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Cyanogenmod 7.1 für das Motorola Defy

Der erste Start

Nach dem ersten Start erscheint zunächst der DEFY Baseband Switcher, der es erlaubt, die Frequenz zu wählen, die das Smartphone nutzt. In der Praxis hat sich in Deutschland Europe RT 3.4.2-145 am besten bewährt.

Schon beim ersten Hochfahren fällt auf: Das System agiert deutlich flotter als mit der Original-Firmware. Es vermittelt das Gefühl, ein erheblich leistungsfähigeres Smartphone in Händen zu halten. Apps öffnen deutlich schneller, der Übergang zwischen den Desktops geschieht ohne Ruckler, der Browser baut Seiten viel zügiger auf.

Was sich zunächst arg euphemistisch anhört, unterstreicht der Leistungstest: So erreicht das Defy mit der Original-Firmware im Vellamo-Benchmark 389 Punkte, mit Cyanogenmod dagegen 625 Zähler – ein Geschwindigkeitszuwachs von 60 Prozent. Auch beim Antutu-Benchmark punktet die Alternative: Hier bringt es die Original-Firmware auf etwa 2000 Punkte, Cyanogenmod dagegen auf knapp 2500 (Abbildung 3). Zum Vergleich: Das Nachfolgemodell Defy+ kommt auf etwa 3000 Punkte.

Abbildung 3: Mit dem Cyanogenmod als System erreicht das Motorola Defy knapp 2500 Punkte gegenüber 2000 der Original-Firmware.

Es fällt auf, dass der Benchmark eine 1000-MHz-CPU erkennt – Motorola verbaut im Defy jedoch eine mit 800 MHz. Des Rätsels Lösung: Der Boot-Manager erlaubt, die Taktung des Prozessors zu beeinflussen, voreingestellt ist ein Maximalwert von 1000 MHz. Auf 800 MHz gedrosselt erreicht das Defy mit Cyanogenmod im Antutu-Benchmark noch 2152 Punkte und liegt damit nahe am Original. 539 Zähler erreicht es hingegen bei Vellamo (Abbildung 4). Gerüchten zufolge soll die CPU aber von Haus aus auf 1000 MHz ausgelegt sein und wurde von Motorola nur zwecks Akkuschonung auf 800 MHz gedrosselt. Instabilitäten durch das potentielle Übertakten traten während der 14-tägigen Testperiode nicht auf.

Abbildung 4: Das Diagramm zeigt recht eindrucksvoll die Leistungsunterschiede zwischen den verschiedenen Firmware-Versionen.

Zusatzfunktionen

Auch was die Funktionalität betrifft, stellt Cyanogenmod die Motorola-Firmware in fast allen Belangen in den Schatten. Diverse Zusatzfeatures finden Sie in den Einstellungen, zusammengefasst unter Cyanogenmod. Aktivieren Sie beispielsweise unter Anwendungseinstellungen den Punkt Berechtigunsverw., können Sie zukünftig installierten Apps nachträglich Berechtigungen entziehen (siehe Kasten "Berechtigungen verwalten"). Das Aktivieren von Verschieben erlauben in der gleichen Rubrik ermöglicht es, auch Apps auf die SD-Karte zu verschieben, die das normalerweise nicht zulassen.

Berechtigungen verwalten

Wurde in den Cyanogenmod-Einstellungen die Option Berechtigunsverw. aktiviert, können Sie jeder installierten App nachträglich Zugriffsberechtigungen auf die Daten und das Smartphone entziehen. Wechseln Sie dafür in den Einstellungen in die Rubrik Apps. Die Anwahl von Anwendungen verwalten öffnet die Liste aller installierten Apps. Tippen Sie danach auf eine davon, um in die Detailansicht zu gelangen, und scrollen Sie nach unten zur Rubrik Berechtigungen. Jetzt genügt es, auf eine der Berechtigungen zu tippen, um sie zu deaktivieren. Sie erscheint danach durchgestrichen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Cyanogenmod erlaubt es Ihnen, installierten Apps nachträglich Zugriffsberechtigungen auf Ihre Daten zu entziehen.

Unter Leistungseinstellungen beeinflussen Sie über diverse Funktionen die Performance des Smartphones. So aktivieren Sie darin beispielsweise den Dalvik-Just-in-Time-Compiler oder setzen in den CPU-Einstellungen die minimale und maximale Taktfrequenz der CPU fest. Unter Verfügbare Governor stellen Sie ein, wer diese wann festlegt: Aktivieren Sie hier beispielsweise performance, läuft die CPU konstant mit der höchsten eingestellten Leistung.

Die Rubrik Eingabeeinstellungen erlaubt es Ihnen, sämtliche Tasten des Defy neu zu belegen beziehungsweise zu konfigurieren. Unter Haptisches Feedback legen Sie im Detail fest, wann und in welcher Form Ihnen das Telefon eine Rückmeldung per Vibration gibt.

Auch abseits dieses Setups bietet die Firmware einige interessante Ergänzungen. So sorgt beispielsweise bei einer geöffneten Anwendung ein längerer Druck auf den Zurück-Button dafür, dass diese sich sofort schließt und nicht im Hintergrund weiter läuft, wie es häufig der Fall ist. Diese Funktion gilt es jedoch zuerst unter der Rubrik Apps | Entwicklung zu aktivieren.

Dem Browser spendierten die Entwickler einen Incognito-Modus. Sie erreichen ihn, indem Sie in den Einstellungen der App auf Mehr klicken, und danach Anonymes Browsen ein anwählen. Für sichere Verbindungen mit Ihrem Heimnetzwerk stellt die Cyanogenmod neben dem üblichen L2TP-VPN auch OpenVPN bereit, das sich vor allem durch seine deutlich einfachere Konfiguration auszeichnet.

Den Experten unter den Nutzern stehen die so genannten Dev Tools zur Verfügung. Da die dort getroffenen Einstellungen sehr tief ins System eingreifen, sollten Sie Änderungen aber nur dann vornehmen, wenn sie genau wissen, was sie tun. Allerdings ermöglichen die Tools nicht nur, Werte zu ändern, sondern auch, eine Menge an Informationen aus dem System auszulesen. So zeigt beispielsweise Show Permissions eine Aufstellung sämtlicher App-Berechtigungen und der Anwendungen, die sie besitzen. Allerdings verhindert ein Bug, die entsprechenden Berechtigungen im Zweifelsfall zu ändern. Ein Tippen auf die gewünschte App führt zum Absturz des Programms. Ähnlich verhält es sich beim Aktivieren von Google Login Service, das zum sofortigen Crash der App führt.

Erfreulicher ist hingegen die deutlich bessere Kamera-App, die ungleich mehr Funktionen als die der Original-Firmware mitbringt. Neben diversen Autofokus-Vorgeben wie Touch oder Unendlich erlaubt sie es auch festzulegen, ob das Handy die Standortdaten ins Bild schreibt oder nicht. Der Video-Modus produziert Filme bis zu einer Größe von 640x480 oder 848x480 Pixeln im MP4-Format.

Für Ohrenschmaus sorgt die mitgelieferte App DSPManager. Sie erlaubt eine Vielzahl von klanglichen Anpassungen für unterschiedliche Wiedergabegeräte, etwa Kopfhörer oder den eingebauten Lautsprecher (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die App DSPManager ermöglicht es, die Soundausgabe punktgenau auf Ihr Ausgabegerät anzupassen.

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Thomas Leichtenstern

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