Sprachprobleme

Tesseract-gui zeigte zunächst ebenfalls unbefriedigende Ergebnisse. Das Optionsfeld Language im linken unteren Bereich des Einstellungsfensters war trotz korrekt installierter Sprachmodule von Tesseract ausgegraut. Nach eingehender Inspektion des Sachverhalts offenbarte sich ein Fehler im Installationsskript, das die Sprachmodule an einem falschen Ort erwartet: Während das Kommandozeilenprogramm Tesseract seine linguistischen Dateien im Unterverzeichnis /usr/share/tessdata ablegt, erwartet Tesseract-gui die Module im Unterverzeichnis /usr/share/tesseract-ocr/tessdata.

Ohne einen entsprechenden Softlink oder das Kopieren der Sprachdateien in das meist eigens anzulegende Unterverzeichnis /usr/share/tesseract-ocr ist die grafische Oberfläche auf die englische Sprache eingestellt und erbringt daher in allen anderen Idiomen unbrauchbare Ergebnisse. Nach dem Anpassen der Pfade und einem Neuaufruf des Programms ließ sich problemlos die benötigte Sprache einstellen.

Durchwachsenes

Bei mehreren Testläufen überzeugte Tesseract-gui teilweise: Die Software schaffte es nicht, die Bildvorlagen in Frakturschrift unabhängig vom verwendeten Bildformat und trotz eingehendem Bearbeiten sowohl durch Gimp als auch durch die eigenen, in Tesseract-gui integrierten Werkzeuge, den Text in ein brauchbares Ergebnis umzusetzen.

Völlig anders stellte sich die Situation mit einer unscharf vergrößerten Bildvorlage in englischer Sprache dar: Hier erbrachte das Programm herausragende Ergebnisse bei sehr gutem Datendurchsatz trotz fehlender Nachbearbeitung. Eine ebenfalls unbearbeitete deutschsprachige Textseite setzte es mit einer Erkennungsquote von annähernd hundert Prozent gleich im ersten Durchlauf um (Abbildung 3 und Abbildung 4).

Abbildung 3: Eine nur durchschnittliche Vorlage…
Abbildung 4: …erbringt durchaus gute Ergebnisse.

Im Falle dieser Seite zeigte sich zudem, dass ein nachträgliches Bearbeiten der Bilddatei in manchen Fällen negative Folgen hat: In einem zweiten Durchlauf nach erheblichem Schärfen des Bildes und verstärktem Kontrast häuften sich Erkennungsfehler. Weniger positiv fielen dagegen Vorlagen auf, deren Text sich auf zwei oder mehrere Spalten verteilt. Hier ist es unbedingt nötig, mithilfe der Crop-Funktion die Spalten einzeln einzulesen. Dann erbringt Tesseract-gui gute Ergebnisse.

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