Mandriva Linux [1] gehörte bis vor einiger Zeit zu den populären Einsteigerdistributionen und punktete mit einem ausgereiften und anwenderfreundlichen Bedienkonzept sowie einer exzellenten Hardware-Erkennung. Nachdem das französisch-brasilianische Unternehmen jedoch finanziell in schwieriges Fahrwasser geraten war und zeitweise sogar der Fortbestand der Distribution nicht mehr gesichert schien, wurde es ruhiger um Mandriva. Mit gleich drei Neuerscheinungen im Jahr 2010 meldete sich die Softwareschmiede jedoch trotz neuer Turbulenzen technisch mit einem erstklassigen Betriebssystem zurück.

Allerdings führten zunehmende Differenzen zwischen dem Distributor und der Mandriva-Community dazu, dass letztere im September 2010 einen eigenen Fork auf die Beine stellte: Mageia ([2],[3]). Eine 2011er-Version von Mandriva ließ in der Folge lange auf sich warten, erst Ende August legte der Distributor seinen Erstling nach dem Fork vor.

Fülle an Neuerungen

Mandriva Linux 2011 markiert in vielerlei Hinsicht eine Zeitenwende: So gibt es künftig nur noch ein Release des Betriebssystems pro Jahr. Die bislang getrennt gelieferten Community-Varianten Free und One fasst Mandriva zusammen, sodass Sie ab der aktuellen Variante die installierbare ebenso wie die Live-Version auf einem einzigen Datenträger vorfinden. Darüber hinaus liefert der Distributor KDE als einzigen offiziell unterstützter Desktop mit dem Betriebssystem aus, die Integration von Gnome, XFCE und LXDE hat man an Community-Projekte ausgelagert.

Eine der gravierendsten Neuerungen in Mandriva Linux 2011 stellt der Umstieg auf das Paketformat RPM5 dar. Es soll für den Endanwender vor allem beim Auflösen von Abhängigkeiten Vorteile bringen, verursacht jedoch bei Updates von älteren Versionen noch viele Probleme. Ebenfalls eine Zäsur unter der Haube stellt die Ablösung der SysV-Init-Skripte durch die Startumgebung Systemd [4] dar, die zukünftig den Bootprozess des Betriebssystems steuert. Als weitere Neuerungen [5] führt Mandriva die Einführung eines komplett neuen Look & Feel an, das die bisherigen Blautöne ablösen und dem Desktop ein frischeres Aussehen verleihen soll, sowie zusätzliche Änderungen unter der Haube bei der Netzwerkverwaltung.

Angesichts einer derart umfangreichen Liste an Neuerungen und Verbesserungen erscheint es geboten, das Betriebssystem ausführlich auf seine Alltagstauglichkeit hin zu überprüfen. Neben mehreren High-End-Workstations der Typen IBM Intellistation Z pro und M pro mit Xeon-Prozessoren und Nvidia-Grafikkarten sowie Thinkstation-Systemen des chinesischen Herstellers Lenovo kamen dabei auch mehrere No-Name-Desktops sowie ein knappes Dutzend unterschiedlicher Notebooks der Marken IBM und Lenovo zum Einsatz. Die Geräte deckten dabei das gesamte Intel-CPU-Spektrum vom Pentium III mit "Coppermine"- und "Tualatin"-Kern bis hin zum Xeon-Quadcore der neuesten Generation ab. Analog dazu kamen verschiedenste Grafikkarten und Video-Chipsätze zum Einsatz: Neben einfachen Intel-Chipsätzen nahmen wir auch dedizierte Radeon-Grafikkarten von AMD/ATI sowie unterschiedliche Nvidia-Quadro-Videoboards mit in den Test auf, um ein möglichst breites Hardwareportfolio abzudecken.

Blackout

Mandriva 2011 bootet zunächst in einen Legacy-Grub-Bildschirm, in dem es nur noch zwei Einträge gibt: Launch system für den Live-Betrieb und Install system für die durch einen grafischen Assistenten begleitete Installation auf der Festplatte.

Gleich beim ersten Testkandidaten, einem Notebook des Typs Lenovo Thinkpad R500 mit einem Core-2-Duo-Prozessor und einer Radeon-HD3470-Grafikkarte, hatte Mandriva jedoch sowohl im Live-Betrieb als auch beim Start der Festplatteninstallation einen Blackout: Der Bildschirm blieb schwarz. Nach mehreren Warmstarts mit jeweils veränderten Optionen im Grub-Bootmanager stellte sich heraus, dass sich das System nur unter Angabe des Parameters nomodeset zur Kooperation bewegen ließ.

