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Licht und Schatten

RAW-Konverter Darktable im Überblick

Fazit

Derzeit gibt es unter Linux keinen RAW-Konverter, der in Bezug auf die Leistungsfähigkeit an Darktable heranreicht. Eine engagierte Entwickler-Crew hat ein Programm geschrieben, das mit kommerziellen Produkten locker mithält. Die Module erlauben schon jetzt mehr, als die meisten Amateure überhaupt brauchen. Eine Fülle von (als Plugins implementierten) Funktionen macht das Programm zu einem der leistungsfähigsten dieser Art, das darüber hinaus noch leicht zu warten und erweitern ist.

Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zwischen Darktable und den meisten anderen RAW-Konvertern: Der Workflow bei Darktable ist fest vorgegeben, anders als beispielsweise bei Ufraw oder Rawtherapee. Diese erlauben es, alle Aktionen in jeder beliebigen Reihenfolge anwenden. Das erschwert aber die Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.

An die etwas spezielle Oberfläche müssen Anwender sich erst gewöhnen, dann geht die Arbeit aber gut von der Hand. Wie so oft bei freien Projekten bleibt die Dokumentation weit hinter dem Code zurück. Da helfen aber die englischsprachigen Videos [5] weiter, um einem ersten Eindruck zu erhalten.

Wichtige Tastenkombinationen

Taste

Funktion

[F11] Vollbildmodus umschalten
[Tabulator] Sidebars zeigen/verstecken
[E] zwischen Leuchttisch- und Dunkelkammer-Modus umschalten
[F7],[F8] Kontrast verringern, erhöhen

Im Leuchttischmodus

[Alt]+[1][4] Zoomen des Bildes
[A],[S],[D],[W] Bewegen im Fenster
Cursor-Tasten Bewegen im Fenster
[1][4] Bewertungen (Sternchen vergeben)
[Strg]+[Rückschritt] Bewertungen entfernen
[F1],[F2],[F3] Farbmarkierungen für Rot/Gelb/Grün umschalten
[Strg]+[G],[Strg]+[Umschalt]+[G] zum Anfang/Ende springen
[Strg]+[A] [Strg]+[Umschalt]+[A] Alles/nichts auswählen
[Strg]+[E] exportiert das aktuelle Bild

im Dunkelkammermodus

[Alt]+[1][3] Zoomt 1:1, passt das Bild vertikal/horizontal ein
[Strg]+[F] schaltet den Filmstreifen (unter der Vorschau) um
[Eingabe] Zuschneiden bestätigen
[Rückschritt] Zuschneiden rückgängig machen

Interview: Darktable-Entwickler Johannes Hanika

LinuxUser: Wie kamen Sie auf die Idee zu Darktable?

Johannes Hanika: In den Weihnachtsferien vor zwei Jahren hatte ich Zeit und saß auf einem großen Stapel Urlaubsfotos im RAW-Format. Tausend Bilder zu verarbeiten, zwang mich in die Shell. Da dachte ich, es wäre doch nicht so schwer, eine schicke grafische Oberfläche zu diesem Zweck zu programmieren – besonders, da die nötigen Technologien bereits in Open Source bereit zu stehen schienen.

LU: Was waren die größten Schwierigkeiten beim Programmieren?

JH: Eigentlich nur, sich die Zeit zu nehmen, alles zusammenzubauen. Ich hatte sehr schnell viel großartige Hilfe aus der ganzen Welt, besonders von Henrik Andersson, der die gesamte Anbindung an Gphoto2 geschrieben hat. Eine nette Anekdote über internationale Hilfe und große Schwierigkeiten ist vielleicht unser fehlgeschlagener Versuch, das GUI automatisch auf verschiedene Übersetzungen anzupassen. Besonders Russisch ist eine sehr ausführliche Sprache. Die beste Version ließ die Seitenpaneele stetig wachsen, bis sie nach ein paar Sekunden den gesamten Leuchttisch verschlangen.

LU: Darktable verfügt über sehr viele Optionen und Möglichkeiten. Welche Zielgruppe haben Sie bei der Arbeit im Auge?

JH: Zunächst Leute wie mich selbst, die schnell viele Urlaubsbilder sortieren und mit mittlerem Qualitätsanspruch entwickeln möchten. Diese Gruppe von Anwendern profitiert vor allem von brauchbaren Voreinstellungen. Mittlerweile haben wir viele – auch professionelle – Benutzer mit hohen Ansprüchen, zum Beispiel an präzise Reproduktion der Farben. Außerdem bietet sich Darktable für die Forschung in Sachen Computergrafik an, da das Programm dank Plugin-Struktur und HDR-Import das Testen eines neuen Algorithmus in der Verarbeitungskette ermöglicht.

LU: Unter Linux läge ja ein direkter Export der Bilder nach Gimp auf der Hand – ist das ein Feature, das Sie unterstützen?

JH: Wir haben viele Varianten davon diskutiert: Ein Gimp-Loopback-Plugin, das Daten an Gimp schickt und zurückholt, um diese in Darktable weiter zu bearbeiten. Oder ein 8-Bit-Duplikat anlegen, das der Anwender dann mit Gimp bearbeitet. Zwei große Probleme bei all diesen Ansätzen war die Tatsache, das Gimp nur 8-Bit-Daten bearbeitet und dass keines der beiden Programme weiß, was das andere getan hat. Diese Fragen lösen sich wohl in Wohlgefallen auf, wenn Gimp einmal vollständig auf GEGL basiert und dann nicht-destruktiv arbeitet.

