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© Marzok, sxc.hu

Etiketten und Visitenkarten mit Glabels entwerfen und bedrucken

Ausgezeichnet

Ob Marmelade oder Video-DVD – mit dem flexiblen Label-Designer Glabels erhält jeder Gegenstand sein passendes Etikett.

Um das soeben im Schreibwarengeschäft gekaufte Etikettenpaket ordnungsgemäß zu nutzen, brauchen Sie keinen Büro-Boliden wie LibreOffice – das ist ebenso unkomfortabel wie überzogen für diesen speziellen Zweck. Sehr gut bewandert in dem Metier ist Glabels [1], das seit dem 16. Mai 2011 in Version 3.0 vorliegt.

Der Amerikaner Jim Evins entwickelt das Programm seit nunmehr zehn Jahren ohne erwähnenswerte Pause. Daher wartet es mit einer gewissen Reife und Stabilität auf. Seit dem Umzug in den Gnome-Git-Bestand vor eineinhalb Jahren hat sich vor allem die Vollständigkeit und Qualität der Übersetzungen verbessert, aber die finale 3.0 hält noch einiges mehr bereit.

Unter der Haube

Die Version 3.0 gibt sich nicht unbedingt gleich als der letzte Schrei zu erkennen. Das beim Start leere Hauptfenster gleicht demjenigen aus der bisherigen Serie 2.2 wie aus dem Gesicht geschnitten. Doch unter der Haube hat sich einiges bewegt: Glabels setzt nämlich mittlerweile voll und ganz auf die neue Gnome-3-Plattform.

Zahlreiche als veraltet markierte Bibliotheken hat Evins aus der Abhängigkeitsliste entfernt, GTK2 ist nur noch kalter Kaffee. Sie haben nun die Möglichkeit, das Programm vollständig über GConf-Schlüssel zu administrieren. So fügt es sich perfekt in die neue Gnome-Arbeitsumgebung ein. Wer nun mutmaßt, dass die Migration auf die neue Plattform mit Einschränkungen in Bezug auf Funktion und Konfiguration einhergeht, der irrt: Keine bestehende Funktion fiel dem Rotstift zum Opfer.

Nicht alle Neuerungen geschahen jedoch im Verborgen: Neben den Fehlerkorrekturen hielten neue Funktionen Einzug. Zwar mangelt es dem Programm immer noch an vielfältigen Formatierungsoptionen, wie sie eine ausgewachsene Textverarbeitung mitbringt, aber Sie haben nun zum Beispiel die Möglichkeit, Textteile und andere Objekte mit Schatten zu versehen. Das alte und seit langem nicht mehr wirklich gepflegte Barcode-Modul der früheren Versionen haben die Maintainer in die ewigen Jagdgründe geschickt. Stattdessen macht es nun Platz für externe Barcode-Bibliotheken wie Qrencode [2], Zint [3] oder IEC16022 [4].

Eine Möglichkeit zum Erstellen von Seriendokumenten steht schon länger bereit. In der neuen Programmversion hat Evins diese deutlich überarbeitet. Sie erlaubt es nun, bei CSV-Dateien Zeilen anzugeben, die Sie überspringen wollen, so zum Beispiel die Titelzeile. Außer dem CSV-Format stehen derzeit nur die Kontakte von Evolution und vCard-Dateien als mögliche weitere Datenquellen bereit. Aber gerade letztere bindet die Applikation nun praxisgerecht ein. Frühere Versionen erlaubten es lediglich, drei der Angaben aus einer elektronischen Visitenkarte in eine zu druckende Karte einzufügen – diese Schranke ist nun gefallen.

Einige besonders häufig gewünschte Funktionen hielten endlich Einzug, wie zum Beispiel eine Rückgängig/Wiederholen-Routine, die längst überfällig war, oder der Support für ovale Etikettenformen. Letzteres stellt sicher, dass Sie die nächste Obsternte aus eigenem Garten besonders stilecht beschriften können (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit stilecht beschrifteten Etiketten macht Marmelade kochen doppelt Spaß.

