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© Juuichimel, sxc.hu

Elegant gefaltet

Flyer-Design mit Scribus

15.11.2011
Langweilige Clipart und unordentliches Design verderben die Freude am selbstgemachten Flyer. Mit Scribus erstellen Sie Infoblätter auf Profi-Niveau.

Desktop Publishing (DTP) – das klingt immer nach großen Medienagenturen, Zeitschriften und flippigen Designern in teuren Büros mit komplettem Apple-Equipment. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt schnell, dass DTP – oder einfacher: Layout – im Kleinen anfängt: Jeder Verein denkt zum Beispiel über Infomaterial für potenzielle Mitglieder nach, und das funktioniert selbst in Zeiten des Internets noch recht gut über eine direkte Ansprache und attraktive Flyer.

Der Weg zu einem eigenen Flyer gestaltet sich weniger steinig als gedacht, und das Beste: Linux bringt alle notwendigen Tools dafür mit. Für das Layout kommt das Programm Scribus [1] zum Einsatz, zum Bearbeiten der Bilder dient die Software Gimp [2]. Falls Sie zusätzliche grafische Elemente benötigen, empfiehlt sich das Vektorzeichenprogramm Inkscape [3]. Linux bietet also einen kompletten, freien Werkzeugkasten als Alternative für die sündteuren Programme von Adobe (siehe Kasten "DTP-Workflow").

Aktuell finden Sie in den meisten Distributionen die stabile Version Scribus 1.3.3. Auf der Homepage des Projekts steht sich aber bereits mit Version 1.4 die kommende, stabile Version bereit. Diese installieren Sie unter Ubuntu über eine zusätzliche Paketquelle, die Sie mit der folgenden Zeile /etc/apt/sources.list hinzufügen:

deb http://debian.scribus.net/debian/ Debian-Version main

Das Feld Debian-Version gilt es entsprechend anzupassen. Eine Webseite [4] gibt ausführlich Auskunft, welche Version sich hinter welchem Codenamen verbirgt und wie Sie bei Bedarf den GPG-Schlüssel des Projekts importieren, um die Echtheit der Pakete zu überprüfen. Im Paketmanager Synaptic wählen Sie anschließend den Filter Ursprung aus. Über die neue Quelle installieren Sie nun die neueste Version. Diese taucht im Menü neben dem Eintrag Scribus (Stable) als Scribus NG auf.

DTP-Workflow

Als wichtigster Partner zu Scribus kümmert sich Gimp um die Bilder. Zwar bietet das Layoutprogramm die Option, Gimp-Filter anzuwenden, aber um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, empfiehlt sich der Einsatz der Bildbearbeitungssoftware. Diese bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Bilder in einer passenden Form zu speichern, um sie für weitere Arbeiten bereit zu stellen.

Einfache Grafiken, wie eine durchlaufende Linie erstellen Sie bei Bedarf in Scribus, komplexere Arbeiten sollten Sie jedoch auslagern. Benötigen Sie komplexere Symbole, zum Beispiel Logos oder Skizzen, greifen Sie am besten zu Inkscape.

Bei der Arbeit mit längeren Texten hilft ebenfalls eine externe Software – besonders, wenn Sie eine Rechtschreibkorrektur nutzen möchten: Dann greifen Sie zum Beispiel auf OpenOffice [5] zurück.

Zu guter Letzt noch der Hinweis auf Digikam [6]: Falls Sie in einem größeren Projekt mit vielen Bildern arbeiten, bietet sich diese Software zum Verwalten der Bilddaten an. Digikam bietet die Möglichkeit, die Dateien mit Schlagwörtern und Wertungen zu versehen und verfügt zudem über grundlegende Möglichkeiten zum Bearbeiten der Bilder.

