AA_lowrider_123rf-2265716_RichardHoffkins.jpg

© Richard Hoffkins, 123rf.com

Tiefergelegt

WLAN-Router mit OpenWRT funktional ausbauen

16.11.2011
Mit der kostenlosen Firmware-Alternative OpenWRT erweitern Sie das Einsatzspektrum vieler WLAN-Router und Access-Points um zahlreiche Profi-Funktionen und viele nützliche Dienste.

Linux-Enthusiasten sagt man nach, dass sie das freie Betriebssystem am Liebsten auf sämtlichen Geräten des Alltags betreiben möchten – Toaster und Kaffeemaschine inbegriffen. In den letzten 15 Jahren hat Linux den Weg auf verschiedenste Geräte gefunden. Bekannt geworden ist die D-Box 2, auch für Apples iPod gibt es Linux-Portierungen. Spätestens seit Android kann jeder Linux stets dabei haben – und zusätzlich zu den Hersteller-Firmwares kursieren diverse alternative Versionen.

Verschiedene Wireless-LAN-Accesspoints stützen sich ebenfalls auf Firmware, die auf Linux aufbaut. Und wie nicht anders zu erwarten, haben sich findige Entwickler auch hier daran gemacht, die vorhandene Firmware aufzubohren. Auf diese Weise entstand das OpenWRT-Projekt, das eine Aftermarket-Firmware für verschiedene WLAN-Geräte anbietet.

Der Name OpenWRT weist noch auf die Anfänge des Projekts hin. Diese liegen acht Jahre zurück: Linksys, das damals noch nicht zu Cisco gehörte, vertrieb den WLAN-Router WRT54G mit Linux-Firmware, stellte aber deren Quellen nicht zur Verfügung und verstieß damit klar gegen die GPL. Nachdem einige Entwickler davon Wind bekamen, appellierten sie öffentlich an Linksys und wurden schließlich erhört: Das Unternehmen veröffentlichte fast den vollständigen Quelltext der Router-Firmware und legte damit den Grundstein für die Bastler. Seit 2004 gibt es offiziell das OpenWRT-Projekt, und die Firmware hat seither einige Sprünge nach vorn gemacht, was Funktionen und Qualität angeht.

Eigentlich trifft der Name OpenWRT nur noch teilweise zu: Freilich gibt es aktuelle OpenWRT-Versionen auch für den Veteran von Linksys, aber die Macher von OpenWRT vergrößerten das Spektrum der unterstützten Geräte über die Jahre kontinuierlich. Viele WLAN-Router und Access-Points setzen intern auf die gleichen Komponenten: Geräte von Cisco und Asus können beispielsweise völlig unterschiedlich aussehen, verwenden aber unter der Haube exakt die gleiche Technik.

Die passende Hardware

Um herauszufinden, ob OpenWRT das eigene Gerät unterstützt, empfiehlt sich ein Blick auf die Website des OpenWRT-Projekts [1]. Dort findet sich eine ausführliche Liste aller unterstützter Devices nebst Zusatzinfos. Möchten Sie sich einen Router oder AP speziell für OpenWRT kaufen, gehen Sie am besten mit einem Smartphone in der Tasche zum Elektronikmarkt Ihres Vertrauens und vergleichen vor Ort anhand der genannten Liste Preise und Funktionen.

Vorsicht ist geboten, denn der Teufel steckt im Detail: Allein von Linksys' WRT54G (und dem verwandten WRT54GS) gibt es gut zwei Dutzend Hardware-Revisionen, von denen längst nicht alle mit OpenWRT funktionieren. Deshalb gilt: Unbedingt auf das Etikett achten, das auf der Verpackung des Geräts prangt – darauf steht üblicherweise die Hardware-Revision. Alternativ gibt der Sticker auf der Unterseite des Routers ebenfalls Auskunft über Modell und Revision.

Im Folgenden verwendet dieser Artikel einen Asus WL500G Premium. Das Gerät gehört zur "Oberklasse" und bringt außer den üblichen LAN-Anschlüssen auch zwei USB-Ports mit, die sich noch als sehr nützlich erweisen werden.