Der Vorlagendialog erscheint im neuen Gewand (Abbildung 2) und mit einem logischeren Aufbau. Sobald Sie eine neue Vorlage auswählen, eröffnet sich Ihnen der Zugang zu gewissen Hintergrundinfos: Der Name des Herstellers oder sonstigen Anbieters ist in fast allen Fällen als Link angelegt (Abbildung 3), über den Sie auf die Webseite des Anbieters gelangen. Ebenso präsentiert ein Klick auf die Produktbezeichnung erweiterte Informationen zum jeweiligen Produkt, sofern die Vorlagenbibliothek passende Links enthält.

Abbildung 2: Der neue Auswahldialog erlaubt das Filtern nach Hersteller, Format oder Einsatzgebiet und bereitet das Ergebnis der Suche übersichtlich auf.
Abbildung 3: Links aus dem Vorlagendialog führen zur Hersteller- oder Produktseite.

Seit langem existiert zu Glabels ein ansprechendes und in Deutsch geschriebenes Benutzerhandbuch [5]. Das Gnome-Dokumentationsprojekt deklarierte bereits in den letzten Versionen von Gnome 2 das neue Mallard-Format als das Ziel aller Bemühungen, was sich im neuen Gnome 3 in zahlreichen neuen Dokumentationen niederschlägt. Das Handbuch hat sich inhaltlich zwar nur wenig verändert, die Maintainer haben die Dokumentation aber weiter vervollständigt. Die neue Wiki-ähnliche Layout der Themen (Abbildung 4) ermöglicht eine einfachere Suche nach den gewünschten Informationen.

Abbildung 4: Das Layout des neuen Benutzerhandbuchs erinnert an ein Wiki.

Glabels 3.0 installieren

Noch hält keine Distribution fertige Pakete der aktuellen Glabels-Version bereit, doch über Backport-Kanäle findet neue Software schnell den Weg ins System. Vorerst müssen Sie das Programm jedoch von Hand übersetzen. Ein aktuelles System mit ebenso aktuellem GTK+ vorausgesetzt, gibt sich das Programm hinsichtlich Anforderungen recht genügsam: Neben dem erwähnten GTK+ in der Version 3.0.9 oder neuer benötigen Sie lediglich die Pakete gnome-doc-utils, librsvg und libxml in den jeweils aktuellen Versionen.

Laden Sie das Tar-Archiv [6] herunter und entpacken Sie es. Nach dem üblichen Dreischritt ./configure && make && make install sollte sich in den Menüs der Arbeitsumgebung ein Eintrag namens glabels Etiketten-Designer 3 finden. Das Programm erlaubt das parallele Installieren zu einem Programm der Serie 2.0. Denken Sie jedoch daran, den entpackten Download-Ordner sicher aufzubewahren, um aus diesem mittels make uninstall bei Bedarf die Deinstallation zu starten.

Um alles aus der Software herauszuholen, sollten Sie auf jeden Fall einen Blick auf optionale Bibliotheken werfen. Sind diese nebst den zugehörigen Entwicklerpaketen während der Installation auf dem System vorhanden, erkennt das Setup diese automatisch und bindet sie ein. Das betrifft zum einen das Paket evolution-data-server, mit dessen Hilfe Sie auf die Einträge im Evolution-Adressbuch zugreifen, zum anderen empfiehlt sich der Einsatz einer der oben genannten Barcode-Bibliotheken ([2],[3],[4]).

Marke Eigenbau

Der Label-Designer punktet mit einer recht ansehnlichen Zahl von etwa 400 Etiketten- und Visitenkartenformaten, die sich außerdem noch über etwa 1000 Artikelnummern ähnlicher Produkte verteilen. Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum wie Herma, Geha oder Pearl sind besonders stark und teilweise sogar – wie im Fall von Pearl – mit fast dem kompletten Sortiment vertreten. Sie finden neben typischen Versandetiketten auch standardisierte Fotopapierformate in der Auswahl, dreifach gefaltetes Flyer-Papier oder einfache Ganzseitenvorlagen, mit denen Sie das Programm als reines Designwerkzeug nutzen können.

