Fazit

Haben Sie sich erst einmal mit der etwas überladen wirkenden Oberfläche angefreundet, erstellten Sie mit Lazarus einen plattformübergreifenden Taschenrechner in wenigen Minuten. In dieser Zeit leiten Nutzer einer herkömmlichen Entwicklungsumgebung gerade mal die Klassen für die Schaltflächen ab. Beim Einstieg hilft das gut bestückte und teilweise eingedeutschte Wiki [3]. Anfänger sollten dort vor allem einen Blick in die Tutorials werfen.

Der Umstieg von Delphi gelingt relativ einfach, wenngleich Sie um eine manuelle Nachbearbeitung nicht herumkommen. Als Lohn winkt jedoch eine Object-Pascal-Anwendung, die sich für alle großen Betriebssysteme übersetzen lässt.

Auch nach über zehn Jahren läuft die Entwicklung an Lazarus und der LCL auf vollen Touren. Während andere Programme in dieser Zeit schon mehrere Versionsnummern verschlissen hätten, muss die Entwicklungsumgebung immer noch mit einer vorausgehenden Null auskommen – zum Redaktionsschluss aktuell war die Version 0.9.30. Davon sollten Sie sich aber nicht abschrecken lassen: Lazarus läuft schon jetzt stabil und stellt zusammen mit Free Pascal einen ernstzunehmenden Konkurrenten für das altehrwürdige Delphi. 

Zeitreise

Ausgehend von Algol 60 entwickelte Niklaus Wirth Anfang der 70er Jahre die strukturierte und vorwiegend für Ausbildungszwecke gedachte Programmiersprache Pascal. Vor allem in den 80er Jahren fand sie – nicht zuletzt durch die günstige Entwicklungsumgebung Turbo Pascal von Borland – eine weite Verbreitung. Durch den Erfolg angestachelt, erweiterte Borland sowohl den Funktionsumfang des Pakets als auch die Sprache selbst. So stülpte man ihr Ende der 80er Jahre objektorientierte Konzepte über und nannte das Ergebnis Object Pascal.

Mitte der 90er Jahre führte Borland eine von Grund auf neu geschriebene Entwicklungsumgebung namens Delphi ein. Mit ihr konnte man die Benutzeroberflächen von Object-Pascal-Programmen komfortabel und schnell wie auf einem Zeichenbrett entwerfen. Als grundlegende GUI-Bibliothek diente dabei die Visual Component Library, kurz VCL. Sie war genau wie Delphi vollständig auf Windows zugeschnitten. Den wachsenden Linux-Markt wollte Borland 2001 mit Kylix erobern. Dahinter verbarg sich eine per Wine emulierte Delphi-Oberfläche, die zusammen mit der stark an VCL angelehnten GUI-Bibliothek CLX (für "Component Library for Cross Platform Development") native grafische Linux-Programme produzieren konnte. Heute wird Delphi von Embarcadero Technologies weiterentwickelt und vertrieben, Kylix entfiel mangels Erfolg wieder aus dem Programm.

Unzufrieden mit dem Vorgehen von Borland begann der Student Paul Klämpfl bereits Anfang der 90er Jahre die Arbeit an einem freien Compiler. Vor allem die Kompatibilität zu Turbo Pascal und Delphi sowie die einfache Portierbarkeit machten Free Pascal schnell zu einem der beliebtesten, freien Pascal-Compiler. Allein eine Delphi-ähnliche, visuelle Entwicklungsumgebung fehlte. Abhilfe wollte zunächst das Projekt Megido schaffen, das jedoch 1999 unterging. Aus den Trümmern entstand das Projekt Lazarus – daher auch der biblische Name.

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