Der Kauf eines neuen Laptops stellt Linux-Anwender stets vor eine Herausforderung: Kaum einer der größeren Hersteller gibt Garantien, dass aktuelle Linux-Distributionen mit dem Gerät funktionieren. Hersteller, die ihre Geräte direkt mit Linux vertreiben, gehören zu den Ausnahmen, sodass aktuell eigentlich nur Netbooks direkt mit Linux über den Ladentisch gehen.

Wer eine ausgewachsene Maschine mit leistungsfähiger Hardware sucht, dem bleibt nur der Weg ins Netz, um sich über die Linux-Tauglichkeit der Systeme und verbauten Komponenten zu informieren – und die Hoffnung, dass die gefundenen Informationen noch aktuell sind. Kryptische Bezeichnungen der Bauteile und schnelle Modellwechsel der Hersteller erschweren die Suche zusätzlich. In praktisch identischen Namensvettern des selben Herstellers finden sich häufig recht unterschiedliche Komponenten, mit der Folge, dass auf dem ersehnten Notebook schließlich weder WLAN noch Touchpad oder die interne Soundkarte so funktionieren wie erhofft.

Abhilfe versprechen in dieser Situation Händler, die sich auf Linux-kompatible Hardware spezialisieren. Oft entsprechen die dort vertrieben Geräte allerdings nicht dem aktuellsten Stand der Technik, kommen einer Alibi-Linux-Distribution und erscheinen auch preislich nicht sonderlich attraktiv. Letzten Endes greifen daher viele Käufer doch lieber zu einem mit Windows vorinstalliertem Gerät eines bekanntes Herstellers.

In letzter Zeit setzt hierzulande jedoch ein Umdenken bei den Anbietern ein: Statt mit möglichst günstigen Modellen gegen die großen Marken anzutreten, bieten kleinere Hersteller exklusive Linux-kompatible Geräte mit dem gewissen Etwas an. Die Rechner liegen oft preislich über jenen technisch vergleichbarer Modelle großer Hersteller, bestechen jedoch durch exklusive Extras (wie etwa der Cirrus7 One [1]), vollständige Linux-Tauglichkeit und Linux-Support direkt vom Hersteller.

Seit ein paar Monaten präsentiert sich mit Rockiger [2] ein neuer Vertrieb im deutschsprachigen Markt, der den Linux-Laptop Satchbook (Abbildung 1) mit eben diesem gewissen Extra anbietet (siehe Tabelle "Ausstattung"). Stolz schreibt das Unternehmen in seinem Blog, dass es ein Notebook verkaufen wolle, das Macbooks und XPS-Modellen von Dell mit "ebenbürtiger Hardware und einem überlegenen Betriebssystem" zeige, "wo der Hammer hängt" [3].

Abbildung 1: Rockiger versucht sich mit dem Satchbook laut eigener Aussage an einem "Macbook-Killer".

Wer solch markige Sprüche in den Mund nimmt, darf einen kritischen Test nicht scheuen. Daher liegt der Fokus des Tests nicht ausschließlich auf der technischen Ausstattung und der Leistungsfähigkeit des Laptops, sondern eher auf der Design, Haptik und Material des Gehäuses.

Ausstattung

CPU Intel Core i5 bis Core i7
Grafik Intel HD Graphics 3000
RAM bis 8 GByte DDR3
HD ab 500 GByte, wahlweise 256 GByte SSD
DVD Samsung 8-fach DVD-Brenner (S-ATA)
Webcam max. Auflösung 1280x1024
LAN Gigabit-LAN
WLAN Intel 6230, 802.11a/b/g
Anschlüsse
Display VGA, HDMI
USB 2 x USB 3.0, 1 x USB 2.0
Akku
Typ Lithium-Polymer-Akku, 6 Zellen
Kapazität 5200 mAh
Laufzeit max. 8 Stunden(1)/ca. 5 Stunden(2)
(1) Herstellerangabe / (2) Testergebnis

Im Überblick

Das Satchbook ist mindestens mit einem Intel Core i5 der zweiten Generation (Sandy Bridge) ausgestattet. Optional stehen gegen Aufpreis Modelle mit Core-i7-CPUs (zwei oder vier Kerne) bereit. Dank des integrierten Grafikkerns kommt die Hardware selbst mit aufwendigen Spielen klar – etwa Alien Arena, America's Army oder Nexuiz – ohne auf eine zusätzliche Grafikkarte von AMD oder Nvidia zurückgreifen zu müssen.

