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© Ying Feng Johansson, 123rf.com

Sechs Ubuntu-Derivate von einer DVD booten oder installieren

Das halbe Dutzend

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Zeitgleich mit Ubuntu 11.10 erschienen diverse Derivate, die sich von "Oneiric Ocelot" primär durch ihre Oberfläche unterscheiden. Das LU-Ubuntu-Megapack vereint die interessantesten sechs davon unter einer Boot-Oberfläche.

Die Multiboot-DVD Ubuntu-Sixpack vereint die sechs wichtigsten installierbaren Live-Versionen des neuen Ubuntu 11.10 "Oneiric Ocelot" unter einem Boot-Menü (Abbildung 1). Damit können Sie auf elegante und bequeme Weise die verschiedenen Derivate ausprobieren und bei Gefallen auch auf der Festplatte installieren.

Abbildung 1: Am Boot-Screen der DVD wählen Sie, welcher der sechs "Oneiric"-Varianten Sie starten möchten.

In erster Linie unterscheiden sich die Versionen durch den Einsatz verschiedener Desktop-Umgebungen. Während Ubuntu [1] auf Unity und Gnome setzt, kommt bei Kubuntu [2] KDE 4.7.1 zum Einsatz. Lubuntu [3] nutzt die schlanke Alternative Lightweight X11 Desktop Environment (LXDE). Bei Xubuntu [4] dient das ebenfalls sehr schlanke XFCE zum Darstellen des Desktops. Ein vollwertiges Media-Center bietet die Distribution Mythbuntu [5], deren Kernbestandteil aus MythTV in Version 0.24 besteht. Zu Rettungszwecken dient die konsolenbasierte Distribution Ubuntu Rescue Remix [6].

Aus produktionstechnischen Gründen weist das LinuxUser-Megapack gegenüber den normalen Ubuntu-Versionen einige Besonderheiten auf. Näheres dazu finden Sie im Kasten "Hinweise zur DVD".

Hinweise zur DVD

Bei allen Ubuntu-Derivaten erscheint zwar zunächst der korrekte Bootscreen beim Start, der folgende Auswahldialog Installation zeigt auf den Buttons jedoch stets die missverständliche Meldung Ubuntu ausprobieren beziehungsweise Ubuntu installieren. Ähnlich verhält es sich mit dem Desktop-Icon, das ebenfalls bei allen Distributionen Ubuntu 11.10 installieren anzeigt. Trotz der etwas irreführenden Benamsung startet jedoch in allen Fällen die von Ihnen gewählte Distributionsvariante beziehungsweise deren Installation.

Unter der Haube

Unter der Haube betrieben die Entwickler von Canonical eher moderate Modellpflege. Der Kernel trägt mittlerweile offiziell die Versionsnummer 3.0, was zu den bemerkenswertesten Änderungen von Ubuntu 11.10 zählt. Als Default-Compiler kommt GCC 4.6 zum Einsatz, Python 2.7.2 als Skriptsprache. Nach Entwicklerangaben erleichtert die aktuelle Release auch den Zugriff auf die Backport-Repositories, die jetzt bereits in der Grundeinstellung aktiviert sind.

Mit jedem neuen Release bringt Ubuntu neue Software mit und trennt sich – meist aus Platzgründen – von alten Zöpfen. Backups übernimmt jetzt das Tool Déjà Dup, das Ihre wichtigen Dateien optional auf einer externen Platte oder einem Cloud-Server vorhält, etwa auf Ubuntu One. Zum Anzeigen und Erstellen von Texten, Tabellen und Präsentationen dient die Bürosuite LibreOffice 3.4.3. Der grafische Paketmanager Synaptic und der Video-Editor PiTiVi fallen dagegen unter den Tisch, stehen aber beide in den Repositories zur nachträglichen Installation parat. Der bisherige Standard-Mailclient Evolution musste Mozillas Thunderbird weichen.

Der Instant Messenger Gwibber wurde ebenso überarbeitet wie das Ubuntu-Software-Center (Abbildung 2). Letzteres bringt unter anderem eine Option mit, die es Ihnen erlaubt, die aktuelle Softwarekonfiguration mittels Ubuntu One auch auf andere Rechner zu übertragen. Ganz neu ist der Log-in-Manager LightDM: Er fällt schlanker aus als sein Vorgänger GDM und lässt sich leichter konfigurieren.

Abbildung 2: Das Software-Center von Ubuntu erlaubt es jetzt auch, die Softwarekonfiguration des Rechners in Ubuntu One zu speichern und auf anderen Rechnern zu nutzen.

Allerdings bringt Version 11.10 auch weniger schöne Neuerungen mit: So verschlechterten sich die Bootzeiten im Vergleich zur Version 10.04 deutlich. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass der Hauptentwickler in diesem Bereich das Projekt mittlerweile verlassen hat. Ein weiterer Makel, der vor allem Anwender von Mobilgeräten betrifft, ist der Stromverbrauch: Phoronix [7] wies der Beta-Version je nach Gerät einen bis zu 50 Prozent erhöhten Energiebedarf gegenüber der Vorgängerversion nach. Ob Canonical in der finalen Release dahingehend nachgebessert hat, konnten wir zum Redaktionsschluss nicht mehr ermitteln – DVD und Artikel mussten zwei Tage nach dem Release direkt ins Presswerk beziehungsweise die Druckerei.

Eine gute Nachricht gibt es immerhin für Benutzer von 64-Bit-Systemen: Sie können nun auch 32-Bit-Pakete auf ihrem 64-Bit-Ubuntu installieren.

Facelift

Wie bei Nicht-LTS-Releases üblich betrieb Canonical in Version 11.10 in erster Linie Modellpflege. Ubuntu 11.10 (Codename "Oneiric Ocelot", geträumter Ozelot) bietet auf den ersten Blick nur wenig spektakuläre Neuerungen. Bei genauerer Begutachtung zeigen sich dennoch einige signifikante Änderungen.

Die Migration zu Gnome 3 und dem GTK+-3-Toolkit stand klar im Mittelpunkt der Entwicklung. Einer der Vorteile: Sie können den Gnome-3.2-Desktop nun über die Standardpaketquellen installieren. Das Paket heißt gnome und zieht etwa 120 MByte an Daten auf den Rechner.

Ubuntu verzichtet zugleich erstmals auf den Einsatz des Gnome-Desktops. Ließ sich das klassische Gnome unter Ubuntu 11.04 noch als Fallback-Lösung auswählen, müssen Sie den Gnome-3.2-Desktop nun explizit nachinstallieren. Auch den klassischen Gnome-2-Desktop finden Sie noch, er steckt im Paket gnome-session-fallback. Während der klassische Desktop im Test eine gute Figur machte, wirkt Gnome 3.2 unter Ubuntu noch etwas unausgereift.

Ubuntus neuer Unity-Desktop setzt OpenGL in Version 1.4 sowie die Unterstützung für einige OpenGL-Erweiterungen voraus. Um in Erfahrung zu bringen, wie es um den OpenGL-Support auf Ihrem Rechner steht, tippen Sie in der Konsole den Befehl

$ /usr/lib/nux/unity_support_test -p

Genügt Ihr Rechner den OpenGL-Anforderungen nicht, springt Unity 2D in die Bresche. Es setzt keine 3D-Beschleunigung voraus und läuft dadurch auch auf älteren Rechnern und ARM-Geräten, die keinen 3D-Support bieten. Allerdings ist es auch nicht in der Lage, Anwendungen mit 3D-Ansprüchen zu starten, etwa Google Earth oder ähnliches.

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