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© Domen Colja. 123rf.com

Simples Backup für Ubuntu

Sichere Daten

Schnell mal ein Backup einrichten? Mit Sbackup und seiner grafischen Oberfläche archivieren Sie wichtige Daten im Handumdrehen.

Neuen Festplatten sieht man selten an, ob sie morgen oder erst in vier Jahren den Geist aufgeben. Fest steht, dass der Tag irgendwann kommt – und dann möchten Sie Ihre Daten gern in Sicherheit wissen. Diese speichern sich jedoch nicht von allein: Programme wie Sbackup [1] helfen beim Sichern der Datenflut.

Die in Python geschriebene Software galt lange als Standard-Backup-Programm von Ubuntu, da sie im Rahmen von Googles "Summer of Code" für die Distribution entwickelt wurde. Tatsächlich bringt sie gegenüber anderen etablierten Backup-Lösungen wie Rsnapshot und Rsync den Vorteil mit, eine auf Gtk+ basierende grafische Oberfläche zu besitzen. Das sollte Sie aber nicht dazu verleiten, blind auf irgendwelche Knöpfchen zu drücken. Solange Sie nicht genau wissen, wie das Programm funktioniert, sollten Sie Sbackup keine wertvollen Daten anvertrauen: Trotz der Einfachheit (das S in Sbackup steht für "simple") birgt die Software ein paar Fallstricke.

Sbackup besteht aus zwei Komponenten (Abbildung 1): dem Backup-Frontend Simple Backup-Configuration und dem Wiederherstellungstool Simple Backup-Restoration. Im klassischen Gnome-Menü finden Sie beide unter Systemwerkzeuge. Über Simple Backup Config richten Sie Sbackup ein. Hier legen Sie fest, welche Daten die Software sichert, wo sie diese ablegt und wie häufig sie das tut. Über den Restoration-Teil von Sbackup stellen Sie Ihre Sicherungskopien im Bedarfsfall wieder her.

Abbildung 1: Sbackup besteht aus einem Frontend für Konfiguration und Backup sowie einem Wiederherstellungsteil.

Installation

Ubuntu 11.04 "Natty" führt die (zum Testzeitpunkt) aktuellste Version von Sbackup (0.11.4) bereits in seinen Repositories. Zur Installation starten Sie das Software-Center, geben oben rechts in der Suchmaske den Begriff sbackup ein und markieren die zwei Pakete sbackup und sbackup-gtk zu Installation. Das Paket sbackup-plugins-fuse benötigen Sie in aller Regel nicht, da Sbackup über Gnomes GIO/GVFS bereits auf entfernte Speicherorte zugreifen kann. Möchten Sie sicher sein, stets die aktuellste Sbackup-Version zu betreiben, binden Sie das Projekt-PPA (ppa:nssbackup-team/ppa) in die Paketquellen Ihres Ubuntu-Systems ein und installieren Sbackup von dort.

Verwenden Sie eine andere Distribution als Ubuntu, installieren Sie Sbackup aus dem Tarball [2] – es setzt Python ab Version 2.5, PyGTK ab Version 2.10, die Python-setuptools, Pygnome, Pyglade, Pynotify, Gettext, Gvfs, Gvfs-fuse sowie Gvfs-backends voraus. Wollen Sie die Fuse-Plugins betreiben, benötigen Sie zusätzlich Fuse selbst sowie Python-pexpect und Sshfs (für SSH) beziehungsweise Curlftpfs (für FTP und SFTP). Nach dem Entpacken des Tarballs wechseln Sie in das neu entstandene Verzeichnis und rufen dort zunächst make auf, dann mit Root-Rechten make install. Damit richten Sie Sbackup unter /usr/local ein und können es anschließend durch den Aufruf von sbackupconfig starten. Zum Betrieb benötigt das Programm administrative Rechte.

Auftakt

Beim Sichern der Daten machen Sie im Regelfall zunächst ein vollständiges Backup, im Anschluss folgen dann sogenannte inkrementelle Backups: Diese speichern lediglich die Dateien, die sich seit der letzten Datensicherung verändert haben. In gewissen regelmäßigen Abständen (wöchentlich, monatlich – je nach Bedarf) folgen dann wieder Volldatensicherungen. So sammeln sich dank der inkrementellen Methode keine immensen Datenmengen an. Auf jeden Fall sollten Sie im Vorfeld errechnen, wie viel Speicherplatz Sie voraussichtlich für Ihre Daten benötigen und die Sicherungszyklen dementsprechend einrichten.

