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© BeverlyLR, sxc.hu

Nicht nur Dekoration

Tablet-PCs mit den richtigen Programmen voll ausreizen

27.05.2011
Mit der richtigen Software verwandeln Sie den Stift eines Convertibles von bloßer Dekoration in ein nützliches und effektives Werkzeug.

Tablet- oder Convertible-PCs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, benötigen jedoch spezielle Software, um die technischen Besonderheiten voll auszunutzen. Im Lieferumfang herkömmlicher Betriebssysteme finden sich in der Regel keine für die mobilen Computer mit Stiftbedienung ausgelegen Applikationen. Unter Linux dagegen gibt es gleich mehrere Softwarepakete für Convertible-PCs. Sie erlauben, die spezielle Technik richtig auszureizen.

Digitaler Schreibblock

Das Gtk-basierte Xournal stellt einen digitalen Schreibblock für den Desktop bereit. Die Software liegt in den Repositories aller gängigen Distributionen, sodass Sie sie komfortabel über den Paketmanager auf die Festplatte holen. Dabei legt das Setup unter Gnome im Menü Anwendungen | Büroprogramme einen entsprechenden Starter an.

Ein Klick auf den Eintrag öffnet das Programmfenster mit einer zweizeiligen Schalterleiste im oberen Bereich sowie einer darüber befindlichen, recht umfangreichen Menüleiste. Die Hauptfläche zeigt einen linierten Schreibblock.

Die Schalterleiste erlaubt es, unterschiedliche Schriftstärken oder Farben für die Notizen einzustellen. Alternativ zum Stift nutzen Sie einen Pinsel als Eingabegerät. Obendrein bietet Xournal die Möglichkeit, durch einen Klick auf die Schaltfläche T Text via Tastatur einzugeben. Dabei gestattet die Software wiederum, den Text mit unterschiedlicher Schrift und Schriftattributen auszustatten. Eine Löschfunktion sowie ein Radiergummi runden den Funktionsumfang ab (Abbildung 1).

Abbildung 1: Xournal wirkt auf den ersten Blick wie ein elektronischer Schreibblock.

Über die genannten Zeichenfunktionen hinaus bietet Xournal die Möglichkeit, Freihandzeichnungen geometrischer Figuren exakt auf das Papier zu bringen. Zu diesem Zweck verfügt die Software über eine Funktion zum Erkennen von Formen, die Sie über die Schaltfläche Shape Recognizer erreichen. Haben Sie diese aktiviert und zeichnen ein Rechteck, Quadrat oder einen Kreis, so erkennt Xournal die Figur und begradigt jeweils die Linien beziehungsweise gestaltet den Kreis zirkelrund.

Möchten Sie mehrere Figuren übereinander zeichnen, setzen Sie dazu Ebenen ein. Dabei legen Sie ähnlich wie bei einer Software zum Bearbeiten von Bildern die neuen Layer über die vorhandenen Ebenen. Eine zusätzliche Ebene fügen Sie über Journal | New Layer ein – das ändert nichts an der ursprünglichen Zeichnung. Möchten sie einen Layer wieder entfernen, wählen Sie Journal | Delete Layer (Abbildung 2).

Abbildung 2: Durch ein Ebenekonzept ermöglicht es Xournal, sich überlagernde Objekte zu zeichnen und gleichzeitig die einzelnen Bestandteile zu erhalten.

Ein besonderes Schmankerl liefert Xournal in Form einer Im- und Exportfunktion für PDF-Dokumente. Mithilfe des Importdialogs holen Sie beispielsweise Formulare auf den Schirm, die Sie in Form einer PDF-Datei erhalten haben. Sie erreichen den Dialog über File | Annotate PDF. Anschließend haben Sie die Möglichkeit, mithilfe der Zeichen- und Schreibfunktionen, Daten einzutragen. Über File | Export to PDF speichern Sie die Datei erneut ins PDF-Format, wobei die Eintragungen erhalten bleiben (Abbildung 3).

Abbildung 3: Xournal beherrscht den Import von PDF-Dokumenten und ermöglicht es, die Dateien inklusive Anmerkungen wieder im gleichen Format abzuspeichern.

Xvkbd

Manche häufig am heimischen Computer genutzten Programme, wie Browser oder Mailclient, setzen den Einsatz einer Tastatur voraus. Mal gilt es, eine URL einzugeben, mal einen Benutzernamen und ein Passwort. Setzen Sie einen Convertible-PC ein, ermöglicht passende Software dies ohne das im Gerät verbaute Keyboard zu erledigen. Sie benötigen dazu lediglich das kleine Helferlein Xvkbd, das dazu am Bildschirm eine virtuelle Tastatur präsentiert.

Das bereits recht betagtes Programm Xvkbd findet sich in allen gängigen Linux-Distributionen, sodass umständliches Kompilieren des Quellcodes entfällt. Nach der Installation der Software aus den Repositories rufen Sie Xvkbd über das Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) auf, da die Applikation zunächst nicht in einem der Anwendungsmenüs auftaucht: Einen entsprechenden Menüeintrag müssen Sie bei Bedarf manuell einfügen.

Nach dem Start präsentiert sich Xvkbd in einem sehr rustikal wirkenden Fenster mit einer Tastatur im US-Layout. Durch einen Klick auf Focus unten rechts im primären Tastenblock schalten Sie die Eingabe ein. Der Cursor verwandelt sich dann in ein kleines Kreuz. Mit diesem klicken Sie im Zielprogramm an die entsprechende Stelle und geben die gewünschten Zeichen ein (Abbildung 4).

Abbildung 4: Dank Xvkdb nutzen Sie Browser und Mailclient mit Tastureingaben, ohne ein Convertible zurück in einen Laptop zu verwandeln.

Achten Sie darauf, nach der Zeicheneingabe den Cursor von der virtuellen Tastatur zu entfernen oder erneut die Focus-Taste zu betätigen, da Xvkbd eine Wiederholfunktion mitbringt. Die Taste, über der sich gerade der Cursor befindet, gibt es bei längerem Verweilen rhythmisch wiederholt ein, ähnlich wie eine länger gedrückt gehaltene Taste auf einem realen Keyboard. Solche ungewollt eingegebenen Zeichen löschen Sie durch Betätigen der Backspace-Taste in Xvkbd wieder.

Störend wirken sich bei Xvkbd für deutschsprachige Anwender auch das US-amerikanische QUERTY-Layout und die vertauschte Positionierung der Feststell- und [Strg]-Tasten aus. Eine lokalisierte Belegung stellen Sie her, indem Sie in der Datei ~/.Xdefaults folgenden String eintragen:

xvkbd.customization: -german

Die Software bietet zudem die Möglichkeit, über Xressource-Einträge unerwünschte Tasten aus dem Layout zu entfernen oder ein sehr kleines Layout für Bildschirme mit geringer Diagonale zu laden [1].

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