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© Alexey Klementiev, Fotolia

Herr der Gitarren

Lieder komponieren mit Tuxguitar

23.12.2011
Mit Tuxguitar und notieren Sie nicht nur im Handumdrehen Songs, sondern komponieren auch ohne Notenkenntnisse und üben Stücke bequem ein.

Niemandes Gedächtnis ist perfekt – und wenn man sich über Jahre hinweg immer neue Stücke ausdenkt, gilt es diese auch irgendwie zu notieren, damit man sie später auch wieder aus dem persönlichen Archiv hervorholen kann. Musste man sich dazu früher mit einem Notenheft aus dem Schreibwarenladen oder mit Notenpapier begnügen, hilft heutzutage entsprechende Software. Gerade für Gitarre spielende Linux-Anwender bietet sich das freie Tuxguitar als Lösung an, dem Gedächtnis in der Zukunft auf die Sprünge zu helfen.

Mit Tuxguitar [1] halten Sie Ihre Gitarrenstücke als Notensatz oder Tabulatur fest und können sie im Anschluss auch abspielen. So komponieren Sie nicht nur Stücke, sondern üben diese auch, indem Sie während der Musikwiedergabe einfach die Gitarre in die Hand nehmen und mitspielen. Ein Metronom unterstützt Sie dabei.

Um Tuxguitar zu verwenden, müssen Sie zwar nicht unbedingt Noten lesen können, von Nachteil ist das aber auf keinen Fall. Ein wenig Gefühl für Musik sollten Sie schon mitbringen, insbesondere ein paar Akkorde auf der Gitarre beherrschen und Tabulaturen für Gitarren lesen können. Lassen Sie sich nicht von den zahlreichen Schalter des Programms und der klassischen Musikterminologie abschrecken, wenn Sie Tuxguitar zum ersten Mal starten: Mit ein bisschen Geduld arbeiten Sie sich schnell ein.

Die Wiedergabe der komponierten Stücke übernimmt ein Software-Synthesizer wie zum Beispiel Timidity [2] oder Fluidsynth, der auch die Anzahl der verfügbaren Instrumente bestimmt. Die Dateien speichert Tuxguitar in einem eigenen Format. Daneben unterstützt die Anwendung auch die Dateiformate von vergleichbaren Programmen wie Guitar Pro oder Power Tab.

Installation und Troubleshooting

In den meisten Distributionen steht Tuxguitar über die Repositories zur Installation bereit. Alternativ finden Sie auf der Download-Seite des Projekts unter GNU/Linux Releases verschiedene Pakete zum Download, unter anderem auch einen generischen Installer sowie Binary-Dateien für etliche Distributionen. Daneben gibt es dort auch Windows- und Mac-Versionen sowie eine Live-Variante, mit der Sie Tuxguitar online ausprobieren können.

Sollte Tuxguitar die komponierte Musik nicht wiedergegeben können, fehlt noch ein MIDI-Sequenzer. Hier wird häufig Timidity [2] empfohlen, das Sie über das entsprechende Paket timidity installieren. anschließend öffnen Sie in Tuxguitar über den Menüeintrag Tools | Settings den Dialog Tuxguitar konfigurieren. Wechseln Sie dort auf Sound und wählen Sie aus der Auswahlliste MIDI-Port einen Timidity-Eintrag aus. Abschließend klicken Sie auf OK.

Sollte Tuxguitar dann noch immer keinen Ton von sich geben, beenden Sie die Anwendung und starten sie noch einmal von der Konsole aus mit dem Befehl tuxguitar. Bekommen Sie dann die Rückmeldung /dev/sequencer Befehl oder Datei nicht gefunden, ist kein MIDI-Sequenzer verfügbar. Dann starten Sie Timidity händisch mit dem Befehl timidity -iA -Os neu. Bei weiteren Problemen finden Sie im Tuxguitar-Wiki [3] weitere Informationen.

Nach dem ersten Start begrüßt Tuxguitar Sie mit einer kleinen Beispieltabulatur und einer zugehörigen Tabulaturenreihe (Abbildung 1). Daneben stehen gleich von Beginn an eine Menge Symbolleisten zur Verfügen, die im ersten Moment etwas verwirren. Diese Symbolleisten lassen sich bei gedrückter linker Maustaste so anordnen, wie es Ihnen beliebt. Alternativ blenden Sie über den Menüpunkt Tools | Settings einzelne Symbolleisten ein und aus. Wechseln Sie dazu in dem sich öffnenden Dialog auf Werkzeugleisten und (de-)aktivieren Sie die entsprechenden Kontrollkästchen. Über Move up und Move down ändern Sie hier die Reihenfolge der einzelnen Werkzeugleisten. Nach einem Klick auf Okay übernimmt Tuxguitar die Änderungen.

Abbildung 1: In Tuxguitar dreht sich alles um die Tabulatur. Sie können sich aber auch die entsprechenden Noten einblenden lassen.

Spurensuche

Nutzen Sie die von Tuxguitar angebotene Beispieldatei ruhig für erste Experimente. Alternativ legen Sie über Datei | Neu eine neue Datei an. Unterhalb des Notenblattes finden Sie eine Übersicht der Spuren. Eine Spur, neuhochdeutsch: Track, steht für das, was ein bestimmtes Instrument spielen soll. Durch das Hinzufügen weiterer Spuren über den Menüpunkt Spur | Spur hinzufügen ergänzen Sie zum Beispiel einen Bass, der einen eigenen Part in Ihrem Musikstück übernimmt. So stellen Sie Schritt für Schritt eine eigene Band zusammen (Abbildung 2). In dieser Spurübersicht zeigt Ihnen Tuxguitar auch die Takte in Form von kleinen Kästchen an. Später sehen Sie beim Abspielen auf diese Weise, in welchem Takt Sie sich gerade befinden und wann eine bestimmte Spur einsetzt beziehungsweise wieder aufhört.

