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© John Wollwerth, 123rf.com

Aufgerüscht

Fritzbox-Firmware mit praktischen Funktionen aufrüsten

16.11.2011
Mit Freetz rüsten Sie eine Fritzbox zur günstigen, stromsparenden eierlegenden Wollmilchsau auf, deren Fähigkeiten einzig die schwachbrüstige CPU begrenzt. Hardware- oder Firmware-Profi brauchen Sie dazu nicht zu sein.

Die Fritzboxen des deutschen Router-Spezialisten AVM [1] sind bekannt für ihren großen Funktionsumfang: Je nach Variante fungiert eine Fritzbox nicht nur als WLAN-Router, sondern auch als Telefonzentrale, Fileserver, Medienserver und Faxgerät. Doch in der Fritzbox steckt das Potenzial für noch viel mehr, denn unter der Haube des meist roten Kästchens tickt ein Linux-Computer, der sich mithilfe der Firmware-Erweiterung Freetz [2] mit zahlreichen neuen Funktionen ausstatten lässt.

Gerade für Linux-Anwender ergeben sich mit Freetz viele interessante Möglichkeiten: So binden Sie dank Freetz auch Datenträger ein, die mit den in der Linux-Welt weit verbreiteten Dateisystemen Ext2, Ext3, Ext4 oder auch ReiserFS formatiert sind. Im Falle der Ext-Dateisysteme ist das erst mit aktuellen Fritzboxen von Haus aus möglich. Zudem lässt sich nach dem "Freetzen" auch ein OpenVPN- oder NFS-Server (siehe Kasten "NFS oder SMB?") auf der Fritzbox betreiben, wodurch sich die Box viel besser in ein von Linux-Systemen geprägtes Netzwerk integriert.

NFS oder SMB?

Die Leistungsfähigkeit der Fritzbox als günstiger NAS-Server fällt nicht eben berauschend aus: Mehr als 3,5 MByte/s kann sie üblicherweise nicht übertragen. NFS erweist sich jedoch besonders auf schwächeren CPUs, wie sie in Routern oder günstigen NAS zu finden sind, als deutlich schneller. Unsere Test-Fritzbox schaufelte nach dem Freetzen via NFS stolze 5,8 MByte/s an Daten über die Leitung, weitaus mehr also, als zuvor mit SMB.

Bei Freetz handelt es sich um einen kompletten Werkzeugkasten, mit dem Sie für eine Vielzahl von VoIP-Routern aus der Fritzbox-Familie (etwa auch die Telekom-Speedports, von denen viele baugleich zur Fritzbox sind) eine auf der Original-Firmware aufbauende, funktional modifizierte Firmware erzeugen. Dadurch erweitern Sie das Betriebssystem des Routers um interessante Funktionen oder entfernen umgekehrt nicht benötigte Funktionen aus der Original-Firmware, sodass mehr Ressourcen auf dem Router zur Verfügung stehen.

Unschönerweise verbietet die Lizenz des Fritzbox-Quelltextes [3] die Weitergabe angepasster, fertig gebauter Firmware-Images, sodass man die Freetz-Firmware zwangsläufig selbst erzeugen muss. Dank ausgetüftelter Skripte lässt sich das aber auch von eher unerfahrenen Anwendern leicht bewältigen. Besonders auf einem Linux-System geht der Prozess flott und reibungslos von der Hand, da die meisten Linux-Distributionen die benötigten Werkzeuge von Haus aus mitbringen.

Vorbereitungen

Bevor Sie damit anfangen, Freetz auf Ihre Fritzbox zu spielen, sollten Sie über das Webfrontend ihrer Box unter System | Firmware-Update erst einmal überprüfen, ob der Router auf dem aktuellen Stand ist (Abbildung 1). Falls Sie eine Beta-Labor-Firmware [4] installiert haben, dann rollen Sie diese vorab auf den Stand der letzten veröffentlichten Standard-Firmware-Version zurück.

Abbildung 1: Prüfen Sie vor dem Freetzen Ihre Fritzbox auf neue Updates.

Dabei gehen ihre Einstellungen für ihre Telefonanbieter oder die Einwahldaten nicht verloren. Dennoch empfiehlt es sich, an dieser Stelle unter System | Firmware-Update | Firmware-Datei ein Backup der Einstellungen vorzunehmen: Im Fall der Fälle können Sie dann später die Einstellungen mit ein paar Mausklicks wieder herstellen.

Compiler und Libs

Unter Linux haben Sie beim Kompilieren der Freetz-Firmware eigentlich leichtes Spiel, denn das System bringt von Haus aus über die Paketverwaltung alles mit, was Sie zum Übersetzen eines Linux-Kernels und von Programmen benötigen. Sie brauchen vor dem Kompilieren der Firmware keine Angst zu haben: Selbst wenn sie bislang keine oder nur wenig Erfahrung mit dem "Bauen" von Programmen besitzen, bekommen Sie die Freetz-Firmware dank der exzellenten Dokumentation problemlos "gebacken".

Da die meisten Linux-Distributionen von Haus aus keine vollständige Entwicklungsumgebung installieren, müssen sie zum Bauen der Firmware je nach Distribution eine Reihe von Bibliotheken und einen C-Compiler via Paketmanager nachziehen. Die Freetz-Dokumentation listet dazu die für Ubuntu und Fedora benötigten Befehle auf [5], die sie direkt von der Freetz-Website per Copy & Paste in ein Terminalfenster übertragen.

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