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© Carole Nickerson, sxc.hu

Schnittmeister

Soundbearbeitung mit Audacity

23.09.2011
Linux eignet sich hervorragend zum Schneiden und Bearbeiten von Sounddateien. Mit Audacity, einem der bekanntesten Audio-Editoren, peppen Sie Ihre Aufnahmen im Handumdrehen auf.

Der Soundeditor Audacity [1] präsentiert sich aufgeräumt und steht auch in deutscher Sprache zur Verfügung (Abbildung 1). Einige Plugins auf unserem Testsystem (siehe Kasten "Audacity einrichten") ließen allerdings eine Lokalistaion vermissen. Direkt nach dem Programmstart öffnet sich eine Dialogbox mit Links zu Dokumentation, Wiki und Forum, die es auch in deutscher Variante gibt [2]. Schon ein flüchtiger Blick darauf lässt erahnen, welche Möglichkeiten in Audacity schlummern. Im Folgenden geben wir Ihnen das Handwerkszeug, um mit Audacity den eigenen Aufnahmen sprichwörtlich den Marsch zu blasen.

Abbildung 1: Trotz zahlreicher Funktionen präsentiert sich Audacity sehr aufgeräumt und übersichtlich.

Audacity einrichten

Audacity ist Bestandteil nahezu jeder Linux-Distribution. Auf unserem Testsystem mit Ubuntu 11.04 genügte zur Installation das Einrichten des Pakets audacity. Um MP3-Dateien zu bearbeiten, installieren Sie zusätzlich noch die sogenannte Lame-Bibliothek libmp3lame0. Anschließend starten Sie Audacity über den gleichnamigen Eintrag im Gnome-Menü unter Anwendungen | Multimedia. Ubuntu liefert die derzeit aktuelle Beta-Version Audacity 1.3.13 aus, die gegenüber dem stabilen Release 1.2 zahlreiche neue Funktionen mit sich bringt und deutlich mehr Formate unterstützt.

TIPP

Audacity konvertieren Sie mit wenigen Handgriffen sogar zu einer portablen Version für den USB-Stick. Ein Eintrag im offiziellen Wiki verrät, wie's geht [7].

Allesfresser

Der erste Schritt besteht darin, das gewünschte Material in Audacity zu laden, beispielsweise durch Import – was dank einer Vielzahl unterstützter Dateiformate keinerlei Probleme bereitet. WAV, MP3 und Ogg Vorbis [3] öffnet der Soundeditor problemlos, audiophile Geister freuen sich über die jüngst hinzugekommene Unterstützung für FLAC. Auch zahlreiche proprietäre Codecs wie WMA machten im Test keinerlei Probleme – zumindest, solange sie frei von DRM sind. Sie setzen unter Umständen aber die Installation zusätzlicher Bibliotheken voraus. Einschränkungen gibt es hingegen bei MIDI, das Audacity zwar importiert, aber weder abspielt noch speichert – dafür eignet sich ein sogenannter Sequencer aber ohnehin besser. Doch ganz gleich, welches Format Sie öffnen, der Weg ist immer derselbe: Datei | Import | Audio... sorgt dafür, dass Audacity das Material einliest.

Aufwändiger, dafür aber auch kreativer, ist die Aufnahme eigenen Materials. Das muss sich nicht auf das Einsprechen von Texten per Mikrofon beschränken – auch liebgewordene Schätze von alten Tonbändern, zerkratzten Schallplatten und ausgeleierten Kassetten lesen Sie ein und restaurieren das Material direkt am PC. Je nach System stehen mehrere Audioquellen zur Verfügung, die zunächst ausgewählt werden wollen, wozu Sie sich der vier Dropdown-Boxen in der rechten oberen Fensterhälfte bedienen (Abbildung 2). Auf unserem Testsystem mit einfacher Onboard-Soundkarte und zwei Eingängen mussten wir lediglich auf den Mikrofoneingang umstellen und die rote Aufnahmetaste betätigen.

Abbildung 2: Die Zahl der möglichen Audioquellen kann manchmal ganz schön verwirren.

Ob die Signale auch laut und deutlich ankommen, sehen Sie sowohl in der Spuranzeige, als auch in der oben mittig platzierten Aussteuerungsanzeige (Abbildung 3). Zum Justieren des Signals dienen die Schieber oben rechts im Programm: Sie regeln die Lautstärke sowohl der Aufnahme als auch der Wiedergabe. Durch einen Klick auf den kleinen Pfeil unter der Aussteuerungsanzeige und Wahl der Option Aussteuerungsanzeige aktivieren starten Sie einen Monitormodus, der auch ohne laufende Aufnahme den jeweiligen Pegel anzeigt – wer häufig Live-Aufnahmen macht, der weiß, wie hilfreich das sein kann.

