Stolperfallen

Fluxbox wurde von dessen Entwicklern nicht speziell dafür geschaffen, um es unter Gnome zu betreiben – folglich gilt es noch einige Klippen zu umschiffen. Glücklicherweise lässt sich das Verhalten dieses Fenstermanagers in weiten Grenzen konfigurieren.

Das Gnome-Panel der dritten Generation verfügt nach wie vor über ein Kontextmenü, das man aber seltsamerweise nicht mehr über einen simplen Rechtsklick erreicht. Stattdessen muss man zusätzlich [Alt] drücken, aus welchen Gründen auch immer. Allerdings fängt Fluxbox dieses Tasten/Mauskürzel ab und fokussiert das Panel, um wie bei einem gewöhnlichen Fenster die Größe ändern zu können. Genügen Ihnen zu diesem Zweck die üblichen Anfasser, dann löschen Sie einfach die entsprechende Zeile (Listing 1) in der Datei ~/.fluxbox/keys oder kommentieren sie aus.

Listing 1

OnWindow Mod1 Mouse3 :MacroCmd {Raise} {Focus} {StartResizing NearestCorner}

Ein Schnellstartfenster gehört auf jeden Desktop. Fluxbox liefert zwar eines mit, das aber den Namen nicht wirklich verdient: Das mikroskopisch kleine, blasses Eingabefeld verschwindet optisch fast unter dem Fenstertitel und tut nichts weiter, als eingegebenen Text anzunehmen und nach dem Drücken der Eingabetaste das entsprechende Programm zu starten. Es gibt weder eine Chronik noch einen Auswahldialog, über den Sie die gesuchte Datei finden könnten.

Der originale Schnellstarter von Gnome schlägt das Fluxbox-Pendant um Längen, doch er lässt sich nicht einfach über den Aufruf einer Binärdatei starten. Abhilfe schafft die Datei gnome-panel-control aus dem Openbox-Paket Ihrer Distribution: Sie finden sie in Ubuntu und Debian in einem separaten Paket gleichen Namens, bei Opensuse und Fedora im Paket openbox-gnome. Folgender Eintrag in der Datei ~/.fluxbox/keys wirkt Wunder:

# open a dialog to run programs
Mod1 F2 :Exec gnome-panel-control --run-dialog

Ebenso funktioniert das Tastenkürzel zum Öffnen des Desktop-Kontextmenüs nicht wie gewohnt: Drücken Sie [Strg]+[F10], dann versucht Fluxbox zur zehnten Arbeitsfläche zu springen – selbst dann, wenn es diese gar nicht gibt. Abhilfe erzielen Sie auch hier, indem Sie die korrespondierende Zeile in ~/.fluxbox/keys löschen:

Control F10 :Workspace 10

Allgemein empfiehlt es sich, Fluxbox vor dem Einbau in Gnome zunächst einem Trockenlauf zu unterziehen. Starten Sie direkt über dessen Sitzungseintrag in GDM einfach den "nackten" Fensterverwalter, um zumindest die benötigten Konfigurationsdateien in Ihrem persönlichen Ordner anlegen zu lassen.

Bei der Gelegenheit sollten Sie Fluxbox auch gleich für die neue Umgebung vorbereiten: Platzieren Sie die Toolbar so, dass sie später unter dem Panel verschwindet, und weisen Sie ihr die gleiche Höhe zu. Das klappt auch auf grafischem Weg über einen Rechtsklick und das Aktivieren der entsprechenden Einträge im Toolbar-Menü. Die Toolbar einfach auszublenden, erweist sich als wenig empfehlenswert: Fluxbox schiebt neu geöffnete Fenster dann gern unter das Gnome-Panel. Die verborgene Toolbar wirkt hier wie eine natürliche Barriere.

Falls Ihnen nun noch ein grafisches Werkzeug zum Wechsel des Fluxbox-Themas fehlt, dann werfen Sie doch einen Blick auf Fluxstyle ([6], Abbildung 3). Fertige Pakete dafür sind rar, doch es lässt sich dank Python-GTK-Basis recht einfach installieren. Fluxstyle berücksichtigt alle Fluxbox-Themen im Systemordner (meist /usr/share/fluxbox/styles) und in Ihrem persönlichen Ordner in ~/.fluxbox/styles. Hat der Ersteller des Themas daran gedacht, ein Vorschaubild mitzuliefern, zeigt Fluxstyle es vorab an.

Abbildung 3: FluxStyle ermöglicht bequemen Themenwechsel.

Ein brauchbares allgemeines grafisches Konfigurationswerkzeug für Fluxbox fehlt allerdings. Das betagte Fluxconf wird seit langem nicht mehr gepflegt [7]. Da hilft nur, ersatzweise zu einem Texteditor Ihrer Wahl zu greifen. Eine Fülle von Informationen zu den möglichen Einstellungen liefert das (allerdings nur teilweise deutschsprachige) Fluxbox-Wiki [8].

Frohe Zukunft?

Darf man dem prominenten Gnome-Entwickler Vincent Untz glauben, bleibt der Ausweichmodus über die gesamte Lebensdauer von Gnome 3 erhalten. Wie er am Ende aussehen wird, ist allerdings momentan noch nicht abzusehen. Auch die Zahl der potenziellen Benutzer lässt sich angesichts einer zu erwartenden Fluktuation zu XFCE und LXDE keineswegs abschätzen: Mit den gerade neu erschienenen Versionen von Ubuntu und Fedora schlägt der neue Desktop ja gerade erst bei der Masse der Benutzer auf.

Insgesamt rief der Umbruch bei Gnome angesichts der Meldungen in diversen Mailinglisten und Diskussionsforen und der verfügbaren Erweiterungen bislang eher passive bis positive Reaktionen der Benutzer hervor – von Linus Torvalds einmal abgesehen. Auch wenn die Gnome-Shell letztendlich wohl die Oberhand behalten wird, gibt es mehr als einen Grund, in Form des Ausweichmodus eine Hintertür offen zu halten. 

Der Autor

Mario Blättermann war hartnäckiger Computer-Ignorant, bis er auf die Möglichkeiten des Internets stieß. Da das zeitgleich mit dem ersten großen Linux-Hype Ende der Neunziger Jahre passierte, lässt ihn seither auch die freie Software nicht mehr los.

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