Home / LinuxUser / 2011 / 11 / Patent-Wahnsinn

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Mandriva gibt Distribution in die Hände der Community
(268 Punkte bei 24 Stimmen)
Neues vom Systemd
(179 Punkte bei 5 Stimmen)
Mandriva in Nöten
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Mageia 2 ist fertig
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Shopping
Topsuche
 
Yatego Deutschlands größte Shoppingmall. 10000 Shops,
3.5 Mio Artikel. Alle Bestseller, Servertechnik und Technik Themenwelten.

Notebooks und Netzwerkhardware bei Mercateo günstig kaufen.
Internet Telefonie mit VoIP Telefonen von Gigaset
Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.
Günstige Digitalkameras finden Sie im Preisvergleich.

Patent-Wahnsinn

Patent-Wahnsinn

20.10.2011

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wissen Sie eigentlich, wovon sich der Begriff "Patent" ableitet? Da kommen Sie nie drauf: Die Wurzel des Begriffs ist das lateinische "patens", das soviel bedeutet wie "offen", "frei" oder "unversperrt". So sehr das angesichts der aktuellen Patentkriege rund um mobile Geräte auch als Witz anmuten mag, die Bezeichnung hatte einmal durchaus ihren Sinn. Patente waren ursprünglich dazu gedacht, neue Kenntnisse, Verfahren und Technologien allen Interessierten frei zukommen zu lassen. Zu diesem Zweck motivierte man den Erfinder zur Offenlegung, indem man ihm im Gegenzug für eine befristete Zeit das exklusive Vermarktungsrecht zusprach. Davon hatten alle was: Der Inventor eine Belohnung für seine intellektuelle Leistung, die Allgemeinheit die Möglichkeit, Fortschritte schnell zu realisieren und das Rad nicht ständig neu erfinden zu müssen.

Von dieser positiven Wirkung der Patente ist inzwischen absolut nichts mehr geblieben. Stattdessen hat sich eine neue Gattung von Blutsaugern etabliert, die man üblicherweise verharmlosend als Patent-Trolle bezeichnet – neuhochdeutsch heißt das auch "Non-practicing Entities", kurz: NPEs. "Non-producing" wäre eigentlich treffender, denn NPEs produzieren nicht etwa Güter, sondern kaufen lediglich Patente auf, um dann bei Dritten Lizenzgebühren abzukassieren. Die Zeche dafür zahlt der Verbraucher, und nach einer aktuellen Studie [1] der juristischen Fakultät der Universität Boston fällt sie nicht eben unerheblich aus: Von 1990 bis 2010 verloren betroffene Unternehmen rund 500 Milliarden US-Dollars an NPEs, mit stetig steigender Tendenz: Mehr als die Hälfte davon fiel in den letzten vier Jahren an, durchschnittlich 80 Milliarden Dollar pro Jahr. Davon kommt bei den wirklichen Erfindern so gut wie nichts an, wie die Studie ausführt.

Wie sieht nun so ein typischer Patent-Troll aus? Zum Beispiel wie die Firma mit dem schönen Namen "Innovatio IP", die wegen angeblicher Verstöße gegen WLAN-Patente gerade in den USA sämtliche großen Betreiber von WLAN-Hotspots verklagt, etwa Kaffeeladen- oder Hotelketten. Derzeit hat Innovatio großzügigerweise nicht vor, auch private WLAN-Betreiber zu belangen [2], was die fraglichen Patente durchaus ermöglichen würden. Doch das "Geschäftsmodell" Patent-Trolling erweist sich mittlerweile als derart lukrativ, dass auch ausgewachsene Konzerne nicht mehr davor zurückschrecken, sich entsprechend zu betätigen.

