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© Aleksey Butov, 123rf.com

Nachbrenner

Cyanogenmod 7.1 für das Motorola Defy

21.12.2011
Die zögerliche Update-Politik vieler Hersteller von Android-Smartphones macht den Einsatz alternativer Firmware-Varianten auf attraktiv. Diese bieten häufig deutlich mehr Features als das Original.

Wer schon länger ein Android-Smartphone besitzt, kennt das Dilemma: Beim Kauf war das darauf installierte Android-System noch topaktuell, einige Monate später gibt es bereits zwei Nachfolgeversionen. Hersteller wie Motorola lassen sich nicht selten ein halbes Jahr oder länger Zeit, bevor sie eine Nachfolgeversion für ihre Geräte anbieten, sofern sie es überhaupt machen.

Das Ziel ist klar: Der Kunde soll gefälligst ein neues Gerät mit neuer Firmware kaufen, anstatt das alte zu aktualisieren. Eventuelle Sicherheitslücken im veralteten System hat der Kunde ebenso in kauf zu nehmen wie eine vergleichsweise schwächerer Performance – so geschehen beim Motorola Defy, dem kürzlich das Defy+ folgte. Technisch hat sich nicht viel getan, aber dafür kommt es mit der neuesten Firmware Android 2.3.3, während Besitzer des Vorgängers mit Version 2.2 Vorlieb nehmen müssen. Selbst diese stellte der Hersteller aber erst ein halbes Jahr nach deren Markteinführung als Update bereit.

Darüber hinaus modifizieren viele Hersteller ihre Firmwares mit eigenen Features, oft mit solchen fragwürdiger Qualität. So stattet beispielsweise Motorola seine Smartphones mit Motoblur aus, das nicht nur eine eigene Oberfläche mitbringt, sondern auch einen Synchronisierungdienst, der eine Anmeldung beim Hersteller voraussetzt. Entfernen lassen sich diese Funktionen auf normalem Wege nicht mehr.

Einen Ausweg bieten herstellerunabhängige Firmware-Distributionen wie beispielsweise Cyanogenmod [1]. Es erschien im Oktober in Version 7.1 für viele Smartphones, unter anderem auch das Motorola Defy. Es setzt auf Android 2.3.7 mit Linux 2.6.37 und bietet auf Systemebene deutlich mehr Möglichkeiten als die Original-Firmware – nicht zuletzt deswegen, weil es von Hause aus einen Root-Zugriff auf das System ermöglicht.

Der Artikel beschreibt am Beispiel eines Motorola Defy die Installation sowie die Vor- und Nachteile der neuen Firmware.

Vorbereitungen

Voraussetzung für den Einsatz alternativer Firmware-Versionen ist ein Root-Zugriff auf das Smartphone. Da sich die Methode des Freischaltens von Gerät zu Gerät unterscheidet, erklärt das Wiki [2] von Cyanogenmod es für alle unterstützten Smartphones.

Beachten Sie, dass das Aufspielen einer neuen Firmware sämtliche Daten inklusive Apps aus dem Speicher löscht. Entsprechend gilt es vorbereitend, die relevanten Daten auf die SD-Karte zu sichern. Eine wertvolle Hilfe, um die SMS-Kommunikation, den Telefonverlauf und gespeicherte Media-Daten zu sichern, bietet die kostenfreie App MyBackup Root [3]. Beim Backup der Apps hilft Titanium Backup [4] (Abbildung 1). Ein Sichern des Kalenders sowie des Telefonbuchs ist normalerweise nicht nötig, da Google diese beim erneuten Einrichten des Telefons automatisch mit der Online-Version synchronisiert.

Abbildung 1: Die App Titanium Backup sichert alle Apps auf die SD-Karte und spielt sie bei Bedarf wieder zurück.

Danach laden Sie die Firmware Cyanogenmod 7.1 herunter und transferieren sie als ZIP-Paket auf die Speicherkarte des Smartphones. Da die Entwickler wegen Rechtsstreitigkeiten mit Google dessen Apps (wie den Market, Maps oder Googlemail) aus der Firmware entfernen mussten, benötigen Sie darüber hinaus die gApps [5], die Sie ebenfalls auf der SD-Karte des Defy speichern.

Abschließend richten Sie den alternativen Boot-Loader Defy 2ndInit [6] über den Market ein. Beachten Sie, dass die Ladung des Akkus vor dem Aufspielen der neuen Firmware mindestens 70 Prozent betragen muss.

Installation

Das Einrichten der neuen Firmware beginnt damit, dass Sie das Gerät herunterfahren und kurzzeitig den Akku entfernen. Drücken Sie danach die Einschalttaste und warten Sie ab, bis das LED oben links beginnt, blau zu leuchten. Jetzt drücken Sie die Lautstärkewippe nach unten (Ton leiser), worauf das Boot-Menü (Abbildung 2) erscheint. Im Menü navigieren Sie mit den Lautstärketasten nach oben und unten, mit dem Einschaltknopf übernehmen Sie die Auswahl. Sie erreichen das Boot-Menü auch später nach der Installation von Cyanogenmod auf die beschriebene Weise.

Abbildung 2: Der alternative Bootloader erlaubt nicht nur das Einspielen der neuen Firmware, sondern auch das Backup der alten.

Wechseln Sie jetzt in den Pfad Recovery | Stable Recovery. Möchten Sie die aktuelle Installation sichern, um sie später wiederherstellen zu können, wechseln sie zu Backup and restore und wählen dort Backup aus. Die Sicherung der Daten nimmt danach einige Minuten in Anspruch. Zum Wiederherstellen der Sicherung wählen Sie im gleichen Menü Restore anstelle von Backup.

Um den Speicher für die neue Firmware vorzubereiten, wählen Sie aus dem Menü zuerst Wipe data/factory reset und danach den Eintrag darunter Wipe cache partition. Danach wechseln Sie in Install zip from sdcard | choose zip from sdcard. Daraufhin erscheint ein rudimentärer Dateibrowser, in dem Sie in das Zielverzeichnis navigieren und die heruntergeladene Cyanogenmod-Firmware mit einem Druck auf den Einschaltknopf anwählen. Danach erscheint die Sicherheitsabfrage confirm install in der Sie Ihre Auswahl bestätigen worauf die Installation beginnt. Um die Google Apps zu installieren wiederholen Sie die genannten Schritte und wählen stattdessen das Zip-Archiv der gApps.

Die Installation dauert rund zehn Minuten und mündet in einem Neustart des Systems.

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