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Editorial

Editorial 10/2011

23.09.2011

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Geschichte von SCO, der Firma, die Lizenzgebühren für Linux kassieren wollte, endete am 30. August mit der endgültigen Ablehnung aller Ansprüche durch ein US-Berufungsgericht [1]. Im Nachhinein erscheint SCO allerdings geradezu als Waisenknabe, denn ein gefährlicherer [2] Nachfolger steht schon bereit, und er will nicht nur Geld, sondern nichts weniger als ein Monopol: Apple.

Lassen wir mal die unerfreuliche Tatsache beiseite, dass die Kalifornier die Benutzer ihrer Erfolgsprodukte iPhone und iPad in ein Gefängnis einsperren, aus dem sich diese erst "jailbreaken" müssen, um Apples Apps-Zensur zu entkommen. Ignorieren wir großzügig, dass Apple sogar eine inhaltliche Zensur der Apps vornimmt. Gehen wir auch über die Tatsache hinweg, dass Cupertino in schönster iTunes-Tradition mit dem Nachbrenner iCloud versucht, jeden final auf Apple-Produkte festzunageln, der so unvorsichtig war, sich diese zuzulegen [3].

Dass Apple sich nicht entblödet, die Hersteller von Eierbechern [4] und Nudelgerichten [5] mit fadenscheinigen Prozessen überzieht, ließe sich noch in der Rubrik Anekdoten verbuchen. Schon weniger lustig ist es, wenn die Firma dem WWW-Standardisierungsgremium W3C eigentlich zugesicherte Rechte verweigert [6] oder gnadenlos jeden verklagt oder bedroht, der das Wort "Appstore" in den Mund nimmt [7], freie Projekte nicht ausgenommen [8].

Es genügt Apple auch nicht mehr, nur seine Kunden zu bevormunden – es soll außerdem ja niemand anderswo einkaufen als in Cupertino: Mit einem fragwürdigen Gebrauchsmusterschutz [9] unterband die Firma Anfang August per Einstweiliger Verfügung (EV, [10]) die Auslieferung des (von Testern durchweg als gute iPad-Alternative gehandelten) Samsung Galaxy Tab mit Android. Jedes flache rechteckige Gerät mit abgerundeten Kanten – wie sollte ein Tablet sonst aussehen? – als iPad-Nachahmung zu diffamieren, war Apple nicht genug, es musste im EV-Antrag auch noch die Abbildungen des Samsung-Geräts manipulieren [11]. Um die Sache auf die Spitze zu treiben, behauptet Apple jetzt auch noch, Android sei quasi in Cupertino erfunden worden [12] und verletze daher Apple-Patente. Begründung: Android-Chefentwickler Andy Rubin habe schließlich in den frühen 1990ern mal bei Apple gearbeitet.

Die Hardware zunageln, die Benutzer bevormunden und einsperren, Inhalte zensieren, jede potenzielle Konkurrenz vorab wegklagen: Apple positioniert sich inzwischen als totale Antithese zu Open Source. So schön die Hardware des Herstellers ist, wer sie kauft – und sei es nur, um Linux draufzuspielen – unterstützt Apples Machtansprüche, denn das Unternehmen lebt vom Hardware-Verkauf [13]. Ich kann nur raten: Finger weg, so sehr es auch juckt …

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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Infos zum Autor

Jörg Luther

Jörg Luther

Jörg Luther arbeitet seit 1995 als IT-Journalist. Seine Vorliebe für das freie Betriebssystem lebt er privat in der LUG Erding und beruflich seit 2004 als Chefredakteur des LinuxUser aus.

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