sie bei Bedarf im Menü Fenster ab- oder wieder anschalten.

Tastenkürzel

Tasten Aktion
[Strg]+[O] Projekt öffnen
[Strg]+[S] Projekt sichern
[Strg]+[D] Herunterladen
[Strg]+[Umschalt]+[D] mehr herunterladen
[Strg]+[U] Hochladen
[Strg]+[Z] Undo
[Strg]+[Y] Redo
[Strg]+[C] Kopieren
[Strg]+[V] Einfügen
[Strg]+[X] Auswahl ausschneiden
[Entf] Löschen
[Escape] Aktion beenden
[+],[-] Zoomen
[Strg]+[N] Knoten erstellen
[Strg]+[R] Wege erstellen
[Alt links]+[M] Knoten verbinden

Der Weg ist das Ziel

OpenStreetmap basiert im Wesentlichen auf nur zwei Arten von Objekten: Knoten und Wegen. Aus diesen setzen sich alle anderen Objekte zusammen. Knoten, auch Punkte oder Points genannt, heißen bei Merkaartor Nodes. Sie haben X- und Y-Koordinaten und bilden die Basis von Wegen (oder Straßen, allgemein: "Ways", bei Merkaartor: Road).

Für einen Weg definieren Sie neben Anfangs- und Endpunkten zusätzlich die Teilstücke, sogenannten Segmente. Diese wiederum spiegeln anhand der Eigenschaften ihrer Punkte den Typ des Wegs, seine Beschaffenheit, Zweck und andere Informationen wieder. Diese Eigenschaften bewirken die unterschiedlichen Darstellungen von Straßen, Häusern und anderen Objekten in der Karte.

Spezielle Varianten von Punkten entstehen, indem Sie diesen über Tags besondere Eigenschaften zuordnen. Diese Points of Interest (POI) kennzeichnen etwa ein Museum, einen Waldweg oder einen Graben. Flächen (Areas) entstehen durch geschlossene Wegstrecken, die Sie mit Flächen-relevanten Tags kennzeichnen, beispielsweise als See, Wald oder Gebäude.

Als Tags dürfen im Prinzip beliebige Schlüssel/Wert-Paare zum Einsatz kommen. Hier existieren keine Beschränkungen – jeder Kartograf darf wirklich alles eintragen, was ihm in den Sinn kommt. Allerdings sind die Renderer – die Programme, die aus den OSM-Daten die Karten erzeugen – nicht in der Lage, beliebige Tags zu interpretieren.

Es gibt daher ein Basisvokabular, das ein Beitrag im OpenStreetmap-Wiki ausführlich beschreibt [5]. An gleicher Stelle finden Sie zusätzliche Informationen zum Auszeichnen unterschiedlicher Straßentypen. Neben dem reinen Abbilden, also der Funktion als Karte, greifen auch Routing-Anwendungen wie Naviki [6] auf die OSM-Daten zurück.

Los geht's

Merkaartor kommt im Wesentlichen auf zwei Arten zum Einsatz: Um in bisher nicht kartierten Gegenden neue Ways (für Straßen, Wege, Pfade aller Art, aber auch Flächen und Gebäude, Flüsse und Verwaltungsgrenzen) anhand von GPX-Tracks zu ergänzen oder aber, um die bestehende Karte anhand eigener Beobachtungen zu erweitern oder zu korrigieren. Für beides eignet sich Merkaartor gleich gut.

Nach dem Start laden Sie zunächst einen Track. Für diesen und für die Waypoints öffnet Merkaartor einzelne Ebenen, die im linken Ebenen-Dock unter Alle erscheinen. Zusätzlich erzeugt Merkaartor eine Arbeitsebene mit Namen Zeichenebene#1.

Anhand der im Track enthaltenen Koordinaten ist die Software nun in der Lage, die bisher vorhandenen Teile der Karte vom Server zu laden und den Track dort einzubauen (Abbildung 2). Sie nutzen dazu die Schaltfläche Herunterladen.

Abbildung 2: Der neue Track fällt durch seine gelbe Farbe in der Karte sofort auf. Ein erstes Segment erscheint hier blau.

Der nächste Schritt ist entscheidend: Nun zeichnen Sie die Wege entlang der aufgenommenen Tracks in die Karte ein. Der Button Weg aktiviert den Modus, jeder Mausklick setzt einen neuen Punkt. Mit [Esc] beenden Sie den aktuellen Way. Wichtig: Wählen Sie die Segmente so, dass sie die Veränderungen im Weg widerspiegeln.

Ändert sich die Beschaffenheit der Oberfläche, der Zweck (für Pkw gesperrt oder Ähnliches) oder einfach die Art des Ways, ist ein neues Segment erforderlich. Über den Schalter Auswählen wechseln Sie den Modus: Ein Mausklick wählt nun ein Segment aus, um es mit den beschreibenden Tags zu versehen.

Tags geben Sie im Fenster links unten ein. Hinzufügen ergänzt Schlüsselworte, mit [Tab] wechseln Sie in das Feld zur Eingabe von Werten (Abbildung 3). Das kleine rote X löscht den aktuellen Eintrag. Meist reicht zum Beschreiben von Ways ein einzelnes Tag nicht aus, sodass Sie diese Prozedur wiederholen müssen, bis die Angaben zu komplettieren.

Abbildung 3: Das ausgewählte Segment erhält Tags, um die Beschaffenheit zu dokumentieren.

Eine spezielle Variante von Tags mit dem Namen source kennzeichnet, wie Sie die Daten erhoben haben (Abbildung 4). Das hilft späteren Bearbeitern bei Korrekturen abzuschätzen, wie vertrauenswürdig bisherige Angaben sind.

Abbildung 4: Wie haben Sie die Daten erhoben? Mit dem Tag local_knowledge markieren Sie solche Wege, die Sie nicht durch Tracks oder Luftbilder erzeugt haben.

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