Elegante Vorstellung

Diashows erstellen mit Imagination

Wollte man im vergangenen Jahrhundert in geselliger Runde die neuesten Urlaubsfotos präsentieren, ließ man seine Fotos als Dia entwickeln und schleppte dann die gesamte Ausrüstung zum Familientreffen mit: Diaprojektor, Leinwand und – nicht zu vergessen – die mit den Dias gefüllten Magazine. War endlich alles aufgebaut und hatte sich das Publikum zu fünft auf das Dreiersofa gequetscht, konnte die Vorführung beginnen. Der Bediener drückte den entsprechenden Knopf auf der (eventuell sogar kabelgebundenen) Fernbedienung, und der Projektor sorgte für das typische Geräusch, das sich anhörte wie das Durchladen eines Plastikgewehrs. Ein neues Dia wurde vor die Linse geschoben, und auf der Leinwand war die nächste Urlaubserinnerung zu bewundern.

Mit der analogen Fotografie verschwinden auch die Diaschauen. Statt Projektor und Leinwand kommen mittlerweile Monitor, Smartphone, Fernseher oder sogar Beamer zum Einsatz, um die jüngsten Reiseerlebnisse anderen zu präsentieren – Letzteres gegebenfalls auch mit Leinwand. Doch die Atmosphäre eines Dia-Abends muss nicht verloren gehen: Statt nacheinander Bilder aus einem Dateimanager heraus aufzurufen, können Sie mit Hilfe von entsprechenden Tools schöne Fotosequenzen erstellen.

Ein solches Tool ist Imagination [1], mit dem Sie solche Fotosequenzen – sogenannte Slideshows – erstellen. Sie können einzelne Fotos wie in einer Diaschau nacheinander abspielen und dazu selbst ausgewählte Hintergrundmusik laufen lassen. Für das Überblenden zwischen den einzelnen Fotos bietet das Programm verschiedene Übergänge. Passenderweise heißen Fotos in Imagination auch "Dia". Imagination erstellt Slideshows im DVD-gerechten VOB-Format, als Flash, Theora Vorbis oder 3GP.

Installation

Imagination liegt derzeit in der Version 3.0 vor. Nach dem Herunterladen [2] des Quell-Tarballs (auch auf Heft-DVD) entpacken Sie diesen in ein beliebiges Verzeichnis (Listing 1, Zeile 1). Anschließend wechseln Sie in den entpackten Ordner (Zeile 2). Dort öffnen Sie nun die Datei src/support.h mit einem Texteditor (Zeile 3), suchen die Zeile #define PLUGINS_INSTALLED 0 und ändern die 0 in eine 1. Speichern Sie diese Änderung und schließen Sie den Editor wieder. Durch diese kleine Anpassung stehen Ihnen nachher auch die Übergänge zwischen einzelnen Bildern zur Verfügung – andernfalls würden Sie keine Übergänge auswählen können.

Führen Sie nun den Befehl ./configure aus, um Imagination für Ihr System zu konfigurieren. Eventuell erhalten Sie hier die Meldung, dass bestimmte Pakete fehlen. Richten Sie die fehlenden Komponenten dann über den Paketmanager des Systems ein und führen Sie ./configure noch einmal aus. Unter Linux Mint 11 mussten wir beispielsweise die Pakete docbook-xsl, intltool, libglib2.0-dev, libgtk2.0-dev und libsox-dev nachinstallieren.

Nach der erfolgreichen Konfiguration übersetzen und installieren Sie Imagination mit dem bekannten Dreischritt (Zeile 4 bis 6). Im Anschluss starten Sie die Anwendung über den Befehl imagination auf der Kommandozeile oder per Maus über das Startmenü.

Listing 1

$ tar -xzf imagination-3.0.tar.gz
$ cd imagination-3.0/
$ gedit src/support.h
$ .configure
$ make
$ sudo make install

Erste Schritte

Nach dem Start legen Sie zuerst über den Menüeintrag Diaschau | Neu oder über die Tastenkombination [Strg]+[N] eine neue Diaschau an. Im Dialog Neue Diaschau anlegen nehmen Sie grundlegende Einstellungen zum Format (siehe Tabelle "Videoformate") und der Größe des Videos vor. Abhängig von der Auswahl des Formats stehen verschiedene Größen zur Auswahl. Nachdem Sie Format und Größe ausgewählt haben, aktivieren Sie die Funktion Bilder in das Format einpassen und legen eine passende Hintergrundfarbe fest, bevor Sie den Dialog bestätigen.

Abbildung 1

Abbildung 1: In den Diaschau-Einstellungen legen Sie das Format fest, in das Imagination die Slideshow nach dem Bearbeiten exportiert.

