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Verschiebebahnhof

Benutzerkonten und Konfigurationsdateien nahtlos migrieren

16.11.2011
Zahlreiche Programme speichern in der Konfiguration absolute Pfade. Ändern Sie einen Benutzernamen und das zugehörige Home-Verzeichnis, zeigen plötzlich viele Pfade ins Leere. Unser Workshop zeigt, wie Sie das beheben.

Ein Benutzeraccount ist schnell angelegt – entweder über die systemeigenen grafischen Tools oder über die Kommandozeile, wie in der letzten Ausgabe gezeigt [1]. Was aber, wenn der einmal gewählte Name eines Tages nicht mehr in das Schema des mittlerweile gewachsenen Kontenstamms hineinpasst? Für diesen Fall stellt ein Linux-System die passenden Kommandos bereit. Um einen Account aber richtig zu migrieren, braucht es mehr als nur das Umbenennen von Konten- und Gruppennamen.

Persönliche Konfigurationsdateien, Einträge in der globalen Konfiguration des System, Spool-Files und Crontab-Einträge – der Username oder der Pfad zum Home-Verzeichnis verstecken sich an vielen Stellen im Dateisystem. Wagen Sie den Schritt, einen oder mehrere Accounts umzubenennen, gilt es auf jeden Fall, vorher das obligatorische Backup zu erstellen.

Mit Hinblick auf die manchmal kniffelige Suche nach Einträge stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand lohnt. Eine Stärke von Linux liegt jedoch gerade in der Flexibilität und Offenheit des Systems. Viele Dateien liegen im Klartext vor, und wo das nicht der Fall ist, da helfen in den meisten Fällen die Bordmittel weiter.

Plattmachen und nur die wichtigsten Daten einspielen, das ist Windows-Art. Linux bietet die Möglichkeit, ein System über viele Jahre weiter zu pflegen und genau das Gleiche gilt für die Benutzerdaten. Ausmisten ist natürlich trotzdem ausdrücklich erlaubt.

Harmonie

Einen Account auf einen neuen Nutzernamen und den passenden neuen Gruppennamen umzustellen ergibt zum Beispiel dann Sinn, wenn Sie zwischen verschiedenen Rechnern die Konten harmonisieren möchten, womöglich im Hinblick auf das zentrale Sichern von Daten auf einem Speicher im lokalen Netzwerk.

Hinter jedem Benutzernamen und jeder Gruppe im System steht eine so genannte ID, ein numerischer Wert, den Sie beispielsweise ermitteln, indem Sie den Befehl ls mit der Option -n in einem Terminal eingeben (Listing 1). Mit dem Befehl id sehen Sie dagegen, welchen Gruppen Sie angehören.

Listing 1

$ ls -n
drwxrwxr-x  2 1019 1019   4096 2010-06-10 11:17 bin
drwxr-xr-x  3 1019 1019   4096 2011-08-31 12:37 Desktop
drwxrwxr-x  6 1019 1019   4096 2011-09-05 13:28 Dokumente
drwxrwxr-x  9 1019 1019  20480 2011-09-07 17:36 Mail
drwxrwxr-x  2 1019 1019   4096 2008-12-09 11:34 RCS
drwxrwxr-x  6 1019 1019   4096 2011-08-23 16:01 src
drwxrwxr-x  4 1019 1019   4096 2011-05-19 11:24 tmp

Möchten Sie also die Benutzerkonten von Grund auf vereinheitlichen, gilt es im ersten Schritt zu prüfen, ob die Benutzer- und Gruppen-IDs über die verschiedenen hinweg PCs voneinander abweichen. Falls ja, dann gibt es mehrere Möglichkeiten: Sind die Wunsch-IDs bereits vergeben, steht womöglich ein kompliziertes Bäumchen-wechsel-dich-Spiel an, bei dem Sie mit neuen, noch nicht vergebenen IDs als Zwischenlösung arbeiten. Wie das Verfahren genau aussieht, hängt stark von der jeweiligen Umgebung ab.

Die regulären Benutzer erhalten in der Regel eine ID ab dem Wert 1000; die IDs für Gruppen passend zum Benutzernamen starten ebenfalls mit diesem Wert. Listing 2 zeigt die Datei /etc/passwd, die unter anderem einen Eintrag für den Benutzer Max Mustermann enthält.

Listing 2

mustermann:x:1001:1002:Max Mustermann,,,:/home/mustermann:/bin/bash
emusterfrau:x1010:1010:Eva Musterfrau,,,:/home/emusterfrau:/bin/bash

Nun handelt es sich dabei um einen alten Account. In der Zwischenzeit arbeiten mehr Leute auf dem Rechner, und zwischenzeitlich hat jemand, der mit der Administration betraut war, das Schema zum Benennen der User geändert. Bestand der Username früher nur aus dem Nachnamen in Kleinschreibung (mustermann), verwenden der neue Admin den ersten Buchstaben des Vornamens sowie den kompletten Nachnamen (emusterfrau), wiederum alles in Kleinschreibung.

Den alten Benutzeraccount haben Sie schnell umbenannt (Listing 3, Zeile 1). Auch die passende Gruppe benennen Sie bei Bedarf mit einem einzigen Kommando um (Listing 3, Zeile 2). Meldet sich der Benutzer aber zum ersten Mal nach dieser Aktion an, erlebt er unter Umständen eine unangenehme Überraschung: Manche Programme speichern fahrlässigerweise in den Konfigurationsdateien absolute Pfade. Die zeigen nun natürlich ins Leere.

Listing 3

$ sudo usermod -l mmustermann -d /home/mmustermann -m mustermann
$ sudo groupmod -n mmustermann mustermann

Guter Grep

Möchten Sie alle Stellen im neuen Home-Directory lokalisieren, die einen Eintrag mit dem Namen des alten Heimatverzeichnisses enthalten, so helfen die Bordmittel in der Regeln weiter. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen versteckten Dateien, die direkt im Benutzerverzeichnis liegen und solchen, die in einem versteckten Ordner liegen. Da es sich in beiden Fällen häufig um einfache Textdateien handelt, hilft an dieser Stelle das Werkzeug Grep:

$ grep -rle /home/mustermann \.[^\.]* 2>/dev/null

Mit diesem Kommando fördern Sie alle sogenannten Dotfiles und Konfigurationsdateien in versteckten Verzeichnissen zutage, die den gesuchten String /home/mustermann enthalten. Diese Liste fällt unter Umständen sehr lang aus und enthält eventuell Dateien aus dem Mülleimer (.Trash) oder Thumbnail-Dateien. Hier gilt es zu überlegen, ob Sie diese nicht einfach löschen. Es empfiehlt sich aber, zuvor ein Backup des gesamten Benutzerverzeichnis anzulegen – der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen. Darüber hinaus sammeln sich im Home-Directory im Laufe der Jahre gerne verwaiste Dateien, die zu einer Software gehören, die Sie schon lange nicht mehr nutzen – im Zweifelsfall ebenfalls Kandidaten zum Entsorgen.

Hat sich der Bestand reduziert, geht es an die leidige Aufgabe, alle Dateien einzeln zu öffnen und von Hand die entsprechenden Einträge zu ändern. Das nimmt unter Umständen viel Zeit in Anspruch. Ein Automatisieren empfiehlt sich aber nur bedingt, denn allzu leicht ändern Sie so eine Stelle, die die Software vielleicht doch in der alten Form benötigt.

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