Recherchen im Internet ergaben, dass die neue Mandriva-Version offensichtlich gravierende Probleme mit einer ganzen Reihe von AMD/ATI- und Nvidia-Grafikkarten hat und man daher unterschiedliche Parameter im Grub-Bootmanager angeben muss, um überhaupt ein Bild zu erhalten. Von diesen Blackout-Problemen nicht betroffen zeigten sich im Test AMD/ATI-Radeon-Grafikkarten der Baureihen 7000, 7500, 9000 und X1300, die beim Start anstandslos mit dem Betriebssystem harmonierten. Doch auch der zweite Testkandidat, eine IBM Intellistation Z pro mit einer Nvidia-Quadro-FX1500-Grafikkarte, weigerte sich ohne entsprechenden Bootparameter ein Bild anzuzeigen.

Tests auf Systemen mit integrierten Intel-Grafikkarten lieferten ein durchwachsenes Bild: So startete Mandriva 2011 auf einer neuen Lenovo Thinkstation E30 mit aktuellem Intel-Grafikchipsatz problemlos, während sich im Live-Betrieb auf einem betagten IBM-Netvista-PC mit Intel-i815-Chipsatz kein Bild zeigen wollte. Auf dem selben Rechner ließ sich jedoch das System auf die Festplatte packen und arbeitete danach auch anstandslos, obwohl bei der Installation auf nicht erfüllte Systemvoraussetzungen hingewiesen worden war.

Schwerfällig

Der Live-Modus von Mandriva 2011 entpuppte sich selbst auf den schnellsten und leistungsstärksten Testsystemen als absolut unbrauchbar. Auf einem Quadcore mit Xeon-E3-1245-CPU und 3,3 GHz Taktfrequenz benötigte das Betriebssystem geschlagene vier Minuten vom Einschalten des Rechners bis zum vollständig aufgebauten Desktop. Auch der Aufruf von Programmen im Live-Betrieb gestaltete sich äußerst zähflüssig, wobei ein Blick in die Systemüberwachung zeigte, dass die vier CPU-Kerne gut ausgelastet waren – trotz der Aufteilung auf acht Threads (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei Aktivität lastet Mandriva im Live-Betrieb auch aktuelle Rechner gut aus.

Auch die ansonsten in Sachen Arbeitsgeschwindigkeit nicht gerade unterbelichtete IBM Intellistation Z pro brachte trotz zweier Xeon-Prozessoren mit jeweils 3,4 GHz Taktfrequenz und vier Threads kein ansprechendes Arbeitstempo mit Mandriva 2011 Live zustande. Hauptursache für diese inakzeptable Trödelei ist nicht etwa das Betriebssystem selbst, sondern der KDE-Desktop: Er belegt in der von Mandriva genutzten Version 4.6.5 ohne zusätzlich geladene Programme bereits über 300 MByte Arbeitsspeicher und reagiert extrem träge. Wir nahmen daher von weiteren Tests im Live-Modus Abstand und begannen mit der Platteninstallation des Systems.

Langsam auf die Platte

Mandriva 2011 bringt als eine der wichtigeren Neuerungen einen gestrafften Installer mit. Die bisherige, optisch bereits etwas in die Jahre gekommene Routine hat der Distributor um mehrere Arbeitsschritte entschlackt, vereinfacht und optisch neu gestaltet. So erhalten Sie jetzt nach Auswahl der Installationsparameter keine Zusammenfassung mehr, in der Sie noch Optionen ändern könnten. Auch die Konfiguration von Systemdiensten schon bei der Installation entfällt, sodass eigentlich gegenüber dem alten, deutlich aufwendigeren Prozedere Geschwindigkeitsvorteile zu erwarten wären.

Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Trotz der wesentlich einfacher gehaltenen, in Pastelltönen gehaltenen neuen Oberfläche benötigt Mandriva 2011 selbst auf einem aktuellen Core-2-Duo-Notebook mit 2,66 GHz Taktfrequenz und SATA-SSD-Laufwerk sage und schreibe 25 Minuten zum vollständigen Einrichten des Systems. Auf dem betagten IBM-Netvista-PC mit einer PATA-Festplatte und einem mit 933 MHz getakteten Pentium-III trödelte Mandriva nahezu zwei Stunden vor sich hin, bis das System betriebsbereit installiert war.