Allerdings benötigt der Chipsatz mindestens Kernel 2.6.37. Aktuelle Ausgaben der großen Distribution wie Fedora, Ubuntu oder OpenSuse erfüllen diese Anforderung, der Kernel von Debian 6.0 Squeeze fällt jedoch zu alt aus.

Das Testgerät brachte einen Intel Core i5-2410M mit 2,3 GHz mit, dazu 8 GByte RAM sowie eine 500-GByte-Festplatte von Toshiba (MK5056GS, 7200 RPM). Das matte 15,6-Zoll-Display des Geräts (39,6 Zentimeter Diagonale) löst mit 1366x768 Pixeln auf. Anschlüsse für externe Geräte finden sich an beiden Seiten des Gehäuses (Abbildung 2).

Abbildung 2: Zwei USB-3.0-Anschlüsse sorgen für schnellen Datentransfer.

Für ein System in dieser Ausstattung berechnet Rockiger stolze 889 Euro. Mit einer großen SSD und einer schnelleren Core-i7-CPU schlägt das Satchbook in der Top-Variante mit über 1600 Euro zu Buche. Das Angebot richtet sich offensichtlich nicht an Schnäppchenjäger, die durch den Verzicht auf eine Windows-Lizenz nochmal ein paar Euro sparen wollen: Rockiger peilt vielmehr Käufer an, die ein gut ausgestattetes Gerät suchen.

Im Großen und Ganzen befindet sich das Satchbook auf dem aktuellen Stand der Technik. Die Sandy-Bridge-Grafik reicht für alle alltäglichen Aufgaben vollkommen aus. Selbst hochauflösende Youtube-Videos oder leistungshungrige Ego-Shooter meistert die Hardware mühelos. Vom Kartenleser über den Bluetooth-Adapter, die Multimedia-Tasten, die Webcam, die Soundkarte, die Grafik und sowie LAN und WLAN funktionierte das Testgerät mit aktuellen Live-CDs von Fedora, OpenSuse und Ubuntu ohne jede Nacharbeit. Die Laufzeit des Akkus erwies sich in unserem Alltagstest mit etwa 5 Stunden als ausreichend.

Vorinstalliert

Rockiger setzt beim Satchbook ausschließlich auf Ubuntu 11.04 "Natty Narwhal". Die Anforderungen an den Kernel verhindern den Einsatz älterer Ubuntu-Versionen, andere Distributionen bietet Rockiger nicht an. Das vorinstallierte Ubuntu richtet Rockiger ordentlich als OEM-Installation auf dem Rechner ein: So darf der Käufer beim ersten Start des Systems noch selbst einen Benutzer anlegen und den Namen des Rechners bestimmen.

Das Betriebssystem hat die Firma kaum modifiziert. Nach dem ersten Anmelden finden Sie sich auf einem fast unangetasteten Ubuntu-Desktop mit der umstrittenen Unity-Shell als Desktop wieder. Rockiger hat nur die Farben leicht verändert, das Hintergrundbild ausgetauscht und mit den Faenza-Icons [4] recht hübsche Symbole nachinstalliert.

Über den Ubuntu-Standards hinaus gehende Programme finden sich in der Installation nicht, sodass sich Ubuntu-Kenner sofort auf dem Satchbook zurechtfinden. Auch Multimedia-Codecs zum Abspielen von MP3s oder Auslesen von Film-DVDs gilt es selbst nachzuziehen. Damit sich Ubuntu-Einsteiger besser im System zurechtfinden, legt Rockiger dem Notebook ein ordentlich gedrucktes und laminiertes Cheat-Sheet mit den wichtigsten Tastenkombinationen zu Unity bei. Bei Interesse finden Sie dieses Dokument im Blog von Rockiger als PDF [5].

Für Anwender, die das System zerschossen haben und das Satchbook wieder auf Auslieferungsstand bringen wollen, liegt dem Satchbook-Paket eine Recovery-DVD bei. Sie beinhaltet eine Clonezilla-Installation [6], über die Sie das System automatisch wieder in den Ausgangszustand versetzen. Großartige Linux-Kenntnisse benötigen Sie dazu nicht: Sie legen lediglich die DVD ein und starten den Rechner von ihr. Nach einer Sicherheitsabfrage löscht ein Setup das System inklusive aller Daten und bügelt das Image darüber. Das Programm weist dabei deutlich darauf hin, dass Sie vorher Backups erstellen sollten.

