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Linux-Applikationen unter Windows nutzen mit Cygwin

Wo ist Mr. X?

Doch es geht noch weit mehr, denn Cygwin beinhaltet unter dem Namen Cygwin/X [4] eine Implementation des X11-Systems, mit der Sie bei Bedarf einfache grafische Anwendungen direkt unter Windows ausführen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Selbst einfache grafische Programme laufen dank Cygwin/X.

Zugegeben, das Starten alter X-Relikte aus der Frühzeit erscheint nicht besonders spannend. Was den X-Server aber dennoch reizvoll macht: Das Protokoll ist für die Ausgabe über das Netzwerk ausgelegt – und das schnell und ressourcenschonend selbst über schmalbandige Verbindungen. Ein Paradebeispiel dafür bietet das zu Beginn erwähnte X2go [5], das von unterwegs den Zugriff auf den Linux-Desktop ermöglicht.

Zudem eignet sich X2go ideal zum Verwalten virtueller Maschinen auf einem Server im Rechenzentrum (Abbildung 8). Zwar erlauben die meisten Virtualisierungslösungen die Administration per Kommandozeile. Doch bei Problemen mit der virtuellen Maschine, etwa bei einer falsch konfigurierten Netzwerkbrücke, schadet ein Blick auf die Ausgabe nicht. Mit X2go ist das eine Sache von Sekunden – und die Basis, um den Client unter Windows zu betreiben, bietet Cygwin.

Abbildung 8: Sich grafisch mit der virtuellen Maschine im Rechenzentrum verbinden – kein Problem dank X2go und Cygwin.

Fazit

Wie mächtig Cygwin ist, erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick. Durch die Linux-Kompatibilitätsschicht nutzen Sie sowohl bekannte Anwendungen als auch vertraute Befehle und Tools, und als Entwickler portieren Sie damit Ihre Applikationen schnell und einfach auf die andere Plattform.

Die X11-Umgebung schließlich bietet eine Reihe von spannenden Möglichkeiten, wobei die Remote-Sitzung per X2go nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Auf der anderen Seite haben die Entwickler Cygwin nicht konzipiert, um ein komplettes grafisches Linux-System nachzustellen – einige Einschränkungen gibt es da schon. Mit dem Original geht's dann eben doch am besten. 

Der Autor

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist Gründungsmitglied und Mitglied des Steering Committee der Document Foundation. Zuvor war er fast sieben Jahre im Projekt OpenOffice.org aktiv, zuletzt als Marketing Project Lead. Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen.

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Florian Effenberger

Florian Effenberger

Florian Effenberger engagiert sich seit zehn Jahren ehrenamtlich für freie Software. Er ist einer der Gründer und zugleich Vorstandsvorsitzender der The Document Foundation, der gemeinnützigen Stiftung hinter LibreOffice. Neben seiner Tätigkeit im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit schreibt er seit vielen Jahren regelmäßig für zahlreiche deutsche und internationale Fachpublikationen. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist zudem die Konzeption und der Betrieb von Infrastrukturlösungen auf Linux-Basis, insbesondere Web- und Mailserver.


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