Vor dem Start

Auch wenn es nicht direkt mit Linux und dem Computer zu tun hat: Machen Sie sich vor dem ersten Mausklick Gedanken über das Design des Produkts. Dabei helfen unter anderem Skizzen. Überlegen Sie zum Beispiel, welches Format sich am besten eignet. Spätere Änderungen ziehen oft viel zusätzliche Arbeit nach sich. Das eventuell eingesetzte Bildmaterial sollten Sie im Voraus organisieren.

Für unseren Beispiel-Flyer kommt ein dreifach gefaltetes A4-Format zum Einsatz. Das eröffnet genügend Platz, um alle Informationen unterzubringen, und das gefaltete Endprodukt sieht schicker aus als ein einfaches Blatt Papier. Öffnen Sie im Scribus-Menü den Punkt Datei | Neu (Abbildung 1). Wählen Sie als Seitenformat A4 und als Ausrichtung Querformat. Rechts unter Optionen stellen Sie noch als Standardmaßeinheit Millimeter ein. Der Bereich Dokumentenlayout böte die Möglichkeit, 3fach gefaltet auswählen. Im Beispiel verwenden wir jedoch stattdessen Hilfslinien.

Abbildung 1: Im Dialog zum Erstellen eines Dokumentes legen Sie die grundlegenden Parameter fest, inklusive Anschnitt und gegebenenfalls einem vorgefertigten Textrahmen.

Hinter den Hilfslinien verbirgt sich ein wichtiges Werkzeug: Sie geben nicht nur Anhaltspunkte zum Gestalten, sondern helfen auch beim Platzieren der Elemente. Sie aktivieren die Funktion über Seite | An Hilfslinien ausrichten. Anschließend rasten Elemente, die Sie hinzufügen oder bewegen, an den Hilfslinien ein. Wie Sie die Hilfslinien am besten anordnen, hängt von den Vorgaben des Dienstleisters ab, bei dem Sie die Flyer drucken lassen. Viele Anbieter stellen Vorlagen mit genauen Angaben zur Größe und der Aufteilung der Seite bereit. An diese sollten Sie sich halten, um spätere Probleme oder Korrekturen zu vermeiden.

Im Beispiel kommen folgende Maße zum Einsatz: Bei A4 (DIN: 210 x 297 mm) 21,2 mal 29,9 Zentimeter für die bedruckbare Fläche inklusive ein Millimeter Beschnittzugabe. Für die erste Seite richten Sie die erste Hilfslinie bei 98 Millimeter ein, die zweite bei 198 Millimeter. Auf der zweiten Seite (der Flyer-Rückseite) müssen Sie das Verhältnis umdrehen, damit es passt. Die Hilfslinien erstellen Sie ganz einfach, in dem Sie mit der Maus in das seitliche oder obere Lineal klicken, die Maustaste gedrückt halten und in die Arbeitsfläche hineinziehen. Am oberen und unteren Rand legen Sie jeweils eine Hilfslinie im Abstand von 10 Millimetern an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Grundgerüst für den Flyer erstellen Sie über Hilfslinien. Mit Hilfe des entsprechenden Dialogs passen Sie diese bei Bedarf an.

Elemente einfügen

Scribus arbeitet, wie andere DTP-Software, mit Rahmen: Alle Elemente sitzen jeweils in einem eigenen Bereich, Modifikationen auf diesen wirken nicht auf den Rest des Dokuments ein. Im Gegensatz dazu nutzen die meisten Textverarbeitungen einen durchgehenden Text – alle Elemente, die zusätzlich darin vorkommen (Bilder, Linien) beeinflussen in der Regel das Aussehen des gesamten Textes.

Sie müssen aber nicht für jedes Element explizit einen Rahmen anlegen: Scribus erstellt diesen automatisch, sobald Sie Text oder ein Bild per Drag & Drop einfügen. Sämtliche Elemente legen Sie über das Menü Einfügen an. Merken Sie sich für einen flotten Workflow die Tastenkürzel [T] für einen Text- und [I] für einen Bildrahmen.

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