Akkubetrieb

Auch Mandriva pflegt neuerdings die Unsitte des übertriebenen Power-Managements bei Festplatten im Akkubetrieb von Notebooks. Auf unseren Testgeräten fuhren die Festplattenköpfe bereits nach wenigen Sekunden Ruhezeit in eine Parkposition, und nach einiger Zeit ohne neue Zugriffe schaltete sich der Festplattenmotor ab.

Folge dieses aggressiven Power-Managements: Ein deutlich erhöhter Stromverbrauch beim erneuten Anfahren der Festplatten, der die Einsparungen der Ruhezeit weitgehend zunichte macht, sowie auf Dauer betrachtet ein drastisch verstärkter Verschleiß der Festplattenmechanik. Außerdem treten beim erneuten Anlaufen der Motoren ständig Hänger des Gesamtsystems auf, die den Arbeitsfluss unterbrechen. Dieses Problem trat auch bei ebenfalls getesteten Hybrid-Festplatten des Typs Seagate Momentus XT auf.

Um Abhilfe zu schaffen, rufen entweder im Terminal manuell als Administrator die Befehlszeile hdparm -B 255 /dev/sda (für die erste Festplatte) auf oder tragen den Befehl gleich in die Datei /etc/rc.local ein, sodass er bei jedem Systemstart aktiviert wird.

Beim Betrieb von Notebooks abseits der Steckdose stach ein weiteres Manko der neuen Mandriva-Version ins Auge: Beim bereits genannten Lenovo Thinkpad R500, aber auch bei einem IBM Thinkpad T60 mit Core-2-Duo-CPU zeigte das Betriebssystem einen extrem überhöhten Energieverbrauch. So leerte sich der (mit nur wenigen Ladezyklen nahezu neuwertige) Akku des Thinkpad R500 innerhalb von etwa gut einer Stunde – bei Mandriva 2011.02 hielt er rund 40 Minuten länger. Das Thinkpad T60 brachte es unter Mandriva 2011 auf rund 20 Minuten weniger Akkulaufzeit als unter der Vorversion, trotz Energieprofil Aggressives Energiesparen mit niedriger Displayhelligkeit (Abbildung 6).

Abbildung 6: 24 Prozent Akkuleistung, drei Minuten Laufzeit: Eine offenbar fehlerhafte Akku-Anzeige.

Dieser schwere Bug stammt zwar nicht ursächlich von Mandriva, sondern geht zu Lasten der Kernel-Entwickler, die mit dem Upstream-Kernel 2.6.38 die Problematik verursacht haben [6]. Es erhebt sich aber dennoch die Frage, warum die Mandriva-Entwickler trotz des bekannten diesen Fehlers ausgerechnet die betroffene Kernel-Variante zur Grundlage der neuen Version machten.

Performance

Die neue Mandriva-Version zeigt sich nach der Festplatteninstallation von seiner leistungsfähigen Seite – zumindest, wenn erst einmal der KDE-Desktop geladen ist. Zwar bleibt die Arbeitsgeschwindigkeit selbst auf sehr schnellen Maschinen geringer als unter Gnome oder gar sehr schlanken Desktops wie LXDE, doch das System reagiert auch auf älteren Core-Duo- oder Pentium-4-Systemen annehmbar zügig. Das gilt jedoch nicht für betagtere Pentium-III-Systeme, wo der Start einer umfangreichen Anwendung wie etwa LibreOffice schon mal eine halbe Minute dauert.

Deutlich verbessert und fehlerbereinigt haben die Entwickler das PulseAudio-System, das auf manchen älteren Notebooks in der Vorgängerversion Hänger und auch akustische Totalausfälle zu verzeichnen hatte. Diese Probleme wurden nahezu komplett beseitigt, sodass jetzt dem störungsfreien Hörgenuss während der Arbeit nichts mehr im Wege steht.

Der Schwerpunkt des Mandriva-KDE-Desktops liegt jedoch eindeutig nicht auf möglichst hoher Effizienz, sondern auf einer eleganten Erscheinung mit möglichst vielen optischen Gimmicks. Die Vielzahl erhältlicher Plasmoide lädt zum Ausprobieren ein und verlangsamt insbesondere auf schwächeren Maschinen mit älteren Grafikkarten die Systemgeschwindigkeit merklich.

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