Abbildung 2: Tuxguitar unterstützt auch Percussion-Spuren. Die Track-Anzeige gibt eine gute Übersicht über angelegte Spuren und die zugeordneten Instrumente.

Die Eigenschaften einer Tonspur passen Sie nach einem Doppelklick darauf an. In dem sich öffnenden Eigenschaftendialog definieren Sie über die entsprechenden Felder den Namen der Spur, Farbe, Instrument und die Stimmung sowie die Saitenanzahl des Instruments. Letzteres bietet sich zum Beispiel an, wenn Sie einen Bass verwenden wollen, der nur vier oder fünf Saiten aufweist oder eine sechssaitige Gitarre ins Spiel bringen wollen. Um die Stimmung eines Instruments zu ändern, steuern Sie über die Kontrollkästchen, ob Tuxguitar einzelne Töne und Akkorde passend zur neuen Stimmung transponieren soll.

Um eine Spur zu bearbeiten, müssen Sie zunächst weitere Takte hinzufügen. Das erledigen Sie über Takt | Takt hinzufügen. Damit Sie diesen Menüpunkt nicht jedes Mal neu auswählen müssen, öffnet sich ein Dialog, über den Sie gleich mehrere Takte hinzufügen können. Dabei legen Sie die Anzahl und die Position der Takte fest (vor oder nach der aktuellen Position oder am Ende des Stückes).

Noten und Akkorde

Um Ihrem Stück nun Noten hinzuzufügen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Welche Sie anwenden, hängt ganz davon ab, was Sie niederschreiben wollen. So bauen Sie beispielsweise über den Akkordeditor ganze Akkorde ein oder erwecken bestimmte Gitarrensaiten zum Leben.

Um einzelne Töne hinzuzufügen, klicken Sie einfach auf die entsprechende Saite in der Tabulatur, woraufhin ein kleines Kästchen erscheint. Geben Sie nun die Zahl für den entsprechenden Bund am Gitarrenhals an, in dem diese Saite gespielt werden soll. Sollen mehrere Saiten gleichzeitig erklingen, steuern Sie mit den Pfeiltasten nach oben respektive unten, um die entsprechende Saite auszuwählen und auch dort den entsprechenden Bund anzugeben.

Auf diesem Wege fügen Sie gegebenenfalls auch ganze Akkorde ein – doch das klappt auch wesentlich eleganter: Mithilfe des Akkordeditors wählen Sie komplette Akkorde aus und fügen diese ein; bei Bedarf "malen" Sie die Akkorde selbst (Abbildung 3). Sie öffnen den Akkordeditor über Note | Akkord | Akkord einfügen oder die Taste [A]. Der Editor macht einen recht unaufgeräumten Eindruck, weshalb es sich ersteinmal zu orientieren gilt, bevor man durchstarten kann.

Abbildung 3: Mit dem Akkordeditor erzeugen Sie mit wenigen Klicks gängige oder auch exotische Akkorde und fügen diese in die Tabulatur ein.

Ein guter Einstiegspunkt ist das "Malen" von Akkorden. Ungefähr in der Mitte der oberen Hälfte des Akkordeditors sehen Sie einen großen Ausschnitt eines Gitarrengriffbrettes. Mit Hilfe der Scrollleiste neben diesem Griffbrett legen Sie fest, indem welchem Bund der Gitarre Sie den Akkord ansetzen wollen. In welchem Bund Sie sich befinden, signalisiert eine kleine Zahl links vom Griffbrett. Nun legen Sie durch einfaches Klicken fest, welche Saiten gespielt, leer angeschlagen oder gar nicht gespielt werden sollen. Tuxguitar visualisiert diese Informationen durch einen schwarzen Punkt, einen leeren Kreis oder ein Kreuz-Symbol.

Während Sie den Akkord zusammenklicken, ändert sich die Akkordbenennung direkt rechts neben dem Griffbett. Erstellen Sie einen Allerweltsakkord wie G- oder A-Dur, erscheint die zugehörige Bezeichnung in diesem Kästchen. Neben dem Akkordnamen gibt ein Prozentwert an, wie gut der Akkord mit den gängigen Varianten übereinstimmt. Haben Sie beispielsweise einen A-Dur-Akkord eingegeben, steht an oberster Stelle A (100%). Ein niedriger Wert deutet an, dass der eingegebene Akkord nicht ganz mit dem nebenstehenden Namen übereinstimmt.

Klicken Sie nun auf einen Akkordnamen, zeigt Tuxguitar im unteren Drittel des Akkordeditors verschiedene Variationen dazu an. Wählen Sie nun einen Akkord aus dieser Auswahl aus und klicken auf Hinzufügen, dann erscheint der entsprechende Akkordname oberhalb des angeklickten Buttons. Diesen Akkord können Sie nun bei Bedarf später immer wieder aus dem Menü Note | Akkord auswählen, ohne dazu erneut den Akkordeditor bemühen zu müssen.

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