Haptik und Ergonomie

Laptops in der Preisklasse jenseits der 500 Euro sind im Normalfall immer ausreichend schnell und umfangreich ausgestattet, sodass sie eigentlich jeden Ansprüchen genügen. In den gehobenen Preisklassen zählt daher nicht nur die schiere Leistung des Notebooks, sondern auch die Haptik, die Anmutung und Ergonomie des Laptops. Kreischende Lüfter, klapprige Tasten und billige Plastikgehäuse finden sich weder beim Macbook noch einem Dell XPS. Da sich das Satchbook explizit an diesen Geräten messen möchte und in Anbetracht seines nicht eben günstigen Preises auch gehobenen Ansprüche angebracht sind, liegt die Hürde hier entsprechend hoch.

Das Satchbook steckt in einem Barebone-Gehäuse des ODM Quanta [7], das Rockiger zusätzlich mit einem Alu-Label auf dem Deckel versehen hat. Auf der Super-Taste klebt ein Ubuntu-Logo (Abbildung 3). Das vollständig aus Plastik gefertigte Gehäuse erweckt zwar einen soliden Eindruck, bleibt jedoch weit entfernt von der Haptik und Optik eines vollständig aus Alu gefertigten Apple-Laptops. Die preislich vergleichbaren Mittelkasse-Modelle der gängigen Hersteller verfügen über Gehäuse, die einen deutlich höherwertigen Eindruck hinterlassen. Mit 2,5 Kilogramm bringt das Satchbook ebenso viel auf die Waage wie die 15-Zoll-Notebooks anderer Hersteller.

Abbildung 3: Mit einem einfachen Aufkleber verbirgt Rockiger das Windows-Logo auf der Tastatur, die im Test durch den geringen Abstand zwischen den Tasten unangenehm auffiel.

Unangenehm fällt der Lüfter des Satchbook auf: Er läuft mit einem deutlichen Geräusch permanent durch, auch wenn sich auf den Notebook rein gar nichts tut. Zudem handelt es sich beim Geräusch des Lüfters nicht um ein gleichmäßiges Hintergrundrauschen, stattdessen "sägt" etwas in einer bestimmten Frequenz im Lüfter. Lasten Sie das System komplett aus, mutiert der Lüfter zwar nicht direkt zum lautstarken Föhn, doch der Lärmpegel liegt deutlich höher, als er bei einem System dieser Preisklasse sein dürfte.

Die Wahl des Displays erscheint auf den ersten Blick schlüssig: Eine Auflösung von 1366x768 Pixeln bei einer Diagonale von 39,6 Zentimeter ergibt große Symbole und Schriften. Doch bei einem bis zu 1600 Euro teueren Laptops sollte auch ein hochauflösendes Display zur Auswahl stehen. Minuspunkte kassiert das Satchbook zudem für die Tastatur, deren Tasten ohne Abstand und spürbaren Übergang dicht an dicht nebeneinander liegen – das Tippen gerät so zur Glückssache.

Fazit

Rockiger geht mit dem Satchbook prinzipiell in die richtige Richtung. Ein kleiner Vertrieb kann den großen Herstellern nur schwer preislich Paroli bieten. Der Ansatz, hochwertige Systeme mit vorinstalliertem Linux zu vertreiben, erscheint aus dieser Sicht schlüssig. Unglücklicherweise erfüllt das Satchbook den hauseigenen Anspruch nur zum Teil. So bekommen Sie bei Dell für weniger als 600 Euro ein ähnlich ausgestattetes Gerät der XPS-Serie, bei dem jedoch Gehäuse und Tastatur einen wesentlich besseren Eindruck machen. Einen Vergleich mit Apples Hardware stellt man lieber erst gar nicht an.

Die verbaute Hardware im Satchbook ist ohne Frage sehr leistungsfähig und nicht billig im Einkauf. Doch die inneren Werte sollten sich in der äußeren Schale widerspiegeln, und an dieser Stelle geht das Konzept des Satchbooks schlicht nicht auf. Zudem fehlt eine Option für ein hochauflösendes Display gänzlich.

