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Fröhliches Zwitschern

Twitter-Clients Hotot 0.9.6 und Choqok 1.1

03.08.2011
Schnelles Status-Update nach dem Essen oder Freudenschrei nach dem Lottogewinn? Mit Hotot und Choqok halten Sie Freunde und Verwandte stets auf dem neusten Stand.

Die Weboberfläche des Microblogging-Diensts Twitter bietet nicht viel Komfort. Als praktischer erweist sich im Alltag ein angepasstes Client-Programm. Dass Twitter selbst als kommerzieller Anbieter die Linux-Welt fröhlich ignoriert, gehört schon fast zum guten Ton. Doch Tux-Liebhaber finden immer jemanden in ihren Reihen, der eine passende Software hervorzaubert.

Anhand der zwei Kandidaten Hotot [1] und Choqok [2] zeigt dieser Artikel, wie Sie mit den freien Programmen Ihren eigenen Nachrichtenstrom in die Welt hinaus schicken. Kennen Sie das Wort Twittern bisher lediglich aus den Nachrichten, lohnt sich ein Blick in den Kasten "Twitter für Einsteiger" an.

Twitter für Einsteiger

Im Grunde genommen handelt es sich bei Twitter um einen Nachrichtendienst, mit dem Sie (ähnlich einer Kurzmitteilung auf einem Handy) eine auf 140 Zeichen begrenzte Textnachricht in die Welt senden – quasi ein kleiner Blog (daher: Microblogging), der sich nicht auf eine Webseite beschränkt.

Die Adressaten heißen Follower: Hinter diesem Begriff verbergen sich andere Teilnehmer, die Ihren Nachrichten folgen. In gleicher Weise haben Sie die Möglichkeit, anderen Personen zu folgen. Sie erhalten deren Nachrichten in einer Zeitlinie, die die Einträge chronologisch sortiert. Die Nachrichten selbst bezeichnet die Twitter-Welt als Tweets, was soviel wie "Gezwitscher" bedeutet.

Oft leiten Twitterer Kommentare anderer Personen direkt in ihr Follower-Netz weiter. Dieses Nachrichten heißen wiederum Retweets. Auf diese Weise erreicht eine Meldung binnen kürzester Zeit Millionen von Menschen. Immer mehr nutzen auch Firmen den Dienst, um zu Beispiel Statusmeldungen angebotener Produkte mitzuteilen. Aber auch prominente Personen aus Kultur und Politik verwenden Twitter, um Meinungen, Termine oder einfach Klatsch zu verbreiten.

Hotot

Das auf Python basierende Microblogging-Tool Hotot liegt derzeit nur für Linux (siehe Kasten "Linux-Installation") und Googles Chrome vor. Hotot ist modular aufgebaut: Die Open-Source-Entwickler kümmern sich um das eigentliche Programm und erweitern dessen Funktionalität mit sogenannten Extensions. So kommt derzeit bei jedem Minor-Update eine neue Funktion in Form einer solchen Erweiterung hinzu.

Linux-Installation

Hotot unterstützt derzeit Ubuntu, Fedora, Mandriva, Arch und Gentoo mit Paketen. Unter Ubuntu fügen Sie das Hotot-PPA hinzu und installieren die von dort. Geben Sie dazu folgende Zeilen in ein Terminal ein:

$ sudo add-apt-repository ppa:hotot-team
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install hotot

Fedora hat Hotot bereits ins eigene Repository integriert. So genügt ein simples yum install hotot. Wie Sie das Programm unter anderen Distributionen ins System integrieren, verrät die die Anleitung des Projekts [5].

Möchten Sie den Twitter-Client direkt aus den Quellen nutzen, benötigen Sie zum Herunterladen der Sourcen die Tools des Versionkontrollsystems Mercurial, die aber jeder gängigen Distribution beiliegen. Mit folgender Zeile laden Sie den Quelltext herunter:

$ hg clone https://code.google.com/p/hotot/ hotot

Prüfen Sie, ob die Pakete python-webkit, python-notify, python-keybinder und python-distutils-extra installiert sind. Wechseln Sie ins Arbeitsverzeichnis und starten Sie das Programm mittels ./hotot/hotot.py. Bei Gefallen installieren Sie die Software über ./install.

Auch bei Choqok haben es die Benutzer von Ubuntu und deren Derivaten am leichtesten. Diese geben in Ihrem Terminal die folgenden Zeilen ein:

$ sudo add-apt-repository ppa:adilson/experimental
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install choqok

Das bringt Choqok in der aktuellen Version 1.1 auf die Festplatte. Ähnlich einfach installieren Nutzer von OpenSuse und Gentoo den persischen Spatzen; alle anderen laden den Quelltext [2] herunter, packen ihn aus und machen sich ans Kompilieren:

$ cmake -DCMAKE_INSTALL_PREFIX=`kde4-config --prefix`
$ make
$ sudo make install

Stellen Sie vorab sicher, dass die KDE-Entwickler-Pakete (Ubuntu: kdelibs5-dev), sowie die Entwicklerpakete zu QJson (Ubuntu: libqjson-dev), QOauth (Ubuntu: libqoauth-dev) und Gettext installiert sind.

