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© Thomas Boulvin, sxc.hu

Magisches Auge

Videoüberwachung mit Zoneminder

11.08.2011
Vandalismus, Sachbeschädigungen und Diebstähle machen so manchem Zeitgenossen zunehmend zu schaffen. Dank Linux und freier Software zur Videoüberwachung bekommt man die Übeltäter jedoch zu fassen.

Fahrrad geklaut, Auto zerkratzt, Mauer beschmiert – und alles direkt vor oder am eigenen Haus? Wenn polizeiliche Ermittlungen in solchen Fällen bislang wegen fehlender aussagekräftiger Beweise stets im Sande verliefen und Sie Sachbeschädigungen und Diebstähle zukünftig nicht mehr hinnehmen wollen, kann eine Videoüberwachungsanlage wahre Wunder bewirken. Dabei kostet eine effektive Überwachung neuralgischer Punkte mittlerweile nicht mehr die Welt: Mit einem Linux-PC, dem freien Zoneminder [1] als Steuerungssoftware sowie herkömmlichen Webcams sind Sie für weniger als hundert Euro mit von der Partie.

Vorbereitungen

Der Nutzen einer Videoüberwachungsanlage steht und fällt mit der Qualität der eingesetzten Kameras. Vor allem dann, wenn Videosequenzen oder Bilder zu Beweiszwecken vor Gericht dienen sollen, müssen diese eine entsprechend hohe Auflösung bieten, um auch bei Vergrößerungen wichtige Details scharf darzustellen. Daher eignet sich nicht jede Kamera für die Videoüberwachung. Zusätzlich gilt es den Einsatzort zu berücksichtigen: Wollen Sie schlecht zugängliche Bereiche im Freien überwachen, muss die Kamera zwingend für den Außeneinsatz konzipiert sein, so dass auch ein heftiger Regenschauer das Gerät nicht außer Gefecht setzt. Eine sogenannte Pan/Tilt-Kamera benötigen Sie, wenn der zu observierende Bereich gelegentlich verändert werden muss: Solche Kameras können das Objektiv motorgesteuert um zwei Achsen bewegen und somit verschiedene Räume überwachen. Noch flexibler lassen sich sogenannte PTZ-Kameras einsetzen: Die Pan/Tilt/Zoom-Kameras holen im Bedarfsfall den überwachten Bereich per Zoomobjektiv zusätzlich ganz nah heran.

Liegen die neuralgischen Orte in dunklen Bereichen oder sollen bestimmte Örtlichkeiten auch nachts überwacht werden, brauchen Sie zusätzlich eine Infrarot-Lichtquelle. Hochwertige professionelle Überwachungskameras bringen oft mehrere Infrarot-Leuchtdioden mit, die unter schlechten Lichtbedingungen eine Reichweite von bis zu zehn Metern bieten. Falls Sie die deutlich günstigeren und meist auch kleineren Webcams für das Überwachen von Innenräumen nutzen möchten oder Ihre Überwachungskamera keine Infrarot-Dioden aufweist, gibt es spezielle Infrarot-Scheinwerfer auch als externe Komponenten [2].

Überwachungskameras: Tipps & Tricks

Um Zoneminder effektiv zu nutzen, sollten Sie nicht nur Ihre Kameras sehr sorgfältig auswählen, sondern auch deren Standorte. Da meist schon der relativ beschränkte Speicherplatzes auf der Festplatte ein dauerhaftes Mitschneiden verbietet, beginnen die meisten Überwachungskameras erst mit dem Aufzeichnen, wenn eine Bewegung erkannt wird. Daher sollten Sie darauf achten, dass die Kameras nur einen "stillen" Bereich ausleuchten.

Im Freien sollten beispielsweise keine Bäume oder Büsche größere Bildbereiche abdecken, da die Gewächse sich bei Windböen bewegen und dabei permanent Events generieren. Lassen sich unmotiviert bewegte Objekte nicht ganz aus dem Bildbereich der Kamera eliminieren, so sollten Sie in Zoneminder eigene Zonen definieren (siehe Abschnitt "Alarmzonen").

Überwachungskameras sollten zu observierende Bereiche nie mit kleinem Beobachtungswinkel von oben beleuchten, da sich Personen, die sich in diesem Bereich aufhalten, bei gerader Draufsicht nur schwer identifiziert lassen. Die Kamera sollte stattdessen seitlich von oben den Observationsraum beleuchten.

Achten Sie bei kabelgebundenen Kameras darauf, deren Strippen für Unbefugte unsichtbar und auch unerreichbar zu verlegen. Ein durchschnittenes Kabel setzt eine Überwachungskamera sofort außer Gefecht und lässt Zoneminder im Dunkeln tappen.

Linux-Unterstützung

Obwohl dedizierte Pan/Tilt-Überwachungskameras sich äußerlich meist sehr ähnlich sehen, bestehen technisch deutliche Unterschiede. Die Optik weist zwar bei faktisch allen aktuell erhältlichen Modellen mit Ausnahme der Pixelanzahl kaum noch Unterschiede auf, jedoch eignen sich viele Kameras nur für den Einsatz unter anderen Betriebssystemen und funktionieren unter Linux nicht. Kameras, die über eine TV-Schnittstellenkarte im Rechner angesteuert werden (TV-Tuner) sowie analoge S-Video-Kameras lassen sich, sofern es für die TV- oder Capture-Karte Linux-Treiber gibt, mit Zoneminder in vielen Fällen nutzen. Trotzdem sollten Sie vorab einen Blick in die Kompatibilitätsliste [3] des Programms werfen – vor allem, wenn Sie mehrere unterschiedliche Kameras beispielsweise parallel Innen und Außen einsetzen wollen.

Auch bei den beliebten USB-Webkameras machen fehlende Treiber für das freie Betriebssystem manchmal (noch) einen Strich durch die Rechnung. Insbesondere ältere Modelle mit geringer Auflösung lassen Sie daher besser im Regal: Mit solchen Kameras lassen sich erfahrungsgemäß keine "gerichtsfesten" Aufnahmen erzielen. Dank verschiedener freier Projekte hat sich jedoch in den letzten Jahren die Unterstützung von Webcams unter Linux signifikant verbessert. Falls Sie eine USB-Kamera einsetzen, sollten Sie als erste Anlaufstelle die beiden Projekte GSPCA [4] und Uvcvideo [5] nutzen, um zu prüfen, ob das vorgesehene Kameramodell unter Linux arbeitet. Da der Kernel seit Version 2.6.27 beide Treiber integriert, funktionieren die von den Projekten als kompatibel eingestuften Geräte mit dem freien Betriebssystem ohne zusätzliche Klimmzüge.

Zu guter Letzt sollten Sie zusätzlich darauf achten, dass der Überwachungsrechner genügend Festplattenkapazität bereitstellt: Hochauflösende Aufnahmen mit hoher Frame-Rate und großer Farbtiefe benötigen reichlich Platz.

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