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© Osmar01, sxc.hu

Nixory schützt die Privatsphäre vor Datensammlern im Internet

Spuren verwischen

Tracking-Cookies liefern detaillierte Information über Ihr Surfverhalten. Dagegen schützt Nixory, das die verräterischen Daten zuverlässig von der Platte putzt.

Etliche Nutzer haben in den letzten Jahren aus Sicherheitsgründen zu Linux gewechselt, doch webbasierte Anwendungen reißen hier wie anderswo Löcher ins System – gegen Cookie-basiertes Spionieren hilft der alleinige Wechsel nicht.

Nixory [1], das es sowohl für Windows als auch für Linux gibt, schützt aber plattformübergreifend vor Online-Spionen. Das Tool besitzt eine grafische Oberfläche und schützt Firefox oder Google Chrome unter Linux vor unerwünschter Spyware (siehe Kasten "Kleines Einmaleins der Spione").

Nixory schützt ausschließlich die genannten Browser vor unerwünschten Tracking-Cookies. Seine Oberfläche liegt in mehreren Sprachen vor, darunter Deutsch, Englisch, Italienisch, Holländisch und Spanisch. Außerdem unterstützt die Software das Verwalten mehrerer Browser-Profile. Das heuristische System zum Erkennen von Online-Spionen erlaubt einen weitgehenden Eingriff von Seiten des Benutzers. Gefundene Datensammler entfernt das Tool zuverlässig und schreibt darüber auf Wunsch ein detailliertes Logfile.

Kleines Einmaleins der Spione

Spyware ist technisch gesehen nicht unbedingt Schadsoftware, denn sie strebt im Gegensatz zu Viren nicht danach, sich selbst zu reproduzieren und zu verbreiten. Allgemein umfasst der Begriff Spyware Software, die Daten des Nutzers ohne dessen Wissen oder Einverständnis an den Hersteller der Software oder an Dritte übermittelt [2].

Meist geht es bei Spyware darum, das Verhalten des Nutzer zu analysieren oder den Einsatz von Software zu kontrollieren. Der Empfänger nutzt die gewonnenen Informationen in der Regel, um die Wirksamkeit seiner Marketing-Methoden zu optimieren, etwa mit Hilfe von an die vermeintlichen Interessen des Nutzers angepasster Werbung.

Spyware erreicht heutzutage zum Teil ein hohes technisches Niveau, weil meist Profis in Unternehmen derartige Software entwickeln. So kennen viele der Programme heute Mittel und Wege, sich gegen gezieltes Löschen zur Wehr zu setzen.

Linux-Nutzer können sich in Bezug auf Spyware immerhin insofern zurücklehnen, als das die meisten Tools dieser Art nur mit Windows binärkompatibel sind. Indes funktioniert auf Cookies, Javascript oder Flash basiertes Spionieren durchaus auch unter Linux, sofern Sie diese Technologien im Browser aktiviert haben.

Solche Spyware-Tools zielen vor allem auf eine Analyse des Surfverhaltens, indem sie versuchen, Spuren im Netz zu verfolgen. Zwar findet sich klassische Spyware hauptsächlich auf Windows-Systemen und dort überwiegend im Kontext des Internet Explorers und bei ActiveX-Komponenten, einfaches Cookie-basiertes Spionieren findet aber auch auf Linux-Rechnern statt.

Installation

Das Installieren von Nixory ist schnell erledigt. Stellen Sie zunächst sicher, dass Sie Python 2.6.x, GTK und PyGTK 2.22 sowie Python APSW 3.x installiert haben. Bei APSW (Another Python Sqlite Wrapper) handelt es sich um eine Zwischenschicht für den Zugriff auf die dateibasierte, relationale Datenbank Sqlite 3. Wer die Kommandozeile nicht scheut, lädt die Quellen der aktuellen Nixory-Version herunter und entpackt das Archiv auf der Kommandozeile mit folgendem Befehl:

tar -zxvf nixory-1.1-sources.tar.gz

Alternativ entpacken Sie das Archiv über den favorisierten Archiv-Manager. Da es sich bei Nixory um Python-Code handelt, starten Sie das Tool anschließend durch Eingabe von python nixory.py von der Kommandozeile aus. Beim ersten Start von Nixory empfiehlt sich das Verwenden des Parameters -auto, mit dessen Hilfe Python automatisch den Profilordner des Browsers findet, beispielsweise ~/.mozilla. Das Programm zeigt nach dem Start im Hauptfenster am unteren Rand die beiden Schaltflächen Active shield und Scan Now (Abbildung 1).

Abbildung 1: Nach dem ersten Start beginnen Sie entweder einen Scan oder schicken Nixory als Wächter in den Hintergrund. Vorab empfiehlt sich aber ein Überprüfen der Konfiguration.

Im Menü Options | Preferences finden Sie die derzeit gültigen Profile. Hat Nixory beim Start mit der Option -auto etwa Firefox als Standard-Browser ermittelt, sollte hier der Eintrag Mozilla Firefox auftauchen und aktiviert sein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die zugehörigen Profile findet Nixory beim Start mit Parameter -auto selbständig. Bei Bedarf geben Sie diese manuell an.

Sollte Nixory beim Start keine Profile finden, fügen Sie über Add new solche hinzu. Nixory fragt dann in einem Dialog ab, welchen Browser Sie verwenden (Abbildung 3). Die Windows-Version kennt zusätzlich zu Firefox und Chrome den Internet Explorer.

Abbildung 3: Nixory unterstützt unter Linux die Browser Firefox und Chrome.

Wer hier Firefox auswählt, muss anschließend im File-Selektor die Datei ~/.mozilla/firefox/Profil/cookies.sqlite auswählen, für Google Chrome ist ~/.config/chromium/Default/Cookies die richtige Wahl. Jetzt steht einem ersten Scan mit Hilfe der Schaltfläche Scan now nichts im Wege (Abbildung 4).

Abbildung 4: Einen einfachen Scan starten Sie mit Hilfe der gleichnamigen Schaltfläche.

Mit der Schaltfläche Active shield aktivieren Sie das dauerhafte Überwachen. Ein Klick auf Run genügt, und Nixory überwacht sämtliche Browser-Zugriffe im Hintergrund. Mit einem Klick auf Apply wandert das Programm unter Gnome in den Systray des Panel. Von dort holen Sie es mit einem Rechtsklick auf das Weltkugel-Icon und den Menüpunkt Show Interface wieder hervor (Abbildung 5).

Abbildung 5: Nixory überwacht auf Wunsch den ausgewählten Browser im Hintergrund.

Fazit

Zwar helfen Sniffer und Programme wie Tcpdump, Wireshark oder Snort beim Erkennen von unerwünschter Software, die nach Hause telefoniert. Deren Einsatz erfordert aber meist fundiertes Wissen und artet angesichts des Zeitaufwands beim Erlernen durchaus zum Hobby aus. Nixory erweist sich als handliche Alternative, die sich einfach installieren und bedienen lässt und die in Bezug auf klassische Spyware-Methoden über Cookies gut funktioniert. 

Infos

[1] Download Nixory Sourceforge: http://nixory.sourceforge.net/download.html

[2] Definition Spyware: http://de.wikipedia.org/wiki/Spyware

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