Diese Kritikpunkte in einer Kleinserie zu beheben und dennoch ein preislich halbwegs konkurrenzfähiges Notebook anzubieten, stellt offensichtlich die Quadratur des Kreises dar: Ohne hohe Stückzahlen hat der Vertrieb nicht genügend Einfluss auf Hersteller; ohne Einfluss auf die Produktion finden sich nur schwer Komponenten, die direkt den Ansprüchen genügen.

Rockiger plant für die Zukunft, ein kleineres Notebook mit 13,3-Zoll-Display und ohne optisches Laufwerk anzubieten. Man darf gespannt sein, ob Rockiger mit diesem Laptop dann wirklich Linux rockt. 

Glossar

Sandy Bridge

Architektur von Intel, die CPU und GPU in einem Chip vereint. Diese Core-Prozessoren der zweiten Generation versprechen mehr Datendurchsatz zwischen Prozessor und Grafikeinheit, also mehr Leistung und das bei geringerem Stromverbrauch.

ODM

Original Design Manufacturer. Auftragsfertiger, der auch die Planung und Konstruktion der produzierten Teile für den Kunden übernimmt.

Infos

[1] Cirrus7 One: Christoph Langner, "Tux in der Schachtel", LU 05/2011, S. 80, http://www.linux-community.de/22710

[2] Rockiger Satchbook: http://rockiger.com

[3] Rockiger-Blog: http://rockiger.com/de/blog/view/wir-stellen-vor-das-satchbook

[4] Faenza-Icons für Gnome: http://tiheum.deviantart.com/art/Faenza-Icons-173323228

[5] Shortcuts für Unity: http://rockiger.com/de/blog/view/ubuntu-11.04-shortcuts

[6] Clonezilla: http://clonezilla.org

[7] Quanta: http://www.quantatw.com/Quanta/english/product/qci_nb.aspx

Der Autor

Christoph Langner arbeitet für die PTV AG Karlsruhe in Karlsruhe im Testmanagement und ist seit Jahren im der Open-Source-Szene aktiv. Unter http://linuxundich.de finden Sie sein Blog rund um GNU/Linux.

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Kommentare
Insgesamt dennoch Positiv
Ulf B., Samstag, 22. Oktober 2011 00:38:24
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Hi Christoph,

interessante Hardware gut beschrieben.

Dennoch ein paar Anmerkungen von mir dazu. In seriösen Tests von Linux Hardware, wird die meist schlechte Unterstützung der Hardware moniert. Diese ist hier eindeutig besser (wenn man Deinem Beitrag liest). Auch gefällt mir, dass an ein Mattes Display gedacht wurde - hier wäre noch interessant - ob es hell genug ist, dass man es auch draußen noch einigermaßen benutzen kann.

Ansonsten geht das Preis - Leistungsverhältnis für mich in Ordnung. Einzig den hörbaren Lüfter - würde ich als echtes Manko sehen - so was darf es nicht geben - wenn man ein System sauber Konfiguriert!

Aber leider ist hier Rockiger zu spät dran. Mein nächstes System wir ein Tablett mit "echten" Linux sein - koste es was es wolle! Leider hat das WeTab - trotz meiner Ansicht nach fortschrittlichem Bedienkonzept kein HW Update mehr erfahren. Ich erwarte heute neben BT + WLAN a/b/g/n in 2,4 GHz und 5GHz. Eine echte Ethernet Buchse, reichlich USB Buchens, sowie mindestens ein Full HD tauglichen HDMI Ausgang in Verbindung mit einem auch Draußen gebrauchbaren matten Display mit min. HD 720p oder gar 1080p. Alternativ geht natürlich auch die Höhe auf ein verwendbares Maß aufzubohren.

Gruß
Ulf


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Re: Insgesamt dennoch Positiv
Christoph Langner, Freitag, 28. Oktober 2011 03:45:44
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Hallo Ulf, ich persönlich könnte mit dem Lüfter eher leben, als mit der Tastatur. Ich hab dazu noch ein bisschen was in meinem Blog geschrieben, dort gibts auch ein kleines Video. Siehe http://linuxundich.de/de/ha...atchbook-von-rockiger-im-test/

Grüße
Christoph


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Re: Insgesamt dennoch Positiv
Ulf B., Samstag, 29. Oktober 2011 17:34:42
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OK, Danke für den Link.

Ciao
Ulf


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