Ein Paradebeispiel dafür liefert Microsoft. In Redmond verdient man inzwischen an Android mehr als als am eigenen Windows Phone 7. Während das Handy-Windows im zweitem Quartal 2011 lediglich 21 Millionen Dollar einspielte, erhielt Microsoft allein von HTC 60 Millionen Dollar Lizenzgebühren für Android-Smartphones [3]. Die Koreaner sind aber bei weitem nicht die einzigen, die zahlen: Laut einer Schätzung der Analysten von Goldman-Sachs wird Microsoft 2012 knapp 450 Millionen Dollar über Android-Lizenzen einnehmen [4]. Wohlgemerkt: Das ganze beruht auf angeblichen Patentverletzungen durch den Linux-Kernel, die Microsoft zwar behauptet, aber nie nachgewiesen oder auch nur präzisiert hat. Offenbar genügt inzwischen die Drohung mit einem jahrelangen und millionenteueren Prozess, um den Bedrohten nachgeben zu lassen. Die Kosten wälzen die Betroffenen dann zwangsläufig auf den Verbraucher und damit die Gesellschaft ab.

Solche Exempel machen überdeutlich, dass es höchste Zeit ist, das Patentrecht neu zu überdenken. Statt Innovation zu befördern, bremst es sie inzwischen. Statt schlaue Köpfe zu belohnen, macht es Kapitalgewinnler noch fetter. Hier wäre die Europäische Union dringend aufgerufen, für Abhilfe zu sorgen. Und, liebe EU, falls das nicht geht: Wie wäre es dann damit, statt des Europäischen Rettungsschirms den kränkelnden Kandidaten ein kleines Patent-Portfolio einzukaufen? Das scheint immerhin nachhaltig für Einnahmen zu sorgen …

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Kosten durch Patent-Trolle: J.Bessen, J.Ford, M.J.Meurer, "The Private and Social Costs of Patent Trolls", Boston University School of Law, September 2011, http://www.bu.edu/law/faculty/scholarship/workingpapers/documents/BessenJFordJMeurerM091911.pdf

[2] WLAN-Patentklage: http://patentexaminer.org/2011/09/innovatios-infringement-suit-rampage-expands-to-corporate-hotels/

[3] Infografik – Innovationsbremse Patente: http://holykaw.alltop.com/how-the-patent-war-is-stifling-innovation-in

[4] Microsofts Android-Einnahmen: http://www.businessinsider.com/goldman-microsoft-android-2011-9?op=1

Einem Freund empfehlen    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare

680 Hits
Wertung: 143 Punkte (5 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zum Autor

Jörg Luther

Jörg Luther

Jörg Luther arbeitet seit 1995 als IT-Journalist. Seine Vorliebe für das freie Betriebssystem lebt er privat in der LUG Erding und beruflich seit 2004 als Chefredakteur des LinuxUser aus.

Zum Blog von Jörg Luther →


Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 06/2012

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft bestellen Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,50 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 56,10) können Sie im LNM-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Adobe AIR
Adobe-AIR-Programme installieren und (manuell) starten
Tim Schürmann, 14.05.2012 13:09, 0 Kommentare

Es gibt sie noch: neue Anwendungen, die Adobes Integrated Runtime voraussetzen. Aktuellstes und vermutlich auch größtes Beispiel ist das Adventure Botanicula

Aktuelle Fragen

gibt es ein Kommandozeilen Tool, um ein X11-Fenster in ein Anderes einzubetten?
GoaSkin , 21.05.2012 16:44, 0 Antworten
Das XEmbed-Protokoll ist u.A. dazu gedacht, dass man eine X11-Anwendung in eine andere wie ein Wi...
Apache2, Options -Indexes geht nicht
no no, 12.05.2012 19:01, 8 Antworten
Habe in apache2.conf folgendes stehen: Options -Indexes ...
LInux auf Dell LS H500
Andreas Endresl, 09.05.2012 08:54, 2 Antworten
Habe einen alten Dell Latitude LS H500 nur mit ext. Floppy und CD es geht nur immer eines von den...
Datenwiederherstellung unter Ubuntu 12.04 mit "Simple Backup" nach Umzug von Linux Mint
Christian Lottmann, 07.05.2012 13:33, 0 Antworten
Vor dem Umzug auf Ubuntu 12.04 habe ich unter Linux MInt mit "Simple Backup" voll (15.4.2012) und...
DKMS für den propritären NVIDIA-Treiber
Commander Data, 26.04.2012 22:02, 2 Antworten
Hallo an die Gemeinde. Ich habe hier ein interessantes Stück openSuSE gefunden. http://forums.op...