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Rettungszentrale

Datenrettung für Linux und Windows

21.07.2011
Das Trinity Rescue Kit orientiert sich an den praktischen Bedürfnissen des Admin-Alltags und integriert alle wichtigen Werkzeuge zur Wartung und Rettung von Linux- und Windows-PCs.

In gemischten Linux- und Windows-Netzen braucht man bei Störfällen eine stattliche Anzahl verschiedener Programme, um Fehlerursachen zu lokalisieren und verlorene oder beschädigte Daten zu rekonstruieren. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Plattformen, sondern auch an der Vielzahl von Anwendungen, die sich im Lauf der Jahre in einem Heimnetzwerk oder auch einer Büroumgebung ansammeln. Die schnellen Innovationszyklen bei der Hardware tun das ihre, um die Situation noch unübersichtlicher zu machen.

Für Entspannung bei der Wartung sorgt da die Live-Distribution Trinity Rescue Kit (TRK): Sie versteht sich nicht nur mit Linux bestens, sondern hilft auch bei Problemen mit anderen Betriebssystemen. Sie erhalten TRK als rund 135 MByte großes ISO-Image  [1] für eine Live-CD. Alternativ lässt sich auch ein USB-Stick als Live-Medium nutzen. Allerdings weisen viele ältere Personal Computer zwar USB-Anschlüsse auf, können von diesen jedoch nicht booten. Insofern bietet die Live-CD universellere Einsatzmöglichkeiten.

Das hauptsächlich auf Mandriva basierende Trinity Rescue Kit lenkt nicht mit grafischen Gimmicks vom eigentlichen Einsatzzweck ab, sondern kommt mit einem auf den ersten Blick anachronistisch wirkenden Textbildschirm daher. Unter der Haube versieht jedoch bei der neuen TRK-Version 3.4 ein aktueller Kernel 2.6.35 seinen Dienst, der auch mit neuerer Hardware bestens harmoniert. Auf der Homepage der Distribution findet sich auch eine ausführliche Dokumentation aller Features [2].

Rahmenhandlung

Schon der Bootvorgang des Trinity Rescue Kit fällt völlig aus dem Rahmen: Mit nicht weniger als 22 verschiedenen Startoptionen, die Grub auflistet, finden sich spezialisierte Konfigurationen für die unterschiedlichsten Anwendungsszenarien.

Von diesen Bootoptionen sind einige dafür gedacht, das System auch auf Rechnern mit eher ungewöhnlicher Hardware problemlos einsetzen zu können: Falls Sie beispielsweise in einem Computer SCSI-Hostadapter mit den entsprechenden Festplatten betreiben und beim Start Kompatibilitätsprobleme auftreten, helfen Sie durch Auswahl der Bootoption Try more SCSI drivers (when disks not detected) diesem Übel ab. Auch bei einer versehentlichen Fehlkonfiguration der PCI-Geräte oder beim Einsatz exotischer Netzwerkkarten und USB-WLAN-Sticks lässt Sie das System nicht im Regen stehen.

Für alte Computer mit langsamen optischen Laufwerken besteht zudem die Option, das komplette System aus dem Arbeitsspeicher ablaufen zu lassen. Sofern Sie weniger ausgereifte Betriebssysteme als Linux nutzen, empfiehlt sich bei Unregelmäßigkeiten womöglich zunächst ein Virenscan, den TRK ebenfalls anbietet. Bei Auswahl des Vorgabemodus startet TRK sehr flott in sehr schlichten Textbildschirm, der lediglich über ein umfangreiches Optionsmenü verfügt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Technisch hui – optisch pfui: Das Hauptmenü des Trinity Rescue Kit.

Beim Durchsehen der Menüpunkte fällt sofort auf, dass sich TRK bestens dazu eignet, die alltäglichen Nöte und Probleme von Windows-Nutzern zu entschärfen: Hat Windows wieder einmal zu viel Ballast angesammelt und bremst daher den kompletten Rechner merklich aus, verbannen Sie beispielsweise den unnützen Datenmüll durch Auswahl der Option Windows junkfile cleaning von der Festplatte. Hat sich ein Anwender selbst ausgesperrt, wählen Sie dagegen den Eintrag Windows password resetting.

Ungeziefer beseitigen

Besteht der Verdacht, dass Viren, Trojaner oder Würmer ihr übles Spiel mit einem Computer treiben, dann gehen Sie durch Auswahl des Menüpunkts Virus scanning der Angelegenheit auf den Grund. Das Trinity Rescue Kit prüft dabei die betroffenen Datenträger mit fünf unterschiedlichen Virenscannern.

Damit die Suche nach Schadsoftware im System möglichst zuverlässig verläuft, lädt TRK dabei für jeden der genutzten Virenscanner zunächst über das Netz die aktuellen Updates und Virensignaturen. Ein schneller Internetzugang stellt also die Voraussetzung für die umfassende Funktionalität von TRK dar. Einziges Manko dieser ansonsten cleveren Prozedur: Die Nutzung des Avast-Virenscanners erfordert einen gültigen (jedoch gegen Registrierung kostenlos erhältlichen) Lizenzschlüssel (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das TRK beseitigt auch Schadsoftware für andere Betriebssysteme.

Doch auch dann, wenn Linux-Clients im Verdacht stehen, von Rootkits kompromittiert zu sein, hilft TRK weiter. Mit Rkhunter und Chkrootkit gibt es für das freie Betriebssystem zwei Scanner gibt, die diese Schädlinge zuverlässig ausfindig machen.

Das Trinity Rescue Kit stellt für die relativ selten auftretende Bedrohung keinen eigenen Menüpunkt bereit, sondern erlaubt das Scannen der Datenträger von der Konsole aus. Da die Distribution neben dem Menübildschirm weitere fünf Konsolen zur Verfügung stellt, die Sie über die Tastenkombinationen [Alt]+[F2] bis [Alt]+[F6] erreichen, können Sie mehrere Befehle simultan ausführen. Die Rootkit-Scanner starten Sie dabei mit Eingabe der Befehle chkrootkit beziehungsweise rkhunter -c -sk. Beide überprüfen die eingehängten Laufwerke ohne weitere Interaktion auf bekannte Schädlinge hin.

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