Desktop mit Überraschungen

Nach Fertigstellung aller Voraussetzungen bootet die Distribution in einen leeren, mit einem dezenten blauen Hintergrund versehenen KDE-Desktop, auf dem sich keinerlei Symbole befinden. Sollten Sie allerdings eine der von Mandriva 2011 nicht korrekt angesteuerten Grafikkarten besitzen, müssen Sie zuvor im Startmenü des Bootmanagers Grub erneut manuell den Parameter nomodeset übergeben, da ansonsten ein unleserliches, verzerrtes Bild erscheint oder der Bildschirm schwarz bleibt.

Sie erreichen den Starteditor, indem Sie im grafischen Grub-Menü die Taste Esc drücken und die anschließende Abfrage bestätigen. Danach aktivieren Sie im Textmenü von Grub den Editor für die Startparameter durch zweimaliges Drücken von [E]. Nach Eingabe der Option nomodeset und anschließender Bestätigung booten Sie das System durch Drücken von [B].

Ist der Desktop vollständig geladen, so finden Sie Programme und Ordner durch einen Klick in der Panelleiste auf den K-Menü-Button ganz links. KDE öffnet daraufhin eine Fensteransicht, die nahezu den gesamten Bildschirm ausfüllt und im unteren Bereich die Schaltflächen Willkommen, Anwendungen und ganz rechts TimeFrame mit der semantischen Desktop-Indizierung Nepomuk aufweist. Der obere – weitaus größere – Bereich bleibt den Programm- und Ordnersymbolen vorbehalten. Im standardseitig aktivierten Willkommen-Segment finden sich später die zuletzt aufgerufenen Ordner und Programme. Die installierten Programme belegen dem Bereich Anwendungen, der sich – analog zu Untermenüs in der klassischen Ansicht – in thematische Untergruppen aufgeteilt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Optisch ansprechend, aber wenig ergonomisch präsentiert sich der Mandriva-Desktop.

Ein Blick in die einzelnen Programmgruppen zeigt, dass die Mandriva-Entwickler dort massiv aufgeräumt haben: Von den unzähligen K-Programmen, die unter älteren Versionen die Menüs äußerst unübersichtlich machten, blieb kaum etwas übrig. Einige Standardprogramme wie etwa der Audioplayer Amarok mussten schlankeren Alternativen weichen – in diesem Fall dem Amarok-Klone Clementine. In der Grafik-Gruppe gingen die Mandriva-Entwickler besonders rabiat vor und entfernten Gimp ersatzlos. Als Bildbetrachter dient überraschenerweise mit Shotwell zudem eine Applikation aus der Gnome-Welt.

Sobald der Mauszeiger über die Programmsymbole gleitet, leuchten diese auf und signalisieren somit die Möglichkeit, die entsprechende Applikation zu starten. Diese optische Unterstützung ist auch dringend nötig: Mandriva belässt den gesamten Fensterhintergrund in einem sehr dunklen Anthrazit-Ton, sodass sich die Position des (üblicherweise schwarzen) Mauszeigers nur sehr schlecht erkennen lässt. Der Scrollbalken am rechten Rand des K-Menü-Fensters erscheint ebenfalls in Schwarz, sodass er selbst bei dunkler Umgebung und hellster Display-Einstellung kaum wahrzunehmen ist. Hier wäre ein weniger elegantes, dafür aber besser lesbares Standard-Menüfenster wünschenswert.

Hindernisse

Im Test fiel auch hier der negative Einfluss der fehlerhaften Grafikkartentreiber auf: Bei einigen Testsystemen mit AMD/ATI-Grafikkarte neueren Datums zerschoss Mandriva 2011 nachvollziehbar das gesamte Bild (Abbildung 3), sobald wir den roten Ausschaltknopf oben rechts im Menüfenster anwählten und anschließend mit Abbrechen zurück zum Desktop wechselten. Abhilfe erbrachte in einem solchen Fall auf unseren Testsystemen nur noch ein Warmstart.

Abbildung 3: Fehlerhaftes Bild sorgt für Unbenutzbarkeit.

Weitere, ebenfalls weniger angenehme Eigenschaften präsentiert Mandriva 2011 beim Umgang mit Netzwerken. So ließ sich im Test eine WLAN-Verbindung über das Netz-Applet im Systemabschnitt der Kontrollleiste regelmäßig erst nach mehreren Anläufen realisieren. Die in Reichweite des Computers liegenden Access-Points erkannte die Distribution zwar problemlos, doch der Verbindungsaufbau klappte nur sporadisch (Abbildung 4).

Abbildung 4: Optisch gut gelöst, aber nur begrenzt funktionell: die Netzwerk-Anzeige.

Nach einem Doppelklick auf das gewünschte Netz und anschließender Eingabe des WPA2-Schlüssels fiel zunächst die KWallet Digitale Brieftasche durch penetrantes, mehrfaches Einblenden eines Fensters zur Einrichtung auf, während danach öfter keine Verbindung zum gewünschten Netz zustande kam. Wer sich diese Hampelei ersparen möchte, setzt zum Einrichten des Netzwerks das gute alte Mandriva-Kontrollzentrum ein. Sie finden es im Abschnitt Willkommen | Kürzlich verwendete Anwendungen | Den Computer konfigurieren und wählen dann das Menü Netzwerk & Internet | Eine Netzwerkschnittstelle erstellen (LAN, ISDN, ADSL, ...).

Ähnlich holprig verläuft auch der Aufruf mancher Programme aus den K-Menüs. So konnten wir nachvollziehbar auf mehreren Maschinen das Root-Terminal erst nach mehreren Anläufen starten, da KDE mit unsinnigen Meldungen dazwischenfunkte. Bei erneutem Aufruf des Terminals öffnete es sich nach Anzeige der gleichen Fehlermeldung (Abbildung 5) schließlich doch. Gelegentlich reagieren die Programme nach einem Mausklick auf das entsprechende Symbol im K-Menü auch gar nicht und müssen ein weiteres Mal gestartet werden.

Abbildung 5: Start des Terminals mit Hindernissen durch Fehlermeldungen.

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