Derzeit visiert Hotot mit der Programmversion 0.9.6 straff die 1.0 an, was in Entwicklerkreisen bedeutet, dass die Software nun erst einmal alles an Bord hat, was für eine erste stabile Version geplant war.

Neben seiner Hauptaufgabe, als Schnittstelle zum Twitter-Dienst auf Linux-Maschinen zu fungieren, unterstützt Hotot den Microblogging-Dienst Identi.ca [3]. Allerdings verwirrt das Programm mit zwei unterschiedlichen Layouts – je nachdem, welche Installation Sie wählen: Nach dem Einspielen aus dem Ubuntu-Repository (Abbildung 1) lieferte ein Blick auf die Version aus den Python-Quellen (Abbildung 2), dass diese die Menüleiste unten platziert und einige anders gestaltete Farb- und Icon-Layouts aufweist. Beide Programmversionen tragen jedoch die Nummer 0.9.6. Der Artikel bezieht sich auf die leichter zu installierende Version aus dem Paketmanagement.

Abbildung 1: Die vorpaketierte Version von Hotot weist Unterschiede gegenüber der…
Abbildung 2: …einer aus den Quellen kompilierten auf, wie zum Beispiel unterschiedliche Farb- und Icon-Layouts.

Nach erfolgreicher Installation nistet sich beim erstem Start ein Symbol mit einem Antennenmännchen mit blauer Schale in Ihre Menüleiste ein, was einen Hintergrundmodus ermöglicht. Über neu eingetroffene Tweets informiert eine kleine Textbox.

Zuerst erwartet Twitter jedoch die Authentifikation der Software gegenüber dem Dienst. Im ersten Dialog (Abbildung 3) geben Sie den Namen Ihres Accounts ein, worauf die Software ein Passwort erwartet und als zusätzliche Bestätigung eine PIN einblendet. Diese geben Sie im nächsten Fenster in das entsprechende Feld ein und betätigen den Schalter Click Me to Continue (Abbildung 4). Von da an ist Hotot als von Ihnen benutzter Client bei Twitter registriert.

Abbildung 3: Twitter erwartet zum Autorisieren des Hotot-Clients Ihr Passwort …
Abbildung 4: …und blendet dann eine PIN ein, die Sie im nächsten Dialog eintragen.

Sie erreichen die Menüpunkte über reiterähnliche Elemente. Ein Klick auf ein Symbol verschiebt den kleinen weißen Pfeil darunter. Um einfach nur eine neue Nachricht in die Welt hinauszuzwitschern, klicken sie auf die Sprechblase mit dem Pluszeichen, schreiben drauf los und senden mit einem Klick auf den Schalter Update.

Standardmäßig öffnet sich das Timeline-Fenster mit allen abonnierten Tweets. Die restlichen Menüpunkte schalten um zum Nachrichtenfenster, zu den erhaltenen Antworten (Mentions) und den Retweets. Der Schalter By Others sammelt die Retweets Ihrer Freunde. By Me zeigt an, was Sie selbst von anderen Personen für wichtig genug hielten, um es weiter zu verbreiten.

Klicken Sie auf das weiße Ei auf blauem Hintergrund, um zum persönlichen Profil zu gelangen. Selbsterklärend erhalten Sie hier Auskunft, wem Sie folgen und wer Ihnen folgt. Ihre eigenen Tweets finden Sie hier genauso, wie Ihre Antworten auf Kommentare.

Unabhängig davon, um welche Art Tweet es sich handelt, erscheinen bei Anfahren mit dem Mauszeiger kleine Symbole, mit denen Sie auf die Nachricht antworten, diese als Favorit markieren oder weiterschicken. Über das kleine Pulldown-Menü senden Sie eine persönliche Nachricht an den Twitterer, oder Hotot übersetzt für sie einen englischsprachigen Tweet.

Dies geschieht über das Plugin Hotot Translate. Das setzt allerdings voraus, dass Sie die Software auf Ihre Muttersprache umstellen. Klicken Sie auf das kleine Symbol mit dem behelmten Männchen, und wählen Sie aus dem Pulldown-Menü den Punkt Extensions aus. Scrollen Sie weiter nach unten bis zur Erweiterung Hotot Translate und wählen Sie den Schalter Options. Das folgende Menü besitzt nur eine Auswahlmöglichkeit: die Muttersprache.