OpenWRT installieren

Haben Sie sich dazu entschlossen, OpenWRT eine Chance zu geben, stehen Sie gleich vor der ersten Herausforderung: der Auswahl der passenden Variante. Aktuell ist die OpenWRT-Version 10.03, die auf den Codenamen "Backfire" hört. Die Entwickler empfehlen allerdings dringend, die Release-Candidate-Version der nächsten Version 10.03.1 zu verwenden.

Im Download-Bereich der OpenWRT-Website finden sich für das Testgerät zwei verschiedene Firmware-Varianten: Eine namens brcm-2.4 und eine namens brcm47xx. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass die erstgenannte einen Linux-Kernel in Version 2.4 nutzt, die zweite dagegen einen Kernel 2.6. Für die Hardware-Revision v2 des WL500GP empfehlen die Entwickler auf der Wiki-Seite für das Gerät [2] die Variante mit dem 2.4er-Kernel, für die Revision v1 darf es ruhig auch der aktuellere Betriebssystemkern sein.

Welche Firmware für das eigene Gerät passt, finden Sie am schnellsten über das Wiki von OpenWRT und dort über die Geräte-Seite heraus. Meistens geben die Entwickler eine eindeutige Empfehlung ab. Verlinkt ist auf den Geräteseiten allerdings meist nur das Stable-Release. Wer auf den Release-Candidate der nächsten Version setzen möchte, muss dann noch einen kleinen Trick anwenden, um wirklich die richtige Datei zu erhalten.

Zuerst brauchen Sie dazu den Link zur aktuellen stabilen Firmware von der Wiki-Seite des eigenen Geräts. Im Falle des WL500GP lautet der richtige Link:

http://downloads.openwrt.org/backfire/10.03/brcm47xx/openwrt-brcm47xx-squashfs.trx

Im Anschluss gibt die "Backfire"-Downloadseite [3] den Blick auf alle vorhandenen Versionen von OpenWRT frei. Hier gilt es, die aktuelle Version von 10.03.1 herauszufinden – Ende Oktober 2011 war das die 10.03.1-rc5. Im Link zur stabilen Firmware von der Geräteseite ersetzen Sie dann einfach die Versionsnummer – also 10.03 – durch die neue, also 10.03.1-rc5. Der vollständige Link für den Asus WL500GP lautet also:

http://downloads.openwrt.org/backfire/10.03.1-rc5/brcm47xx/openwrt-brcm47xx-squashfs.trx.

Der Artikel bezieht sich im Folgenden auf den zu Redaktionsschluss letzten Release-Candidate von OpenWRT 10.03.1, die Version rc5.

Steht die passende Firmware-Variante fest und haben Sie die zugehörige Datei auf der Platte – die Firmware-Files enden auf .trx – dann geht es mit der Installation weiter. Auch bei diesem Punkt gibt es einige Unterschiede zwischen den Routern verschiedener Hersteller. Glücklich dürfen Sie sich schätzen, wenn Sie OpenWRT einfach mittels der Update-Funktion des Webinterfaces der Hersteller-Firmware installieren können. Das klappt gerade bei älteren Geräten sehr zuverlässig.

Neuere Modelle oder Router mit aktueller Hersteller-Firmware sind so einfach nicht zu überlisten. Die Hardwarebauer haben ihre neueren Firmwares nämlich mit Funktionen ausgestattet, die das Flashen von "falscher" Firmware verhindern. Im Rahmen der regulären Updates hatte mancher Images aufgespielt, die für andere Geräte gedacht waren, und damit seinen AP "gebrickt".

Dieser Begriff "to brick" und das Wort "brick" – also Ziegelstein – im Allgemeinen bezeichnet in der Entwicklergemeinde übrigens jeden Vorgang, der aus dem teuren Gerät einen extravaganten Briefbeschwerer macht, ihn also dauerhaft zerstört. Um das zu verhindern, haben die Hardware-Hersteller die Funktionen für das Firmware-Update in ihrer Software entsprechend angepasst und sperren so ärgerlicherweise auch OpenWRT aus.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...