Einen weiteren unerfreulichen Fehler präsentierte das System noch beim Abschluss der Installation: Entgegen sonstiger Gepflogenheiten ließ sich beim anschließenden Warmstart des Rechners die Betriebssystem-DVD bei einigen Testsystemen nicht aus dem Laufwerk entnehmen. Mandriva blockiert das, sodass ein Kaltstart fällig wird. Anschließend stehen noch die Lokalisierung des Systems und das Einrichten von Benutzerkonten an, was Mandriva problemlos absolvierte.

Desktop mit Überraschungen

Nach Fertigstellung aller Voraussetzungen bootet die Distribution in einen leeren, mit einem dezenten blauen Hintergrund versehenen KDE-Desktop, auf dem sich keinerlei Symbole befinden. Sollten Sie allerdings eine der von Mandriva 2011 nicht korrekt angesteuerten Grafikkarten besitzen, müssen Sie zuvor im Startmenü des Bootmanagers Grub erneut manuell den Parameter nomodeset übergeben, da ansonsten ein unleserliches, verzerrtes Bild erscheint oder der Bildschirm schwarz bleibt.

Sie erreichen den Starteditor, indem Sie im grafischen Grub-Menü die Taste Esc drücken und die anschließende Abfrage bestätigen. Danach aktivieren Sie im Textmenü von Grub den Editor für die Startparameter durch zweimaliges Drücken von [E]. Nach Eingabe der Option nomodeset und anschließender Bestätigung booten Sie das System durch Drücken von [B].

Ist der Desktop vollständig geladen, so finden Sie Programme und Ordner durch einen Klick in der Panelleiste auf den K-Menü-Button ganz links. KDE öffnet daraufhin eine Fensteransicht, die nahezu den gesamten Bildschirm ausfüllt und im unteren Bereich die Schaltflächen Willkommen, Anwendungen und ganz rechts TimeFrame mit der semantischen Desktop-Indizierung Nepomuk aufweist. Der obere – weitaus größere – Bereich bleibt den Programm- und Ordnersymbolen vorbehalten. Im standardseitig aktivierten Willkommen-Segment finden sich später die zuletzt aufgerufenen Ordner und Programme. Die installierten Programme belegen dem Bereich Anwendungen, der sich – analog zu Untermenüs in der klassischen Ansicht – in thematische Untergruppen aufgeteilt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Optisch ansprechend, aber wenig ergonomisch präsentiert sich der Mandriva-Desktop.

Ein Blick in die einzelnen Programmgruppen zeigt, dass die Mandriva-Entwickler dort massiv aufgeräumt haben: Von den unzähligen K-Programmen, die unter älteren Versionen die Menüs äußerst unübersichtlich machten, blieb kaum etwas übrig. Einige Standardprogramme wie etwa der Audioplayer Amarok mussten schlankeren Alternativen weichen – in diesem Fall dem Amarok-Klone Clementine. In der Grafik-Gruppe gingen die Mandriva-Entwickler besonders rabiat vor und entfernten Gimp ersatzlos. Als Bildbetrachter dient überraschenerweise mit Shotwell zudem eine Applikation aus der Gnome-Welt.

Sobald der Mauszeiger über die Programmsymbole gleitet, leuchten diese auf und signalisieren somit die Möglichkeit, die entsprechende Applikation zu starten. Diese optische Unterstützung ist auch dringend nötig: Mandriva belässt den gesamten Fensterhintergrund in einem sehr dunklen Anthrazit-Ton, sodass sich die Position des (üblicherweise schwarzen) Mauszeigers nur sehr schlecht erkennen lässt. Der Scrollbalken am rechten Rand des K-Menü-Fensters erscheint ebenfalls in Schwarz, sodass er selbst bei dunkler Umgebung und hellster Display-Einstellung kaum wahrzunehmen ist. Hier wäre ein weniger elegantes, dafür aber besser lesbares Standard-Menüfenster wünschenswert.

Hindernisse

Im Test fiel auch hier der negative Einfluss der fehlerhaften Grafikkartentreiber auf: Bei einigen Testsystemen mit AMD/ATI-Grafikkarte neueren Datums zerschoss Mandriva 2011 nachvollziehbar das gesamte Bild (Abbildung 3), sobald wir den roten Ausschaltknopf oben rechts im Menüfenster anwählten und anschließend mit Abbrechen zurück zum Desktop wechselten. Abhilfe erbrachte in einem solchen Fall auf unseren Testsystemen nur noch ein Warmstart.