Videoformate

Kürzel Format Erläuterung
VOB DVD Video VOB ist ein Containerformat für DVDs, das neben den eigentlichen Videos auch Untertitel und Menüinformationen enthalten kann. VOB-Dateien mit Videos sind üblicherweise MPEG-2- oder MPEG-1-kodiert.
OGV Theora Vorbis Theora ist ein freier Videocodec und ist als patentfreies Pendant als Alternative zu anderen verwendeten Codecs im Internet gedacht.
FLV Flash Video Dateien im bekannten Flash-Format können mit vielen gängigen Playern abgespielt werden.
3GP Mobile Phones Containerformat für Mobiltelefone, das auf MPEG4 basiert

Nun holen Sie die zu präsentierenden Fotos in die Slideshow. Dazu klicken Sie im Menü auf Diaschau | Bilder importieren oder drücken [Strg]+[I]. Navigieren Sie nun in das Verzeichnis mit den gewünschten Bildern und wählen Sie die entsprechenden Dateien aus. Sie können auch nachträglich weitere Bilder hinzufügen. Haben Sie eine Auswahl getroffen, erscheinen die Bilder am unteren Fensterrand in einer Leiste.

Hier bringen Sie die Bilder per Maus in die gewünschte Reihenfolge. Dazu halten Sie die linke Maustaste gedrückt und ziehen einzelne Bilder an die vorgesehene Stelle. Möchten Sie dabei nicht immer durch die gesamte Leiste scrollen, dann erleichtern Sie sich mit dem Übersichtsmodus das Leben: Klicken Sie dazu im Menü Ansicht auf Übersicht. Nun zeigt Imagination die Bilder ähnlich wie in einem Dateimanager an. Denken Sie bei all der Verschieberei auch daran, Ihr Projekt zwischendurch zu speichern.

Haben Sie die richtige Reihenfolge gefunden, geht es an die Gestaltung der Slideshow. Sie können für jedes Bild eigene Einstellungen festlegen (Abbildung 2), wie Texte, Überblendeffekte und Anzeigedauer. Allerdings bedeutet das, dass Sie tatsächlich auch jedes Bild in die Hand nehmen müssen: Es fehlt die Möglichkeit, Einstellungen von einem Foto auf ein anderes zu übertragen. Immerhin können Sie bei gedrücktem [Strg] mehrere Bilder mit der Maus markieren und gemeinsame Einstellungen treffen.

Abbildung 2

Abbildung 2: In Imagination legen Sie für jedes Bild getrennt die Anzeigedauer, Überblendeffekte und zahlreiche weitere Einstellungen fest.

Effektiv

Um Einstellungen für ein einzelnes Bild vorzunehmen, wählen Sie dieses aus und passen in den rechts daneben platzierten Reitern die Optionen an. Im Tab Video verbergen sich alle wichtigen Eigenschaften für die Optik.

Unter Überblend-Effekt wählen Sie aus der Auswahlliste einen passenden Effekt aus (Abbildung 3). Die Menü-Einträge dieser Auswahlliste erscheinen zwar auf Englisch, doch die kleinen Vorschaubildchen unten machen ganz schnell klar, um was für einen Effekt es sich jeweils handelt, ohne diesen schon auswählen zu müssen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Imagination stellt zahlreiche Überblendeffekte zur Verfügung.

Experimentierfreudige klicken einfach auf Zufällig, woraufhin Imagination selbst einen Effekt aussucht. Der eingestellte Effekt gilt stets für die Überblendung vom vorherigen Bild auf das aktuelle Foto. Haben Sie einen Überblendeffekt ausgewählt, signalisiert Imagination diesen durch ein kleines Icon am zugehörigen Vorschaubildchen (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Jedes Bild, dem Sie einen Überblendeffekt zuordnen, versieht Imagination mit einem entsprechenden Icon.

Zusätzlich legen Sie über die entsprechenden Felder die Überblendgeschwindigkeit sowie die Anzeigedauer fest. Unter Länge der Diaschau behalten Sie immer im Blick, wie lange die Diaschau mit den getroffenen Einstellungen insgesamt dauert. Das Gesamtergebnis können Sie sich als Vorschau über das Abspielsymbol Startet die Vorschau in der Werkzeugleiste schon einmal ansehen. Möchten Sie wissen, wie oft welcher Überblendeffekt an welcher Stelle der Slideshow zum Einsatz kommt, hilft der Menüpunkt Dia | Bericht weiter (Abbildung 5).

Abbildung 5

Abbildung 5: Über Dia | Bericht können Sie sich anzeigen lassen, wie oft sie einzelne Übergange verwenden.

Kennen Sie Ken Burns?

Als "Ken-Burns-Effekt" bezeichnet man das Verfahren, mittels Vergrößern und Schwenken aus einem Standbild ein Pseudo-Bewegtbild zu erstellen. Als Namensgeber dient dabei der renommierte und mehrfach ausgezeichnete US-amerikanische Dokumentarfilmer Ken Burns [3], der diese Technik zwar nicht erfunden hat, sie jedoch in seinen Filmen meisterlich anwendet. Dank Imagination setzen auch Sie bequem dieses Verfahren ein, um beispielsweise die Aufmerksamkeit der Zuschauer durch Ausrichten und Zoomen auf einen bestimmten Punkt (etwa ein Gesicht) zu lenken.