LU: Wie geht es weiter mit Darktable? Was für Pläne haben Sie für Ihr Projekt?

JH: Wir wollen das Verarbeiten von Bildern beschleunigen, indem wir SSE-Instruktionen auf der CPU benutzen und wenn möglich Arbeit mittels OpenCL auf die GPU auslagern. In einer kommenden Version wird es möglich sein, Metadaten zu editieren und zu exportieren. Außerdem planen wir den Wechsel auf Cmake, was den Build von Mac- und Windows-Versionen einfacher macht. Und natürlich stehen neue und bessere Plugins in der Pipeline. Besonders die langsamen Filter zur Rauschunterdrückung und lokalen Kontrastverstärkung könnten ersetzt werden. Es laufen auch (kontroverse) Diskussionen über den Einsatz von Masken. Einiges davon gibt es auch schon in Git.

LU: Vielen Dank für den Einblick!

Glossar

DNG

Digital Negative. Von Adobe entwickelte Erweiterung des TIFF-Formats, die neben dem Bild selbst auch zahlreiche Metadaten speichert.

XMP

Ein auf dem Ressource Description Framework (RDF) basierender Standard zum Speichern von Metainformationen für Bilddateien.

SSE

Streaming SIMD Extensions (SSE). Erweiterungen, die Intel mit dem Pentium III einführte, und die bei bestimmten Rechenoperationen einen höheren Durchsatz erlauben.

OpenEXR

High-Dynamic-Range-Format, dass die Firma Industrial, Light & Magic für den Einsatz bei Computerbildern entwickelt hat.

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Kommentare
Konkurrenz belebt das Geschäft
Max (unangemeldet), Sonntag, 04. Dezember 2011 20:40:09
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Moin,

als RawTherapee eine Zeit lang nicht recht voran kam und einige Versionen auf meinen Linux-Kisten sich gelegentlich ungeplant verabschiedeten, da kam mir der Gedanke, mich mal bei anderen RAW-Entwicklungstools umzusehen und ...

... ich war sehr überrascht. Es gab viel mehr als RAW Therapee und UF Raw. Und eine große Überraschung dabei war Darktable. Aber das PRogramm erschloss sich mir erst auf den zweiten Blick. Und da stellt sich mir die Frage, warum müssen neue innovative und gute Programme häufig eine andere Benutzerführung wählen? Wären in den Foren nicht so viele Fürsprecher für Darktabel gewesen, ich hätte es mir nicht ein zweites Mal angesehen. Aber das wäre schade gewesen. Mittlerweile habe ich einige Funktionen entdeckt und es mir passend eingerichtet, so dass ich gut und schnell arbeiten kann.

Es ist wirklich mindestens zwei Versuche wert, es kann viel und durch die Plugins sind viele Funktionen enthalten, die gute und schnelle RAW Konvertierung ermöglichen.

Und ich bin ähnlich wie der Entwickler, ich brauche ein Tool, mit dem ich schnell und gut viele RAW-Bilder aus dem Urlaub und von sonstigen Reisen entwickeln kann. Und das kann ich mit Darktable!

Vielen Dank an das Entwicklungsteam.

Seit dieser Zeit wird mein seit Jahren genutztes RAW Therapee kaum noch gestartet. Schade, aber Darktable gefällt mir nun einfach besser.

Hoffentlich geht der Wettstreit weiter, damit beide Programme immer besser werden.

VG Max


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Darktable
Ulf (unangemeldet), Freitag, 01. Juli 2011 09:38:22
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Bin semiprofessioneller Fotograf und Ubuntu Linux User - fast - durch und durch! Verwende allerdings Photoshop in einer virtuellen Windows Maschine. Ich habe mich immer geärgert, dass es unter Linux kein Programm wie Brigde oder Lightroom gab. Habe - fast - alles ausprobiert, fototxx, gthumb, fspot, shotwell und rawtherapee. Rawtherapee kam meinen Wünschen schon entgegen, aber die Installation war etwas sperrig.
Jetzt habe ich darktable, fühle mich wie in Bridge, und kann endlich auch unter Ubuntu meine Fotos schnell, einfach und gut verwalten! Ein RIESENDANKESCHÖN an die Autoren. Hoffentlich wird das Projekt nicht eingestampft!
Mein Fazit: Für alle, die ihre Fotos einfach und schnell verwalten wollen, grundlegende Bearbeitungen durchführen wollen und nicht zwischen X-Programmen hin und her wechseln wollen ist darktable Pflicht.
MfG Ulf


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Link auf lu-Artikel ist fehlerhaft
Michael (unangemeldet), Donnerstag, 23. Juni 2011 15:47:47
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Hallo,

der Link http://darktable.sf.net/lu-artikel-lang.pdf führt leider zu einem "404".


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Re: Link auf lu-Artikel ist fehlerhaft
Christoph Knauer, Freitag, 01. Juli 2011 19:31:37
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Schade - mich hätte der längere Artikel auch interessiert


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