Abbildung 3: Fehlerhaftes Bild sorgt für Unbenutzbarkeit.

Weitere, ebenfalls weniger angenehme Eigenschaften präsentiert Mandriva 2011 beim Umgang mit Netzwerken. So ließ sich im Test eine WLAN-Verbindung über das Netz-Applet im Systemabschnitt der Kontrollleiste regelmäßig erst nach mehreren Anläufen realisieren. Die in Reichweite des Computers liegenden Access-Points erkannte die Distribution zwar problemlos, doch der Verbindungsaufbau klappte nur sporadisch (Abbildung 4).

Abbildung 4: Optisch gut gelöst, aber nur begrenzt funktionell: die Netzwerk-Anzeige.

Nach einem Doppelklick auf das gewünschte Netz und anschließender Eingabe des WPA2-Schlüssels fiel zunächst die KWallet Digitale Brieftasche durch penetrantes, mehrfaches Einblenden eines Fensters zur Einrichtung auf, während danach öfter keine Verbindung zum gewünschten Netz zustande kam. Wer sich diese Hampelei ersparen möchte, setzt zum Einrichten des Netzwerks das gute alte Mandriva-Kontrollzentrum ein. Sie finden es im Abschnitt Willkommen | Kürzlich verwendete Anwendungen | Den Computer konfigurieren und wählen dann das Menü Netzwerk & Internet | Eine Netzwerkschnittstelle erstellen (LAN, ISDN, ADSL, ...).

Ähnlich holprig verläuft auch der Aufruf mancher Programme aus den K-Menüs. So konnten wir nachvollziehbar auf mehreren Maschinen das Root-Terminal erst nach mehreren Anläufen starten, da KDE mit unsinnigen Meldungen dazwischenfunkte. Bei erneutem Aufruf des Terminals öffnete es sich nach Anzeige der gleichen Fehlermeldung (Abbildung 5) schließlich doch. Gelegentlich reagieren die Programme nach einem Mausklick auf das entsprechende Symbol im K-Menü auch gar nicht und müssen ein weiteres Mal gestartet werden.

Abbildung 5: Start des Terminals mit Hindernissen durch Fehlermeldungen.

Akkubetrieb

Auch Mandriva pflegt neuerdings die Unsitte des übertriebenen Power-Managements bei Festplatten im Akkubetrieb von Notebooks. Auf unseren Testgeräten fuhren die Festplattenköpfe bereits nach wenigen Sekunden Ruhezeit in eine Parkposition, und nach einiger Zeit ohne neue Zugriffe schaltete sich der Festplattenmotor ab.

Folge dieses aggressiven Power-Managements: Ein deutlich erhöhter Stromverbrauch beim erneuten Anfahren der Festplatten, der die Einsparungen der Ruhezeit weitgehend zunichte macht, sowie auf Dauer betrachtet ein drastisch verstärkter Verschleiß der Festplattenmechanik. Außerdem treten beim erneuten Anlaufen der Motoren ständig Hänger des Gesamtsystems auf, die den Arbeitsfluss unterbrechen. Dieses Problem trat auch bei ebenfalls getesteten Hybrid-Festplatten des Typs Seagate Momentus XT auf.

Um Abhilfe zu schaffen, rufen entweder im Terminal manuell als Administrator die Befehlszeile hdparm -B 255 /dev/sda (für die erste Festplatte) auf oder tragen den Befehl gleich in die Datei /etc/rc.local ein, sodass er bei jedem Systemstart aktiviert wird.

Beim Betrieb von Notebooks abseits der Steckdose stach ein weiteres Manko der neuen Mandriva-Version ins Auge: Beim bereits genannten Lenovo Thinkpad R500, aber auch bei einem IBM Thinkpad T60 mit Core-2-Duo-CPU zeigte das Betriebssystem einen extrem überhöhten Energieverbrauch. So leerte sich der (mit nur wenigen Ladezyklen nahezu neuwertige) Akku des Thinkpad R500 innerhalb von etwa gut einer Stunde – bei Mandriva 2011.02 hielt er rund 40 Minuten länger. Das Thinkpad T60 brachte es unter Mandriva 2011 auf rund 20 Minuten weniger Akkulaufzeit als unter der Vorversion, trotz Energieprofil Aggressives Energiesparen mit niedriger Displayhelligkeit (Abbildung 6).

