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© Sean Nel, 123rf.com

Mehr Platz

So tickt Ubuntus neuer Desktop

22.06.2011 Ubuntus neuer Desktop Unity sieht nicht nur gut aus, sondern nutzt auch den Platz auf dem Bildschirm intelligent. Zudem beschleunigen clevere Shortcuts die tägliche Arbeit.

Bereits vor seiner endgültigen Einführung hat Unity ziemlichen Staub aufgewirbelt. Einige der Vorwürfe an Ubuntus neuen Desktop sind sicher berechtigt, über andere lässt sich diskutieren – so etwa über die Frage nach den Hardware-Anforderungen. Um vernünftig zu laufen, braucht Unity eine funktionierende 3-D-Beschleunigung. Es kooperiert dazu mit fast allen Grafikchips der letzten fünf Jahre, was durchaus noch vertretbar wäre. Andererseit zwingt es den Anwender aber in fast allen Fällen zum Einsatz proprietärer Treiber, mit den freien Grafiktreibern kommt es nur im Ausnahmefall zurecht.

Während Neueinsteiger aber meist schnell akzeptieren, was sie vorfinden, warten die meisten Probleme im Umgang mit Unity vermutlich auf Profis und fortgeschrittene Nutzer: Diese haben den klassischen Gnome-Desktop meist unter erheblichem Zeitaufwand an ihre Bedürfnisse angepasst. Nun funktionieren plötzlich bestimmte Tastaturkürzel nicht mehr und fehlen einzelne Elemente und Features, während sich andere nicht ändern lassen.

Lückenhaft?

So sahen es jedenfalls viele Early Adopters, die Unity bereits im Vorfeld ausprobierten und dann sehr schnell ablehnten. Kein Wunder: Der Desktop fiel anfangs durch permanente Abstürze und langsame Reaktionszeiten auf. Beliebte Tastenkombinationen wie [Alt]+[F2] funktionierten nicht, einige Dateien und Programme ließen sich über das Dash (siehe Abschnitt "Klebstoff") nicht aufrufen, zudem fehlte dort eine wie auch immer geartete Kategorisierung.

Mittlerweile haben die Entwickler auf fast alle Kritikpunkte reagiert, ein paar Verhaltensauffälligkeiten des Desktops gibt es aber noch immer. Diese Liste ist sicherlich subjektiv gefärbt, dennoch dürften die folgenden Details im Alltagsbetrieb für Verwirrung sorgen.

Zunächst fehlen die Gnome-Applets. Dabei handelt es sich um die nützlichen Hilfsanwendungen für das Panel. Wer also über einen Systemmonitor die CPU- und Netzwerkauslastung im Auge behält, muss sich nach einer neuen Lösung umschauen (etwa Gkrellm oder Conky). Auch Zeichenpaletten und Wörterbücher ließen sich zuvor wunderbar in das Panel integrieren. Die Applets kommen vermutlich auch nicht nachträglich zurück, weil das globale Menü nun ihren Platz besetzt – Kollisionen wären die Folge.

Voll im Bild

Unter Unity arbeiten Sie quasi stets im Vollbildmodus, die Menüs der meisten Anwendungen tauchen dabei ganz oben im Panel auf. Das bleibt unglücklicherweise auch so, wenn Sie die Fenster verkleinern. Um die Menüpunkte aufzurufen, müssen Sie die Maus auf das Panel bewegen, was anfangs verwirrt. Wollen Sie zum Beispiel die Einstellungen eines Programms aufrufen, schauen Sie zuerst in dem verkleinerten Fenster nach dem Menü und ziehen vielleicht sogar die Maus dorthin. Dann fällt Ihnen ein, dass das Menü sich ja im Panel befindet – dort ist es aber (noch) nicht zu sehen. Erst wenn Sie den Mauszeiger über das Panel schubsen, erscheinen die Menüpunkte. Apple-Nutzer kennen das nicht anders, eingefleischte Linux- und Windows-Nutzer müssen sich daran erst gewöhnen.

Auch Freunde des Systembereichs enttäuscht Unity: Nur noch wenige Anwendungen (etwa Skype, Java-Anwendungen, Mumble) landen dort (Abbildung 1). Das lässt sich jedoch ändern, indem Sie eine Whitelist ergänzen (siehe Kasten "Whitelist"). Beim Unity-Starter – dem Panel auf der linken Seite – ist das schon schwieriger. Über den CompizConfig Einstellungs-Manager verkleinern Sie die Icons des Starters und so die komplette Leiste. Der Starter lässt sich allerdings nicht auf eine andere Stelle verpflanzen, weil Mark Shuttleworth ihn nahe beim Ubuntu-Logo links oben halten will [1]. Vermutlich gibt es bald einen Hack für Fans anderer Lösungen – Shuttleworth hat prinzipiell nichts dagegen, will aber keine Entwickler darauf ansetzen.

