Virtuelle Desktops

Gnome 3 vereinfacht nicht nur den Gebrauch virtueller Desktops, sondern nötigt den Anwender mehr oder weniger zum deren Einsatz. Es kommt häufig vor, dass Sie ein Programm laden, es aber gerade nicht brauchen. Ein typisches Beispiel bietet etwa der Mediaplayer Rhythmbox: Einmal gestartet, spielt er im Hintergrund seine Musik ab. Üblicherweise starten Sie das Programm, dann die Musik und minimieren anschließend das Anwendungsfenster. Gnome 3 jedoch verzichtet auf eine Fensterleiste und entfernt daher auch gleich die Schaltflächen zum Maximieren und Minimieren.

Die Entwickler begründen diesen – durchaus umstrittenen – Schritt mit der Tatsache, dass es für das Maximieren von Fenstern auch so genügend Wege gebe – etwa über einen Doppelklick auf die Fensterleiste oder das Ziehen eines Fensters an den oberen Bildschirmrand [3]. Andererseits existiere derzeit kein Desktop-Element, wohin sich die Fenster minimieren ließen, wie ein permanent sichtbares Dock oder eine Fensterliste. Daher würden sie einfach verschwinden, ohne dass der Benutzer erkennen könne, wie sie wieder herzustellen wäre. Deshalb habe man auf beide Knöpfe verzichtet.

Trotzdem ist die Möglichkeit, Fenster zu minimieren, nicht vollständig aus Gnome verschwunden: Zwar gibt es dazu keine Schaltfläche mehr, doch einen Rechtsklick auf die Fensterleiste fördert ein Menü mit einem entsprechenden Eintrag zutage. Über einen Klick auf das Icon im Dock rufen Sie minimierte Fenster wieder auf den Plan.

Letztendlich zwingt das aktuelle Design zum Gebrauch der virtuellen Desktops. Von Gnome 2 kennen Sie vier horizontal angeordnete Desktops, zwischen denen Sie über ein Applet im Panel oder mittels Tastenkombinationen wechseln. Gnome 3 kennt keine feste Anzahl an virtuellen Desktops mehr: Stattdessen ordnen sich die Desktops vertikal an, und bei Bedarf erzeugt die Desktop-Umgebung automatisch einen zusätzlichen leeren Desktop am Ende der Liste.

Am besten nutzen Sie [Strg]+[Alt]+[Pfeil-oben/unten] beziehungsweise [Strg]+[Alt]+[Umschalt]+[Pfeil-oben/unten], um zwischen den virtuellen Desktops zu wechseln oder das aktive Fenster beim Wechsel auf einen anderen Desktop gleich auf diesen zu verschieben (siehe Tabelle "Tastenkombinationen"). Dank der sogenannten Hot-Corner am oberen linken Bildschirmrand braucht es alternativ nur einen Mausklick, um gezielt mithilfe der Maus auf einen virtuellen Desktop zu springen.

Tastenkombinationen

Kombination Funktion
[Super] Wechsel zwischen Aktivitäten und Desktop
[Alt]+[F1] wie [Super]
[Alt]+[F2] Befehl ausführen
[Alt]+[Tab] zwischen Anwendungen wechseln
[Alt]+[Umschalt]+[Tab] zwischen Anwendungen in umgekehrter Reihenfolge wechseln
[Strg]+[Alt]+[Tab] Panel mit der Tastatur bedienen
[Alt]+[^] wechselt zwischen Fenstern der selben Anwendung
[Strg]+[Alt]+[Pfeil-oben/unten] wechselt den virtuellen Desktop
[Strg]+[Alt]+[Umschalt]+[Pfeil-oben] bewegt das aktuellen Fenster auf Desktop nach unten
[Strg]+[Alt]+[Umschalt]+[Pfeil-unten] bewegt das aktuellen Fenster auf Desktop nach unten

Benachrichtigungen

Damit das Arbeiten mit virtuellen Desktops leichter von Händen geht, haben die Entwickler unter anderem auch das Benachrichtigungssystem völlig neu gestaltet. Statt einfach nur Popups in einer Bildschirmecke zu stapeln, gleiten Nachrichten nun von unten in den Bildschirm. Auf diese Weise benachrichtigt Sie zum Beispiel Firefox vom Ende eines Downloads, Rhythmbox vom Wechsel eines Lieds oder Empathy über neue Chats.

Die Benachrichtigungen beschränken sich dabei nicht nur auf die reine Nachricht, sondern bieten die Möglichkeit zur Interaktion. Besonders praktisch erscheint dies zum Beispiel bei Chats in Empathy: Erhalten Sie eine neue Nachricht, so erscheint diese am unteren Bildschirmrand. Sobald Sie mit der Maus darauf fahren, vergrößert sich das Popup automatisch, und Sie sehen die Chat-Historie sowie ein Eingabefeld, über das sie direkt antworten können.

Ähnlich elegant funktioniert das Öffnen von Links aus Anwendungen in einem laufenden Webbrowser. Klicken Sie zum Beispiel im Dokumentenbetrachter Evince oder im Mikroblog-Client Gwibber einen Link an, so öffnet sich dessen Ziel in einem neuen Tab im Browser. Liegt das Browserfenster auf einem anderen Desktop, so zeigt eine Nachricht dies als Ereignis an. Ein Klick auf die Nachricht wechselt dann zum Desktop mit dem Browser.

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