Abbildung 6: 24 Prozent Akkuleistung, drei Minuten Laufzeit: Eine offenbar fehlerhafte Akku-Anzeige.

Dieser schwere Bug stammt zwar nicht ursächlich von Mandriva, sondern geht zu Lasten der Kernel-Entwickler, die mit dem Upstream-Kernel 2.6.38 die Problematik verursacht haben [6]. Es erhebt sich aber dennoch die Frage, warum die Mandriva-Entwickler trotz des bekannten diesen Fehlers ausgerechnet die betroffene Kernel-Variante zur Grundlage der neuen Version machten.

Performance

Die neue Mandriva-Version zeigt sich nach der Festplatteninstallation von seiner leistungsfähigen Seite – zumindest, wenn erst einmal der KDE-Desktop geladen ist. Zwar bleibt die Arbeitsgeschwindigkeit selbst auf sehr schnellen Maschinen geringer als unter Gnome oder gar sehr schlanken Desktops wie LXDE, doch das System reagiert auch auf älteren Core-Duo- oder Pentium-4-Systemen annehmbar zügig. Das gilt jedoch nicht für betagtere Pentium-III-Systeme, wo der Start einer umfangreichen Anwendung wie etwa LibreOffice schon mal eine halbe Minute dauert.

Deutlich verbessert und fehlerbereinigt haben die Entwickler das PulseAudio-System, das auf manchen älteren Notebooks in der Vorgängerversion Hänger und auch akustische Totalausfälle zu verzeichnen hatte. Diese Probleme wurden nahezu komplett beseitigt, sodass jetzt dem störungsfreien Hörgenuss während der Arbeit nichts mehr im Wege steht.

Der Schwerpunkt des Mandriva-KDE-Desktops liegt jedoch eindeutig nicht auf möglichst hoher Effizienz, sondern auf einer eleganten Erscheinung mit möglichst vielen optischen Gimmicks. Die Vielzahl erhältlicher Plasmoide lädt zum Ausprobieren ein und verlangsamt insbesondere auf schwächeren Maschinen mit älteren Grafikkarten die Systemgeschwindigkeit merklich.

Fazit

Mandriva 2011 enttäuscht den von Vorgängerversionen her verwöhnten Anwender auf der ganzen Linie. Das erklärte Ziel, die Distribution mit dem am besten integrierten KDE-Desktop zu schaffen, haben die Entwickler komplett verfehlt. Stattdessen mutiert Mandriva mit der neuesten Inkarnation vom einstmals exzellenten Betriebssystem zum fehlerbehafteten und insbesondere auf Notebooks nur nach umfassenden Anpassungen einigermaßen benutzbaren Linux-Derivat.

Die Fixierung auf einen einzigen Desktop, der noch dazu auf älterer Hardware äußerst träge arbeitet, macht Mandriva für viele Anwender uninteressant, die produktiv mit dem System arbeiten möchten. Eine elegante, aber unergonomische Arbeitsoberfläche trägt ebenfalls nicht zur Akzeptanz des Systems bei. Für Einsteiger eignet sich Mandriva 2011 schon aufgrund der Probleme mit vielen Grafikkarten nicht. Langjährige Mandriva-Nutzer sollten mit dem Update bis zur nächsten Version warten und darauf hoffen, dass die Entwickler ihre Hausaufgaben erledigen.

Eine mögliche Alternative finden Einsteiger wie Fortgeschrittene zudem im Mandriva-Fork Mageia, der sich viele der Qualitäten des Ursprungssystems bewahrt hat. 

Infos

[1] Mandriva: http://www.mandriva.com

[2] Mageia: http://www.mageia.org/de/

[3] Report Mageia vs. Mandriva: Wolfgang Bornath, "Magische Momente", LU 11/2010, S. 31, http://www.linux-community.de/22182

[4] Systemstart mit Systemd: Tim Schürmann, "Mit Volldampf zu neuen Ufern", LU 09/2011, S. 74, http://www.linux-community.de/23351

[5] Liste der Neuerungen: http://wiki.mandriva.com/en/2011_Development

[6] Infos zum Kernel-Bug: http://www.golem.de/1104/83055.html, http://www.golem.de/1107/84642.html

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