Schieben Sie dazu den Regler Zoom im Bereich Dia-Bewegung nach rechts, um etwas in das Bild hinein zu zoomen. Nun ziehen Sie mit gedrückter linker Maustaste das Bild an diejenige Stelle, in die Imagination später per Ken-Burns-Effekt hineinzoomen soll. Gegebenenfalls müssen Sie den Vergrößerungsfaktor noch ein wenig nachjustieren. Über Dauer legen Sie fest, wie lange der Fokus auf diesem Punkt liegen soll. Entspricht das Ergebnis Ihren Ansprüchen, klicken Sie auf Hinzufügen und erstellen damit einen sogenannten Anhaltepunkt.

Sie können auf einem Bild auch mehrere Anhaltepunkte anlegen – etwa, um auf Gruppenfotos jedes Gesicht einmal im Porträt vergrößert zu zeigen. Als ersten Anhaltepunkt sollten Sie immer das komplette, nicht gezoomte Bild verwenden – anderenfalls startet Imagination dieses Bild in der Diaschau gegebenenfalls stark hineingezoomt am ersten Anhaltepunkt. Möchten Sie einen einzelnen Anhaltepunkt nachträglich verändern, wählen Sie ihn dazu über die Pfeil-Schalter aus. Vergessen Sie nicht, nach erfolgter Änderung mittels Aktualisieren die Anpassungen zu übernehmen. Zum Löschen klicken Sie einfach auf Entfernen.

Beim ersten Versuch, mit dem Ken-Burns-Effektwerkzeug zu arbeiten, gelangen Sie wahrscheinlich nicht sofort ans Ziel der Wünsche. Mit ein wenig Ausprobieren stellen sich dann aber zügig zufriedenstellende Ergebnisse ein.

Text und Musik

Über den Bereich Dia-Text fügen Sie einer Abbildung auch Texte hinzu. Neben der Schriftart und der Schriftgröße legen Sie dabei über die beiden entsprechenden Buttons auch eine Füllfarbe und eine Schriftkonturfarbe fest. Zusätzlich können Sie unter Animation einen Effekt für das Einblenden des Textes auswählen. Über den Punkt Position des Untertitels bestimmen Sie, an welcher Stelle des Bildes der Text erscheint.

Um die Stimmung zu pointieren oder bei langen Diaschauen keine Langeweile aufkommen zu lassen, hilft oft eine passende musikalische Untermalung. Klicken Sie dazu im Menü auf Diaschau | Musik importieren oder drücken Sie [Strg]+[M]. Über den sich öffnenden Dialog wählen Sie anschließend die gewünschten Musikdateien aus. Dann passen Sie die Reihenfolge der Stücke unter dem Reiter Audio an.

Export

Sind Sie mit allen Einstellungen zufrieden, exportieren Sie nun die Diaschau als Video. Vorher lohnt es sich eventuell, noch einmal die Vorschaufunktion über Diaschau | Vorschau auszuführen. Den Export, also das Erzeugen der eigentlichen Slideshow, stoßen Sie über Diaschau | Exportieren an. In dem sich daraufhin öffnenden Dialog treffen Sie weitere Einstellungen, wie zum Beispiel Qualität, Format und Auflösung. Zu guter Letzt starten Sie dann den Export.

Haben Sie mehrere Slideshows produziert, können Sie noch einen Schritt weiter gehen und das Gesamtkunstwerk zum Beispiel diese auf eine DVD brennen. Ein ansprechendes Menü dazu erstellen Sie beispielsweise mit Bombono [4]. So haben Sie am Ende ein optisches Schmankerl erarbeitet, das sich prima verschenken lässt.

Fazit

Trotz einiger Haken in der Handhabbarkeit lassen sich mit Imagination ansehnliche Slideshows erstellen. Ein paar Funktionen fehlen allerdings noch: So würde der Bedienkomfort beträchtlich von Eigenschaftsprofilen profitieren, mit denen man die Einstellungen eines angepassten Fotos nachträglich auf weitere Bilder übertragen könnte. Dennoch macht die Arbeit mit Imagination Spaß und führt zu sehr ansehnlichen Ergebnissen. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass die Entwickler die Anwendung auf das funktional Notwendigste reduziert haben, sodass auch Einsteiger tolle Diaschauen zusammenstellen können, ohne sich langwierig einarbeiten zu müssen. 

Infos

[1] Imagination: http://imagination.sourceforge.net

[2] Download: http://sourceforge.net/projects/imagination/files/imagination/3.0/

[3] Ken Burns (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Burns

[4] Bombono DVD: Vincze-Aron Szabo, "Menü mit drei Gängen", LU 09/2011, S. 48: http://www.linux-community.de/22904

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