Abbildung 1: Für einige Anwendungen, zu denen Skype gehört, gibt es in Unity noch ein Icon im Systembereich. Sie erweitern die Liste aber problemlos um eigene Programme.

Neben seinen Schwächen bringt der Desktop aber auch zahlreiche handfeste Vorteile mit. Vor allem die Tastaturkürzel funktionieren mittlerweile eindrucksvoll. Wer sie erlernt, kann seinen Arbeitsprozess im Vergleich mit dem klassischen Gnome deutlich beschleunigen.

Whitelist

Über den Befehl gsettings, den Sie in ein Terminal eintippen ([Strg]+[Alt]+[T]), schalten Sie den Systembereich für einzelne Anwendungen frei (Listing 1). Ergänzen Sie die eckigen Klammern zum Beispiel um ,'Opera'.

Listing 1

gsettings set com.canonical.Unity.Panel systray-whitelist "['JavaEmbeddedFrame', 'Wine','Skype','Dropbox']"
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Kommentare
Was für ein Mist
Linuxtal (unangemeldet), Freitag, 01. Juli 2011 18:42:52
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Hallo,

Sorry, das ich dies mal über Ubuntu schreiben muss, aber ich habe selten einen größeren Mist gesehen als diese unfertige und grässliche und unbenutzbare Oberfläche.

Weiter so (auch mit gnome3) und Gnome und Ubuntu werden auf meinen PC´s keinen Plaz mehr finden.

Es kann einer sagen was er will, aber für einen jahrelangen Gnomebenutzer und einer mit mehr als einem Bildschirm geht sowas überhaupt nicht.

Auch möchte ich wissen was auf meinen System gerade los ist und das in der oberen Titelzeile.

Aber diese Menüs welche immer oben Links sich öffnen und auch noch gelinde gesagt scheisse aussehen nein, mit sowas kann und will ich mich nicht anfreunden.

Vergessen hatte ich noch das Abtrennen der Menüs und das Verfrachten nach oben, bei Apple geht es scheinbar nicht anders, aber das ist das allerletze. Frage mich was man sich dabei gedacht hat.

Oder sind jetzt Benutzer mit mehr als einem laufenden Programm überfordert?

m.f.g.
Carl-Heinz






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Einheitsbrei hat noch nie glücklich gemacht
lunetic (unangemeldet), Samstag, 25. Juni 2011 17:20:44
Ein/Ausklappen

Unity sollte der Einheitsbrei für den Desktop werden.
Funktioniert aber nicht, denn die Bedürfnisse der Anwender sind so unterschiedlich wie die Geräte, auf denen der Desktop laufen soll.
Für ein Tablett oder ein Winzbook gerade noch so geeignet (in der übernächsten Version vielleicht auch zum produktiven Arbeiten), für Desktops oder größere Bildschirme bzw. Mehrschirmanwendungen ein absolutes No-Go.

Nach dem Desaster mit der Umstellung von KDE 3.5 -> KDE 4 (das sieht immer noch aus wie ein iPhone) hab ich jetzt endgültig die Faxen dicke und wechsle von KDE 3.5 auf Xfce oder LXDE.

Wie mein Vorschreibe schon sagte: das Gute an Linux ist, dass es so viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, auch wenn nur wenige die Usability des Windows- oder Mac-Desktops je erreichen werden.

So muss ich mich NICHT zwangsweise an Gates' START-Menu gewöhnen, von Jobs' Kontroll-Manie drängeln lassen oder an Shuttleworth's idiotischen Ansichten über die Links-Ausrichtung der Fenstersteuerung oder eben Unity ärgern lassen.
Fest steht für mich, Shuttleworth ist kein Kämpfer für die Freie Software oder Freie Meinungsäußerung (sonst könnte man mit einem simplen Klick die Buttons auf die rechte Seite verfrachten oder alles mögliche an Unity selbst einstellen), sondern ganz einfach eine billige Kopie von Gates oder Jobs. Mal sehn, was er noch in der Zaubertüte hat.


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zum Glück
beccon (unangemeldet), Donnerstag, 23. Juni 2011 20:09:29
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*muß* ich mich bei Linux an nichts gewöhnen - es gibt immer Alternativen - Gnome, KDE, XFCE oder KDE

Bei großen Bildschirmen und Rechnern mit zwei Schirmen ist das apfelähnliche Menü oben ein absoluter Spielverderber. Die Steuerknöpfe auf der linken Seite auch (die bekommt man in der gegenwärtigen Version nicht wirklich weg) So etwas sollte konfigurierbar sein. Wenn nicht, stiftet "Unity" mehr Zwietracht als es nützt.

Conrad


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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

Zum Blog von Kristian Kißling →


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