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© Michel Meynsbrughen, sxc.hu

Problemkandidat

Mandriva 2011 im Praxistest

20.10.2011
Mandriva Linux galt lange als einsteigerfreundlichste Linux-Distribution überhaupt. Mit Mandriva 2011 wollte die französisch-brasilianische Softwareschmiede das System runderneuern und wieder an alte Zeiten anknüpfen. Das ging daneben.

Mandriva Linux [1] gehörte bis vor einiger Zeit zu den populären Einsteigerdistributionen und punktete mit einem ausgereiften und anwenderfreundlichen Bedienkonzept sowie einer exzellenten Hardware-Erkennung. Nachdem das französisch-brasilianische Unternehmen jedoch finanziell in schwieriges Fahrwasser geraten war und zeitweise sogar der Fortbestand der Distribution nicht mehr gesichert schien, wurde es ruhiger um Mandriva. Mit gleich drei Neuerscheinungen im Jahr 2010 meldete sich die Softwareschmiede jedoch trotz neuer Turbulenzen technisch mit einem erstklassigen Betriebssystem zurück.

Allerdings führten zunehmende Differenzen zwischen dem Distributor und der Mandriva-Community dazu, dass letztere im September 2010 einen eigenen Fork auf die Beine stellte: Mageia ([2],[3]). Eine 2011er-Version von Mandriva ließ in der Folge lange auf sich warten, erst Ende August legte der Distributor seinen Erstling nach dem Fork vor.

Fülle an Neuerungen

Mandriva Linux 2011 markiert in vielerlei Hinsicht eine Zeitenwende: So gibt es künftig nur noch ein Release des Betriebssystems pro Jahr. Die bislang getrennt gelieferten Community-Varianten Free und One fasst Mandriva zusammen, sodass Sie ab der aktuellen Variante die installierbare ebenso wie die Live-Version auf einem einzigen Datenträger vorfinden. Darüber hinaus liefert der Distributor KDE als einzigen offiziell unterstützter Desktop mit dem Betriebssystem aus, die Integration von Gnome, XFCE und LXDE hat man an Community-Projekte ausgelagert.

Eine der gravierendsten Neuerungen in Mandriva Linux 2011 stellt der Umstieg auf das Paketformat RPM5 dar. Es soll für den Endanwender vor allem beim Auflösen von Abhängigkeiten Vorteile bringen, verursacht jedoch bei Updates von älteren Versionen noch viele Probleme. Ebenfalls eine Zäsur unter der Haube stellt die Ablösung der SysV-Init-Skripte durch die Startumgebung Systemd [4] dar, die zukünftig den Bootprozess des Betriebssystems steuert. Als weitere Neuerungen [5] führt Mandriva die Einführung eines komplett neuen Look & Feel an, das die bisherigen Blautöne ablösen und dem Desktop ein frischeres Aussehen verleihen soll, sowie zusätzliche Änderungen unter der Haube bei der Netzwerkverwaltung.

Angesichts einer derart umfangreichen Liste an Neuerungen und Verbesserungen erscheint es geboten, das Betriebssystem ausführlich auf seine Alltagstauglichkeit hin zu überprüfen. Neben mehreren High-End-Workstations der Typen IBM Intellistation Z pro und M pro mit Xeon-Prozessoren und Nvidia-Grafikkarten sowie Thinkstation-Systemen des chinesischen Herstellers Lenovo kamen dabei auch mehrere No-Name-Desktops sowie ein knappes Dutzend unterschiedlicher Notebooks der Marken IBM und Lenovo zum Einsatz. Die Geräte deckten dabei das gesamte Intel-CPU-Spektrum vom Pentium III mit "Coppermine"- und "Tualatin"-Kern bis hin zum Xeon-Quadcore der neuesten Generation ab. Analog dazu kamen verschiedenste Grafikkarten und Video-Chipsätze zum Einsatz: Neben einfachen Intel-Chipsätzen nahmen wir auch dedizierte Radeon-Grafikkarten von AMD/ATI sowie unterschiedliche Nvidia-Quadro-Videoboards mit in den Test auf, um ein möglichst breites Hardwareportfolio abzudecken.

Blackout

Mandriva 2011 bootet zunächst in einen Legacy-Grub-Bildschirm, in dem es nur noch zwei Einträge gibt: Launch system für den Live-Betrieb und Install system für die durch einen grafischen Assistenten begleitete Installation auf der Festplatte.

Gleich beim ersten Testkandidaten, einem Notebook des Typs Lenovo Thinkpad R500 mit einem Core-2-Duo-Prozessor und einer Radeon-HD3470-Grafikkarte, hatte Mandriva jedoch sowohl im Live-Betrieb als auch beim Start der Festplatteninstallation einen Blackout: Der Bildschirm blieb schwarz. Nach mehreren Warmstarts mit jeweils veränderten Optionen im Grub-Bootmanager stellte sich heraus, dass sich das System nur unter Angabe des Parameters nomodeset zur Kooperation bewegen ließ.

Recherchen im Internet ergaben, dass die neue Mandriva-Version offensichtlich gravierende Probleme mit einer ganzen Reihe von AMD/ATI- und Nvidia-Grafikkarten hat und man daher unterschiedliche Parameter im Grub-Bootmanager angeben muss, um überhaupt ein Bild zu erhalten. Von diesen Blackout-Problemen nicht betroffen zeigten sich im Test AMD/ATI-Radeon-Grafikkarten der Baureihen 7000, 7500, 9000 und X1300, die beim Start anstandslos mit dem Betriebssystem harmonierten. Doch auch der zweite Testkandidat, eine IBM Intellistation Z pro mit einer Nvidia-Quadro-FX1500-Grafikkarte, weigerte sich ohne entsprechenden Bootparameter ein Bild anzuzeigen.

Tests auf Systemen mit integrierten Intel-Grafikkarten lieferten ein durchwachsenes Bild: So startete Mandriva 2011 auf einer neuen Lenovo Thinkstation E30 mit aktuellem Intel-Grafikchipsatz problemlos, während sich im Live-Betrieb auf einem betagten IBM-Netvista-PC mit Intel-i815-Chipsatz kein Bild zeigen wollte. Auf dem selben Rechner ließ sich jedoch das System auf die Festplatte packen und arbeitete danach auch anstandslos, obwohl bei der Installation auf nicht erfüllte Systemvoraussetzungen hingewiesen worden war.

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