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Scharfe Raubkatze

Blackpanther: Linux aus Ungarn

23.12.2011
Ungarn gilt vielen Open-Source-Freunden als weißer Fleck auf der Landkarte. Doch auch in der Puszta ist Linux kein Unbekannter mehr, wie Blackpanther OS beweist.

Ende Oktober 2011 ist mit der Version 11.1 "Darkness" ein komplett runderneuertes Release von Blackpanther OS erschienen [1], das innovative Technologien aus dem Basissystem Mandriva übernimmt. Daher dürfte Blackpanther OS allen Anwendern bekannt vorkommen, die bereits mit dieser Distribution oder einem Mandriva-Derivat gearbeitet haben. Doch das System bietet mehr als lediglich einen verbesserten Aufguss des französisch-brasilianischen Systems: Es implementiert eigene Ideen und Konzepte.

Dunkelkammer

Schon die knapp 700 MByte umfassende Live-CD von Blackpanther OS startet für Einsteiger etwas ungewöhnlich. Nach dem Erscheinen des Bootloaders (Legacy Grub) fragt das System zunächst – wie vom früheren Mandriva One her bekannt – Daten zur Lokalisierung ab. Das ungarische Linux-Derivat besteht außerdem darauf, dass Sie auch für den Live-Betrieb einen Nutzer anlegen. Nach dem anschließenden Login präsentiert sich das System in sehr dunklen Farbtönen mit einem ästhetisch sehr ansprechenden KDE-Desktop der Version 4.6.2. Auf diesem befinden sich neben der Panelleiste und zwei Icons bereits ein Wetter- und ein Uhrzeit-Applet in passender Farbgebung.

Als Programmstarter kommt Lancelot zum Einsatz, der mit seiner konventionellen Menüstruktur eine deutlich bessere Bedienbarkeit gewährleistet als der neu gestaltete Desktop des Basissystems Mandriva 2011. Bereits die Live-Variante offeriert alle wichtigen Applikationen, darunter auch LibreOffice 3.3, Gimp 2.7 und Chromium 12. Aus Lancelot heraus lässt sich das Betriebssystem auch mithilfe der Install-Schaltfläche in der rechten Spalte auf die Festplatte packen – zumindest in der Theorie, im Test gelang das nicht. Hier empfiehlt es sich, beim Start des Live-Systems im Bootloader-Menü gleich den Eintrag EasyQuickInstall auszuwählen. Die Installation klappte daraufhin im Test problemlos.

Nach dem Einrichten auf der Festplatte überrascht Blackpanther OS beim ersten Neustart mit einem grafisch ansprechend gestalteten Desktop Selector, der vier verschiedene Desktop-Umgebungen mit Screenshots zur Auswahl stellt (Abbildung 1). Als Standard fungiert KDE 4, für weniger opulent ausgestattete Rechner gibt es Gnome. Für betagtere PCs bietet der Desktop-Wähler zudem die schlanken Desktops und oder Enlightenment E17 an. Das Installieren der drei alternativen Arbeitsumgebungen setzt jedoch eine funktionierende Netzwerkverbindung voraus, da Blackpanther hierzu Dateien aus dem Netz nachlädt.

Abbildung 1: Der Desktop Selector in Blackpanther OS.

Um die auch in der installierten Variante von Blackpanther sehr düster wirkende Arbeitsumgebung zu modifizieren, klicken Sie auf den Lancelot-Starter unten links in der Panelleiste und wählen dann über Computer | blackPanther Settings den Einstellungsdialog an. Im Menü Colors suchen Sie dann aus gut einem Dutzend vorgegebener Farbkombinationen die für Sie angenehmste aus. Ein Klick auf die Schaltfläche Apply schaltet die Farben sofort um (Abbildung 2).

Abbildung 2: Blackpanther ermöglicht ein einfaches Auswählen des Erscheinungsbilds.

Softwarefundus

Die in Lancelot links im Fenster angeordneten Hauptgruppen tragen den Bedürfnissen der meisten Nutzer Rechnung: Neben den Einträgen Applications für die gängigen Programm-Untergruppen und Computer für die Systemverwaltung finden sich hier noch die zwei Icons Documents und Contacts.

In der Gruppe Documents finden Sie neben den LibreOffice-Programmen Calc, Writer und Impress (Version 3.3.0.4) auch Gimp 2.7.3. Damit steht ein ausgewachsener Bildeditor zur Verfügung, der in der neuesten Mandriva-Variante dem Streichkonzert der Entwickler zum Opfer fiel. In der Gruppe Contacts residiert lediglich der Akonadi-Server, der in KDE als Unterbau für verschiedenste Kommunikationsdienste fungiert. Auf ihn setzen die gängigen KDE-Messenger und Mailprogramme auf.

In der Gruppe Applications sticht der Software-Manager ins Auge, der andernorts zu den Systemprogrammen zählt. Hinter diesem Eintrag verbirgt sich der KPackageKit-Manager zur grafischen Software-Installation. Seine Oberfläche ähnelt jener von Synaptic, gruppiert jedoch im Hauptfenster die verfügbaren Applikationen nach Einsatzschwerpunkten. Wie bei KDE üblich, finden Sie im linken kleinen Fenster von KPackageKit die Konfigurationsoptionen. Hier stellen Sie beispielsweise automatische Software-Updates ein und passen Repositories an. Blackpanther OS stellt selbst zehn umfangreiche Repos zur Verfügung, die selbst ausgefallene Software-Wünsche befriedigen.

Beim Stöbern in den Software-Untergruppen finden sich denn auch viele exotische Programme: Unter Sound & Video präsentiert sich neben dem schlanken Amarok-Klon Clementine auch der wieselflinke Videoplayer Loopy 0.5.3, als Soundrekorder dient QARecord. Mit dem Autorensystem RecordMyDesktop lassen sich relativ unkompliziert vertonte Schulungsvideos anfertigen.

Die Gruppe Internet umfasst mehrere IRC- und Messenger-Clients sowie Verknüpfungen zu Cloud-Diensten, sodass der umfänglichen Nutzung des Internets nichts im Wege steht. Als Webbrowser nutzt Blackpanther OS Chromium 12.0.712.0, das ein erheblich schnelleres Arbeitstempo zeigt als der via Repository nachinstallierbare Firefox 7.0.1.

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