Um das gesamte System zu archivieren und bei Bedarf zu restaurieren, eignet sich Sbackup nicht. Sie sichern damit aber ohne Probleme die Dateien aus den Home-Verzeichnissen. Bei der Wahl des Speicherortes sollten Sie bedenken, dass auch externe Festplatte irgendwann das Zeitliche segnen. Erfreulicherweise hinterlegt die Software Daten auch auf SSH- und FTP-Servern. Alternativ kaufen Sie also Speicherplatz bei einem Webspace-Anbieter [3] und verschieben die Daten dorthin. Der Vorteil: Diese Anbieter erstellen meist selbst Backups ihrer Kundendaten. Diese lassen sich also nach einem Zwischenfall im Rechenzentrum wiederherstellen. Der Nachteil: Sie müssen die Daten verschlüsseln, um Ihre Privatsphäre zu schützen.

Anpacken

Beim ersten Aufruf beschwert sich Sbackup sofort darüber, dass es kein gültiges Backup-Profil finden kann – ein solches gilt es nun anzulegen. Damit beginnen Sie im Reiter Allgemein (Abbildung 2). Hier legen Sie fest, in welchen Intervallen Sbackup statt einer inkrementellen Sicherung ein Vollbackup vornehmen soll, und bestimmen, ob und mit welcher Kompressionsmethode das Programm den Datenumfang reduziert. Außerdem weisen Sie Sbackup hier bei Bedarf an, die Sicherungsarchive in handliche Teile zu zerlegen, mit denen auch ältere Dateisysteme wie FAT16 und FAT32 umgehen können.

Abbildung 2: Im Reiter Allgemein treffen Sie Grundeinstellungen für das Backup. In aller Regel könne Sie hier die Vorgaben stehen lassen.

Welche Dateien Sie sichern wollen, bestimmen Sie in den Registern Zu sichernde Daten und Nicht Sichern. Die Optionen in diesen Reitern erklären sich selbst. Über Datei hinzufügen füttern Sie die Liste auf dem Reiter Zu sichernde Daten mit entsprechenden Dateien und Verzeichnissen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Über das Register Zu sichernde Daten legen Sie fest, welche Dateien und Verzeichnisse Sie sichern wollen.

Unter Nicht Sichern nehmen Sie gegebenenfalls komplette Pfade oder bestimmte Dateitypen von der Sicherung aus (Abbildung 4). Sbackup ermittelt den Dateityp anhand der Namensendung, hier dürfen Sie auch eigene Dateitypen definieren. Caches, gelöschte Dateien, Thumbnails und ähnlich Backup-Unwürdiges schließt das Programm bereits von sich aus über Reguläre Ausdrücke von der Datensicherung aus. Weiteren Ausnahmen über selbst definierte Regexe [4] steht nichts im Weg. Unter Sonstiges unterbinden Sie das Sichern von Files, die eine bestimmte Größe überschreiten, und legen fest, ob Sbackup Symlinks folgen soll.

Abbildung 4: Im Reiter Nicht Sichern schließen Sie unwichtige oder unerwünschte Daten von der Sicherung aus.

Auf dem Reiter Zielverzeichnis definieren Sie den Ort, an dem Sbackup die Sicherungen ablegen soll. Standardmäßig sichert das Programm die Daten nach /var/backup (Standardverzeichnis <...>), über den zweiten Auswahlpunkt (Benutzerdefiniertes <...> geben Sie einen anderen Ordner an. Dieser darf sich auf der lokalen Festplatte befinden, es kann sich aber auch um externe Medien oder via Netzwerk-Share eingebundene Laufwerke handeln (Abbildung 5).

Abbildung 5: Sbackup akzeptiert als Zielverzeichnis sowohl lokale Medien als auch Netzwerklaufwerke.

Wollen Sie Ihre Daten auf einen Server im Netz sichern, nutzen Sie dazu die Option Einen entfernten Speicher verwenden). Sie geben die notwendigen Anmeldedaten entweder direkt oder Schritt für Schritt im Dialog unter Verbinde... ein und prüfen dort über Verbinden, ob die Verbindung überhaupt zustande kommt. Der Eintrag

ftp://User@Server/Verzeichnis

sichert mittels des Benutzerkontos User Daten im Ordner Verzeichnis auf dem FTP-Server Server. Erfreulicherweise übernimmt der Restore-Teil von Sbackup die angegebene Adresse später automatisch: Das spart zusätzliche Tipparbeit beim Widerherstellen der Daten.

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