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© Tecknare, sxc.hu

DV-Material mit Kino bearbeiten und umwandeln

Effektvoller Schnitt

Digital Video punktet durch gute Qualität zum bezahlbaren Preis. Mit dem GTK-Programm Kino haben Sie das Spezialformat sicher im Griff.

Wer am Computer nur sporadisch Videos bearbeitet, kennt in aller Regel nur die Arbeit mit vorgefertigten Clips – egal, ob es sich um fertige Videos aus dem Netz oder um Dateien von der kompakten Digitalkamera handelt. All diesen Dateien ist gemein, dass es sich bereits um digitalisierte Videos handelt, abgespeichert in einem standardisierten Format und geeignet, um es mit einem Programm wie Kdenlive [1] oder PiTiVi [2] zu bearbeiten. Es gibt keine Videobänder im herkömmlichen Sinne und mithin kein echtes Rohmaterial.

Profis und versierte Amateure arbeiten mit anderen Werkzeugen, allen voran einem Camcorder zum Aufnehmen digitaler Videos. Entsprechende Geräte, wie etwa die Canon Legria HV40 [3], gehen mittlerweile für unter 500 Euro über den Ladentisch, bieten Profi-Funktionalität und unterstützen den DV-Standard. Aktuelle Kameras unterstützen obendrein den HDV-Standard, der den DV-Standard um hochauflösende Features erweitert. Videos landen bei diesen Geräten auf DV- oder Mini-DV-Kassetten, also speziellen Speichermedien, die der Hersteller für Videoaufnahmen optimiert hat (siehe Kasten "Speichern nach alter Art").

Das Kopieren der Filme vom DV-Band in der Kamera auf den Computer übernimmt Kino [4], das sich an Gnome-Anwender richtet und auf GTK basiert (Abbildung 1). Kino beherrscht in aktuellen Versionen auch das Editieren von Video-Dateien, seine eigentliche Domäne stellt aber zweifellos der Umgang mit DV-Videos und das Bearbeiten entsprechender Aufnahmen dar. Ursprünglich beschränkte sich das Programm auch auf diese Aufgaben: Das Steuern von DV-Kameras war die erste Funktion, die Kino beherrschte.

Abbildung 1: Kino ermöglicht das importieren von DV-Kameras genauso wie den Import fertiger Video-Dateien aus anderen Quellen.

Speichern nach alter Art

Bei DV-Medien handelt es sich nicht um Flash-Laufwerke oder Festplatten, sondern um echte Videobänder. Um das Bildmaterial am Computer zu bearbeiten, gilt es diese erst einmal auf den Rechner zu überspielen. Das klappt am besten mit der Kamera, die das Video aufgezeichnet hat – vorausgesetzt, diese und der PC verfügen über einen passenden Anschluss und der Computer zudem über ein Programm, das die digitalen Daten vom Band tatsächlich als Datei auf der Festplatte abzulegen vermag. In Sachen Verbindung zwischen Kamera und Computer ist Firewire [5] – oder IEEE1394, so der offizielle Name, der dominierende Standard, zumal er eigens im Hinblick auf DV-Anwendungen entstand. Viele aktuelle Computer haben einen Firewire-Port, die meisten (H)DV-Kameras ebenfalls. Dieser trägt meist den Namen DV-Out.

Die Installation

Kino hat eine lange Entwicklung hinter sich und ist entsprechend gut bei den gängigen Distributionen etabliert. Bei OpenSuse und Fedora fehlt Kino jedoch in den Repositories: Damit gehen die Distributionen rechtlichen Problemen aus dem Weg, die aus der Nutzung kommerzieller Video-Codecs erwachsen könnten. Packman enthält aber Kino-Pakete für OpenSuse (zu Redaktionsschluss waren die Pakete für OpenSuse 12.1 gerade in Arbeit), und auch für Fedora finden sich im Netz passende Pakete. Ubuntu liefert Kino ab Werk mit, sodass es hier genügt, sodass es bei dieser Distribution und ihren Derivaten genügt, das Paket kino über die Paketverwaltung zu installieren. Das Programm findet sich danach im Menü unter Multimedia | Kino.

Schlicht und funktional

Nach dem ersten Programmstart erscheint Kino ohne große Überraschungen: Anders als Kdenlive, die verbreiteten Videoschnitt-Lösung für KDE, setzt Kino nicht auf die typische Zeitleiste am unteren Rand des Fensters. Stattdessen teilt es das Programmfenster vertikal in zwei Bereiche auf: Links finden Sie das Storyboard, sprich die Clips für das gerade geöffnete Projekt, rechts davon den eigentliche Arbeitsbereich mit fünf Reitern.

Der erste Reiter Bearbeiten bietet beispielsweise die Möglichkeit, einen gerade im Storyboard ausgewählten Clip zu zerlegen, um aus einem großen Clip mehrere kleine zu machen. Jeder hier erstellte Clip erscheint wieder als eigener Eintrag im Storyboard. Indem Sie dort anschließend die Filmschnipsel umsortieren, erhalten Sie später das wunschgemäß strukturierte Video.

Der Reiter Aufnahme vereinigt die Steuerelemente, mit denen Sie Videos von den zuvor beschriebenen DV-Kameras auf den Computer hieven. Der Bereich Zeitaufteilung bietet eine Übersicht über die Teile des Videos in einzelnen Bildern. Im Tab Schneiden finden Sie eine Funktion, Teile eines Clips mit den Inhalten einer anderen Videodatei zu überschreiben. Mittels FX bietet sich die Möglichkeit, Effekte einzufügen. Über den Reiter Exportieren erzeugen Sie schließlich aus dem Storyboard einen kompletten Film, der dann zur Wiedergabe auf anderen Geräten bereit steht.

Import von der Kamera

Die Funktion zum Importieren von Filmen einer DV-Cam haben die Entwickler mit Sorgfalt und viel Liebe zum Detail entwickelt, sodass Kino mit vollständigen Steuerelementen für DV-Cams daherkommt. Im Grunde genügt es, eine Kamera mittels Kabel an den Rechner anzuschließen. Die von den Distributionen eingesetzten Programme zum Erkennen von Hardware wissen im Normalfall, welche Treiber das neue Gerät braucht.

Hat Ihr System die Kamera erkannt, steht dem Zugriff aus Kino meist nichts im Wege: Sie wechseln in den Reiter Aufnahme und legen unter Datei fest, welchen Namen das im nächsten Schritt überspielte Video bekommen soll. Kino hängt automatisch das Suffix .dv an.

TIPP

Haben Sie zwar eine Kamera an den Firewire-Port angeschlossen, die Kamera-Steuerung in Kino bleibt aber grau, dann hilft ein Klick auf AV/C im Reiter Aufnahme, um die Steuerelemente zu aktivieren.

Über die Schaltfläche Aufnahme sorgen Sie dafür, dass der Inhalt der Kassette in der Kamera den Weg auf die Platte findet und in der Datei landet, die Sie bei Datei eingetragen haben. Ein Klick auf Pause unterbricht das Übertragen, ein erneuter Klick fährt aber danach mit dem Überspielen in die gleiche Datei fort. Erst, wenn Sie auf auf Stopp klicken, beendet Kino das Überspielen endgültig. Anschließend erscheint der neue Clip im Storyboard.

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