Und doch kommt es vor, dass der soeben gekaufte Papierbogen eben nicht als Vorlage in der Datenbank steckt. Das stellt keineswegs ein Problem dar, selbst wenn die Suche nach ähnlichen Produkten mit gleichen Abmessungen erfolglos bleibt. Ein Assistent unterstützt Sie dabei, eine eigene Vorlage zu definieren. Diesen öffnen Sie über das Menü Datei | Vorlagen-Designer. Zunächst nicken Sie das Willkommensfenster ab. Im folgenden Dialog gilt es, einen Namen, eine Artikelnummer sowie eine kurze Beschreibung des Produkts einzugeben. In den weiteren Fenstern bestimmen Sie das Papierformat und die Form der einzelnen Objekte auf dem Papierbogen.

Dann jedoch geht es ans Eingemachte: Die Abmessungen und das Layout sind gefragt, wobei es vor allem auf richtiges Messen ankommt (siehe Kasten "Richtig messen"). Falls die Etiketten oder Karten nicht in einem regelmäßigen Raster auf dem Bogen angeordnet sind, ordnen Sie die jeweils zu einem Raster gehörenden Objekte einem Layout zu und definieren für die übrigen Objekte ein weiteres Layout.

Als Beispiel dazu soll hier ein Bogen mit drei CD-Aufkleber dienen: Zwei davon stehen im gleichen Abstand zum linken Rand. Sie gehören zum ersten Raster. Das dritte Etikett, das gar keinen Wert mit den anderen beiden teilt, wandert in ein zweites Layout. Das funktioniert aber derzeit nur, wenn die Objekte an sich gleich ausfallen und nur das Raster sich unterscheidet. Bei verschiedenen Formen (CD-Aufkleber und -Einleger auf einem Bogen) klappt der Trick nicht, hier müssen Sie mehrere Vorlagen festlegen.

Richtig messen

Obwohl die Hersteller zu ihren Produkten meist recht genaue Angaben liefern, lohnt es sich, noch einmal nachzumessen: So gehen Sie unerwünschten Überraschungen aus dem Weg. Gerade bei Bögen mit vielen kleineren Objekten lohnt das, denn in diesem Fall treten inkorrekte Angaben sehr deutlich hervor. Aufeinanderfolgende Etiketten messen Sie am besten als Ganzes und dividieren den Messwert durch die Anzahl. Außerdem sollten Sie die Breite der Ränder dazu addieren und überprüfen, ob sich dabei tatsächlich die Höhe und Breite des Bogens ergibt.

Keinesfalls einfach übergehen sollten Sie im Vorlagenassistenten die Angaben zum horizontalen und vertikalen Überstand. Falls die Etiketten oder Karten auf dem Bogen Zwischenräume aufweisen, ist das keine Verschwendung, sondern ein Segen: So haben Sie die Möglichkeit, einen überdruckbaren Bereich zu definieren, der erstens kleinen Ungenauigkeiten des Druckereinzugs den Schrecken nimmt und zweitens einen professionell wirkenden Randlosdruck überhaupt erst ermöglicht. Ordnen Sie einfach die Hälfte des Zwischenraumes dem Objekt als Überstand zu – so bleiben Sie in jedem Falle auf der sicheren Seite.

Hinter dem in den Abmessungen des Etiketts anzugebenden Wert Rand verbirgt sich kein wirklicher Rand, sondern lediglich eine Hilfslinie, um die Grenzen des Etiketts im Entwurfsfenster deutlich zu machen. Besonders bei kleinen Etiketten empfiehlt es sich, den Vorgabewert von 3,2 Millimeter deutlich zu verringern, da der Rand ansonsten eher stört als nützt.

Falls Sie Ihre Vorlagendatei anderen Benutzern zur Verfügung stellen wollen, senden Sie diese an die Vorlagen-Mailingliste [8]. Bedenken Sie, dass dies einer der wenigen gangbaren Wege für die Entwickler ist, an neue Vorlagen zu kommen – ein Einkauf aller möglichen Produkte verbietet das schmale Projektbudget. Wiederholt fehl schlug der Versuch, von den Herstellern die Daten zu erfragen – die löbliche, aber einzige Ausnahme stellte hier das vorbildlich hilfsbereite deutsche Unternehmen Pearl dar. Eigene Vorlagendateien finden Sie im Ordner ~/.config/libglabels/templates/.

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