Gut informiert

Wer dem Tor-Proxy etwas genauer auf die Finger sehen will, nutzt dafür das Tool Arm [7]. Es gibt unter anderem Auskunft über die Bandbreite, die das Tor-Netzwerk aktuell bereitstellt. Da Arm konsolenbasiert arbeitet, eignet es sich auch zum Einsatz auf Servern ohne grafische Oberfläche. Vor seinem Einsatz gilt es jedoch, einige Parameter in der Tor-Konfiguration /etc/tor/torrc anzupassen.

Zunächst entfernen Sie das Kommentarzeichen (#) vor dem Eintrag ControlPort 9051. Um Unbefugten den Zugriff auf den Kontrollport zu verwehren, empfiehlt es sich, ihn per Passwort abzusichern. Den dafür notwendigen Passwort-Hash erzeugen Sie mit dem Befehl:

# tor --hash-password "Passwort"

Dessen Ausgabe kopieren Sie hinter HashedControlPassword in die Konfigurationsdatei. Nach einem Neustart von Tor via /etc/init.de/tor restart (als root) fragt der Dienst das Passwort beim Zugriff auf den Kontrollport ab.

Die Kontrollkonsole (Abbildung 2) starten Sie dem Befehl arm, gefolgt vom zuvor festgelegten Passwort. Der obere Bereich der Ausgabe zeigt den aktuellen CPU- und Speicherverbrauch des Dienstes an, darunter sehen Sie in einem Balkendiagramm die aktuell verfügbare Datenrate. Mit [S] schalten Sie die Anzeige auf die grafische Darstellung der aktuellen Verbindungen um. Warn- und Hinweismeldungen erscheinen im letzten Drittel des Terminals. Diesen Ausgabebereich vergrößern Sie mit [N] und verkleinern ihn mit [M]. Eine Anzeige aller verfügbaren Tastenkommandos erhalten Sie über [H].

Abbildung 2: Das Konsolentool Arm gibt detailliert Auskunft über die Netzwerk-Performance und den Ressourcenverbrauch von Tor.

Vidalia

Eine grafische Oberfläche zur Konfiguration von Tor bietet Vidalia (Abbildung 3), das Sie über den Paketmanager von Ubuntu einrichten. Bereits während der Installation fragt die Software ab, ob sie temporär oder dauerhaft für den Zustand von Tor zuständig zeichnen soll. Beachten Sie, dass Vidalia [8] eine eigene Tor-Konfigurationsdatei ~/.vidalia/torrc erzeugt und nutzt. Eventuelle Anpassungen an der ursprünglichen Steuerdatei /etc/tor/torrc ignoriert das Tool also vollständig.

Abbildung 3: Die grafische Konfigurationsoberfläche Vidalia erleichtert das Einrichten sowie An- und Abschalten von Tor.

Zum Start von Tor genügt es, in Vidalias Kontrollpanel den Schalter Tor starten anzuklicken. Der Button Bandbreitengraph öffnet ein kleines Fenster, das den jeweils anliegenden Datendurchsatz anzeigt. Aussagekräftiger gibt sich der Dialog Netzwerk betrachten (Abbildung 4): Er zeigt in einer Grafik, über welche Tor-Hops die aktuelle Verbindung läuft. Die linke Spalte listet sämtliche bekannten Server auf, die Tabelle Verbindungen alle, mit denen der Tor-Client in Verbindung steht. Ein Klick auf einen der Einträge zeigt Details zum jeweiligen Host rechts daneben. Ein Rechtsklick auf den jeweiligen Eintrag öffnet das Dialogfeld Kanal schließen, mit dem Sie die zugehörige Verbindung trennen.

Abbildung 4: Über Vidalias Modul Netzwerk betrachten erfahren Sie zum einen, mit welchen Servern der Rechner verbunden ist, und zum anderen, welche Wege die Datenverbindung geht.

Die Konfiguration von Tor erreichen Sie in der Rubrik Einstellungen. Unter dem Punkt Hilfe finden Sie eine gute Beschreibung zu den meisten Einstellmöglichkeiten. Eine Rundum-Sorglos-Lösung für den gelegentlichen Einsatz bietet das Tor-Browser-Bundle (siehe gleichnamiger Kasten).

Tor-Browser-Bundle

Das Tor-Projekt stellt neben den Einzelkomponenten das Tor-Browser-Bundle [10] zum Download bereit. Im Kern besteht es aus der aktuellen Firefox-Version, die bereits Erweiterungen wie HTTPS-Everywhere, NoScript und den Tor-Button enthält. Ihm zur Seite steht das grafische Tor-Frontend Vidalia. Da das Bundle statisch kompiliert wurde, benötigt es keine Bibliotheken aus dem System und startet folglich auf allen Distributionen gleichermaßen. Darüber hinaus eignet sich das Paket auch als portable Version zum Mitführen, beispielsweise auf einem USB-Stick.

Um es zu nutzen, entpacken Sie das Archiv und starten das enthaltene Skript start-tor-browser. Damit starten simultan Tor, Vidalia und der Browser, der direkt eine sichere Verbindung über das Tor-Netzwerk herstellt. Nach dem Schließen des Browsers löscht dieser automatisch sämtliche während der Session angefallenen Daten wie Verlauf und Cookies.

Diese Kombination bietet sich nicht nur wegen ihrer unkomplizierten Handhabung an, sondern bietet auch ein weiteres Sicherheitsplus gegenüber dem Standardbrowser: Viele Webseiten fragen beim Besuch unter anderem die Konfiguration des Systems und die ID des Browsers ab. Des weiteren protokollieren Seiten wie Facebook auch dann den Besuch von Websites, die ihre Plugins verwenden, wenn Sie sich bei Facebook abgemeldet haben [11]. Diese Risiken umgehen Sie mit dem Gebrauch des Bundles anstelle Ihres Standardbrowsers.

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