Abbildung 3: Die Aussteuerungsanzeige sollten Sie immer im Blick haben.

Auf der richtigen Spur

Die soeben gestartete Aufnahme läuft nun solange, bis Sie den gelben Stopp-Knopf drücken. Um die Schneidearbeit zu minimieren, können Sie den Mitschnitt auch unterbrechen – beispielsweise für den Seitenwechsel von Schallplatten oder aber für längere Pausen in einer Liveaufnahme. Dazu dient naheliegenderweise die blaue Pause-Taste. Um die Aufnahme wieder fortzusetzen, klicken Sie erneut darauf. Haben Sie versehentlich doch auf Stopp geklickt, gibt es noch einen Trick: Drücken Sie gleichzeitig die Umschalt- und die rote Aufnahme-Taste, denn auch das setzt den Mitschnitt fort.

Doch warum ist die Umschalttaste überhaupt erforderlich? Das liegt in einem weiteren Feature von Audacity begründet, nämlich der Möglichkeit, mit mehreren Spuren zu arbeiten. Probieren Sie es einmal aus: Nehmen Sie einen Text auf, klicken Sie auf Stopp, und drücken danach erneut die Aufnahmetaste – diesmal jedoch ohne [Umschalt]. Diese zweite Aufnahme wird nicht etwa zum vorherigen Bereich hinzugefügt, sondern als zweite Spur angelegt.

Der Clou dabei: Während die neue Aufnahme läuft, spielt Audacity die bestehenden Spuren ab. Was zunächst verwirrend klingen mag, hat einen handfesten Nutzen: Wer beispielsweise schon immer mal sein Interpretationstalent à la Bobby McFerrin ("Don't worry, be happy") unter Beweis stellen wollte, wer Aufnahmen mit einer Kommentarspur versehen will, oder wer Hörspiele und Dialoge mit verschiedenen Sprechern aufnimmt, der weiß die Mehrspurfunktionalität zu schätzen.

Was früher teurer Luxus gehobener Rekorder war, ist jetzt direkt am heimischen PC möglich: Jede Spur wird separat eingesprochen und am Schluss als eine Datei exportiert. Diese Wiedergabefunktion lässt sich übrigens im Transport-Menü deaktivieren. Dort finden Sie auch weitere Aufnahmemöglichkeiten, beispielsweise einen zeitgesteuerter Mitschnitt oder die Möglichkeit, automatisch bei Erreichen eines bestimmten Lautstärkepegels aufzunehmen.

Überhaupt erweisen sich die Spuren als sehr mächtiges Werkzeug. Audacity zeigt jede separat an, markiert die aktuell ausgewählte mit einem gelben Rahmen, und gibt dem Tonmeister auf der linken Seite zahlreiche Kontrollelemente an die Hand. Ein Klick auf den Pfeil neben Tonspur öffnet ein Kontextmenü mit zahlreichen Optionen. Darin geben Sie jeder Spur bei Bedarf einen eigenen Namen – in unserem Beispiel (Abbildung 4) die der Sprecher Erwin und Fred – verschieben sie nach oben oder unten, und wählen die Art der Tondarstellung. Zusätzlich bietet Audacity auch die Möglichkeit, das Sampleformat und die Samplerate anzupassen und verschiedene Spuren, beispielsweise von zwei Mikrofonen, zu einer Stereospur zusammenzufassen und wieder zu trennen.

Abbildung 4: Spuren sind das zentrale Element jeder Audiobearbeitung.

Zur besseren Kontrolle schalten Sie einzelne Aufnahmen über die gleichnamige Schaltfläche Stumm oder reduzieren die Wiedergabe mittels Solo auf eine ganz bestimmte Tonspur. Diese Technik hilft beispielsweise bei Liveaufnahmen dabei, den Applaus des Publikums auszublenden oder einzelne Instrumente gesondert zu hören. Zusätzlich stellen Sie über die entsprechenden Regler sowohl die Balance als auch die Lautstärke jeder einzelnen Spur für die Wiedergabe separat ein. Arbeiten Sie mit mehreren Spuren, dann klappen Sie gerade nicht benötigte Mitschnitte einfach über den unteren Pfeil ein. Misslungene Aufnahmen befördert ein Klick auf das X gleich ganz ins Nirwana.

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