Neben diesem nützlichen Add-on bietet Hotot weitere Plugins zum Hochladen für Bilder und den Zugriff auf andere Webdienste, wie Youtube oder Google Maps. Darüber hinaus besitzt das Programm eine Suchfunktion: Über das Lupensymbol durchstöbern Sie Twitter nach Begriffen in Tweets oder suchen nach bestimmten Personen. Fahren Sie mit der Maus über einen Personen-Eintrag, erscheint ein Symbol mit einem Pluszeichen. Mit einem Klick darauf folgen Sie dem Vögelchen, bis Sie in Ihrem Profil unter Friends zu eifrige Plaudertaschen wieder entfernen.

Choqok

In einem Land wie dem Iran verbreiten sich viele Nachrichten ausschließlich über die diversen sozialen Netzwerke. So verwundert es kaum, dass zwei iranische Programmierer den Microblogging-Client Choqok [2] für den von ihnen bevorzugten KDE-Desktop entwickelt haben. Das persische Wort "Choqok" heißt einfach nur Spatz oder Sperling, und lehnt sich so an die Metapher vom Zwitschern an. Neben dem Twitter-Dienst selbst unterstützt das Programm den auf der freien Software Status.net basierenden Microblogging-Dienst Identi.ca.

Wie bei Hotot gilt es auch bei diesem Tool, sich erst einmal bei Twitter für den Einsatz zu autorisieren. Dabei gehen Sie ähnlich wie oben beschrieben vor und geben den von Twitter erhaltenen PIN-Code ein. Nach erfolgreichem Anmelden empfängt Sie ein ähnlicher Programmaufbau wie bei Hotot (Abbildung 5). Ein Symbol mit einem grünen Spatzen nistet sich nicht nur unter KDE, sondern auch unter Gnome in die Menüleiste ein und gewährt den Zugriff auf die im Hintergrund laufende Software (Abbildung 6).

Abbildung 5: Auch Choqok setzt auf ein Layout mit Reitern, nutzt aber die KDE-eigene Optik und Haptik.
Abbildung 6: Beide Programme nutzen für den Hintergrundmodus kleine Symbole in der Menüleiste.

Choqok stellen Sie bei Bedarf über den Menüpunkt Help | Switch Application Language auf Deutsch um, wenn auch nur teilweise. Die Timeline bezeichnet Choqok intern als Home und schenkt diesem Reiter auch ein Ordnersymbol. Für ein sofortiges Update dieser Tweet-Liste drücken Sie [F5]. Die Reiter Inbox und Outbox beziehen sich auf Ihre privaten Nachrichten. Um Retweets und Favoriten anzuzeigen, sind einige Klicks mehr notwendig.

Dazu wählen Sie in der Menüleiste den Punkt Settings | Configure Choqok. Hier klicken Sie auf Accounts und markieren Ihren Alias. Betätigen Sie nun auf der rechten Seite den Schalter Modify ... und wählen Sie den Reiter Timelines Configuration. Hier aktivieren Sie noch die Kästchen 5 und 6.

Ein Unterteilen der Retweets wie unter Hotot fehlt bei Choqok derzeit ebenso wie eine übersichtliche Anzeige des eigenen Profils mit den persönlich verfassten Tweets und deren Antworten. Hier gilt es, diese aus der Timeline herauszufischen, in dem Sie die Funktionen Nach Autoren filtern und Nach Inhalten filtern aktivieren. Am unteren Rand des Programmfensters erhalten Sie ein entsprechendes Eingabefeld.

Choqok unterstützt definierte Reaktionen auf einen Eintrag. Finden Sie aber beispielsweise über die Suchfunktion ([Strg]+[F]) einen interessanten Twitterer, dem Sie zu folgen gedenken, bekommen Sie vom Server trotz angeblich erfolgreichem Anmeldens eine Fehlermeldung (Abbildung 7). Auch ein wiederholtes Anmelden bei Twitter brachte im Test zunächst keinen Erfolg. Nach einiger Zeit zwitscherten dann aber trotzdem die Meldungen herein.

Abbildung 7: Der Server-Fehler über ein fehlgeschlagenes Anmelden bei Twitter-verwirrt, denn die Nachrichten des gewünschten Teilnehmers tauchen später in der Timeline auf.

Genauso ärgert das Fehlen einer Cancel-Taste, um eine begonnenen Antwort zu verwerfen. Die Nachricht bleibt nach einem Neustart mit Adressaten im Textfenster kleben, bis Sie sie per Hand über [Rückschritt] löschen. Insgesamt wirkt das Bedienkonzept von Choqok etwas ungelenk und rechtfertigt eigentlich nicht die Programmversion 1.1.

Auch Choqok verfügt über eine Schnittstelle für Plugins, mit deren Hilfe Sie zum Beispiel Fotos hochladen oder auf die Videodienste Youtube und Vimeo verweisen. Das und die gute Integration in KDE trösten über einige der Ungereimtheiten hinweg.

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